*Ein palästinensischer Führer zum Überleben einer Quarantäne*

Palestine Update Nr. 352 – Ein palästinensischer Führer zum Überleben einer Quarantäne, 8.4.20

*Ein palästinensischer Führer zum Überleben einer Quarantäne*

Über Glauben, Humor und „Holländische Bonbons“

*Jetzt, wo fast die Hälfte der Bevölkerung des Planeten Erde irgendeine Art von „Ausgehverbot“ in der einen oder anderen Form erfährt, möchten Palästinenser einige Vorschläge teilen, wie man eine verlängerte Gefängniszeit überleben kann – nach Art der Palästinenser.*

 Nennt es ‚Quarantäne‘ oder ‚Schutz am Ort‘, eine ‚Aussperrung‘ oder ein ‚Ausgehverbot‘, wir Palästinenser haben das alles erlebt, jedoch alles überhaupt nicht freiwillig. Ich persönlich habe die ersten 23 Jahre meines Lebens in virtueller Absperrung verbracht. Viel früher erlebte mein Vater Quarantäne, ebenso wie sein Vater vor ihm „Schutz am Ort“. Beide sind gestorben und wurden auf den Friedhöfen in Gaza begraben, ohne je wirkliche Freiheit außerhalb ihres Flüchtlingslagers in Gaza erlebt zu haben. Jetzt hat die Quarantäne in Gaza einen anderen Namen. Wir nennen sie „Belagerung“, auch bekannt unter dem Wort „Blockade“. In der Tat war ganz Palästina in einem Zustand der „Aussperrung“ seit den späten 1940ern, als Israel ein Staat wurde und die Heimat der Palästinenser von den zionistischen Kolonisten mit Unterstützung ihrer Wohltäter im Westen ausradiert wurde. Die Aussperrung wurde 1967 intensiviert, als Israel, jetzt ein mächtiger Staat mit einer großen Armee und starken Verbündeten, die übrig gebliebenen Teile von Palästina – Ostjerusalem, die Westbank und den Gazastreifen okkupierte. 

Unter dieser Aussperrung wurde die Bewegungsfreiheit der Palästinenser in einem Ausmaß beschnitten, dass Palästinenser Erlaubnisscheine vom israelischen Militär benötigten, um die „Occupied Territories (opt = besetzten Gebiete) zu verlassen oder nach Hause zurückzukehren, sich von einer Stadt in eine andere zu bewegen, und zeitweise, um einen einzigen israelischen Militär-Checkpoint oder eine befestigte Mauer zu überschreiten. In Palästina nennen wir unser Gefangensein

nicht „Aussperrung“, sondern „militärische Okkupation“ oder „Apartheid“. Was „Schutz am Ort“ betrifft, so haben wir dafür einen anderen Namen. Wir nennen es ein „vom Militär verhängtes Ausgehverbot“.  

Die Periode zwischen 1987 und 1993 war eigentlich nur ein Ausgehverbot. Tausende Menschen, meistens Kinder, wurden getötet, weil sie versäumt hatten, die Regeln ihrer kollektiven Gefangenschaft zu achten. In Gaza verließen wir, auch wenn eine volle militärische Ausgangsperre nicht gegeben war, selten unsere engen und überfüllten Quartiere, und schon gar nicht unsere Flüchtlingslager. Wir waren alle verfolgt von der Angst, dass wir vielleicht nicht in der Lage waren, um 8 Uhr abends zuhause zu sein, in der Zeit, die vom israelischen Militär für uns alle vorgesehen war, nach Hause zurückzukehren. Jeden Tag konnten wir 10 bis 15 Minuten vor der nächtlichen Ausgangsperre das Knattern und Zischen von Geschoßen hören, wie sie aus verschiedenen Distanzen durch die Luft flogen. Automatisch würden wir schließen, dass irgendeine arme Seele – ein Arbeiter, ein Lehrer, oder ein unwilliger Teenager – seine Chance um ein paar Minuten vertan hatte und dafür den Preis bezahlte. 

*Lesen Sie in IMEMC „Palästinischer Führer zum Überleben einer Quarantäne“

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*Netanyahu-Gantz kommen überein, die Annexion von palästinensischem Land zurückzustellen*

Israels Premierminister Benjamin Netanyahu stimmte zu 90 % der strittigen Themen mit dem Führer von „Blue and White“ Benny Gantz überein, dass die Bewegung zur Annexion von palästinensischen Ländereien für eine Periode von 4 bis 6 Monaten zurückgestellt werde, hört man aus gut informierten Quellen über die Verhandlungen. Die beiden israelischen Offiziellen beschlossen, dass die Regierung ein vordringliches Anliegen haben müsse, und das heißt, den Corona Virus zu bekämpfen und das Budget des Staates zu sichern, um einen Kollaps der Gesundheit und der Wirtschaft zu verhindern. Sie kamen auch überein, die Themen Annexion des Jordantales und der Regionen am nördlichen Toten Meer zurückzustellen und das israelische Gesetz in den Siedlungen in der besetzten Westbank einzuführen. Die Quellen gingen weiter und stellten fest, dass Netanyahu fühlt, es gäbe eine große Verschwörung, um ihm die Macht wegzunehmen und bemerkten, dass der Premier-minister von „versteckten Kräften“ sprach, die er beschrieben hat als einen „versteckten Staat, der sich wünscht, ihn eingesperrt zu sehen“. 

Gidi Weitz, der Investigativ-Journalist von Haaretz, sagte am Freitag (3.April ?), dass Natanyahu seine Genossen informierte, dass das Land, obwohl er wiederholt gewählt worden war, von einem „versteckten Staat“ kontrolliert werde … „Hier gibt es keine Demokratie, sondern eine Regierung aus Bürokraten und Juristen“, und er fügte hinzu, „Sie wollen mich im Gefängnis sitzen sehen.“  Der Premierminister beschuldigte den Vorsitzenden von Yisrael Beiteinu, Avigdor Lieberman, hinter diesen Kräften zu stecken, die versuchten, ihn zur Strecke zu bringen. Seiner Ansicht nach haben die Agenturen zur Durchführung der Gesetze Informationen, die ein gerichtliches Verhör gegen Lieberman rechtfertigen würden, Diese würden sie aber nicht anwenden, so lange er versucht, Netanyahu politisch zu zerstören. Der Bericht von Weitz sagt aus, dass es noch unklar ist, ob die Gerichtshöfe öffnen würden – wegen der Corona Virus Krise. „Er wird das Verfahren eröffnen, antworten, sehen, wie die Winde blasen, und dann wird er eine Entscheidung treffen“, sagt ein Politiker, der Netanyahu kennt.

Der Politiker sagte, Netanyahu könnte versuchen, zum Präsidenten ernannt zu werden, was ihm eine völlige Immunität gegenüber seiner Verfolgung gäbe. Er glaubt, die Knesset würde ihn zum Präsidenten wählen, während sein Verfahren läuft, weil sie ihn gern loswerden möchte, und er setzte hinzu, dass der Hohe Gerichtshof nicht unbedingt intervenieren würde. Quellen glauben, dass dieses Thema entscheidend sein wird, ob oder nicht es zu einer Regierungseinheit kommen würde, die drei Jahre lang halten könnte, oder ob Netanyahu diese fallen ließe, wann es ihm passt, und neue Wahlen anführen möchte, die ihn erneut zur Macht bringen.

Lesen Sie den ganzen Bericht in „Aawasat.com“

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*Rechtsgruppen fordern sofortige vorbeugende Maßnahmen in israelischen Gefängnissen*

Die in Haifa ansässige Gruppe „Adalah“ – das Rechtszentrum für die Rechte der arabischen Minorität – und die in Ramallah stationierte Gruppe „Addameer Prisoners Support and Human Rights Association“ (=Addameer Gefangenen-Unterstützung und Menschenrechts-Association) sandten einen dringenden Brief an den vorläufigen Direktor Asher Va’aknin des  „Israel Prison Service“ (IPS) und verlangten darin sofortige vorbeugende Maßnahmen, um die Verbreitung des Corona Virus im Ofer-Gefängnis zu entdecken und zu verhindern. Die palästinensische Kommission für die Angelegenheiten von Häftlingen und ehemaligen Häftlingen berichtete am 1. April, dass der palästinensische Gefangene Nour Eddin Sarsour, der einen Tag früher aus dem Ofer-Gefängnis entlassen worden war, positiv auf Covit-19 getestet wurde.

Der Bericht der Kommission der palästinensischen Häftlinge ist extrem bestürzend und zeigt die Notwendigkeit sofortiger Maßnahmen, um Gefangene zu entdecken und zu isolieren, die in Kontakt zu der entlassenen Person gestanden sind, die positiv auf Corona Virus getestet wurde, schrieben die beiden Rechtsorganisationen in einer gemeinsamen Presseaussendung.

*Lesen Sie den ganzen Bericht in „Palestine Chronicle*

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*Existentielle Ängste, Hoffnung und Solidarität: Zurechtkommen mit 30 Tagen Quarantäne im Aida-Lager*

Abdulrahman Abu Srour holds up his medications for diabetes and blood pressure that he receives from the UNRWA clinic in Bethlehem. © 2020 UNRWA Photo by Yumna Patel(Bild: Abdulrahman Abu Srour zeigt seine Medikamente gegen Diabetes und Blutdruck, die er von der UNRWA-Klinik in Bethlehem bekommen hatte. Copyright 2020 UNRWA, Photo von Yumna Patel)

Ein Monat war vorüber, seit man die Stadt Bethlehem wegen des Ausbruchs von Covit-19 in der City abgeschlossen hatte und die Bewohner mit Ausgangssperre belegte, darunter tausende palästinensische Flüchtlinge. Die Ausgangsperre hätte zu keiner schlimmeren Zeit für die Bewohner von Bethlehem kommen können, die für ihren Lebensunterhalt sehr stark vom Tourismus abhängen. Im Laufe eines Tages waren tausende Menschen arbeitslos geworden und wussten nicht, womit sie ihre nächsten Zahlungen begleichen sollten, und wie lange es währen würde, bis sich die Dinge wieder normal entwickeln. Ganze Gemeinschaften, wie das Aida-Flüchtlingslager, fühlten sehr plötzlich die Einwirkung der Ausgangsperre, weil ihre Arbeitskraft plötzlich zuhause einzusetzen war, die Schulen geschlossen waren und die geschäftigen Straßen im Lager in lautlose Stille verfielen.

Für Menschen wie den 56jährigen Abdulrahman Abu Srour war die erste Sache, die ihm bewusst wurde, als er die Neuigkeit vom Ausbruch hörte, seine Gesundheit. Wie viele der älteren Bewohner von Aida hatte Abu Srour eine Reihe von früheren Gesundheitsschwächen wie Diabetes und hohen Blutdruck. „Wir haben in den Fernseh-Nachrichten gesehen, dass der Virus Leute mit chronischen Krankheiten wie mich besonders schwer angreift, das ist beunruhigend“, sagte Abu Srour.               

„Aber als ich auf Facebook einen Link von Ibrahim Abu Srour sah, dem Community and Camp Service Officer (CCSO) in Aida, und sein Angebot, die (Arzt)-Rezepte der Leute vom UNRWA-Gesundheitszentrum in Bethlehem abzuholen und sie ins Lager zurück zu bringen“, sagte Abu Srour, „war ich wieder guter Dinge. Es war eine solche Entlastung, dass Ibrahim von seinem direkten Weg abschwenkte, um das für Leute wie mich zu tun, damit wir nicht in die Stadt gehen mussten und uns vielleicht dem Virus aussetzen.“ Abu Srour setzte noch hinzu, dass die Entscheidung der UNRWA, den Patienten Rezepte für zwei Monate auszustellen statt bisher nur für eines, „eine ganz große Hilfe war“. 

Lesen Sie den Bericht der UNRWA

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*Jüdische Siedler schlagen einen Palästinenser und entführen seine Söhne in der Nähe von Ramallah*

Heute griff eine Gruppe von jüdischen Siedlern einen palästinensischen Mann im Dorf Kubar im Nordwesten von Ramallah brutal an und entführte seine beiden Söhne nach Angabe der Agentur WAFA für palästinensische Neuigkeiten. Etwa 10 bewaffnete Siedler aus der illegalen Siedlung Halamish – in der Nähe von Kubar – griffen Samir Zeebar an und kidnappten hernach seine beiden Söhne Abdul Fattah und Mahmoud, beide um die 20, während diese ihr Land pflügten. Siedlergewalt gegen Palästinenser und ihr Eigentum ist in der Westbank Routine, und wird nur selten von den israelischen Behörden geahndet. 

„Die jüdische Siedlergewalt sollte nicht separat von der Gewalt durch die israelische Armee betrachtet werden, sondern man muss

 sie innerhalb des größeren Kontexts der gewalttätigen zionistischen Ideologie sehen, die die israelische Gesellschaft als Ganzes regiert“, schrieb der palästinensische Autor und Herausgeber des „Palestine Chronicle“, Ramzy Baroud.   

Quelle: 

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(Anm. der Übersetzerin: Frühnachrichten im Österr. Rundfunk Ö1 am 16.April: Zusammenarbeit von Netanyahu und Gantz nicht geglückt. )

(Übersetzung: Gerhilde Merz)

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