Palestine Update Nr. 363 – Ein Stück zum Nachdenken … 14.5.20

Palestine Update Nr. 363 – Ein Stück zum Nachdenken … 14.5.20

 

*Ein Stück zum Nachdenken und eine Stellungnahme von christlichen Leitern im Heiligen Land – Donald Trump ist schuldig an der Katastrophe für Christen*

Von Father Jamal Khader und Rev. Munther Isaak

*Israels Westbank-Annexionspolitik, angeheizt durch Trumps „Friedensplan“ mag extremen Evangelikalen passen, aber sie ist ein tödlicher Schlag für die Zukunft der Christenheit im Heiligen Land*

Worshippers carry a cross into the Church of the Holy Sepulcher during the Good Friday procession in Jerusalem's Old City March 25, 2016.

(Bild: Beter tragen ein Kreuz in die Grabeskirche: Karfreitagsprozession in der Altstadt von Jerusalem am 25. März 2016)

Während die Welt damit beschäftigt ist, Covid-19 zu bekämpfen, haben die politischen Parteien Israels ein Regierungskoalitions-Abkommen erreicht. Benjamin Netanyahu ist es gelungen, die Annexion des besetzten palästinensischen Gebietes auf den Tisch zu bringen und einen provisorischen Zeitrahmen zu setzen: Weniger als zwei Monate von jetzt an. Er kann dem Trump-Plan für das Vertrauen danken, die Annexion so hart und so schnell voran zu bringen. 

Es gibt viele Erklärungen, wieso Trumps Mittel-Ost-Vision nicht einmal die mindesten Anforderungen für einen gerechten und dauerhaften Frieden erfüllen konnte. Aber wenige Kommentatoren haben analysiert, wie Trumps Plan mit der Zukunft besonders der palästinensischen Christen umgegangen ist – und wie Israels Annexionspläne christliches Leben in Palästina beeinträchtigen würden. Lasst uns klar sprechen: Den Trump-Plan anzuwenden würde katastrophale Konsequenzen für die Vorstellungen einer politischen Lösung zwischen Israelis und Palästinensern darstellen, und besonders für die Erfüllung der Rechte des palästinensischen Volkes, einschließlich der palästinensischen Christen. 

Die Grundprinzipien des US-Planes widersprechen der offiziellen Einstellung der Kirchen-leiter von Jerusalem. Als Antwort auf die Veröffentlichung des Planes bestätigten die Repräsentanten der zurzeit hier im Heiligen Land als Basis– und nicht im District Columbia –   

wirkenden christlichen Kirchen „ihr starkes Mittragen an der Erzielung eines gerechten und umfassenden Friedens im Mittleren Osten, basierend auf internationaler Rechtmäßigkeit und den relevanten UNO-Resolutionen und in einer Weise, die Sicherheit, Frieden, Freiheit und Würde für alle Völker der Region garantiert.“

An Orthodox Christian priest prays by the Church of the Nativity in the West Bank city of Bethlehem on April 18, 2020, before the arrival of the "Holy Fire" from Jerusalem's Church of the Holy Sepulchre(Bild: Ein orthodoxer christlicher Priester betet in der Geburtskirche der Westbank-Stadt Bethlehem am 18. April 2020 vor dem Eintreffen des „Heiligen Feuers“ von der Kirche zum Heiligen Grab in Jerusalem)

Ein christlicher orthodoxer Priester betet an der Geburtskirche in Bethlehem am 18.4.2020 vor der Ankunft des „Heiligen Feuers“ aus der Kirche zum Heiligen Grab in Jerusalem AFP.

Trotz der Interessen der Parteien zuhause wollten beide, Mr. Trump und Mr. Netanyahu Israel und Palästina als einen religiösen Konflikt zwischen der jüdisch-christlichen Tradition auf der einen Seite und dem Islam auf der anderen eingrenzen, aber das ist nicht die gelebte Realität für palästinensische Christen. 

Trotz der Hinweise auf die Bedeutung des Heiligen Landes für Christen weltweit sind diese für die Architekten des Planes kaum sichtbar und erscheinen minimal in dem Dokument. Die Entwerfer des Trump-Planes scheinen ideologisch Mühe zu haben mit der Tatsache, dass palästinensische Christen ein untrennbarer Teil des Volkes von Palästina sind. Bei der Vision des Planes für Jerusalem geht es nur um die Hegemonie Israels mit einem Lippen-Bekenntnis für muslimische Pilger. Christliche Palästinenser existieren nicht. Die herablassende Sprache der Architekten sieht vor, dass Muslime, die sich „ordentlich verhalten“, Jerusalem besuchen können, aber sie erwähnen arabische Christen überhaupt nicht, als hätten wir nichts zu tun mit Jerusalem.  

Dieser Plan gestaltet das Heilige Land um zu einem „zionistischen Märchenland“ als  Vergnügungspark für extreme christliche Evangelikale und Juden, während die einheimische christliche Bevölkerung durch die Zwangsherrschaft Israels unterjocht bleibt. In der Tat, der Plan bietet eine grausame und künstliche Trennung zwischen zwei Städten, die die  wichtigsten heiligen Stätten der Christenheit – Bethlehem und Jerusalem – beherbergen.   

Ein genauerer Blick auf die Landkarte des Plans zeigt, dass man Bethlehem keinen Raum gibt für sein natürliches Wachstum. Aber er gibt grünes Licht für Israel, antike christliche Plätze und andere lebenswichtige Orte für palästinensische Christen, wie das Cremisan-Kloster und das Makhour-Tal zu annektieren. Viele palästinensische Christen und Kirchenmitglieder werden das Land verlieren, in dem sie Generationen lang gelebt und es bebaut haben. Es ist ein tödlicher Schlag gegen eine dynamische christliche Gegenwart an der Geburtsstätte von Jesus. 

Ein anderer signifikanter Gesichtspunkt ist Israels Kontrolle über das Bevölkerungsregister. Tausende palästinensische Christen dürfen aufgrund der Politik Israels nicht in ihre Heimat zurückkehren. Es gibt eine wachsende Zahl von Familien, die schmerzlich getrennt sind zwischen Jerusalem und Städten, die nur einige Kilometer davon entfernt sind, wie Bethlehem  oder Ramallah. 

Unsere Kirchen erhalten ständig Ansuchen um Hilfe in Fällen der Familienzusammenführung, oder für Palästinenser in der Diaspora, die ihre Verwandten besuchen und an ihren heiligen  

Stätten beten wollen. Israel weist solche Ansuchen regelmäßig ab, in einigen Fällen, indem es „Sicherheitsgründe“ vorbringt, die keine wirkliche Demokratie als solche behandeln würde.

Das Völkerrecht und die Grundregeln der Diplomatie abzulehnen ist keine „realistische“ Lösung für den Konflikt, noch macht es einen Frieden möglich. Eher vertieft es die Wurzeln für Unterdrückung und die Verweigerung von Rechten und macht sicher, dass Palästina, sein Land und seine Leute, andauernd unter der Kontrolle Israels bleiben. 

Frieden zu stiften ist ein Segen Gottes; Unterdrückung ist Sünde. Aber verschiedene Offizielle der USA missbrauchen die Heilige Schrift, um die Politiken der Kolonisierung und die Annexion von besetztem Land, einem Verbrechen unter dem Völkerrecht, zu rechtfertigen.

Menschen rund um die Welt, die an Gerechtigkeit glauben, müssen sagen: „GENUG !“ – und dementsprechend handeln.

In Jerusalem ist genug Platz, um eine offene Stadt zu sein und gleichzeitig zwei Hauptstädten Raum zu gewähren und die tiefen Beziehungen von drei monotheistischen Religionen zu respektieren. Die Illusion, dass Abu Dis oder Kufr Aqab irgendwie zur Hauptstadt von Palästina gemacht werden können, zeigt entweder Ignoranz über unsere Beziehungen zu der Stadt, oder beweist einfach die Missachtung der Rechte  des palästinensischen Volkes, Christen und Muslime in gleicher Weise. 

Israels laufende Bemühungen in Richtung auf eine Annexion der Westbank und die Anwendung des Trump-Plans wird einen „status quo“ verfestigen und das beschädigt endgültig die Zukunft der Christenheit im Heiligen Land. 

Als Christen beten wir und rufen alle jene zusammen, die sich um Gleichheit, Freiheit und einen gerechten und dauernden Frieden bemühen, und um die unveräußerlichen Rechte für jede/n zu ehren – das Volk von Palästina eingeschlossen.

Fr. Jamal Khader ist Direktor der Schulen des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem (= Röm.-katholische Kirche)in Palästina und Gemeindepfarrer von Ramallah. Vorher war er Rektor des Seminars des Lateinischen Patriarchats und Dekan der Kunstabteilung der Universität Bethlehem. 

Rev. Munther Isaac ist Akademischer Dekan des Bibelkollegs von Bethlehem und Pastor der Evangelisch-Lutherischen Christmas Church (Weihnachtskirche) in Bethlehem und der 

Evangelisch-Lutherischen Kirche in Beit Sahour. 

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