Gaza in vorderster Linie palästinensischer Leiden

Palestine Update Nr. 182, 25. Oktober 2018

Kommentar

Gaza in vorderster Linie palästinensischer Leiden !

Nickolay Mladenov, der UN-Spezialkoordinator für den Mittelost-Prozess gab Gaza in seinem Monatsbericht über den Mittleren Osten an den Sicherheitsrat der UNO den Löwenanteil seiner Zeit. Er beschäftigte sich nicht mit einfachem Teilen von „Informationen und Daten“. Stattdessen strich er die volle Dringlichkeit der verzweifelten Lage heraus. „Gaza kann in jeder Minute explodieren“, warnte er. „Wenn Gaza“, stellte er fest, „allein gelassen wird, um mit seinen Leiden zurecht zu kommen, ‚könnte das seine Rückwirkungen außerhalb des Gazastreifens‘ haben“.

Im Bericht wird verstärkt, wie „Gaza sich in vorderster Linie der Leiden Palästinas befindet“ und dass es zu diesem Zeitpunkt die Essenz der palästinensischen politischen Situation darstellt und alle Fäden dieser Ursache in der Hand hält, deren Themen mit einander verknotet sind. Die palästinensisch-palästinensische Versöhnung, der Waffenstillstand mit der Besatzung, die Organisation der palästinensischen Legitimität und andere Themen, „alle betreffen Gaza“, berichtet Mladenov.

Wäre das Problem nur das einer humanitären Krise, wäre es nicht so komplex. Mehr Hilfe könnte es zurechtbringen. Aber Gaza ist politisch eine „heiße Kartoffel“ und es geht nicht um mehr Krümel und Heftpflaster. Die Blockade ist grausam, unmenschlich, eine Verletzung der Standards der Zivilisation – und die Verweigerung der Rückkehr ist für die Palästinenser eine Beschädigung ihrer Würde und ihres Rechts auf Selbstbestimmung, um die Demokratie zu wählen. Gerade jetzt ist alles Leben in Gaza bedingt durch den Schrecken vor Israels  unbegründeter Rache und die reale Aussicht auf einen endlosen Kampf.

Als die Blockade zuerst begann, waren die Leute in Gaza an der Lage, sich die Belagerung zu erleichtern, indem sie Güter aller Art (darunter auch Waffen) durch die unterirdischen Tunnels importierten, die sie mit der benachbarten ägyptischen Halbinsel Sinai verband. Aber die Tunnelwirtschaft brach 2013 nach dem Kollaps von Ägypten zusammen, und in den fünf Jahren seither sucht die Wirtschaft Gazas dringend nach einem Halt.

Die Antwort, die Israel benutzt um als Strafe Einschränkungen beim Transport von Gütern – einschließlich einigen Lebensmitteln – nach Gaza zu verteidigen, ist: „Wir bedauern das Unrecht, das wir Palästinensern in Gaza antun, aber das ist nicht zu vermeiden, weil die ‚Hamas alles in Gaza kontrolliert‘.“ Die Gazaer haben sich ihrer Unterwerfung verweigert und protestieren stattdessen mit ihren beschränkten Mitteln der Auseinandersetzung – und fast immer gewaltlos! Israel antwortet mit Töten ohne Unterschied, und als solches, wirklich bedrohend. Israels Linie ist Einbildung und unintelligent. ‚Wir können nicht gegen Hamas agieren, ohne zugleich Protestierende zu schädigen‘.

In dieser Ausgabe reproduzieren wir für die LeserInnen eine Beschreibung von der „Gaza-Krise, erklärt in 8 Graphiken. Es ist eine Richtigstellung dessen, wie Israels Version von „kollateral“ sich zu seinem perversen kolonialistischen Grimm gegen die Palästinenser verhält.

Ranjan Solomon

** „Middle East Eye“ erklärt die Gaza-Krise in acht Graphiken    

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1.Wo ist Gaza?

Gaza ist die Heimat von fast 2 Millionen Palästinensern, von denen die meisten Langzeit-Flüchtlinge sind; Gaza ist einer der dichtest besiedelten Plätze der Erde. Gaza grenzt im Süden an Ägypten, im Norden und Osten an Israel und hat im Westen eine lange Küste mit dem Mittelmeer. (Weitere 3,25 Millionen Palästinenser leben in der Westbank)

Facebook Link: =3cb8942a69&e=Es wird seit den Wahlen 2007 von der Hamas regiert

Facebook Link: =3080357802&e=Diese Gruppe wird von Israel, den USA und der EU unter anderen als eine terroristische Organisation bezeichnet.

Facebook Link: =22432c0efb&e=Die Westbank wird von der Palestinian Authority (PA) regiert, die zurzeit von der Fatah, Rivalen zur Hamas, kontrolliert wird.

Facebook Link: =60f2ca307c&=Gaza ist einer der am dichtesten bevölkerten Plätze der Welt. Aber die israelische Blockade ist der Ansicht, dass die Bewohner es schwierig, wenn nicht unmöglich finden, Gaza zu verlassen.

  1. Das Geschehen, das die Palästinenser verändert hat.

Das dominierende Ereignis für die Palästinenser in Gaza im vergangenen Jahrhundert war die Nakba 1948, durch das hunderttausende von ihrer Heimat vertrieben wurden oder in Gebiete fliehen mussten, die heute – als dieser Staat zu existieren begann – das moderne Israel wurden. Das Rückkehrrecht zu den Heimstätten der Ahnen (oder „Haq al-Awda“) hat für viele Palästinenser Priorität vor allem anderen:

Facebook Link: =dba4e67442&e= Es bildet einen Teil der Resolution 194 der Vereinten Nationen

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  1. Palästinenser zählen auf, was verloren gegangen ist

Der Forscher und in Jerusalem wohnhafte Archivar Tarek Bakri zählt die palästinensischen Häuser, Kinos, Geschäfte und Moscheen, Bahnstationen und Märkte auf, die 1948 verloren wurden.

Facebook Link: =11ed064198&e=Er begann, Photographien aus dem Archiv zu sammeln, durch die diese Verluste dokumentiert sind. – Bilder unten links und rechts. MEE hat noch mehr Beispiele dokumentiert. Facebook Link: =c362b12babe=

Oben: Israelis zerstören Häuser in der Nachbarschaft Musrara in Jerusalem. Musrara ist eine der ältesten Nachbarschaften, die sich außerhalb der 1860 gebauten Wallanlagen der Altstadt von Jerusalem befinden.

  1. Gaza seit 1948

Die sieben Dekaden nach der Nakba sind für die Bewohner von Gaza – einschließlich der Besetzung – Zeiten von Aufruhr und Krise

Facebook Link: =6a740c2f37&e=Geplänkel und israelische Militäroperationen geworden.

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  1. Tägliches Leben

Die Lebensbedingungen über die lange Zeit in Gaza gehören zu den schlimmsten im Mittleren Osten

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Ein Bericht der UNO hielt fest, dass das wirtschaftliche Wohlbefinden der in Gaza lebenden Palästinenser schlechter ist als 1995 und dass es um 2020 „unbewohnbar“ sein wird.

Facebook Link: =73f71fde74&e=Im vergangenen Jahr sagte die Organisation, die Bedingungen seien „nicht lebbar“.

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  1. Finanzielle Misere

 

Die wirtschaftliche Entwicklung in Gaza stagniert wegen der elenden Infrastruktur

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die von der von Israel auferlegten Blockade

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und dem internen palästinensischen politischen Konflikt verursacht sei.

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Größere Militäroperationen durch Israel haben ihre besonderen Folgen gehabt, die weit über die Dauer jeglicher Eingriffe durch die Armee spürbar sind.

  1. Israelische Angriffe auf Gaza

Die israelische Armee führte zwischen 2006 und 2014 vier große kriegerische Operationen auf Gaza durch, oft –  wie erklärt wurde – um die Hamas und andere Gruppen zu stoppen,  Raketen auf Israel abzuschießen. Zusätzlich zur elenden Infrastruktur einschließlich der elektrischen Leitungen

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und Elektrizitätswerke, Gesundheitseinrichtungen

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und der Wasserversorgung

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haben die militärischen Angriffe auf Gaza den Tod von tausenden Palästinensern, aber auch israelischer Soldaten und Zivilisten verursacht.

  1. Die Proteste

Am 30. März starteten die Palästinenser regelmäßige Protestmärsche, um aufmerksam zu machen auf den 70. Jahrestag der Nakba (Katastrophe) am 15. Mai.

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Israelische Streitkräfte schossen immer wieder auf die Demonstrationen mit dem Argument, dass sie dieses täten, um die Grenze zu verteidigen – mit fatalen Konsequenzen. Die höchste Zahl der Toten war am 14. Mai, dem Tag, an dem die Botschaft der USA in Jerusalem geöffnet wurde; an diesem Tag wurden 62 Personen durch kriegerische Handlungen ermordet.

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Viele Protestierende demonstrierten auch wegen der Bedingungen, unter denen sie in Gaza jahrelang gelebt hatten.

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(übers.: Gerhilde Merz)

 

 

Mach mich nicht für einen Tag zum Freund – und verlass mich nach einem Monat.

Komm mir nicht zu nahe, wenn du mich doch verlassen wirst!

Versprich nicht, was du nicht halten willst. Sei mir nah – oder geh‘!

 

Mahmoud Darwish