Bestätigung für ein inklusives Jerusalem

Palestine Update Nr. 180 – 18. Oktober 2018

Bestätigung für ein inklusives Jerusalem

Kommentar

Am 11. Oktober versammelten sich Führer der verschiedenen Glaubensrichtungen quer über die USA, um die Vision eines inklusiven, mannigfaltigen und gerechten Jerusalem zu entwickeln. Ihre Stellungnahme wurde von den vier federführenden Organisationen von „The Jerusalem Conference“ herausgegeben. Diese sind: Bright Stars of Bethlehem, der Nationale Kirchenrat, Kirchen des Mittleren Ostens für Frieden und die Samuel DeWitt Proctor Conference.

Jerusalem: Was geschieht für den Frieden? 

Der US-Kirchenleiter-Gipfel in Houston, Texas, am 11. Oktober 2018

Unser Kontext

1.Wir sind zusammengekommen zu diesem einmaligen und ökumenischen Gipfeltreffen christlicher Führer und glaubensgebundenen Organisationen in den USA mit palästinensischen christlichen Partnern, folgend dem Beispiel und den Lehren unseres Herrn Jesus Christus, für den Jerusalem heilig war. Jerusalem war die Stadt, die ihn weinen machte. Er weinte über die heilige Stadt, die von den Römern besetzt war, weil ihre Führer nicht wussten, was für den Frieden geschehen muss (Lukas 19,42) Mit diesem Gipfel antworten wir dem Ruf des Psalmisten durch beten für und arbeiten auf das Ziel des Friedens in Jerusalem hin . (Psalm 122,6)

  1. 2018 markiert 70 Jahre seit der Teilung der Stadt und mehr als 50 Jahre seit der Besetzung

von Ostjerusalem, der Westbank und des Gazastreifens. Heute trägt Jerusalem die Narben dieser Kriege, der andauernden Besetzung, Zerstückelung und systematischen Diskriminierung ihrer eingeborenen palästinensischen Bevölkerung. Und trotzdem ist Jerusalem der Schlüssel zu einem gerechten Frieden.

  1. Die Zunahme der Israelisierung von Ostjerusalem, die Bewegung hin zur Annexion wichtiger Siedlungen innerhalb der Stadtverwaltung von Jerusalem und eines neuen israelischen „Jüdischen Nationalstaats-Basisgesetzes“ stehen im direkten Widerspruch zum internationalen Gesetz und bedrohen die Vision für ein inklusives und miteinander geteiltes Jerusalem.

 

  1. Der Ort unseres Treffens in Houston, dem Herzen des Bibelgürtels, ist bezeichnend. Wir erkennen als Christen, dass wir oft Teil des Problems sind, wenn wir zu seiner Lösung beitragen sollten. Als christliche Führer in den USA sind wir entmutigt, wenn wir sehen, wie unsere politischen Führer die amerikanische Botschaft nach Jerusalem versetzen in Verletzung internationaler Gesetze und trotz früherer Verpflichtungen, wodurch wir die Glaubwürdigkeit und die Hebelkraft als ehrliche Makler im Friedensprozess verlieren.

Zweck unseres Treffens

  1. Wir sind zu einem Tag der Reflektion und des offenen Dialogs im Geiste der theologischen und ethischen Dringlichkeit zusammengekommen, um einen gerechten Frieden zu fordern. Gemeinsam demonstrieren wir unsere ökumenische Einheit in der Aktion zu einem Ende der Besetzung und einer dauernden politischen Lösung im Heiligen Land. Wir ehren die Stadt, die Zeugin wurde der Kreuzigung und Auferstehung unseres Herren Jesus Christus. Wir wiederholen die biblische Vision eines Jerusalem als inklusive Hauptstadt, wo Menschen mit unterschiedlichem kulturellen, ethischen und religiösen Hintergrund im Geiste der Einheit, der Gleichheit und der gegenseitigen Anerkennung zusammenkommen (Apg.2/1-13).

 

  1. Als Christen anerkennen wir die geistliche Verwandtschaft und Bindung der drei abrahamitischen Religionen – Judentum, Christentum und Islam – an Jerusalem, der Stadt, die sie alle heilig nennen. Wir anerkennen auch, dass sie eine für zwei Völker, die Palästinenser und die Israelis, und für ihre nationalen Sehnsüchte bedeutende Stadt ist.

 

  1. Daher fahren wir gemeinsam mit allen Kirchen im Heiligen Land fort, Anwaltschaft zu üben für Jerusalem als einer offenen und miteinander geteilten Stadt für zwei Völker und drei Glaubensrichtungen, basierend auf Gleichheit und Gegenseitigkeit, einer kosmopolitischen Stadt und ebenso einer Stadt mit einer internationalen Dimension.

Was wir glauben und wozu wir „Ja“ sagen

  1. Wir glauben und arbeiten daran, dass eine gerechte und dauerhafte Lösung für Jerusalem nicht nur der Sache des Friedens und der Gerechtigkeit im Heiligen Land dient, sondern auch den Frieden in der ganzen Region Mittlerer Osten herbeiführen wird. Eine versöhnte Hauptstadt würde auch die Ansprüche jener verkleinern, die diesen Konflikt und die Religion ausbeuten, um ihren eigenen Motiven, ausgrenzenden Theologien und rassistischen Ideologien zu dienen.

 

  1. Als christliche Führer verpflichten wir uns, miteinander aktiv zusammen zu arbeiten, um die bedrohte Gegenwart der palästinensischen Christen in Jerusalem und dem ganzen Heiligen Land zu schützen. Die derzeitige Abwesenheit einer gerechten politischen Lösung verdünnt die christliche Präsenz und ist die Ursache für viele dieser palästinensischen „lebendigen Steine“, ein Leben in Würde und Freiheit weit weg von ihrer Heimat im bedrängten Heiligen Land zu suchen. Eine gerechte und friedliche Lösung ist unumgehbar und wird zum Wohlbefinden aller Kinder Gottes in der Stadt beitragen.

Unser Aufruf zur Aktion

Als christliche Leiter in den USA, die zu dieser Jerusalem-Konferenz zusammengekommen sind, drängen wir

  1. unseren Präsidenten und seine Administration, Ostjerusalem als Hauptstadt des Staates Palästina anzuerkennen und so ein Spielfeld auf gleicher Basis für Israelis und Palästinenser zu schaffen, um über das miteinander geteilte Jerusalem zu verhandeln;

 

  1. den Kongress der USA, amerikanische Politiker und Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, eine ausgeglichene Politik zu führen, die den Weg zu einer gerechten Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikt ebnet und einen dauerhaften Frieden herbeiführt;

 

  1. den Kongress der USA, internationale Gesetze zu unterstützen und Kritik als die Rolle der Vereinten Nationen zum Schutz und für die Herstellung eines gerechten Friedens in Anerkennung von Jerusalem als inklusiver Stadt zu bestätigen;

 

  1. die Wirtschafts-, Regierungs- und Nicht-Regierungsakteure – einschließlich der Glaubensgruppen und Kirchen – wirtschaftlichen Druck auszuüben, um die unfairen und ungerechten Praktiken und Politiken zu beenden, die internationale Gesetze und Konventionen verletzen, und

 

  1. interreligiöse Initiativen zu unterstützen, die eine inklusive theologische Vision für ein miteinander geteiltes Jerusalem fördern.

Außerdem verpflichten wir uns,

  1. unsere Anhängerschaft (Wählerschaft etc.) über die zerstörenden Konsequenzen fehlgeleiteter Theologie – aus dem vergangenen Jahrtausend = christlicher Zionismus und fundamentalistische christliche Lehren – zu belehren, die Hindernisse für den Frieden darstellen, und über die Koexistenz im heutigen Palästina und Israel zu instruieren;

 

  1. Pilgerfahrten auf Gemeindebasis und authentischen Tourismus ins Heilige Land in der Absicht zu vermehren, in Ostjerusalem und in palästinensischen Städten und Dörfern zu bleiben. um mit den einheimischen Gemeinden ins Gespräch zu kommen, ihre Hoffnungen und Ängste aus erster Hand zu erleben und beizutragen zum Gemeindeleben und der wirtschaftlichen Entwicklung;

 

  1. die Entwicklung in und um Jerusalem durch kreativ-soziale und wirtschaftliche Investitionen zu unterstützen und so unsere Verpflichtung in Wort und Tat zu zeigen, indem wir überschneidend im Glauben und mit Finanzen vorhanden sind, und

 

  1. lokale Kirchen und auf Glauben gegründete Organisationen unterstützen, damit sie ihre lebenswichtigen Dienste in und um Jerusalem weiterführen können.

 

Wir bleiben weiter verpflichtet, an diesen Themen zu arbeiten und an diesem Gipfel und den oben angeführten Teilaspekten weiterhin zu bleiben.

Quelle: https://facebook.us14.list-manage.com/track/klicku=70813d3d15ac4637582781be&id=416097202c&e=267525e738   

 

(übers.: Gerhilde Merz)

 

 

 

 

Mach mich nicht für einen Tag zum Freund – und verlass mich nach einem Monat.

Komm mir nicht zu nahe, wenn du mich doch verlassen wirst.

Versprich nicht, was du nicht halten willst.

Sei mir nahe – oder geh‘!

 

Mahmoud Darwish