Gazastreifen

Palsteine Update Nr. 157 – 19. Juli 2018

Spezialausgabe – Gazastreifen

Der Gazastreifen, der von der Hamas regiert wird, ist eine von Armut gekennzeichnete und übervölkerte palästinensische Küstenenklave unter der gefängnisartigen Blockade durch Israel, mit dem es einige Kriege ausgefochten hat. Nachdem Israel seine Blockade am Dienstag (möglicherweise 19.7.18?) noch verschärft hat durch die Verhinderung der Brennstoff-Zulieferung mitten in der Furcht vor einem neuen alles überziehenden Konflikt, sollen hier einige Hintergründe geliefert werden:

Gaza ist eines der weltweit am dichtesten besiedelten Gebiete der Erde mit rund 2 Millionen Palästinenser, die auf 362 Quadratkilometer (=140 Quadratmeilen) zusammengedrängt sind. Es wurde während des Sechstage-Krieges 1967 eingenommen. 2005 zog es seine Soldaten und Siedler ab und beendete damit 38 Jahre Okkupation. Aber 2006 stellte es eine Blockade her und beschränkte damit die über die Grenzen gehende Austauschbewegung von Menschen und Gütern; diese Blockade war die Folge der Gefangennahme eines Soldaten durch Hamas-Freischärler auf israelischem Boden. Ein Jahr später wurde die Blockade nach der Verdrängung von Truppen, die loyal zur rivalisierenden Fatah-Partei des palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas gehören, verschärft. Der einzige nicht von Israel kontrollierte Zugang zu Gaza ist in Rafah an der ägyptischen Grenze. Auch diese war fast gänzlich geschlossen, seitdem Extremisten nach der Absetzung des Präsidenten Muhammad Mursi 2013 durch das Militär Freiwillige in die Sinai-Halbinsel warfen. Die Palästinenser wurden in Gaza „eingesperrt“; man verweigerte ihnen freien Zugang zu den Resten des besetzten palästinensischen Landes und der Welt draußen.  Bewegungseinschränkungen, seit den frühen 1990ern von Israel auferlegt und im Juni 2007 intensiviert, gefolgt von der Übernahme von Gaza durch die Hamas, haben die Lebensbedingungen schwer unterminiert. Die Isolation von Gaza wurde verschlimmert durch Restriktionen, die von den ägyptischen Behörden auf den einzigen Fußgängerübergang (Rafah) auferlegt wurde, sowie durch die interne Spaltung der Palästinenser. Der UNO-Generalsekretär hat gefunden, dass die Blockade und verwandte Restriktionen internationalem Menschenrecht zuwiderlaufen, da sie die Zivilbevölkerung treffen und ihr Härten auferlegen, indem sie sie wirkungsvoll bestrafen für Taten, die sie nie begangen haben. Starke Eskalationen der Feindseligkeiten in den vergangenen Jahren haben sich in extensiven Zerstörungen und interner Vertreibung ausgewirkt. Im Mai 2018 begann Israel, an einer „neuen und undurchdringlichen“ Abschottung der Küste genau im Norden von Gaza zu arbeiten, um die Möglichkeit der Palästinenser zu verhindern, auf dem Seeweg in das Land zu kommen. Der Gazastreifen hat fast keine Industrie und leidet an chronischem Wasser- und Heizmaterialmangel. Seine GDP-Verluste, die von der Blockade verursacht sind, werden auf mehr als 50 % geschätzt, sagt die Weltbank. Arbeitslosigkeit liegt bei 45 % und mehr als zwei Drittel der Bevölkerung hängen von Hilfe ab.

Menschenrecht auf Wasser ist unverzichtbar für ein Leben in Menschenwürde.

  • Die verheerende Wasserkrise und Kürzung von elektrischem Strom in Gaza haben die Spitäler gezwungen, die Reinigung und Sterilisierung medizinischer Geräte zu reduzieren.
  • Die Spitäler sind überfüllt mit Patienten. Seit dem Beginn des Großen Rückkehr-marsches mit seiner ersten Demonstration am 30. März 2018 haben israelische Streit-kräfte mehr als 15.000 Palästinenser verwundet.
  • Von den 8.221 Palästinensern, die Spitalspflege benötigen, sind 63 % Gliedmaßen-verletzungen, und fast die Hälfte davon (4.023) Resultat von Schussverletzungen.
  • 61 Palästinenser erhielten Amputationen, davon 11 Kinder.
  • 10 Palästinenser sind gelähmt. Mehr als 1.400 Palästinenser leben in der Gefahr länger währender physischer Behinderungen.

 

Von den 138 bis jetzt in diesem Jahr von der israelischen Armee Getöteten waren 27 Kinder, 21 von ihnen wurden innerhalb von Gaza gezielt erschossen (11 davon in den Kopf oder in den Hals). Quelle: UN-Komitee für Wirtschaftliche, Soziale und Kulturelle Rechte.

Notwendigkeit für Rehabilitation von während der Gaza-Demonstrationen schwer verletzten  Palästinensern:

Mehr als 1.400 Personen könnten langzeitige Behinderungen haben.

Obwohl sich die Anzahl der berichteten Unfälle während der Demonstrationen zum Großen Marsch für Rückkehr im Laufe des Juni (siehe Infografik) verringert hat, kämpft der Gesundheitssektor weiter mit dem riesigen Anfall von Schwerverletzten, besonders solchen, die langzeitige Reha benötigen.

Die in letzter Zeit zunehmenden Notwendigkeiten von Gesundheitsdiensten übertrifft die Kapazitäten auf dem Gesundheitssektor in Gaza. Zu den Herausforderungen gehört ständiger Mangel an Medikamenten und medizinischem Personal, große Stromdefizite für medizini- sche Geräte, eine laufende Gehaltskrise für Regierungsangestellte und israelische Ein- schränkungen des Zugangs für Verwundete, die Behandlungen benötigen, die in Gaza nicht zu erhalten sind. Außerdem ist der Import von Material nach Gaza, das für die Herstellung von künstlichen Gliedmaßen nötig ist (Karbonfiber, und Epoxidnetze), eingeschränkt, weil Israel der Ansicht ist, dass diese Materialen für „zweierlei Verwendung“ eingesetzt werden,  also auch für militärische Zwecke.

Statistik identifiziert 19.700 Wohneinheiten als nicht reparierbar und 24.000, die vordringlich

Unterkunft benötigen (Übersetzung unsicher) Die Anzahl der Wohnungseinheiten in Sub-standardzustand im ganzen Gazastreifen hat seit Mitte 2014 dramatisch zugenommen als direkte Folge der Feindseligkeiten, die in diesem Jahr stattgefunden haben. Nach fast vier Jahren sind noch 1/3 der Wohnungen, die beschädigt überstanden haben (59.000 von 171.000) noch zu reparieren.

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In Gaza entzündete Drachenflieger führen zu Drohungen Israels         

Von Nour Abu Aisha

Die „Söhne von al-Zawari“ schwören, ihren Widerstand weiter zu führen, bis Israel seine jahrelange Blockade von Gaza aufhebt – Eine Gruppe von palästinensische Aktivisten im Gazastreifen, die brennende Drachen und Ballone ins israelische Gebiet fliegen ließen, sagen  sie wollen ihre Aktivitäten fortsetzen – trotz der Drohungen Israels – bis die 11jährige Blockade von Gaza aufgehoben ist. „Seit dem Morgen haben unsere Gruppen flammende Drachen und Ballone über von Israel besetztes Gebiet gesteuert um zu zeigen, dass wir keine Befehle von irgendjemandem annehmen“ sagten die „Söhne von al-Zawari“ , eine selbsternannte „Brigade“ von palästinensischen Drachenfliegern am Mittwoch (18. Juli)

 

in ihrer Stellungnahme und fügten hinzu:

„Wir wollen unseren friedlichen Widerstand fortsetzen, bis unsere Forderungen erfüllt und die Belagerung aufgehoben sind,“ – Es ging weiter mit der Verneinung von israelischen Medien- berichten, dass die Widerstandsbewegung Hamas, die seit 2007 im Gazastreifen regiert, geschworen habe, die Aktivitäten der Gruppe zu beschneiden. „Diese Berichte sind komplett falsch“, sagte die Gruppe. „Die palästinensischen Parteien werden uns nicht hindern, friedlichen Widerstand auszuüben. … Je enger sie die Belagerung ziehen, umso mehr Feuer werden wir (innerhalb von Israel) setzen“. In den vergangenen Wochen haben Palästinensische Aktivisten flammende Drachen und Ballone über israelisches Gebiet als Teil der Volksdemonstrationen entlang dem Sicherheitszaun zwischen Israel und Gaza los- geschickt. Nach Angabe der israelischen Beamten habe die improvisierten Luftwaffen zahl- reiche Brände innerhalb von Israel verursacht und damit beträchtlichen materiellen Schaden erzeugt (in einigen Fällen), aber keine Toten oder Verletzten. Seit den Demonstrationen entlang des Sicherheitszaunes – der am 30. März begann – wurden mehr als 130 palästinen-sische Protestierer durch israelisches Gewehrfeuer getötet – und tausende mehr verletzt. Die Protestierenden verlangen das „Rückkehrrecht“ in ihre Häuser und Dörfer im historischen Palästina, von wo sie 1948 vertrieben wurden, um Platz zu machen für den neuen Staat Israel. Sie fordern auch ein Ende der 11jährigen Blockade des Gazastreifens, durch welche die Wirtschaft der Küstenenklave zerstört und etwa 2 Millionen Einwohner um ihre Grund- versorgung gebracht wurde.

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(Übers: Gerhilde Merz)

 Mach mich nicht für einen Tag zum Freund – und verlass mich nach einem Monat. Komm mir nicht zu nahe – wenn du mich doch verlassen wirst! Versprich nicht, was du nicht halten willst.Sei mir nah – oder geh!                                

  Mahmoud Darwish