*Fokus auf Corona*

Palestine Update Nr. 354 – Fokus auf Corona – 13.4.20

*#WeArePalestine*

Anjuman Rahman

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Palestinian painters draw graffitis to draw attention to the coronavirus (COVID-19) pandemic in Khan Yunis, Gaza on 28 March 2020 [Mustafa Hassona/Anadolu Agency](Bild:  Palästinensische Maler zeichnen Graffitis, um die Aufmerksamkeit auf die Pandemie Corona-virus (Covid-19) in Khan Yunis, Gaza am 28. März 2020)

(Mustafa Hassona/Anadolu Agency))

Weil die Anzahl der Infektionen und Todesfälle durch COVID-19 sich täglich erhöht, gibt es steigende Aufforderungen an die ganze Welt um Menschen, die Solidarität füreinander zeigen, besonders in Palästina. Die in letzter Zeit ausgegebenen Reiserestriktionen und Verbote von großen Zusammenkünften in Europa ebenso wie die erschreckenden Überbeläge von Patienten in überfüllten Spitälern hat der Welt einen leichten Geschmack davon gegeben, was während Jahrzehnten die palästinensische Wirklichkeit ist. Natürlich sind die Unterschiede vielfältig

Der Hashtag   #WeArePalestine

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ist heute richtungweisend geworden, weil Benutzer von Mexiko bis Kaschmir die Gelegenheit wahrnehmen, das neu herausgefundene Erkennen der Routine eines palästinensischen täglichen Lebens unter der Okkupation im Lichte der durch den derzeit durch den Covid-19 bedingten staatlichen Ausgangssperren zu verstehen. In der besetzten Westbank war Bewegungsfreiheit lange Gegenstand für das Aufrichten von Checkpoints; die Bewohner des Gazastreifens müssen jedoch eine Serie von Prozeduren durchlaufen, um aus ihrer Küsten-enklave herauszukommen, die im Norden und Osten von Israel und im Westen von Ägypten umgeben ist. Gideon Levy verglich die strengen Maßnahmen für die Israelis, um mit der Epidemie zurecht zu kommen, mit dem täglichen Leiden der Palästinenser in der Westbank und in Gaza – einer Realität, die sie unter Belagerung und Okkupation seit Jahrzehnten zu erleiden haben. 

Dennoch ist die militärische Kontrolle Israels von Gaza und der Westbank durch die Pandemie nur noch brutaler angewachsen. Arbeiter werden in Quarantäne gehalten, Gefangene werden infiziert und Israel hält Geld zurück, das benutzt werden könnte, um den Ausbruch in Grenzen zu halten. Im größten Freiluftgefängnis der Welt haben die Palästinenser in Gaza während der letzten 14 Jahre in dieser Art leben müssen und sind dadurch höchst anfällig für Krankheiten aufgrund der ausgedehnten Arbeitslosigkeit und Armut, Nahrungs-Unsicherheit und dem Mangel an entsprechend trinkbarem Wasser. Jahre dichter Restriktionen auf Leute und Güter haben nicht nur die Wirtschaft zerstört, sondern fast jeden Aspekt des Lebens. Da sind die jungen und die älteren Palästinenser in Gaza, die niemals die Chance hatten, von Ferien im Ausland zu träumen oder eine Karriere anzustreben oder ein Geschäft anzufangen. 

 Der Direktor der „Palestine Solidarity Campaign“, Ben Jamal, schrieb: „Dieses sind Zeiten, in denen wir an unsere starke Verflochtenheit erinnert werden, und diese Solidarität ist ein Akt der Empathie. Sie entspringt auch aus dem Erkennen, dass die Unterdrückung des palästinensischen Volkes mit unserer Komplizenschaft zusammenhängt. Wir müssen unsere diplomatische, politische und finanzielle Unterstützung für Israels fortlaufendes Projekt der ethnischen Säuberung beenden.“ COVID-19 hat viele der Völker dieser Welt unter Absperrung und Ausgehverbot gebracht, was vielen half, die Restriktionen  zu verstehen, die man den Palästinensern auferlegt. Der größte Unterschied ist jedoch, dass im Gegensatz zu Palästina die staatlichen Ausgehverbote und Absperrungen alle nur zeitbedingt sind. 

Quelle: 

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*Zu wenig Corona-Virus-Testing*

*Während der rechte Flügel in Israel meint, dass Annexion und Befestigung des Jordantales Israel von Krankheit und Chaos abschotten wird, werden sie in Wirklichkeit ihr eigenes Schicksal besiegeln. Sie sind eilig dabei, Israels Marsch zu einem flügge gewordenen Apartheidstaat zu beschleunigen, auch, weil der Corona-Virus nicht unterscheidet.*

Während sich die Berichterstattung über Israel/Palästina auf Israels Schwierigkeiten bei der Bildung einer neuen Regierung und auf Maßnahmen, die Israel zur Eindämmung der Covit-19

Pandemie unternommen hat, fokussiert hat, war die Geschichte hinter der Geschichte die Rolle, die anti-arabischer Rassismus in diesen Entwicklungen gespielt hat. Anti-arabischer Rassismus, der Israels Gründung definiert und seine sieben Jahrzehnte Existenz gezeichnet hat, präsentiert das Land jetzt mit einer Herausforderung, die seine Zukunft bestimmen wird.

Ende März hat Israel Corona-Virus-Teststationen zum Durchfahren für Autofahrer im ganzen Land geöffnet. Keine wurden zuerst jedoch in arabischen Gemeinden eingerichtet. Als die Israelis endlich Ausgangssperren zur Kontrolle der Ausbreitung des Virus verfügten, wurden diese Ausgangssperren nicht in Zentren der arabischen Bevölkerung eingerichtet. Während also Israels palästinensisch-arabische Bürger an der Frontlinie im Kampf gegen die Pandemie stehen – etwa ein Fünftel aller israelischen Ärzte und ein Viertel aller Pflegepersonen sind Araber – sind ihre Gemeinden fürchterlich unterbesetzt. Daher bringen Experten Berichte in Umlauf, die niedrige Infektionsraten unter der arabischen Bevölkerung angeben; diese sind vermutlich das Ergebnis eines Mangels an Testing. Nach Angaben einer israelischen Presse-meldung von anfangs April waren nur 6.500 arabische Bürger von Israel getestet worden gegenüber mehr als 80.000 israelischen Juden. 

Quelle:

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*Neuer Bericht von „Who Profits“:*

*Okkupation durch Viren: COVID-19 und die Okkupations-Wirtschaft*

viraloccupation_draft4(Bild: „Viral-Okkupation_draft4)

Indem COVID-19 sich über von Israel besetztes Land in Palästina und Syrien ausbreitet, arbeitet er im Wechsel mit den Strukturen der Okkupation, die weit weg von ungewohnt zu jeder Zeit anpassungsfähig, widerständig und sich ständig verändernd sind wie alle Mitglieder aus der Corona Familie. Die gegenwärtige, von COVID-19 verursachte Krise hat die Ungleichheit und Gewalt im Herzen des derzeitigen globalen wirtschaftlichen Systems bloßgestellt, wo Profitanhäufung zu Lasten unserer kollektiven Rechte geht. Wo die Menschen in Angst und Ungewissheit sind über die Entfaltung der Einwirkungen der Krise, ergreifen Regierungen und Kapitalanhäufungen die Gelegenheit, ihre Kontrolle zu verschärfen und Profit zu machen.

Es besteht kein Zweifel, dass für Palästinenser, die unter Okkupation leben, der akute Mangel an Testing Kits, Schutzeinrichtungen und ICU-Kapazitäten (ICU = Intensive Care Unit) die Spitze des Eisberges ist. Das Zusammenkommen von mehreren strukturellen Einzelheiten wird unausweichlich zum zerstörerischen Zugriff des Virus führen. Während es noch zu früh ist zu sagen, wie sich der COVID-19 auf die globale und lokale Wirtschaft auswirken wird, können wir beginnen, die richtigen Fragen zu stellen in dem Rahmen, den wir im Kopf haben:

1.

 Covit-19 arbeitet nicht in einem Vakuum. Wenn er sich über die von Israel besetzten Länder von Palästina und Syrien verbreitet,  arbeitet er im Wechsel mit den Strukturen der Okkupation, die weit von ungewohnt überall anpassungsfähig sind, widerständig und sich ständig verändernd wie jedes andere Mitglied der Corona-Familie.

2.

COVID-19 funktioniert nicht als ein „großer Gleichmacher“. Der Mythos, dass eine Pandemie nicht unterscheidet zwischen den Reichen und den Armen, den Mächtigen und den Enteigneten, ist offenkundig falsch. Eine besetzte und belagerte Bevölkerung und eine der Entwicklung entzogene Wirtschaft sind für beide gleich anfällig, den COVID-19 und den wirtschaftlichen Zusammenbruch. 

Verzweifelte Zeiten legitimieren unterdrückerische Maßnahmen. Den Notfallstatus zu erklären bietet oft den Vorwand für die Einführung neuer unterdrückerischer und ausbeuterischer Maßnahmen und die Einwurzelung und Legitimierung bereits existierender. 

4.

Was in Palästina passiert, bleibt nicht in Palästina. Wichtiger Grund dafür ist, dass Israel ständig bestrebt ist, neue Wege für Unterdrückung zu finden und diese später zu wirtschaftlichem Profit und politische Gewinne für sich umfunktioniert.    

Quelle:

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*Ausgangssperre in der Westbank, Massen in Gaza:*

*Palästinenser über den Corona Virus verschiedener Ansicht*

Palestine divided over coronavirus counter-measures – Middle East ...(Bild: Palästina über Gegenmaßnahmen zum Corona-Virus geteilt – „Middle East …“)

Gaza misst 375 Quadratkilometer und ist die Heimat von rund 2 Millionen Palästinensern. Seit 2007 steht es unter der Kontrolle der (mehrheitlich gewählten) islamistisch-militanten Gruppe Hamas, bittere Rivalen von Präsident Mahmoud Abbas mehr säkularer PA (Palestinian Authority), deren Machtbasis in der Westbank liegt. Gaza – viel kleiner und ärmer – wird seit Jahren von Israel blockiert unter dem Vorwand, es müsse aus  Sicherheitsgründen verhindern, dass Waffen und Geld die Hamas erreichen. Die Gazaer sagen, die Blockade hat ihre Wirtschaft verkrüppelt und die Entwicklung von medizinischen Einrichtungen unterminiert, wodurch ihre Fähigkeit, der Pandemie zu begegnen, geschwächt wurde. Aber die geographische Isolation, gegen die sich die Gazaer stemmen, kann auch den Zugang des neuen Corona-Virus aufzuhalten geholfen haben – Es wurde nur von 13 Fällen berichtet; diese alle sind in Quarantäne-Einrichtungen. 

Hamas sagt, der Gesundheitszustand mache eine volle Absperrung in Gaza überflüssig; trotzdem wurden Schulen, Moscheen und Hochzeitshallen geschlossen, und große Straßen-Versammlungen verboten. Öffentliche Märkte blieben hingegen in dieser Woche offen.

„Wir bleiben schon zuhause (um eine Infektion mit dem Corona-Virus zu verhindern), wenn sie uns Geld geben, Nahrungsmittel, Hilfsgüter und Windeln; unsere Kinder wollen auch essen“, sagte der Gemüsehändler Ahmed Al-Nahal auf dem Beach Camp Markt. Aber viele fürchten ein Desaster, wenn der Corona-Virus weiter in die übervölkerte Mittelmeer-Einklave eindringt.

Quelle: Facebook Link:    =f5f851fa69&e=                                    (Übers.: Gerhilde Merz)