*Angst vor ihren Schatten*

Palestine Update Nr. 267 – 22.7.19 – Angst vor ihren Schatten

Meinung

*Angst vor ihren Schatten*

Israel fürchtet sich. Israel fürchtet sich, wenn unterdrückte Gruppen weltweit Gegendruck herausfordern – in welcher Form auch immer – besonders wenn diese Vereinigung sich gegen Israels despotische politische Machinationen richtet. Genau das ist die wahre Natur des Unterdrückers – Angst genau vor ihren eigenen Schatten, weil die Schatten, die ihnen folgen, sie selbst sind. Und weil diese grausam sind und gefährlich, haben sie Angst, sich zu beschädigen, indem sie ihre Natur wiederholen. Das erklärt, warum pro-israelische Gruppen wild darauf aus sind, überschneidende Solidarität (= Solidarität über die eigene Gruppe hinaus) auszuschließen. Sie fürchten sich vor Spiegelbildern, die ihnen gegenüberstehen und sie in Furcht treiben, weil ihre Zahlen und Allianzen Vermischungen hervorbringen.

Komme, was wolle: Das neue Normale wird bald eine überschneidende Vereinigung sein – die Vereinigung der Unterdrückten. Und einfach, weil Unterwerfung zu fordern, böse ist und untragbar, weiß Israel, dass seine Lagerbildung ans tote Ende kommt. Unterwerfung wird für Israel bedeuten, sich selbst zu zerstören. Dass ist die Lektion aus der Geschichte des Kolonialismus. Das ist der Kommentar zu unserem ersten heutigen Artikel (siehe unten): „Israel ist gegen überschneidende Solidarität zwischen unterdrückten Gruppen“.

Wenn das Obige hinweist auf positive Zeichen für die Befreiung der Unterdrückten, lesen wir auch Nachrichten aus Deutschland, wo „eine deutsche politische Partei Israels Blitzreaktionen auf BDS bekämpft. (Siehe Artikel 2 in dieser Ausgabe). Es ist niemals einfach, Israel in Deutschland herauszufordern. Deutschland besteht darauf, mit seiner Schuld vom Holocaust her zu leben, als würde es damit das Urteil „Lebenslänglich“ abdienen. Deutsche und ihre Regierungen bieten Israel unter allen Vorwänden Unterstützung an und sind blind für die zahlreichen Gräueltaten, die es gegenüber dem palästinensischen Volk tätigt. An jenen, die Israels kriminelle Aktionen – sogar durch friedlichen Protest – kritisieren, würde Deutschland eher die Schuld bei denen finden, die kritisieren. Es würde Widerstand – auch friedlichen und legitimen – als eine Form von Antisemitismus anprangern.

Die MLPD (marxistisch-leninistische Partei Deutschlands) jedoch, eine Partei vom linken Flügel, bleibt standfeste Unterstützerin der Gerechtigkeit für Palästina, besonders für die BDS-Bewegung. MLPO sieht sich dem Zorn des Establishments als Ergebnis und von deutschen Banken, israelischen Zeitungen und Aktivisten gegenüber, die wollen, dass MLPD aus dem politischen Feld des Anti-Israel-Protests verschwindet.

In unserem dritten Artikel wiederholen wir die schockierende Frage, die oft im arroganten politischen Diskurs von Israelis gestellt wird: „Warum soll sich Israel entschuldigen, wenn es einen Palästinenser tötet? Schließlich war er doch nur ein Araber!“ Nachdem ein Hamas-Führer ärgerlich über den Tod eines Palästinensers durch einen israelischen Soldaten die Ausrottung der Juden gefordert hatte, wiesen andere Hamas-Führer diese Aufforderung zurück mit den Worten: „Unser Kampf zielt nicht auf Juden irgendwo  oder den Judaismus als Religion“ und fügte hinzu: „Hamas verurteilte und wird weiterhin jegliche Angriffe auf Juden und ihre Andachtsplätze weltweit verurteilen“.

Bitte lesen und diese Artikel weit verbreiten.

Ranjan Solomon

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*Israel ist gegen übergreifende Solidarität zwischen unterdrückten Gruppen*

Von Carla Gonzáles

Israel und seine Befürworter sehen die Solidarität zwischen Palästina und anderen unterdrückten Gruppen als Bedrohung und schlagen Wege vor, um die übergreifenden Koalitionen aufzubrechen. Pro-Israel Lobbys suchen und erfinden Wege, die Koalition der Solidarität mit Palästina zu demolieren und progressive Juden zu identifizieren, die israelkritisch sind, hat ein neuer Bericht der israelischen Forscherorganisation „The Reut Group“ entdeckt. Israel und seine Befürworter sehen die Solidarität zwischen Palästina und anderen unterdrückten Gruppen als Bedrohung und schlagen Wege vor, um die gruppenübergreifende Koalition aufzubrechen. Israels Reut-Institut und der in USA angesiedelte „Jüdische Rat für Öffentlichkeit“ (Jewish Council for Public Affairs) warnte, dass derlei Gruppen „die Ordnungen jüdischer Gemeinschaften unterminieren, bevorzugt die Unterstützung für den Staat Israel“.

Im vergangenen Jahr wurde in „Al Jazeera“ eine zensurierte Dokumentation über den Einfluss Israels auf die Vereinigten Staaten gebracht: sie zeigte, wie israelische Offiziere sich freuten, dass die „Sache der Schwarzen“ (Black Lives Matter) ins Visier genommen und ein Freund von Martin Luther King  überredet wurde, Pro-Israel Propaganda zu schreiben. Black Lives Matter (BLM) unterstützt die BDS-Bewegung (Boykott – Investitionsstopp – Sanktionen). Gemäß der Dokumentation wurde ihre Aufnahme in die Plattform der Bewegung an die anti-BDS-Bemühungen der israelischen Regierung weiter gereicht.

Die übergreifende Solidarität wurde von der palästinensisch-amerikanischen Kongressfrau Rashida Tleib sehr gelobt. Sie sagte, dass eine Solidarität für Palästina unter verschiedenen unterdrückten Gruppen zeigt, dass junge Menschen die Verbrechen gegenüber der okkupierten Bevölkerung verstehen: „Wenn ich junge Aktivisten von Black Lives Matter in T-Shirts mit der Aufschrift „Free Palestine“ sehe, und ich selber trage ein T-Shirt von Black Lives Matter, dann weiß ich, das passt“, sagt sie. Diese Solidarität wird als Drohung von Israel wahrgenommen, das seit 1948 seine rassistische Politik gegenüber den Palästinensern ausführt.

Der Bericht spricht von zunehmender „Herausforderung durch Durchmischung“ wegen der „Corbynisation“,  die „sich durch Teile der politischen Linken“ ausbreitet, und mit der Anti-Israel-Gruppen in UK die liberalen und progressiven Elite-Gruppen weltweit inspiriert haben“. („Corbynisation bezieht sich auf Jeremy Corbyn, einen Führer der britischen Labour Party, der ein lautstarker Kritiker Israel ist und seit Jahrzehnten Kampagnen für Solidarität mit Palästina macht. Er und Mitglieder seiner Labour-Party werden Antisemiten genannt, weil sie gegen die Brutalität Israels gegenüber den Palästinensern protestiert haben). In diesem Bericht wird auch Antisemitismus mit Antizionismus gleichgesetzt. Letzteres bedeutet, sich gegen Israels rassistische Staatspolitik zu stellen. Die Corbynisierung betrifft nach diesem Bericht auch die Demokratische Partei der USA, und daher geht die Unterstützung für Israel „stark zurück“. Der Rückgang der Unterstützung für Israel wird größer, weil fortschrittliche Demokraten wie Alexandra Ocasio-Cortez (AOC), Bernie Sanders, Ilhan Omar, Rashida Tlaib Kampagnen für die Rechte der Palästinenser durchführen. Ihre Kampagne macht sie auch zum Ziel für US Präsident Donald Trump, der ein heftiger Unterstützer von Israel ist.

Trump sagte, dass das „Quartett“ AOC, Rashida Tlaib, Ilhan Omar und Ayana Pressley „Israel mit einer wahrhaftigen und ungezügelten Leidenschaft hasse“ und dass sie „Israel das Gefühl geben, von den USA verlassen worden zu sein“.  Dennoch, die blinde Unterstützung für Israel wurde nach dem Reut-Bericht nicht gut aufgenommen.  Israels Allianz mit weißen Super-Machos wie Trump oder dem ungarischen Premierminister Viktor Orban „hat liberale und junge Menschen des zweiten Jahrtausends zu der Frage getrieben, ob traditionelle Bindungen an Israel verdient sind oder zuträglich“.

Der Bericht drängte auch jüdische Gemeindegruppen, eigene „übergreifende Allianzen“ zu bilden, um fortschrittliche Mitglieder in die Gemeinschaft zu kooptieren. Sie schlugen vor „zu versuchen, einen Keil zwischen ideologische Gegner und die Unterstützer ihrer Solidarität zu treiben, und eine kontra-intellektuelle Narrative durch Verpartnerung mit wichtigen Theoretikern der Durchmischung zu entwickeln.“  Alle diese Ideen zur Rückgewinnung junger Glieder der jüdischen Gemeinde oder durch die Delegitimierung einer durchgemischten Solidarität sind nicht neu. Die Reut-Gruppe hat die gleichen Strategien schon vor zehn Jahren vorgeschlagen. Dennoch hat ein durchgesickerter geheimer Bericht vom gleichen Institut und der Anti-Defamation League (Liga gegen Verleumdungen) 2017 geklärt, dass die Bemühungen der Israel-Lobby, das „eindrucksvolle Wachstum“ der palästinensischen Solidaritätsbewegung zum Stillstand zu bringen trotz massivem Einsatzes schiefgegangen sind.

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*Eine deutsche politische Partei bekämpft Israels Blitzaktion*

„Die Idee des Agitierens gegen BDS hat hier eine große Rolle gespielt: jede Art von Kritik an (Israels) reaktionärer, imperialistischen Regierung als „antisemitisch“ zu diffamieren, und jede Art der Solidarität mit dem palästinensischen Freiheitskampf als „Unterstützung von Terror“, sagt Weis-pfenning.  Peter Weispfenning, Mitglied der Marxistisch-leninistischen Partei Deutschlands (MLPD) ist ein Kandidat der MLPD bei den Wahlen für das Europäische Parlament. Die MLPD ist eine stimm-gewaltige Unterstützerin der palästinensischen Sache und Befürworterin der BDS-Bewegung.  MLPD findet sich angegriffen durch deutsche Banken, israelische Zeitungen und Aktivisten in einer endlosen Kampagne zur Verhinderung seiner Aktivitäten.

*BDS-Protestierer*

Unter den Banken, die MLPD angegriffen haben, waren die Deutsche Bank und ihre Filiale, die  Postbank. Zur Rechtfertigung für die Kündigung des Kontos sagte die Postbank, dass „die Finanzierung von Terroristen nicht ausgeschlossen werden kann“ und bezieht sich auf die Mitgliedschaft der MLPD bei der „Ínternational Coordination of Revolutionary Parties and Organisations“ (ICOR), einer internationalen Gruppe von mehr als 40 kommunistischen Parteien. ICOR unternimmt oft karitative Initiativen, beispielsweise den Wiederaufbau von Kobane, – einer überwiegend kurdischen Stadt, die 2015 unter die strenge Belagerung durch Daesh als Teil des laufenden syrischen Bürgerkrieges geriet – durch Geldspenden und Freiwillige für den Aufbau eines Gesundheitszentrums.

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*Warum soll sich Israel für das Töten eines Palästinensers entschuldigen? Er war schließlich nur ein ‚Araber‘!“*

 *Israels angeborener Sinn für rassische Überlegenheit wird sicher eines Tages Konsequenzen haben*

Von Hamas kam vor kurzem eine seltene Aussage; sie dementierte in dieser Woche (um den 20. Juli) mit einer Presse-Aussendung die Worte eines ihrer Spitzenbeamten, Fathi Hammad, mit denen er die Tötung von Juden überall in der Welt vorschlug. Hammad musste seine Aussage zurückziehen und entschuldigte sich dafür in einer Presse-Aussendung, denn er ist verpflichtet, die offizielle Position der Bewegung mitzutragen, sich auf den Widerstand gegen die israelische Okkupation des Landes Palästina zu begrenzen. „Wir bekämpfen nicht Juden an sich oder den Judaismus als Religion“, betont die islamische Widerstands-Bewegung. „Hamas hat verurteilt und verurteilt weiter jeden Angriff gegen Juden und ihre Andachtsstätten weltweit.“

Hammad, der bekannt ist für seine feurige Rhetorik, hatte die Ermordung von Mahmoud Al-Adham durch einen Scharfschützen der israelischen Armee kommentiert. Der 28jährige Grenzschutz-Mann wurde erschossen, während er versuchte, einige palästinensische Demonstranten zu hindern, zu nahe an den von den israelischen Behörden errichteten sogenannten „Grenzzaun“ zu geraten. Ägyptische Mediatoren pendeln seit Monaten zwischen Israel und Gaza, um zu vermitteln und die Spannung zwischen den beiden Seiten zu de-eskalieren. Der Mord war ein sehr kräftiger Schlag gegen diese Bemühungen.

Die israelische Armee mag keine militärische Eskalation mit den Palästinensern in Gaza, solange ein  Krieg mit Iran noch in der Luft liegt. Ein Sprecher sagte, dass das Erschießen von Al-Adham ein Fehler gewesen sei, und dass die Armee eine Untersuchung eröffnen würde. Obwohl keine Untersuchung eingeleitet worden ist, kritisierten viele israelische Kommentatoren das Militär und sehen diese Stellungnahme als eine Art Entschuldigung gegenüber einer – ihrer Meinung nach – „terroristischen“ Organisation. Die Begründung war klar diese: Warum sollte irgendein Israeli sich dafür entschuldigen, dass er einen Palästinenser umgebracht hat? Es war doch schließlich nur ein „Araber“.

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(Übers.: Gerhilde Merz)