*Israel sollte den Eurovision Song Contest nicht durchführen*

Palestine Update Nr. 243 – 17. Mai 19 – Eurovision Song Contest (ESC)

Meinung

*Israel sollte den Eurovision Song Contest nicht durchführen*

Eurovision, der internationale Gesangs-Wettbewerb, wurde so organisiert, dass er mit dem Nakba-Tag zusammenfällt – dem Tag der „Katastrophe“, als 1948 mehr als 750.000 Palästinenser aus ihrer Heimat durch die israelische Miliz vertrieben wurden. Der Gesangs-Wettbewerb fällt genau auf den ersten Jahrestag, an dem israelische Truppen mehr als 60 Protestierende in Gaza massakriert hatten. Jedes Jahr feiert um diese Zeit Israel seinen sogenannten „Unabhängigkeitstag“; mit seiner Einrichtung soll die Tragödie vergessen werden, die diese für die einheimische palästinensische Bevölkerung bedeutet. Leute, die Gerechtigkeit in der Region suchen, fragen sich, auf welcher Basis Israel mit dem Glanz und Glitzern des Eurovision Song Contest belohnt werden soll. Es sendet den falschen Eindruck aus, dass Israel ein normaler Staat sei trotz der Grundwahrheit, dass die Praktiken und sein Verhalten offensichtlich mit so vielen Normen der Zivilisation zusammenprallen, nach der die internationale Gemeinschaft zu leben anstrebt.

Israel sollte Eurovision überhaupt nicht durchführen. Die Wahl von Israel als Austragungsort passt überhaupt nicht. Israel hat sich für den Wettbewerb nur dadurch qualifiziert, dass die Israel Broadcasting Authority (IBA) Mitglied der European Broadcasting Union ist, die für diese Veranstaltung verantwortlich ist. Nichtsdestoweniger ist Israel kein Teil von Europa. Es möchte sich gern als europäisch sehen, aber das ist nicht dasselbe. Der Name des Contests sagt bereits aus, dass er eine charakteristisch europäische Angelegenheit ist. Israel ist ein Land des Mittleren Ostens. Wie kann es dazu kommen, dass es den Contest durchführt? Wählbarkeit für Eurovision ist also kein geographischer Standort, sondern hängt ab von der Mitgliedschaft an der European Broadcasting Union (EBU), die die Veranstaltung organisiert und die Israeli Public Broadcasting Corporation ist Mitglied. Technisch bedeutet das, dass arabische Länder, nämlich Ägypten, Jordanien, Libanon, Syrien, Marokko und Tunesien auch zur Teilnahme ausgewählt werden können. Marokko nahm 1980 teil, nachdem Israel zurückgezogen hatte, weil das Datum des Contests mit den jüdischen Pessach-Ferien zusammenfiel.

Es gibt auch politische Gründe. Aller Wahrscheinlichkeit nach dürfte Expo Tel Aviv wie viele andere Teile der Stadt auf Land gebaut worden sein, das ursprünglich von nahen palästinensischen Dörfern enteignet worden war. Diese Dörfer wurden einst unter Einsatz brutaler israelischer Terror-Streitkräfte 1948 evakuiert und dann zerstört. Diese hässliche Geschichte ist nicht vorüber; sie hängt auch über all dem Singen und Tanzen im Expo-Zentrum.

In 20 Minuten Entfernung von den Eurovision Festivitäten liegt der Gazastreifen, ein von Belagerung, Armut und Hunger nach Israels eigenem Zugriff ausgepowertes Land.  Achtzig Prozent der Bevölkerung sind von Hilfe abhängig, die Arbeitslosigkeit geht auf 50 bis 70 Prozent, Mangel an Lebensgrundlagen ist häufig und wiegt schwer, und die Spitäler können kaum mit der Anzahl und den Bedürfnissen der Kranken und Verletzten zurechtkommen.

Palästinenser sind heute über viele Länder verteilt. 5.3 Millionen leben immer noch in Flüchtlings-lagern. Viele Jahre lang hat sich Israel bemüht, seiner Verantwortung für diese Tragödie zu entkommen oder sie zuzudecken, und in diesem Sinne gießt der Eurovision Contest Opium über diese Wunden.

In dieser Ausgabe der Palestine Updates teilen wir sachdienliche Artikel über Fragen, die mit der Frage der Eurovision, der Politik der Siedlerkolonisation und der Nakba zusammenhängen. Bitte lesen Sie diese und verteilen sie.

Ranjan Solomon

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*Eurovision feiert, während die Palästinenser ihre Vertreibung beklagen*

Während die Palästinenser sich mit dem 71. Erinnerungstag an die Nakba beschäftigen – die ethnische Säuberung ihrer Heimat 1948 – läuft die Eurovision in Tel Aviv zu höchstem Glanz und Gloria auf. „An diesem Wochenende werden fast 200 Millionen Menschen aufdrehen, um den Eurovision Song Contest in Israel zu verfolgen; aber hinter dem Glanz und Gloria werden wenige darüber nachdenken, welche Rolle Israel in den sieben Dekaden Elend für palästinensische Gefangene spielt“ (Amnesty International). Dutzende internationale Künstler, Menschenrechtsorganisationen, LGBTQ+ Gruppen der palästinensischen Zivilgesellschaft haben zum Boykott der diesjährigen Eurovision aufgerufen und die Proteste wachsen weiter.                                                                  https://electronicintifada.net/blogs/tamara-nassar/eurovision-celebrates-palestinians-mourn-expulsion httsp://facebook.us14.list-manage/track/click?u=70813d3d15ac4637581281b8e&id=51b641dec2&e=bb7a291c18= 

*Eurovision verteidigt Logo des „Greater Israel*

Die Organisatoren des Eurovision Song Contest verteidigen die Benutzung eines offiziellen Logo, welches anscheinend das ganze historische Palästina als Teil von Israel repräsentiert – einschließlich der besetzten Westbank und des Gazastreifens. Die European Broadcasting Union meint, es wäre nichts Absichtliches mit dem Logo dargestellt, das eine Grenzlinie des historischen Palästina stilisiert – oder „Greater Israel“, wie es die Zionisten propagieren – einschließlich der besetzten Gebiete, die Israel dabei ist, in flagranter Verletzung des Völkerrechts zu annektieren. „Das Logo dieses Jahres, das vom gastgebenden Rundfunk Kan geschaffen wurde, besteht aus drei Dreiecken, die, wenn man sie zusammenfügt, gemeinsam eine Form sichtbar machen, die zusammen den Slogan „Dare to Dream“ (=Wage zu träumen) bilden“, stellt die European Broadcasting Union in ihrem Brief fest, von dem The Electronic Intifada eine Kopie erhalten hat.                                                     https://electronicintifada.net/blogs/aöi-abunimah/eurovision-defends-greater-israel-logo              Facebook Link: =ba40219d0b&e=

*Palästinenser bringen in Gaza ein Anti-Eurovision-Konzert*                                       Heute (Freitag!) haben Palästinenser im belagerten Gazastreifen ein Konzert veranstaltet, um zum Boykott des Eurovision Song Contest aufzurufen, der am Samstag in Israel stattfindet. Die Jusoor International Communications Group veranstaltete ein Konzert in den Ruinen des Hauses der Familie Abu Amar, das von israelischen Kriegsflugzeugen während der jüngsten Angriffe auf den Gazastreifen am 4. – 6.Mai bombardiert worden war.                                                                                                http://www.palestinechronicle.com/palestinians-perform-anti-eurovision-concert-in-gaza/        Facebook Link: =ae856c0d68&e=

 

*Israel lässt Iron Domes für die Eurovision in Stellung bringen* 

Die israelische Besatzungsarmee hat ‚extensive‘ Luftverteidigungsbatterien „Iron Dome“ für den Eurovision Contest, der in Tel Aviv am  Samstag in Tel Aviv stattgefunden hat, in Stellung gebracht. Das folgte dem Angriff Israels auf den Gazastreifen in der vergangenen Woche, auf den die Widerstandsbewegung in Gaza zurückgeschlagen hat. Bei den Angriffen wurden 25 Palästinenser getötet und 800 Wohnhäuser zerstört; vier Siedler wurden bei den Vergeltungsschlägen getötet. Ägypten mediierte für Waffenstillstandsverhandlungen zwischen der Widerstandsgruppe Hamas und den israelischen Behörden.                                                            https://english.pnn.ps/2019/05/14/israel-deploys-iron-domes-for-eurovision                              Facebook Link: =e15ea5cc0f&e=

(Übers.: Gerhilde Merz)