Frauen im Widerstand gegen israelische Kolonisation und Apartheid.

Palestine Update Nr. 181 – 22.10.18 – Frauen im Widerstand gegen israelische Kolonisierung und Apartheid

Kommentar

Frauen im Widerstand gegen israelische Kolonisation und Apartheid.

Beobachter von draußen haben häufiger als seltener Vorurteile über den Widerstand in Gaza geäußert: der bärtige Hamas-Milizsoldat oder der junge Mann, der Steine über den Grenzzaun schleudert. Nur wenige wissen etwas über die Frauen und ihren Platz in dem Kampf. Palästinensische Frauen, sowohl in Gaza wie auch in der Westbank, sind signifikant sichtbar als Aktivistinnen, wenn sie gegen die ungerechte Besetzung protestieren. Sie sind in der Tat – argumentiert ein Bericht in „The Conservation“ – das Rückgrat einer zerstückelten und demoralisierten Gesellschaft. Der Bericht zeigt, wie Frauen im palästinensischen Kampf vom ersten Tag an aktiv gewesen sind. Sie waren sogar mitten drin im Kampf gegen die britische Armee in der Zeit des britischen Mandats. In der Zeit, als der Staat Israel 1948 geschaffen wurde, waren sie die Beschützerinnen ihrer Familien und Bewahrerinnen der „nationalen Geschichte“. Es war allbekannt, dass die Palästinenserinnen, wo immer sie sich in der Welt befanden, nicht vergessen haben, was sich zugetragen hatte und weiter auf ihrem Rückkehr-recht in ihre Heimat bestanden.

Frauen gaben ihre Erinnerungen weiter an die nachkommenden Generationen. Als die Palästinensische Freiheitsbewegung entstand, wurden etliche Frauen militant. Eine Ikone dieser Zeit wurde Leila Khalid, die einige Flugzeuge im Interesse der Volksfront für die Befreiung Palästinas überfiel und für ihren Mut und ihre Entschlossenheit in der ganzen Welt sehr bekannt wurde. 1987 verbanden sich Frauen mit Männern und Kindern für die Intifada und schufen kreative und alternative Einrichtungen für die Kinder, nachdem alle Schulen zugesperrt worden waren. Sie schufen auch eine alternative Wirtschaft durch Heimarbeit, und sie waren mit bei den Protesten auf breiter Basis. „The Conservation“ endet wie folgt: „Auch wenn die Versuchung besteht zu argumentieren, dass die Teilnahme von Frauen an der Gewalt ein Zeichen für eine Gesellschaft sein soll, die ihren Weg verloren hat, ist die Wirklichkeit viel komplexer. Viele palästinensische Frauen bestätigen, dass ihre Gemein-schaft keine Macht hat, dass sie weder die politischen Führer noch die Waffen habe, um einen konventionellen Krieg zu führen. Stattdessen liegt es an allen ihren Mitgliedern, teilzunehmen und „der Welt zu sagen“, was mit ihnen geschieht.

Durch ihren Protest an der Grenze zwischen Gaza und Israel, durch den aufmerksam gemacht wird auf die Erinnerung an die Nakba (= die Katastrophe), haben palästinensische Frauen sich genauso wie die Männer zu dem lebensgefährlichen Einsatz entschlossen, um eine Lösung für den Konflikt zu finden, die zuverlässige Sicherheit für die nächste Generation bringt. Die militante Hamas hat die Frauen gereizt, sich in Graswurzel-Grüppchen zu organisieren, um sich der israelischen Okkupation erhobenen Hauptes entgegen zu stellen.

In dieser Ausgabe berichten wir kurz über drei Geschichten von drei Frauen, die in jüngerer Zeit zu Ikonen wurden, weil sie eine kräftige Rolle im Kampf um zivile Rechte im „Apartheid-Israel“ spielen.

Wir möchten auch auf Facebook eine aussagekräftige Sammlung von Bildern präsentieren, die zornige Frauen zeigen, die die brutale Okkupation herausfordern; sie wurde 2016 durch „Activestills“ (Eigenname!) geschaffen. Sie zeigt die verborgene, jedoch signifikante Rolle der Frauen im Kampf. Zwei Jahre später stehen die Bilder noch für die Intensität des Ortes der Frauen im Kampf. Wir teilen auch die trotzige alternative Sicht in einem Artikel von palästinensischen Frauen aktiv im Kampf – verborgen in den Medien. Das müssen Sie lesen, wenn Sie von einem inklusiven Palästina träumen, für das die Freiheit heraufdämmert.

Ranjan Solomon

Frauen als kräftige Ikonen im palästinensischen Kampf (Auszüge)

Frauen wie Rosa Parks beflügelten die zivile amerikanische Menschenrechtsbewegung und zwangen zu Mitgefühl mit den zivilen Protestierern, die sich mit der Polizei und den Soldaten anlegten. Frauen spielen auch eine kräftige Rolle im Kampf um zivile Rechte im „Apartheid“-Israel, wo die Politik versucht, über die Trennung hinaus ethnischen Säuberung zu praktizieren. Drei Frauen aus Palästina wurden zu Symbolen für diese Seite des laufenden Kampfes  gegen den israelischen Missbrauch von zivilen Rechten: Razan Al-Najjar (21), Ahed Tamini (17) und Lara Al-Qasem (22). Die eine wurde ermordet, während die beiden anderen sich dem furchterregenden Antlitz der israelischen Unterdrückung entgegenstellen.

 

Am 1. Juni brachte ein israelischer Soldat Al-Najjar, die unbewaffnete Krankenschwester, die mutig vielen verletzten Zivilisten medizinische Hilfe brachte, in das tödliche Fadenkreuz seiner Waffe; er befand sich ca. 100 m entfernt von der Grenze zu Gaza. Al-Najjar wurde sofort getötet, nachdem die Kugel die klar an ihrer Kleidung als Krankenschwester Erkennbare traf. Bilder der lächelnden Razan Al-Najjar mit ihrem roten hijab wurden überall in Khan Yunis, der palästinensischen Stadt in Gaza aufgehängt, wo sie mit ihren Eltern gelebt hatte. Razan Al-Najjar ist eine Ikone für Tapferkeit und Menschlichkeit angesichts dieser hässlichen israelischen Brutalität und Unterdrückung.

Ahed Tamini wurde 2001 in Nabi Saleh geboren, einem kleinen Dorf in der Nähe von Ramallah, das ständig im Fokus von israelischen Militärübergriffen und Siedlerangriffen auf Zivilisten steht. Ihre Eltern sagten, ihre Tochter wäre sogar trotz ihres jungen Alters inspirierte Kämpferin für Bürgerrechte und hoffte, später Rechte zu studieren und Rechts- anwältin werden zu können. 2012 wehrte sich die damals 11jährige mutig gegen die schwer bewaffneten Soldaten, die versuchten, ihre Mutter während eines Protests von Zivilisten gegen die diskriminierende Politik Israels zu verhaften. Vier Jahre später wurde Ahed zu einem Besuch in die USA eingeladen, um in einem Programm zu sprechen, das unter dem Titel „Kein Kind hinter Gittern / Lebender Widerstand“ lief. Aber Präsident Obama, fälschlicher Weise für sein eloquentes Reden über Bürgerrechte, Menschenrechte und den Schutz für Kinder gepriesen, zeigte seine wahren Farben, als sein State Department sich weigerte, Ahed Tamini ein Besuchsvisum für USA zu erteilen.

Aber nicht einmal Obama‘s Heuchelei konnte den Kampf gegen den Missbrauch von Bürger-rechten und für Freiheit unterlaufen. Am 15. Dezember 2017, als Palästinenser quer durch die okkupierten Bereiche und im eingeschlossenen  Gazastreifen sich gegen die Entscheidung der USA, Jerusalem als Israels Hauptstadt anzuerkennen, wehrten, fiel in Nabi Saleh ein Trupp  schwerbewaffneter Soldaten in den Besitz der Tamini ein unter dem Vorwand, Protestierende zu jagen, und schlug einen von Aheds Cousins brutal. Kurz darauf begann das Mädchen zu schreien und die Soldaten aus ihrem Hof zu stoßen. Ein Video hielt fest, wie sie sich gegen einen der Soldaten wandte und ihm einen heftigen Stoß versetzte. Tage, nachdem das Video dieses kleinen Mädchens ins Netz gegangen war, befahl Israel, sie zu arretieren und in Haft zu halten.

Lara Al-Qasem, amerikanische Staatsbürgerin mit palästinensischem Vater betrat Israel am 2. Oktober mit einem gültigen Studentenvisum, um an der Hebrew University of Jerusalem einen Grad in Menschenrechten zu erlangen. Stattdessen wurde sie sofort von israelischen Behörden festgenommen und angeklagt, die BDS-Bewegung zu unterstützen. Lara ist seither in israelischer Schutzhaft, weil ihr Kampf um Freiheit sie vom Sicherheitsraum im Flughafen Ben Gurion zum israelischen obersten Gerichtshof gebracht hat, wo Gerechtigkeit und die gesetzlichen Vorschriften oft die häufigsten Opfer sind. Sie hat hart gegen ihre Deportation gekämpft und nach einer Vorschrift des israelischen obersten Gerichtshofes wurde der schwebende Deportationsbefehl gegen die vermeintliche palästinensische Unterstützerin umgestoßen.

Israel hat verzweifelt versucht, alle diese Frauen zu schmähen, indem sie sie in jeder möglichen Art erniedrigte. Israelische Schreiber stellten ungute Fragen: Wieso Tamini blondes Haar hat und blaue Augen? Israel behauptet, dass Al-Najjar versehentlich erschossen wurde – später hinterfragten sie ihre Rolle als „medizinische Hilfe“ und versicherten, sie sei „ein menschlicher Schutzschild“ gewesen. Israels Botschafter in London nannte sie eine Hamas-Terroristin. Die Kraft dieser Frauen, sich gegen Ungerechtigkeit aufzulehnen, wird nicht geringer durch die verzweifelten und unglaubwürdigen Entschuldigungen, mit denen Israel seine Menschenrechtsmissbräuche verteidigt.

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FOTOS:  Ein Jahr Kampf der Frauen in Palästina und Israel

Sie konfrontierten israelische Soldaten in der Westbank und die Polizei auf dem Rabin Square in Tel Aviv, stellten sich gegen die Okkupation, gegen Gewalt gegen Frauen, und kämpften gegen Rassismus und die Brutalität der Polizei. Ein Jahr Kämpfe der Frauen (Bilder sind aus 2016, unterscheiden sich aber nicht wesentlich von heutigen.)

Schauen Sie die Bilder an: Facebook Link   =be2effa171&e=

Palästinensische Frauen: Aktiv im Kampf – verborgen in den Medien

Palästinensische Frauen teilen eine Besonderheit, die sie von allen anderen Frauen rund um den Globus unterscheiden. Diese Besonderheit besteht in ihrer aktiven Teilnahme am palästinensischen Kampf gegen die israelische Besetzung seit mehr als 70 Jahren. Dieses Leiden wurde jedoch weder als gleiche Teilnahme und Anerkennung in den verschiedenen Sphären des Lebens übersetzt, noch zur Veränderung ihrer kulturellen und stereotypen Wahrnehmung im medialen Bild. Im Gegenteil: Sie werden als schwach und als Opfer dargestellt und nicht in der Beschreibung ihrer Fertigkeiten, Fähigkeiten, ihres Wissens und ihrer Erfahrungen. Palästinensische Frauen werden oft vernachlässigt als aktive Patrioten gegen die Okkupation, und regelmäßig beiseitegeschoben von diplomatischen Missionen wie auch bei Verhandlungen in Bezug auf Frieden, Versöhnung und nationale Einheit.

Der laufende Konflikt betrifft das Leben der Frauen und Männer, jedoch sind die Auswirkungen auf Frauen dramatischer und unterschiedlicher als jene auf Männer. Die palästinensischen Medien bearbeiten diese Auswirkungen besonders auf Frauen nicht, sondern zeichnen ein stereotypisches Bild der Frau in ihren traditionellen Rollen und in begrenzten Darstellungsbereichen. Die Unter-Repräsentation und Miss-Interpretation der Frauen in den Medien und Nachrichten hält ihre Stimmen ungehört und ihre Meinungen über wichtige in den Medien und Nachrichten aufgenommene und verfolgte Themen nicht zur Kenntnis genommen.

Die Forschungen über Medien-Berichterstattung durch Frauen, „Medien und Entwicklung“ (TAM) hat herausgefunden, dass:

  • Nur 12 % der palästinensischen Frauen (im Vergleich zu 88 % palästinensische Männer) werden interviewed oder angesprochen zu Nachrichten bezüglich von Prozessen zur Entscheidungsfindung, zu Frieden, Sicherheit und Gewaltakten durch die israelische Besetzung – trotz der Tatsache, dass palästinensische Frauen 50 % der palästinensischen Bevölkerung darstellen.
  • 7 % der wahrgenommenen Nachrichten konzentrierten sich hauptsächlich auf Frauen.
  • 5 % der wahrgenommenen Nachrichten betrafen das stereotypische Bild der Frauen.
  • 4 % der wahrgenommenen Nachrichten präsentierten Frauen als Leiterinnen und Entscheidungsträgerinnen.
  • Die palästinensischen Medien legen ihre Schwerpunkte oft auf die Darstellung von Frauen als zärtliche Mütter oder die gebrochenen Herzen der Schwestern eines Märtyrers oder Gefangenen.
  • Signifikant abwesend und trivialisiert werden Frauen in Nachrichten über Friedens-verhandlungen, die nationale Teilung Palästinas, die Belagerung und Wiederauferstehung des Gazastreifens – trotz der Realität, dass Frauen auch Verantwortungen für den Status als Patrioten tragen. Die Teilnahme der Frauen wird nicht gezeigt und ihre Mitwirkung in Versöhnungskomitees wird kaum erwähnt.

Laden Sie den ganzen Bericht herunter: Facebook Link =c1397ae6dc&e=

 

(übers.: Gerhilde Merz)

   

Mach mich nicht für einen Tag zum Freund – und verlass mich nach einem Monat.

Komm mir nicht zu nahe, wenn du mich doch verlassen wirst!

Versprich nicht, was du nicht halten willst.

Sei mir nah – oder geh‘!

Mahmoud Darwish

  

 

 

 

Ein anderes Gedicht von Mahmoud Darwish, gefunden bei Mitri Raheb, „The Cross in Contexts“,  Kap. 7: „The Journey from Death to Life” (Die Reise vom Tod ins Leben) – Übersetzungsversuch GM

 

Man sagt: Die Liebe ist stark wie der Tod.

Ich aber sage: Die Lust am Leben

               – auch wenn es dafür keine zufriedenstellenden Beweise gibt –

ist stärker als das Leben und der Tod.

So wollen wir unser privates Beerdigungsritual beenden

und mit unseren Freunden einstimmen:

Das Leben ist nicht umzubringen

und wahrhaftig wie eine Flocke Staub.