Das Glas ist mehr als halbvoll!

Palestine Update Nr.196 – 18. Dez. 2018 – Das Glas ist mehr als halbvoll

Meinung

Das Glas ist mehr als halbvoll!

Hoffnung ist, was das Volk von Palästina definiert, selbst dann, wenn die Situation katastrophisch dagegen scheint. Im Laufe der kürzlich beendeten Kairos Palestine Konferenz zeigte dieses einer der palästinensischen Sprecher, als er im Plenum sprach. Er zog das Bild vom halbvollen Glas vor – nicht das vom halbleeren. Er argumentierte, dass trotz der anscheinenden Hoffnungslosigkeit es weder richtig noch nötig ist, die Hoffnung aufzugeben. Er führte zahlreiche Erfolge der Widerstands-bewegung an – nicht nur innerhalb von Palästina; er fand Unterstützung und Rückenstärkung in vielen Akten der globalen Solidarität aus jedem Winkel der Erde. Er war sicher, dass Befreiung und Gerechtigkeit früher als nie kommen werde. In dieser Ausgabe berichten wir einige Themen aus der Presse und von Artikeln, die zeigen, dass das Glas halbvoll ist – vielleicht im Augenblick etwas mehr. Zum Beispiel: Wir lesen, wie die Amerikaner „im Aufwachen“ sind über die brutalen und diskriminierenden Taktiken Israels. Mit Meinungen, die sich gleich verteilen zwischen denen, die für die Einstaat- oder die Zweistaatenlösung sind, wenden viele Amerikaner ihre Aufmerksamkeit den systematischen Ungleichheiten zu, mit denen die Palästinenser konfrontiert sind. Wir lesen auch, wie London Gastgeber wurde für das größte Palästina-Fest von 2018 mit mehr als 3000 anwesenden Gästen und einer Vielfalt von Shows, Ausstellungen und Vorführungen, die palästinensische Kunst, Kultur und Geschichte zeigten. Das Fest dauerte zwei Tage und enthielt um die 30 Ausstellungen in Vitrinen, musikalische Darbietungen, Konferenzen, Vorträge und einen Kranz von Kunstausstellungen usw. Wir lesen auch einen sehr ermutigenden Bericht aus der deutschen Stadt Bremen, wie die Bewohner wöchentlich gegen die israelische Besetzung auftreten – und das seit mehr als sieben Jahren getan haben. Der Protest – organisiert vom Nahost-Forum Bremen – ist überwiegend positiv und unterstützt Vorschläge mit nur minimaler Opposition.

Das Glas hat noch Raum für Zionisten und Anti-palästinensischen Fronten. Eine Gruppe von Aktivisten pro-Israel schieben ganz ruhig Gesetzmacher und Beamte in Schlüsselpositionen im Weißen Haus auf einen Plan hin, der zahlende Bewohner der Westbank interessieren soll, nach Übersee zu übersiedeln – eine Art von ethnischer Säuberung! Der Plan ist nach dem Kopf der Gruppe, „Allianz für Anwaltschaft für Israel“ ein Angebot, um die ethnische und religiöse Bevölkerung von Territorien, die von Israel kontrolliert werden, neu zu ordnen.

In turbulenten Zeiten wird die Hoffnung immer von einer teuren Jüngerschaft begleitet, wie im Falle derjenigen, die um der Gerechtigkeit für die Palästinenser willen vorausgehen. Es bleibt die Hoffnung, dass das Glas stetig weniger und immer weniger Raum für jene bietet, die Gerechtigkeit ablehnen und sich ein kolonialistisches zionistisches Regime wünschen (?).

Ranjan Solomon

Amerikaner wachen auf und sehen Israels brutale und diskriminierende Taktiken

Mit den gleichmäßig zwischen den Befürwortern der Einstaat- und der Zweistaatenlösung geteilten Meinungen wenden viele in den Vereinigten Staaten ihre Aufmerksamkeit jetzt den systemischen Ungleichheiten zu, von denen die Palästinenser betroffen werden(?)                                                    Auszüge aus einem Artikel von Jonathan Cook

Zwei Jahre Friedens-Teamwork im Mittleren Osten von Donald Trump und Benjamin Natanyahu scheinen eine transformative Wirkung zu haben – und in einer Art, die keinem von beiden gefallen will. Die amerikanische Öffentlichkeit ist jetzt gleichmäßig geteilt zwischen denen, die eine Zweistaatenlösung haben wollen und jenen, die einen einzigen Staat vorziehen, der von Israelis und Palästinensern geteilt wird – nach Angaben eines vor kurzem veröffentlichten Überblicks der Universität von Maryland. Und wenn ein Staat Palästina vom Tisch ist, wie eine wachsende Anzahl von Analytikern der Region wegen der Unversöhnlichkeit Israels und der endlosen Zurückstellung des Friedensplanes von Mr.Trump schließen, erhebt sich die Unterstützung für den einzigen Staat steigend auf bis zu zwei Dritteln der Amerikaner. Aber Mr. Netanyahu kann sich nicht verabschieden vom Gedanken, dass gewöhnliche Amerikaner seine Vision von Groß-Israel als einzigen Staat mittragen. Angefragte fordern eine Einstaat-Lösung, bei der Israelis und Palästinensern gleiche Rechte garantiert werden. Als Kontrast bevorzugen nur 17 % der Amerikaner – vermutlich evangelikale Christen und jüdische Hardliner für Israel – den Wunsch der regierenden Parteien Israels, entweder die Okkupation fortzusetzen oder palästinensische Gebiete zu annektieren, ohne den Einwohnern die Staatsbürgerschaft anzubieten. Alles das passiert sogar, obwohl Politiker der USA und die Medien keine Unterstützung für die Einstaat-Lösung zum Ausdruck bringen – in der Tat, eher das Gegenteil!

Die Bewegung, Israel zu boykottieren – bekannt als BDS – wächst im Universitätsgelände in USA, wird aber schlechtgemacht durch die Offiziellen in Washington, die erklären, dass deren Ziel ist, Israel als jüdischen Staat zu beenden, indem ein einiger Staat geschaffen wird,  in welchem alle Bewohner gleich sein würden. Der US-Kongress überlegt sogar eine Gesetzgebung zum Verbot von Boykott-Aktivitäten. Und im vergangenen Monat entließ CNN seinen Kommentator Marc Lamont Hill für die Benutzung einer Rede vor den Vereinten Nationen, um für die Einstaat-Lösung einzutreten – eine Position, die von 35 % der US-Öffentlichkeit getragen wird. Es gibt jeden Grund, um das anzunehmen, im Laufe der Zeit werden sich diese Zahlen noch schärfer gegen Netanyahus Groß-Israel-Pläne und gegen Washingtons Anspruch, ein ehrlicher Makler zu sein, wenden. Unter jüngeren Amerikanern klettert die Unterstützung für „einen Staat“ auf 42 %. Das macht es leicht für ein populärstes Ergebnis innerhalb der Gruppe dieses Alters für Mittelost-Friedensverhandlungen. Ein anderes Zeichen dafür, wie weit Washington entfernt ist von der amerikanischen Öffentlichkeit, zeigt, dass 40 % der Befragten wollen, dass USA Sanktionen verlangt, um Israel zu hindern, seine Siedlungen auf palästinensischem Gebiet auszudehnen. Kurz, sie unterstützen die schwerste Strafe durch die BDS-Plattform.

Und wer ist hauptsächlich schuld an der Unverantwortlichkeit Washingtons? Einige 38 % sagen, dass Israel „zu viel Einfluss“ auf die Politik der USA hat. Das ist eine Ansicht, die von Israel-Lobbyisten fast reflexartig als Beweis für Antisemitismus zitiert wird. Jedoch, ein in etwa gleich hoher   Prozentsatz von US-Juden zeigen ihre Betroffenheit über die Einmischung Israels.

Jonathan Cook ist freier Journalist mit Basis Nazareth

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London war Gastgeber für das größte Palästina-Fest 2018

London war Gastgeber für das größte Palästina-Fest 2018 mit mehr als 3000 Besuchern, und einer Vielfalt von Darbietungen: Shows, Ausstellungen und Schaukästen, in denen palästinensische Kunst, Kultur und Geschichte dargestellt wurden. Dieses Ereignis wird jedes zweite Jahr über den Zeitraum von zwei Tagen von der größten Palestine Festival Group auf einem Ausstellungszentrum durchgeführt, wo es auch musikalische Darstellungen, Konferenzen, Vorträge und einen großen Bogen von verschiedenen Kunstausstellungen gibt.

„Palästina wurde zum Synonym für Politik und Konflikt, und wann immer du Palästina in den Nachrichten siehst, geht es nur um Konflikt mit Israel und die illegale Besetzung, die in seinem Territorium stattfindet“, sagte Sasha, eine 23jährige graduierte Studentin, die zur Hälfte Palästinenserin ist. „Dieses Fest zeigt, dass Palästina und sein Volk viel mehr ist. Palästina hat eine unglaublich reiche Kultur und Geschichte, eine, die nicht nur von ihrem Volk bejubelt und gefeiert wird, sondern auch von vielen, die keine Palästinenser sind; und wir wollen nicht über diesen schrecklichen Konflikt definiert werden und wir wollen der zionistischen Unterdrückung und Besetzung nicht gestatten, uns „zur Sau zu machen“ (= nieder zu machen), fügte sie hinzu.

Unter den vielen Aktivitäten, die stattgefunden haben, freuten sich die Teilnehmenden besonders, traditionelle palästinensische Speisen, wie Falafel, Kunafe, Humus und Foul zu kosten, und eine große Vielfalt von palästinensischer Musik und Tanzdarbietungen zu erleben, wie den berühmten Dabkah-Tanz von der Gruppe Yasmin al-Sham, und palästinensischen Hip-Hop und Rap, dargeboten durch die Gruppe „Rap for Palestine“. Das Event bot auch den Rahmen für Dichter und Künstler des gesprochenen Wortes, die die Zuhörerschaft mitrissen durch ausgearbeitete und ans Herz gehende Beschreibungen der täglichen Unterdrückung, mit denen Millionen Palästinenser im Gazastreifen und in der Westbank zurechtkommen müssen. (Facebook Link: =01e5a10108&e=)

 In Deutschland streiken Bewohner von Bremen wöchentlich gegen die Besetzung

Seit 7 Jahren organisiert eine Gruppe von Menschen aus verschiedenen Sektoren der Gesellschaft – Kirchen, die jüdische Gemeinde, verschiedene politische Parteien, das Friedensforum Bremen und Amnesty International in Bremen, Deutschland – wöchentlich jeden Samstag. einen Streik (Mahnwache ?) „Für einen gerechten Frieden in Palästina – Druck auf Israel“. Die Zusammenkunft dauert eine ganze Stunde und ist friedlich. Sie findet vor der Hauptkirche, dem Bremer Dom, statt. Der Protest wird vom Nahost-Forum Bremen organisiert. Einige Leute reagieren offensiv und klagen die Protestierer an. Im Ganzen ist jedoch die Aufnahme überwiegend positiv und unterstützend. Das deutet darauf hin, dass diese Menschengruppe fortschrittlicher ist als die durchschnittlichen deutschen Kirchenleiter und Politiker. Weil die protestantische Dom-Gemeinde diese Aktion der Protestierer nicht unterstützt, dürfen sie auch nicht auf den Stufen zum Dom stehen. Deshalb stehen sie unterhalb der Stufen auf kommunalem Grund.

Messianische Gruppe wünscht sich US-Unterstützung für den Plan der ethnischen Säuberung

Eine pro-israelische Aktivistengruppe schiebt ganz leise Gesetzgeber und Beamte des Weißen Hauses in Schlüsselpositionen in die Richtung, einen Plan zu befürworten, der dahin geht, Bewohner Palästinas in der Westbank zu bezahlen, wenn sie auswandern. Der Plan ist ein Angebot, um die ethnische und religiöse Bevölkerung der von Israel kontrollierten Territorien neu zu formen – Angabe durch den Leiter einer Gruppe, die sich „Allianz für Anwaltschaft für Israel“ nennt. Wenn es nach dem Plan der Gruppe geht, wird die Gesetzesvorlage im Jänner erstellt werden, wenn der neue Kongress zusammentritt; dabei sollen US-Fonds, die einst für die Vereinten Nationen für palästinensische humanitäre Unterstützung bestimmt waren, in eine Gutschrift verwandelt werden, die von der israelischen Regierung verwaltet wird. In der Zusammenfassung des Vorschlags wird festgehalten, dass das Geld helfen soll, die permanente Umsiedlung von Palästinensern aus der Westbank in Länder wie die Türkei, Schweden, die Vereinigten arabischen Emirate oder die Vereinigten Staaten zu finanzieren.

Die Bemühung wird verfochten durch die „Allianz für Anwaltschaft für Israel“, einer Unterstützer-gruppe, die sich aus der „Messianischen Jüdischen Allianz von Amerika“ formiert, einer ehrenamtlichen Gruppe von Juden, die zum Christentum übergetreten sind, aber immer noch verschiedene jüdische Bräuche praktizieren. Die sogenannten „Messianischen Juden“ teilen weithin die Spiritualität der modernen neugeborenen Evangelikalen. „Wenn es Bewohner Palästinas gibt, die auswandern wollen, werden wir Fonds für sie zur Abwanderung bereitstellen in der Hoffnung, innerhalb von zehn Jahren die Demographie der Westbank in Richtung auf eine mögliche Annexion zu verändern …“ Dazu Lieberman: „Unsere Organisation befürwortet – und so steht es in unserem Gesetzesvorschlag – sagen wir, wir bieten Sponsoring an, wenn irgendwelche palästinensische Bewohner auswandern möchten und in ein anderes Land gehen, werden wir Fonds für euch bereitstellen, damit ihr gehen könnt.“

Menschenrechtsorganisationen waren überrascht, von diesem Vorschlag der „Alliance for Israel Advocacy“ zu hören und verurteilten diesen Vorschlag sehr schnell. „Jede Umschichtung von Zuweisungen der USA von Hilfe, die der UNO für humanitäre Arbeit gegeben wird, auf ein Gutschriften-System, das dem Zweck dient, Palästinenser zu ermutigen, ihre Heimat zu verlassen, würde Unterstützung der USA für ethnische Säuberung bedeuten.“ schrieb Mike Merryman-Lotze, der Mittelost-Programmdirektor für das Dienst-Komitee der amerikanischen Quäker in einer E-Mail als Antwort auf eine Zusammenfassung des Vorschlags der „Alliance for Israel Advocacy“.       (Facebook Link: =b229c5a910&e=)

(Übers.: Gerhilde Merz)

 

Mach mich nicht für einen Tag zum Freund – und verlass mich nach einem Monat

Mir nicht zu nahe, wenn du mich doch verlassen wirst.

Versprich nicht, was du doch nicht halten willst.

Sei mir nah‘ – oder geh‘!

Mahmoud Darwish