„Du hast einen Palästinenser geheiratet – Du darfst nicht nach Israel reisen“

Palestine Update Nr. 234 – „Du hast einen Palästinenser geheiratet – Du kannst Israel nicht betreten“ 14.4.19

Meinung

„Du hast einen Palästinenser geheiratet – Du darfst nicht nach Israel reisen“

Israels Praktiken bei der Familienzusammenführung erregen starkes Ärgernis

Diesmal bringt Palestine Updates die Ansichten der Familie Zoughbi zur Einreise-verweigerung für die Mutter.

Zoughbi Zoughbi ist der Direktor des Wi’am Palestinian Conflict Transformation Center in Bethlehem

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Wi’am ist eine Graswurzel-Organisation der Zivilgesellschaft mit Stammsitz in Bethlehem; ihre Mission ist Friedensbildung und die Ermächtigung von Gemeindegliedern als Agenten für eine Veränderung. Zoughbi beschreibt sich als Palästinenser, der glaubt, dass Gewalt den Menschen entmenschlicht. Daher versucht er, durch gewaltloses Ringen den gemeinsamen Grund im Judentum, Christentum und Islam in dem Glauben zu finden, dass alle Menschen im Bilde Gottes geschaffen wurden.

In seinem Zeugnis „Die scharfen Ecken umfassen“ teilt Zoughbi seine Traurigkeit und Verachtung über die Art, in der man seiner Frau die Erlaubnis verweigerte, Israel zu betreten, als sie aus den USA zurückflog, um anlässlich der Hochzeit des gemeinsamen Sohnes bei der Familie zu sein. Im zweiten Zeugnis schreibt Elaine, die Ehefrau, eine amerikanische Staats-bürgerin, über ihre Emotionen und Details des Zusammentreffens mit einer unwahrscheinlich kalten und einsichtslosen Gruppe von Immigrationsbeamten, die nur einen einzigen Grund fanden, sie so zu behandeln, wie sie es taten. Elaine hatte einen Palästinenser geheiratet. Zoughbi beschreibt das pointiert. „Die Geschichte unserer Familie ist nur eine von vielen ähnlichen Geschichten, besonders von solchen, bei denen Palästinenser eine Person aus einem anderen Land heiraten oder von Palästinensern, die in der Diaspora leben. Meine Geschichte hat mich hart getroffen. Familien haben das Menschenrecht zusammen zu sein, das ist die Basis aller Menschenrechte, ob jemand morgen heiratet oder ist verheiratet 30 Jahre lang von morgen aus“.

Bitte, lest diese Zeugnisse und verbreitet sie weit. Sie sind tief und berührend. Es hört nie auf, jene von uns zu verwundern, die von außen erfahren, wie ruhig Palästinenser selbst unter den härtesten Umständen bleiben und ihre eigene Gegnerschaft als Gründe anschauen, für universelle Gerechtigkeit zu kämpfen, nicht nur für ihre eigene.

Wenn jemand der Familie Zoughbi einen Brief der Solidarität schreiben möchtet, hier ist die E-mail-Adresse: zoughbi@alaslah.org

In Solidarität,
Ranjan Solomon

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*Die scharfen Ecken umfassen*‚

Von Zoughbi Zoughbi

Wir sind noch im Schock über die unmenschliche Behandlung meiner Frau, die seit 1990 mit mir verheiratet ist; wir haben unsere vier Kinder während dieser Jahre miteinander aufgezogen. Vorige Woche kam sie sehr früh zum Flughafen in South Bend, Indiana, um über Chicago nach Newark und dann nach Tel Aviv zu fliegen. Ihre Kinder und ich konnten es kaum erwarten, sie zu begrüßen, willkommen zu heißen, sie zu küssen und zu drücken. Mit großer Vorfreude konnten wir nicht erwarten, unsere Familie zu vereinen, und uns gemeinsam an die Vorbereitungen für die Hochzeit unseres Sohnes Lukas zu machen. Unsere Herzen begannen schneller zu schlagen, als wir warteten zu erfahren, wie das Flugzeug in Tel Aviv landete, damit wir mit ihr am Telefon sprechen und ihre Stimme hören würden. Wir saßen aufgeregt zu Hause und warteten auf ein Wort von ihr. Nachdem wir zuerst froh waren, dass sie sicher und voll Freude am Flughafen von Tel Aviv gelandet war, blieben wir nachher festgewachsen neben dem Telefon, weil wir wussten, dass die israelischen Behörden manchmal unsere Verbindung abfragen wollten, um sicher zu stellen, dass sie mit uns verwandt war. Nach fast 30 Jahren wissen wir schon, dass sie die Daten aller unserer Familienmitglieder haben. Obwohl ihnen alle Information zugänglich ist, die sie brauchen, ist dieser Anruf eine subtile Art für sie, eine extra-Demütigung anzuwenden. Das geschieht, obwohl wir dafür bekannt sind, dass wir eine friedliebende Familie sind und versuchen, treu im Heiligen Land zu leben. Wir weigern uns zu hassen.

Als wir später mit ihr sprachen, bemerkten wir, wie der Ton und die Lautstärke in ihrer Stimme gestresster und angespannter wurde, weil sie vier oder fünf Stunden lang warten musste, ohne zu wissen, ob sie sie ins Land einlassen würden. Auch wenn sie eine amerikanische Staatsbürgerin ist, erklärten sie offen, sie sei eine Kriminelle, weil sie einen Palästinenser geheiratet habe. Das ist herzzerreißend, weil wir wissen, dass sie schon so viel für ihre Kinder und ihren Ehemann geopfert hat und die Bequemlichkeiten ihrer Heimat, der Vereinigten Staaten, wo sie ein Dach von Frieden und Ruhe verlassen hatte, um zu einem ihr fremden Platz zu kommen. 29 Jahre lang ging meine Frau über ihre Via Dolorosa, hatte sie alle drei Monate ihr Visum zu erneuern. Sie hoffte, ein Visum für ein Jahr zu bekommen, als Vorbereitung für den Erhalt des permanenten Bewohnerrechts. Der Friedensprozess von 1993 hat uns zur falschen Hoffnung verführt, dass wir keine Angst mehr zu haben brauchten und keinen Schmerz. 29 Jahre lang haben die Behörden ihr Spiel mit ihr getrieben: Einreisen lassen oder nicht. Meine Frau hat einmal gesagt, man ehre sie damit, als palästinensischer Flüchtling behandelt zu werden, unter jenen leben zu dürfen, die keinen sicheren Platz haben, keine sichere Zukunft. Sie wählte, ein stressigeres Leben zu haben, das Leben, das wir unter Okkupation haben. Meine Kinder sagten, meine Frau sei einmal die Privilegierteste in der Familie gewesen, sie wurde zur am wenigsten Privilegierten. Nicht nur das, aber jetzt muss sie noch mehr Schmerz und Stress aus keinem offensichtlichen Grund ertragen, nur weil sie ihre Kinder und ihren Mann unter nur einem Dach sammeln möchte.

Das ist nicht nur eine persönliche Geschichte, es ist die Geschichte meines Volkes. Wir lassen uns nicht durch die ständige Verletzung und Demütigung entmutigen und dezimieren. Unsere Pflicht wird nicht ein Weg unter vielen sein, sondern der Weg der Gewaltlosigkeit und der Kampf um die legale Restitution. Wir weisen Gewalt zurück. Aber wir wollen nicht aufgeben, auch nicht, wenn unsere Unterdrücker neue Möglichkeiten orchestrieren, um uns wegzustoßen, aus unserer Heimat. Dem Himmel sei Dank, wir sind in der Fastenzeit, weil unsere Geschichte in der Passion Christi wiederklingt. Ich weiß nicht, auf welcher Stufe zum Kreuz wir stehen – von der ersten bis zur 14ten – aber ich weiß, hier liegt eine Verweigerung und Zurückweisung der Gegenwart meiner Frau hier, wie für alle Palästinenser und jene, die sie lieben.

Dieser Vorfall erinnert uns, dass es ein Gesetz von 1951 gibt, das israelische Gesetz der Rückkehr. Es wurde in Israel eingehalten und gestattet jedem, der eine jüdische Ur-Ur-Großmutter hat, hierher zu kommen und da zu leben, unabhängig von jedem anderen Kriterium, wie der Rasse, Ethnizität, Nationalität. Ort der Geburt, oder wen immer er/sie heiratet. Sogar dieses Gesetz wird jetzt aufgegeben, wenn es nicht passt. Neu angekommene israelische Bürger machen Entscheidungen über Leben und Tod über die hier am Ort tief Verwurzelten, die keine Stimme haben. Wir mit der langen Geschichte und einer langen Gemeinsamkeit mit diesem Land und den Menschen in diesem Land haben keinen Platz hier. Wie in der Bibel steht: „Die Füchse haben Höhlen und die Vögel haben Nester, aber der Menschensohn hat keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen kann“ (Matth. 8, 20). Es gibt keine Auferstehung ohne die Via Dolorosa oder Golgatha. Ohne Überraschung folgen wir Jesus. Aber als seine Nachfolger wollen wir nicht zulassen, dass ihre Versuche, uns zu kreuzigen das letzte Wort sind. Die Mächtigen sollten ihre Lektion von vor fast 2000 Jahren gelernt haben. Unser Herr wurde durch Schmerz und Demütigung nicht besiegt und er ist auferstanden trotz der demütigenden Verfahren der Via Dolorosa und dem Schmerz von Golgotha. Sie vergessen: ER hat den Sieg schon gewonnen – in jedem Kampf gegen die Ungerechtigkeit.

Wie in anderen Zeiten wurden meine Familie und ich durch Agape und Liebe von unseren Brüdern und Schwestern umlagert um uns zu stärken, und wir sind der Belagerung der Besatzungsmächte nicht zum Opfer gefallen. Die Stimmen von Christen, Muslimen und jüdischen Brüdern und Schwestern haben mir gesagt, wie sehr sie die Aktion der Regierung verachten. Sie alle drückten ihre Solidarität, Empathie und ihr Mitleiden in Anrufen bei meiner Frau und Familie aus, um uns zu sagen, sie seien mit uns. Das hat unser Gemüt wieder belebt. Es hat unsere Batterien aufgeladen und uns geholfen, „die scharfen Ecken zu umfassen“ und den beabsichtigten Schmerz kleiner zu machen.

Die Geschichte unserer Familie ist nur eine von vielen ähnlichen Geschichten, besonders der Palästinenser, die Personen aus anderen Ländern geheiratet haben oder von Palästinensern, die in der Diaspora leben. Meine Geschichte hat mich hart getroffen. Familien haben das Menschenrecht, zusammen zu leben, es ist die Basis aller Menschenrechte, ob jemand morgen heiraten wird oder schon vor 30 Jahren geheiratet hat.

Ich würde eine Kampagne empfehlen. Um alles Leiden unseres Volkes zu beenden; Familien-zusammenführung kann das Rückgrat dieser Kampagne sein. Es ist eine Kampagne, um das Gesetz hochzuhalten und Lobby zu betreiben für Familie. Die in der freien Welt müssen Druck ausüben auf ihre Regierungen, um diese Okkupation zu beenden, und den Menschen hier zur Ko-Existenz auf gleicher Augenhöhe mit Würde und Integrität verhelfen.

Gerechtigkeit für alle – nicht nur für einige,                                                                                               für alle Kinder, für alle Familien, für alle Ehemänner und Ehefrauen.

offnung geführrtHoff

*Du bist ein Sicherheitsrisiko – du hast einen Palästinenser geheiratet*

Gestern wurde Elaine, der amerikanischen Staatsbürgerin und Ehefrau von Zoughbi E.A. Zoughbi das Betreten von Israel verweigert. Sie war zurückgekommen von einem Besuch in den USA und die Familie erwartete sehnlichst ihre Heimkehr. Als Elaine den israelischen Sicherheits-Offizier fragte, wieso andere Staatsbürger der USA in Israel einreisen können mit einem 3-Monate-Visum und sie nicht mehr, sagte die Sicherheitsperson: „Weil du einen Palästinenser geheiratet hast.“ Ich finde das komplett beleidigend, und bin sehr traurig für diese nette Familie.

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Ich möchte meine FreundInnen bitten, die beiden folgenden Einschaltungen zu lesen – die erste wurde gestern von Tarek, Elaine’s Sohn geschrieben. Er beschreibt die Freude mit den Vorbereitungen für die Rückkehr seiner Mutter und dann den Schmerz und den Ärger zu hören, dass man ihr die Einreise verweigert hatte. Im zweiten Teil beschreibt Elaine ihre Behandlung durch die israelische Sicherheitswache am Flughafen. Tarek schreibt: „Warnung an alle, die das schwarze Loch scrollen – das ist Facebook. Wenn du etwas Positives haben willst, geh von dieser Stelle weiter.

Am 3. April sollte das Fest stattfinden. Für meine muslimischen Freunde und die Gemeinde war das „Eid Al-Isra’wal Mit’raj“, und für meine Familie der lang erwartete Tag, an dem unsere Mutter, Elaine Zoughbi, nach Bethlehem/Palästina zurückkehren sollte. Meine Mutter hat eine ganze Woche damit verbracht, zu packen und sich zu sorgen, ob sie wohl alles bedacht hatte, was sie und die Familie brauchen würden; meine Schwester und mein Bruder haben sie gut unterstützt. Auf der anderen Seite des Ozeans bemühten sich mein Vater, mein Bruder und ich, das Haus sauber zu machen und Vorbereitungen für ein kleines Fest mit unseren Lieblingsspeisen zu treffen. Meine Mutter verlässt South Bend am Dienstag morgens um etwa 5 Uhr (AM), damit sie in Tel Aviv am nächsten Tag um ca. 10.20 (AM) ankommen kann. Hurra! Sie ist sicher gelandet, sie ist erschöpft, aber sie ist glücklich zurück mit dem Versprechen, ein halb sauberes Haus und ein gemütliches Bett vorzufinden. Sie macht sich auf zum Sicherheitspunkt und jeder von uns ratet, wie lange sie brauchen wird.

Es ist 1.30 Uhr (PM), ihr Pass wurde ihr abgenommen und sie hat 2 Stunden lang auf ihren Aufruf warten müssen. Um 2.30 Uhr erklären sie ihr, dass sie nicht einreisen kann, und es wird ihr ein Papier zur Unterschrift ausgehändigt, dass sie aufgrund illegaler Immigration,

öffentlicher Sicherheit und anderer Überlegungen nicht einreisen darf. Alles in allem: sie ist ein Sicherheitsrisiko.

Seht, meine Mutter, seit 1990 verheiratet, hat immer noch kein Recht, mit ihrer Familie zu leben. Meine Mutter hat während ihrer ganzen Ehe mit Touristenvisa hin und her leben müssen und hat den Ärger gehabt, ob Israel ihr die Einreise nach Palästina erlauben würde oder nicht. Heute ist die Antwort NEIN. Um noch ein Weniges hinzu zu fügen: es ist wichtig zu erklären, dass meine Mutter US-Staatsbürgerin ist und Steuerzahlerin. Die Steuern der USA und die allgemeine politische Unterstützung haben Israel die Macht gegeben, seine eigenen Wege zu graben und nach Belieben zu schalten, so lange Onkel Tom sie unterstützt.

Der größte Verbündete der Vereinigten Staaten hält eine seiner Mütter für ein Sicherheitsrisiko, was Haft und Zurückhalten von Information einschließlich dem Ticket dieser Person zur Folge hat. Wie das Sprichwort schon sagt: „Der einzige Weg, um Freundschaft wahrhaftig zu messen, ist durch Einsperren und Zurückhalten von Information derer, die direkt dafür verantwortlich sind“.

Hier kommt der Witz … Wir haben das schon früher ausprobiert und haben von den Erfahrungen anderer gehört, aber trotzdem waren wir voll Hoffnung. Der Schock treibt uns, als wir uns beeilen, alle anzurufen, bei denen wir eine Spur von Einfluss vermuten. Wir verwenden unsere Zeit von diesem Moment an bis 10.44 Uhr PM, als unsere Mutter uns informiert, dass man sie zurück zum Flugzeug begleitet hat. Während der ganzen Zeit war meine Mutter wach und in Angst, als es schien, dass jeder Kontakt mit ihr ebenso wie sie selbst als Sicherheitsrisiko ausgelegt werden könnten. Wir riefen an, warteten und hofften, und dann verschwand unsere Hoffnung. Das Essen stand auf dem Tisch, die Familie und unser Cousin, der sie auf Anruf abholen würde, warteten.

„Ich wollte euch wirklich alle sehen, ich vermisse euch“. Das waren die Worte, die meine Mutter ganz ruhig äußerte, als sie sich von ihrem Flugzeug aus verabschiedete. Unsere Herzen schlugen laut aus Protest, aber alles, was wir sagen konnten, war, dass es uns leidtäte. Wir verbrachten die übrige Zeit damit, die Reste unseres Essens wegzuräumen und uns bei der Familie, einschließlich meines Bruders und meiner Schwester, die auf einen Anruf über ihr sicheres Ankommen warteten, zu entschuldigen. Es täte uns leid, die Hoffnung so lange aufrecht erhalten zu haben, und unsere Herzen tragen die Konsequenzen.

Es ist Fastenzeit und ich möchte mir diesen Moment nehmen, um euch alle zu fragen, von was fastet ihr? Ich hatte vor, an den verbliebenen Tagen keinen Zucker und keine Schokolade zu mir zu nehmen, aber die israelische Besatzung scheint beschlossen zu haben, dass wir auch fasten müssen vom Anblick unserer Mutter in dieser Fastenzeit. Kürzlich habe ich die Exodus-Geschichte (2.Buch Mose) gelesen. Was mir besonders auffiel war das Faktum, dass Gott die Herzen der Ägypter und des Pharao verhärtete, indem er ihnen erlaubte, ihr Wort zurück zu nehmen und mit der Unterdrückung und Versklavung der Leute fortzufahren. So frage ich mich heute, welcher Gott es ist, der das Herz Israels verhärtet. Sind es die Götter der Sicherheit, des Reichtums und der Bürokratie? Und ich frage mich weiter, ob mein Volk je die Freiheit erlangen wird, oder ob wir dazu verdammt sind, besetzt zu bleiben oder noch schlimmer, in mehr und neue Diaspora gezwungen zu werden?

Weg von dem Wandern der Gedanken zur Gegenwart – jetzt wollen wir uns Gedanken über die Zukunft machen. Ebenso, wie das Land nicht in der Lage war, meine Mutter aufzunehmen, so gibt es heute abends kein Ausruhen für die Familie. Stattdessen sind wir gezwungen, uns mit den Ärgernissen und der Betroffenheit auseinander zu setzen, die wir nicht zur Ruhe bringen können … mein Bruder soll in diesem Mai in Palästina heiraten und wir denken nur darüber nach, ob wir in der Lage sein werden, unsere Mutter bei uns zu haben. Schlimmer noch, einige von uns plagt der Gedanke, ob unter solchen Bedingungen unser Fest wirklich gefeiert werden kann, oder ob nur eben die Zeremonie stattfinden wird. Für meinen Bruder ist die Betroffenheit noch ärger, weil seine zukünftige Frau zwar auf jeden Fall Palästinenserin ist, aber von einer Nationalität, die sie den gleichen Beschimpfungen und Feindseligkeiten aussetzen könnte, denen meine Mutter und die Familie gegenüberstehen.

Der beste Teil von all diesem ist, dass man als Person, als Familie und als Gemeinde vollkommen machtlos ist. Alles, was wir tun können ist hoffen, warten und beten. Manchmal sind wir fröhlich überrascht, aber die meiste Zeit verbringen wir mit dem Erinnern, dass unsere Leben nicht unser Eigen sind, und dass unsere Lebensmöglichkeiten nach einem anderen und viel niedrigerem Standard gemessen werden als die anderer. Es ist an diesem Punkt wichtig zu sagen, dass neben diesem einen Ereignis mein Volk, meine Familie und ich noch an anderen Realitäten und Konsequenzen der Okkupation leiden und unser Leben unter Systemen von Unterdrückung und Ungerechtigkeit zu leben haben.

Zuletzt könnte ich romantisch werden und das über Familien-Vereinigung sagen: „Liebe ist eines der größten Sicherheitsrisken Israels (so lange eine oder mehr Personen Palästinenser oder von palästinensischer Abstammung sind)“. Aber heute biete ich keine hoffnungsvollen Worte oder politischen Slogans an, sondern nur das Bild einer Familie, die sich aufmacht zu einem unruhigen Schlaf nach einer nicht genossenen Mahlzeit, und einem Familienmitglied, das fehlt, und das wir uns so erhofft hatten für diesen Abend. Mögen eure Familien glücklicher sein und möge unsere Welt eines Tages versuchen, allen wandernden Familien, die wir getrennt haben und allen von Krieg und Konflikt bedrohten Gemeinschaften, die wir vernachlässigt haben, Gerechtigkeit zu bringen. Mögen unsere Zungen uns zu Aufrichtigkeit  verführen trotz aller unserer Unruhen und Ängste – und möge unser Ärger uns immer auf die Aktion hin bewegen, die in Gerechtigkeit wurzelt und von der Liebe informiert wird.

Gute Nacht und mögen unsere Träume von Freiheit und Gerechtigkeit eines Tage in unserem realen Leben Wurzeln schlagen … und eines Tages BALD !

(Übers.: Gerhilde Merz)

 

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