*Europas schuldbewusstes Gewissen*

Palestine Update Nr. 290 – Europas schuldbewusstes Gewissen  – 29.9.19

*Europas schuldbewusstes Gewissen*

*Lerne, recht zu tun: Suche Gerechtigkeit, verteidige die Unterdrückten (Jesaia 1:17)*

James Baldwin hat einmal gesagt: „Die Palästinenser haben für die britische Kolonialpolitik des „divide et impera“ (teile und herrsche) und für Europas schuldbewusstes Gewissen mehr als 30 Jahre lang zahlen müssen“. Wer wusste, dass Europas schuldbewusstes christliches Gewissen in einem Ausmaß auf Palästina fallen würde, wo das Reden über die Okkupation durch Israel bereits Anti-semitismus heißt. Der britisch-pakistanische Autor Kamila Shamsi wurde ein Opfer des schuld-bewussten christlichen Gewissens wegen seiner Unterstützung der BDS-Bewegung (Boykott- Desinvestment-Sanktionen). Jedoch: hunderte renommierte Autoren protestieren gegen den Beschluss der deutschen Stadt Dortmund, den Nelly Sachs Preis zurückzuziehen, den sie früher in diesem Monat an Kamila Shamsi vergeben hatte.

Der Beschluss der deutschen Stadt Dortmund verstärkt noch die Bemerkungen von James Baldwin, der einmal gesagt hat: „Wann immer Israel erwähnt wird, ist man veranlasst … eine Art von frommem Schweigen zu bewahren.“ Aber kann man solch ein Schweigen bewahren anlässlich der Scheußlichkeiten der Israelis gegenüber dem palästinensischen Volk? Kein denkender Mensch kann allzu lang schweigen über die grausamen Behandlungen von Palästinensern in den Händen von Israel. Die BDS-Bewegung, die die Welt über Israels Apartheid-Praktiken informiert, ist jetzt Ziel jener, die Kritik an Israels Aktionen gleichsetzt mit Antisemitismus. Was ist das Problem mit dem Beschluss der Jury? Während die Jury irrigerweise von der Opposition von BDS und seinen Unterstützern gegen Israels Ungerechtigkeiten als Antisemitismus denkt, denken mehr als 40 jüdische Organisationen ganz anders. In einer gemeinsamen Stellungnahme zu Gunsten der BDS-Bewegung betonen die Organisationen die gewaltlose Natur der BDS-Bewegung. Die Organisationen drängen in ihrer gemeinsamen Stellungnahme die Welt, den Unterschied zu verstehen „zwischen der Feindseligkeit zu oder dem Vorurteil gegen Juden an der einen Seite und legitimer Kritik von Israels Politik und Unrechtsystem an der anderen.“ Aber will sich die Jury von dieser gemeinsamen Stellungnahme  abputzen als „Gedanken selbsthassender Juden“?

Darüber hinaus: Wird die Jury den Protest von mehr als 250 internationalen Autoren ernstnehmen?

Wenn die Jury an ihrem Beschluss festhält, dann machen sich die Jurymitglieder zu einem Teil von Europas schlechtem Gewissens. Und die Jurymitglieder spielen auch ihren Part im Gleichsetzen von Kritik an Israel mit Antisemitismus. Das zu tun unterminiert den palästinensischen Kampf um Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit, beschädigt aber ebenso den globalen Kampf gegen Antisemitismus.

Es ist traurig, aber die Jury für den Nelly-Sachs-Preis, die die klare Unterscheidung zwischen Anti-semitismus und Kritik an der israelischen Politik gegen die Palästinenser kennen müsste, hat auch den Unterschied zwischen den beiden Themen zu erkennen verfehlt. Die Welt und besonders die literarischen Zirkel müssen verstehen, dass die ständigen Versuche, Israels Ungerechtigkeiten gegen Palästina zu schützen nichts weniger sind als einen Unterdrückten in einen Unterdrücker umzudrehen.

*Quelle:

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(Übers: Gerhilde Merz)