Von der Krippe zum Kreuz

Palestine Update Nr. 98 – 21. Dezember 2017

Von der Krippe zum Kreuz

 Er kam nicht auf einen Thron sondern in eine Krippe.

Er lebte nicht als Herrscher sondern als Diener

Er wählte nicht das Imperium sondern das Kreuz.

Er gab nicht gerade nur ein wenig, er gab alles.  (Holley Gerth)

 

Dieses ist die Weihnachtsausgabe von Palestine Update. Das Thema lautet „Von der Krippe zum Kreuz“

Ranjan Solomon, Herausgeber

Gastbeitrag von Aruna Gnanadason, Indien

Oh, kleines Städtchen Bethlehem – so still liegst du vor uns!

Und über deinen tiefen Traum – ziehen die Sterne still dahin.

Mitten in deine Dunkelheit scheinet das ewige Licht,

Hoffnung und Ängste des ganzen Jahrs nimmt diese Nacht hinweg.

(Dieses Gedicht ist freilich Englisch viel schöner als in meiner Übersetzung:

 O little town of Bethlehem. How still we see thee lie!

Above thy deep and dreamless sleep, the silent stars go by;

Yet in the darkness shineth, the everlasting light.

The hopes and fears of all the year, are met in thee tonight!)

 Weihnachten, die Zeit der Reife “aller unserer Hoffnungen und das Ende aller unserer Ängste“ ist bei uns! Das Ereignis der Geburt von Jesus Christus wird für mich lebendig in diesem einfachen Lied, ebenso wie die „kleine Stadt“ Bethlehem, die ich besuchen durfte – der Ort, an dem Jesus geboren wurde. Das Evangelium berichtet, wie Maria, die Mutter Jesu, ihr Kind in einem Stall mitten unter politischen Unruhen und Drohungen des Herodes, des Herrschers in dieser Zeit, gebar. Er konnte die Geburt des „Christuskindes“ natürlich nicht begrüßen, denn in diesem Kind sah man eine politische Bedrohung für die Macht des Herodes, die Macht eines Königs, der von dem mächtigen römischen Imperium gekrönt worden war. Jesus wurde von den drei Magiern, die einem Stern folgten und weite Wege gereist waren, um diesem König ihre Ehrfurcht zu erweisen, „König der Juden“ und „der Gesalbte“ (= der Christus) genannt. Sie legten ihre Geschenke Gold, Weihrauch und Myrrhe vor ihn nieder. – Herodes befahl, alle Kleinkinder in Bethlehem zu töten, um die Bedrohung seiner Herrschaft durch dieses winzige Neugeborene abzuweisen. Josef, dem Vater des Kindes Jesus, fiel die Aufgabe zu, die Flucht von Mutter und Kind aus seinem Herrschaftsbereich nach Ägypten zu organisieren.

Diese Szene erinnert mich an eine Frau, die ich in Palästina traf. Teresa (Name geändert), deren Leben durch den täglichen Kampf unter israelischer Besetzung von Palästina belastet ist. Unter der Belagerung von Bethlehem 2002 ein Spital zu erreichen, war durch die Ausgangsperre eine schreckliche Erfahrung. Während der kurzen Aufhebung der Ausgangsperre hat man sie gerade rechtzeitig ins Spital gebracht. Das notwendige lebensrettende Medikament schien unerreichbar weit weg zu sein. Würde sie das Spital rechtzeitig für die Entbindung erreichen, indem sie auf Schleichwegen die Ausgangsperre umging? Teresa hat ihre Zwillinge sicher entbunden.

Teresa verbringt ihr Leben in einem Hin und Her von quälenden historischen Belastungen. Israel entwickelt einen immer engeren Zugriff auf das Land und die Menschen in Palästina, und das palästinensische Land ist jetzt reduziert auf die Westbank und Gaza – das macht weniger als 22 % des historischen Palästina. Und dass wir nicht vergessen: In Palästina leben in Gaza und in der Westbank 50.000 Christen – davon geschätzt 30.000 in Bethlehem.

Um sich „zu schützen“ vor angenommenen palästinensischen Angriffen hat Israel 2002 eine „Trennungsmauer“ zu bauen angefangen – und damit das Völkerrecht ignoriert. Man sagt vorher, dass nur 13 % der Mauer entlang der Grünen Linie verlaufen werden, die übrigen 87% auf dem Terrain der verbleibenden Westbank. Damit wird gesichert, dass Israel Zugang zum besten Land hat und zu den natürlichen Bodenschätzen Palästinas. Die internationale Gemeinschaft ist still und tut wenig, um diese unilaterale Verbiegung des Völkerrechts zu überprüfen, die durch den Bau einer Mauer geschieht, der ins Leben und in die Ländereien des palästinensischen Volkes einbricht.

Wird dieses Weihnachten einem Volk Frieden bringen, das in seiner Heimat keinen Frieden erfährt? Die Verletzungen des Völkerrechts und das Abwürgen der Rechte des palästinensischen Volkes gehen ungehindert weiter. Neue Bedrohungen der Region sind aufgeflammt durch die Drohung mit dem Status von Jerusalem. Die einseitige Erklärung der USA, ihre Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, anerkennt Jerusalem als die Hauptstadt Israels. Aufruhr kommt auf in der belagerten Region von Palästina. Diese Bewegung trägt in sich Gewalt und Krieg, und macht Jahre der Diplomatie und Bemühungen um den Frieden zu Schande. Die Gefühle und Ängste des palästinensischen Volkes und der anderen mehrheitlich muslimischen Nationen in der Region sind verwundet. Die Hoffnungen des palästinensischen Volkes für Gerechtigkeit und eine friedlichen Existenz wurden zertrampelt durch einen arroganten Streich der Macht.

Und indem wir alle Formen von Solidarität und Aktion bedenken, die von uns gefordert sind, lasst uns dieses unser Gebet sein: „Gib Gerechtigkeit und Frieden eine Chance in Palästina zu dieser Weihnacht und im Leben von uns allen!“

„Dies ist der Stern, dem wir folgen und wir werden unsere Hoffnung nicht aufgeben“

 Nora Carmi, palästinensische Christin

Wie alle Augen und Herzen sich der kleinen Stadt Bethlehem in Palästina in dieser Advents- und Weihnachtszeit zuwenden, bereiten auch wir palästinensischen ChristInnen uns darauf vor, uns an die Geburt des Friedens-fürsten in der Krippe zu erinnern. Aber: Versteht die Welt wirklich die Botschaft von der Liebe Gottes, Mensch geworden in der Geburt von Jesus Christus? Wie wird diese schmerzvolle Reise von der Krippe bis zum Kreuz zur Befreiung führen und zu einem wirklichen Salaam/Schalom/Frieden für die treuen Nachkommen, die in Spannung und Geduld von Menschen auferlegte Unterdrückung und Ungerechtigkeit ertragen, indem sie Herz und Gemüt verwandeln, um zur Wiederherstellung der Humanität zu gelangen – wenn Spiritualität, moralische Werte und die Anwendung des Völkerrechts ignoriert werden?

So lange es Typen wie Herodes gibt, die glauben, sie haben die Macht, gewaltsam zu herrschen und zu regieren – und wir sind vor kurzem Zeugen geworden von der Entscheidung des „neuen amerikanischen Herodes“, die Sehnsucht und Hoffnung der Palästinenser durch die Zerstörung ihres rechtmäßigen Anspruchs auf ihre Stadt Jerusalem zu vernichten – wird der Kampf der Unterdrückten in Palästina und anderswo, wo sie die Gerechtigkeit suchen, nicht aufhören, denn unsere schmerzvolle Reise von der Krippe wird nicht am Kreuz enden, sondern sich vom Kreuz ins Leben erheben. Das ist der Stern, dem wir folgen, und wir werden unsere Hoffnung nicht aufgeben.

„Ich stehe heute und immer mit dir Schulter an Schulter und freue mich auf den Tag, an dem wir sagen können, Palästina ist frei!“

Allie Jayne, UK

(Allie Jayne ist ganz links auf dem Bild im englischen Text zu sehen.)

 

Liebe Brüder und Schwestern!

Versucht mit all eurer Macht, hoffnungsvoll zu bleiben. Mein Herz ist voller Liebe und Mitleid mit euch; ich fühle euren Schmerz. Von Zeit zu Zeit übermannt mich Traurigkeit, wenn ich die täglichen Artikel über die unterdrückerische und zerstörerische Natur der Besetzung lese, so dass ich manchmal das Bedürfnis empfinde, wegzutreten und eine Pause von meinem Aktivismus zu nehmen. In einer solchen Situation frage ich mich, was Jesus tun würde. Ich weiß, er würde an dem Fall dranbleiben, immer gegen Ungerechtigkeit kämpfen und er würde nie an seinem Volk zweifeln und weggehen; so kann ich es auch nicht. Ich wende meine Gedanken wieder dem Kreuz zu und erinnere mich an meinen Lieblings-Vers im Philipperbrief: „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus“ (Phil. 4,13).

Ich stehe heute und immer mit euch Schulter an Schulter und freue mich auf den Tag, an dem wir sagen können, Palästina ist frei! Möget ihr an diesen Weihnachten SEINEN Segen erfahren!

„Lasst uns furchtlos dem Beispiel Jesu folgen, der in seiner Reise von der Krippe bis zum Kreuz die gute Nachricht für alle Menschen offenbart hat!“

Wendy Gichuru, Kanada

 „Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge“.

Für jedeN, die/der ein Kind geboren hat oder ein Neugeborenes in den Armen hielt, weckt die Beschreibung der allersten Momente von Jesu Leben ein Gefühl der absoluten Verletzbarkeit des winzigen Kindes. In einer Futterkrippe liegend war das Baby Jesus vom ersten Atemzug an in eine römische Militärbesetzung geboren und schon durch den König Herodes mit dem Tod bedroht, der versuchte, sich an der imperialen Macht zu halten. Dieses mit Möglichkeiten und Potential erfüllte brandneue Leben kam in eine Welt, die in der Wirklichkeit vom Tode bedroht war, ja, den Kreuzestod vor sich hatte. Dennoch verkündete der Engel den Hirten:

„Fürchtet euch nicht! Ich bringe euch die gute Nachricht einer großen Freude“. Auch angesichts der Besetzung und des drohenden Todes.

Millionen Menschen rund um die heutige Welt leben unter Umständen, die denen der Geburt Jesu ähnlich sind. Zu Weihnachten in diesem 21. Jahrhundert kommen Kinder auf die Welt, zitternd vor Kälte und Schrecken, und können nur in abgerissene Fetzen zerrissener Kleidung gewickelt werden. Es gibt keinen Schutz für ihre zerbrechlichen Körper. Für viele sind die ersten Momente auf Erden nicht erfüllt von der „guten Nachricht einer großen Freude“, und keine himmlischen Zeichen veranlassen weise Fremde zum Überbringen ihrer Geschenke. Stattdessen erleiden sie und die sie lieben vom Augenblick ihrer Geburt an Hunger, Krankheit, Krieg, Besetzung und den immer gegenwärtigen Tod.

Wenn wir diese Weihnachtszeit feiern, eintauchen in Kaufwut, Flitter und Lichterglanz, können wir dann Verkünder der guten Nachricht für diejenigen sein, die in die Unterdrückung unserer Zeit geboren sind? Beachten wir die Worte des Engels der ersten Weihnacht, folgen wir ohne Angst dem Beispiel Jesu, der in seiner Reise von der Krippe bis zum Kreuz die gute Nachricht für alle Menschen verkündet hat, dass „alle in der Fülle leben mögen“! Frohe Weihnachten!

Inmitten von Menschen, die immer die Frage stellen: „Was bedeutet das für mich?“ versorgt uns die Bibel mit einer Perspektive von Widerstand und Hoffnung.

Ulrich Duchrow, Deutschland

 Wenige Menschen realisieren, dass die berühmte Erzählung über das Leben der Gemeinde der Jesus-Nachfolger in Jerusalem nach Pfingsten eine sensationelle theologische These enthält (Apostelgeschichte 4,3ff): Eigentum in einer Gemeinde teilen heißt Zeugnis geben für die Auferstehung Christi. Für heute heißt das: Inmitten des imperialen Kapitalismus, inmitten des Landdiebstahls in Palästina und anderswo, und inmitten von Menschen, die immer die Frage stellen „Was bedeutet das für mich?“ versieht uns die Bibel mit einer Perspektive von Widerstand und Hoffnung. Das kann nicht nur in entsprechend orientierten Gemeinden der Fall sein, sondern auch in der Politik. Menschen können mobilisiert werden gegen die Privatisierung von Grundbedürfnissen und -leistungen – Wasser, Energie, Transport, Bildung, Gesundheit. Besonders politische Gemeinden können hier Allianzpartner sein.

In diesem Jahr gab es eine hervorragende Hoffnungsgeschichte – gegen „intellektuelles Privateigentum“. Nach dem Bürgerkrieg in El Salvador kam die frühere Guerilla an die Macht (FMLN). Sie fingen an, die Bauern beim Anbau ihrer eigenen Saaten zu unterstützen und sie hatten Erfolg. Die Regierung der USA kam, um die Regierung (El Salvadors) zu bedrohen: „Ihr seid Mitglieder der Welt-Handelsorganisation“ (WTO). Daher ist es euch verboten, eure Bauern zu unterstützen. Ihr müsst zur Gänze innerhalb offener Märkte agieren.“ So musste Monsato mit seiner tödlichen Mischung von genmanipuliertem Saatgut, Kunstdünger und Unkraut-vernichtungsmitteln hereinkommen. Aber die Bauern wurden so effizient, dass sie günstigere Preise anbieten konnten als Monsato. So gewann El Salvador wieder seine Nahrungsmittel-Souveränität. Das Leben hat sich als stärker als der Tod erwiesen!

(Anm. der Übers.: Der deutsche Theologe gehört zu den ersten, die das Thema „Bewahrung der Schöpfung“ in die Diskussion gebracht haben.)

 

 

 

„Bist du der einzige Fremde in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen in der Stadt  geschehen ist?“ (Luk 24)

Katherine Cunningham, USA

(Bild:Mitte: Katherine Cunningham, an ihrer linken Seite Rifat Kassis, Koordinator von Kairos Palestine, an ihrer rechten Rev. Jeff DeYoe, Moderator von IPMN = Israel/Palestine Mission Network – USA)

 

Eine biblische Anfrage klingt uns mit seufzender Klarheit in dieser Zeit aus dem letzten Kapitel aus dem Evangelium des Lukas wider: Zwei aus der Schar der Jünger Jesu gehen von Jerusalem weg und lassen die Ereignisse der letzten Tage an sich vorüberziehen, wie sie aus ihrer Bestürzung und ihrer Trauer hochkommen. Sie treffen auf einen Wanderer, der sein Interesse zeigt an dem intensiven Gespräch. Einer von ihnen, Kleopas, antwortet dem Fremden auf seine Frage: „Bist du der einzige Fremde in Jerusalem, der nichts weiß von den Dingen, die dort in diesen Tagen geschehen sind?“  (Lukas 24/18).

Die Geschichte sagt uns, dass dieser Fremde Jesus ist, bekannt durch das Brotbrechen und von seiner Auslegung der Bibelworte, auch der Propheten. Der christliche Glaube liest die Gute Nachricht von hinten nach vorn, vom Ende her zum Anfang.

Der Gekreuzigte ist das Kind, das in Bethlehem geboren ist, weil der Kaiser forderte, dass Josef und Maria wegen der kaiserlichen Kopfsteuer dort zu erscheinen hätten. Maria konnte nicht einmal in ihrem eigenen Haus gebären. Jesus erklärt den beiden Jüngern die Botschaft, die Gottes Liebe und Gerechtigkeit für die ganze Menschheit bereit hat. Die Engel sangen bei seiner Geburt: „Friede auf Erden“. Wegen dieser guten Botschaft musste er sein Leben verlieren.

Das Leben Jesu begann und endete nach den Forderungen und durch das Imperium, und die Zusammenstöße mit der Besetzung. Jerusalem war für Jesus der Gipfel der Konfrontation mit dem Imperium. Er hat Jesus alles gekostet. Jerusalem regiert immer noch mit Brutalität und Unterdrückung.

Lesen Sie die Geschichte rückwärts von der Auferstehung zur Krippe. Der Schatten des Kreuzes in Jerusalem fiel auf die Hirtenfelder in Bethlehem, wo er immer noch hinfällt. Aber erfahren Sie auch von Jesus von der Macht des Festhaltens an Gottes Friedensevangelium. Das Lied der Engel ist gedämpfter, aber es klingt immer noch durch.

Jesus meint Frieden zum Leben

Kim Yong Bock, Korea

 Jesus meint Frieden!

      Jesus, unser Freund, über Bethlehem in Palästina bist Du als Frieden in diese Welt der

      Imperien gekommen!

      Die Imperien dieser Welt zittern vor Angst, dass ihre Burg der unendlichen Gier und

      Herrschaft ihrem Ende entgegengeht.

 Jesus meint Frieden!

       Jesus, herzlich umarmt Dich das Volk von Palästina als Freude am Frieden. Mutig stehen

       sie zusammen, beschützt durch die Engel, und singen zur Feier von Frieden und Leben.

Jesus meint Frieden!

       Wie die Menschen in Palästina wissen, sehnten sich die Propheten nach Deinem Advent,

       um die Mauern der imperialen Herrschaft niederzubrechen.

Jesus meint Frieden!

       Dein Kommen hat den Imperien Angst eingejagt, die ihre zerstörerische Tyrannei gegen

       das Leben von Kindern und Erwachsenen gerichtet haben.

       Aber Du bist unser Frieden, und wir sind mit den Menschen in Palästina und singen die

       Hymnen der Freude und Anbetung.

Jesus meint Frieden!

       Zusammen seid ihr inmitten von freundlichen Tieren und Olivenbäumen mit allen euren

       anderen Schwestern und Brüdern in Palästina gewandert. Jesus, Du bist der Friede!

Jesus meint Frieden!

       Die Menschen im Osten begrüßen Deine Ankunft voll Freude.

       Genau wie diese weisen Freunde aus dem Osten Dir ihre Geschenke zur Ehre und zum

       Respekt vor Deine Krippe gelegt haben, begrüßen wir Dich als unseren Frieden auf Erden.

Jesus meint Frieden!

       Deine Weisheit und Dein Mitgefühl haben uns zur Vision geführt vom Fest des Lebens

       mit allem Lebendigen – Menschen und allen Geschöpfen auf unserer Erde.

       Wir leben aus der Macht Deines Friedens und wir feiern Deine Geburt aus tiefer

       Dankbarkeit, wie wir gemeinsam arbeiten wollen an einer friedlichen Welt.

„Ich bin ein Fremder und Zugereister bei euch; gebt mir ein Erbbegräbnis bei euch, dass ich meine Tote hinaustrage und begrabe.“ (1. Mose 23,4)

Solomuzi Mabuza, Südafrika

Faktum ist, dass Abraham nie das Land der Kanaaniter besetzte. Wir lesen in Genesis 23,1-20

wie Abraham – der Vater der monotheistischen Glaubensvorstellungen und/oder Religionen –mit den Hethitern verhandelte (V.4), dass sie ihm ein Stück Land als Begräbnisstelle verkaufen mögen, damit er seine geliebte Frau Sarah zur Ruhe legen könne. Er nahm sich zurück auf den Status eines Fremden in dem Land von Milch und Honig. Wegen seines Verhaltens und seiner Menschlichkeit diskriminierten die Menschen in diesem Land ihn nicht, oder behandelten ihn sonst wie schlecht. Sie stritten sogar um zu verstehen, warum er Land kaufen wollte, wo er doch seine Lieben ohne ein rotes Bändchen begraben hätte können. So war der Charakter von Abraham, sodass sogar die Leute in dem Land ihn und seine Familie nicht diskriminieren konnten. So ist der Charakter der Menschen in Palästina seit undenklichen Zeiten und bis heute. Sie sind gastfreundliche Menschen, die die Gemeinschaft lieben und alles von ihrer Scholle mit ihren Gästen und Nachbarn teilen.

Gott wählte zuerst Palästina als Plattform für seinen Erlösungsplan zur Rettung der Menschheit von der Sünde und zur Rückkehr der Menschen zu seinem ursprünglichen Plan der Gemeinschaft mit Gott in Ewigkeit. Kein Land der Welt, keine Stadt in dieser Welt kann den Rechtsanspruch auf die Krippe erheben außer Palästina – außer Beit Le Hem – woher das Brot für die Welt kommt. Es gibt keine Weihnacht, die authentisch ist, wenn diese einfache Wahrheit – ein Geschenk Gottes – nicht festgemacht und anerkannt wird. Der Kapitalismus mag die Weihnachtsbotschaft für den Zweck des Konsumismus verändern, aber kein wirtschaftliches System kann in die sakrosankte Mission von Weihnachten eindringen: dass alles in Palästina begann.

Heute, während ich diese Botschaft an meine Gemeinde unten in Südafrika schreibe – östlich von Johannesburg in einer Township namens Kwa-Thema – ist diese Wahrheit bestätigt. Durch Gottes Gnade haben wir drei „Ecumenical Accompaniers“ (EAs) gefunden, die am EAPPI-Programm des Weltkirchenrates teilgenommen haben, um über die Situation in den besetzten palästinensischen Gebieten zu hören, so dass sie dieses Wissen mit den „Massen“ (= den Zuhörern in den Gemeinden in SA) am Ort teilen können. Dadurch reden wir nicht von Gemeinsamkeit wie jene, die die schmerzliche Situation des Kampfes der einheimischen Bewohner von Jerusalem nicht verstehen. Wie befriedigend war es am 2. Adventsonntag – 10. Dezember 2017 – unsere Laienmitarbeiter als Gottesdienstleiter von sich aus Zeugnis geben zu hören, wobei Jerusalem vom Prediger mindestens viermal im Kontext erwähnt wurde. Palästina wurde in einer kurzen Ansprache von unserem Gemeindepfarrer erwähnt und unser Liturg nahm es in seine Fürbitte auf. Das ist ein Zeichen dafür, dass sich die Botschaft langsam von der Krippe zum Kreuz ausdehnt und sich schnell überträgt auf unsere Zeit.

Ich wiederholte am 2. November 2017 beim Strategie-Austausch-Gipfel des Welt-YMCA – abgehalten in Litomysl, tschechische Republik – bei meiner Andacht die Worte vom Sohn von Beit Le Hem – Mitri Raheb – dass Lord Balfour vor 100 Jahren das Land Palästina der europäischen jüdischen Gemeinde in der Diaspora versprach. Es war nicht der Herrgott, der dieses tat! Da wir uns langsam Weihnachten nähern, ist unsere Botschaft aus dem Süden sehr einfach. Es gibt keinen Weg, dass Palästina verändert werden kann, um das zu werden, was der Staatspräsident der USA und viele Mächte der Finsternis sich wünschen. Jerusalem bleibt die Stadt Gottes und aller Menschen in Palästina. Aus der Krippe musste das kleine Baby Jesus Herodes den Großen besiegen und als Flüchtling nach Ägypten gehen. Später würde er zurückkommen zum Kreuz in Jerusalem und besiegte damit den Tod.

Widersteht jeder Kraft, die versucht, die Geschichte von Abraham und Gottes Versprechen an die Israeliten nachzuerzählen. Zionismus ist kein göttlicher Plan; eher kann man ihn als Kolonisationsprojekt betrachten, das besiegt werden wird. Palästina wird als Sieger hervorgehen – in der von Gott bestimmten Zeit.

Von Jerusalem nach Bethlehem

Jerusalem wird der Ort sein, an dem wir die Auferstehung bezeugen: Leben, das den Tod überwindet!

Filipe Gustavo Koch Butteli, Brasilien

Die Hoffnung bewegt sich wieder auf Bethlehem zu. Der liturgische Kalender der christlichen Tradition bezeichnet die Auferstehung als den zentralen Teil im christlichen Jahr. Jerusalem ist das Zentrum christlicher Hoffnung. Nicht nur, weil es der Ort ist, von wo aus der christliche Glaube sich in alle Ecken der Welt verbreitet hat. Die Geographie der christlichen Hoffnung ist also die geographische Bewegung von Bethlehem nach Jerusalem, wo sie ihre tiefere Wirklichkeit, ihren Höhepunkt erreicht. Jedoch wurde den Christen, besonders den Palästinensern, von denen wir die christliche Botschaft der Hoffnung geerbt haben, Jerusalem weggenommen. Jedes Jahr beobachten wir mehr und mehr die Einschränkungen des Besuchsrechtes für Jerusalem während der Osterfeiern, noch zusätzlich zum seit langem verhängten Einreiseverbot nach Jerusalem für Christen aus der Westbank. Die vor kurzem erlassene Erklärung von Präsident Trump, unterstützt von christlichen Zionisten, die Botschaft der USA nach Jerusalem zu übersiedeln anerkennt die illegale Besetzung und Unterstützung der Annexion von Jerusalem als Teil und Hauptstadt Israels, was von der Internationalen Gemeinschaft nicht anerkannt wird. Jerusalem ist die Hauptstadt von Palästina. Aber wieder bewegt sich die christliche Hoffnung zur Krippe hin, nach Bethlehem. Wieder nähern wir uns der Krippe in Verzweiflung in einer langen Nacht der Verlassenheit. Wieder finden wir uns in der Unkenntnis, was als nächstes auf uns zukommt, und von woher können wir Hoffnung erwarten. Da kommt uns wieder die Botschaft der weihnachtlichen Hoffnung für alle Christen in der Welt entgegen, ganz besonders natürlich für die Palästinenser, die wie Jesus im Kontext der imperialen Tyrannei leben. Hoffnung wird wieder sichtbar werden, und diese kommt von Bethlehem. Wir wissen, das wird uns durch die via sacra führen, aber nach all dem wird Jerusalem der Ort sein, an dem wir die Auferstehung bezeugen können: Leben besiegt den Tod!

Übersetzung und Erklärung: Gerhilde Merz

Ich habe in der Übersetzung immer wieder die Vokabel „Imperium“ und „imperiale Macht“ benutzt; diese Unterscheidung zwischen der weltlichen Macht und dem Denken aus dem Glauben verdanke ich vor allem Mitri Raheb, der sich als Palästinenser sehr intensiv mit „Glauben unter imperialer Macht“ (Buchtitel) auseinander-setzt.