Gewalt auf allen Fronten durch Israel gegenüber unbewaffneten Palästinensern

Palestine Update Nr. 129 – 4.4.18

Meinung

Gewalt auf allen Fronten durch Israel gegenüber unbewaffneten Palästinensern

In dieser Ausgabe von Palestine Updates teilen wir mit Ihnen Notizen aus der Electronic Intifada über verschiedene Gewalttaten in der Westbank und in Gaza, und mit Palästinensern in Syrien. Die Auflistung betrifft den Monat März 2018 (1) und wird von Bildern begleitet. Das internationale Medium hat sich ausgiebig mit den Tötungen der letzten Zeit in Gaza beschäftigt, kam dabei aber zu verschiedenen Graden von Zugängen und Ungenauigkeit. Dieser Bericht der Electronic Intifada zeigt, wie weitverbreitet und großflächig die Gewalt durch Israel ist. Die Mainstream-Berichterstattung kommt kaum zu diesen Einzelheiten. Lesen Sie sie bitte und verbreiten Sie sie.

Grüße von Ranjan Solomon

————————————————————————————————–

Palästina in Bildern: März 2018 (Aus Electronic Intifada) (https://electronicintifada.net/people/electronic-intifada)

22 Palästinenser wurden von der israelischen Besatzungsmacht in der Westbank und im Gazastreifen während des Monats März tödlich verwundet. 18 Palästinenser wurden am 30. März tödlich verletzt; das bedeutet die größte Anzahl von palästinensischen Todesfällen durch die Hände der Besatzungsmacht an einem einzigen Tag seit Israels massivem Angriff auf den Gazastreifen im Sommer 2014. 14 Protestierende wurden an diesem Tag getötet, weil Scharfschützen der Besatzungsmacht das Feuer auf eine Massendemonstration (2) eröffneten, die an verschiedenen Punkten entlang der Ostgrenze von Gaza abgehalten wurde; die palästinensische Menschenrechtsgruppe Al-Haq (3) beschrieb diesen Zugriff als „kalkulierte, unnötige, nicht proportionelle und kriminelle Anwendung von tödlicher Gewalt“.

Israel schleppt die toten Körper (4) von zwei Palästinensern weg – Muhammed Mhareb Muhammad al-Arabiyeh und Musab Zuheir Anis al-Saloul – die während des Protestes getötet worden waren. Israelische Streitkräfte hatten die palästinensischen Rettungsleute daran gehindert, die beiden zu suchen und zu retten, wo sie etwa 150 m vom Grenzzaun zwischen Gaza und Israel gefallen waren. Ein weiterer Protestierender, der 29jährige Faris al-Ruqab, starb am 2. April an seinen Verletzungen.

Omar Wahid Samour, ein 26jähriger Bauer, wurde am gleichen Tag durch Artilleriegranaten getötet.  Er war der zweite Bauer in Gaza, der in diesem Monat durch israelische Streitkräfte getötet wurde: Muhammad Abu Jaame, 59, wurde totgeschossen, während er (5) am 3. März

auf seinem Land im südlichen Gaza nahe der Grenze zu Israel arbeitete. Zwei palästinensische Widerstandskämpfer, Sari Walid Abu Awda, 27, und Hamdan Ismail Abu Amsha, 23, wurden auch am 30. März in Beit Hanoun im Norden von Gaza durch Eingreifen von Panzern (6) mit Raketen abseits von der Protestdemonstration getötet.

Rund 1.400 andere wurden während der Demonstration, dem „Großen Marsch der Rückkehr“ am 30. März verletzt, mehr als die Hälfte davon durch scharfe Munition. Einige Journalisten (7) waren unter den Getöteten und Verletzten. „Medizinische Hilfen in Gaza, die bereits durch die lang anstehenden Kürzungen an medizinischer Versorgung, an Elektrizität und Heizmaterial überstrapaziert waren, kämpfen, um mit der enormen Zahl von notwendigem Einsatz zurecht zu kommen“, stellte das UN-Amt für die Koordinierung menschlicher Angelegenheiten (OCHA) an diesem Tag fest (8).

Westbank  
Während des Monats März wurden drei Palästinenser von israelischen Streitkräften in der Westbank getötet: Muhammad Zain al-Jaabari, ein 28jähriger tauber Mann wurde während Konfrontationen zwischen Palästinensern und Besatzungstruppen in Hebron am 9. März ermordet. Omayr Shedadeh, 19, wurde am 10.März während Konfrontationen getötet, die ausbrachen, als bewaffnete Siedler in mehrere palästinensische Gemeinden im Umkreis von Nablus eindrangen. Abd al-Rahman Bani Fadel, 28, wurde am 18. März nahe dem Eingang zum al-Aqsa Moschee-Bezirk in der Altstadt von Jerusalem totgeschossen (9), nachdem er angeblich auf den israelischen Siedler Adiel Coleman, 32, eingestochen haben soll; dieser starb noch am gleichen Tag an seinen Verletzungen (10).

Israel hat den Körper von Bani Fadel zusammen mit den sterblichen Überresten von ungefähr 20 anderen Palästinensern (11), die von israelischen Streitkräften erschlagen worden waren – einige fast zwei Jahre lang, zurückgehalten. Zwei Soldaten der Besetzungstruppe wurden am 16. März (12) getötet, bei einem von Israel genannten „Auto-Rammangriff). Der palästinensische Fahrer, der die Soldaten angefahren hat, Ala Qabha, 27, wurde festgenommen. OCHA stellte am 29. März fest (13), dass fünf Israelis und zwei vermeintliche Angreifer während palästinensischer Angriffe oder mutmaßlicher Angriffe während des Jahres gestorben sind.  Seit Anfang 2018 wurden 39 Palästinenser von den israelischen Streitkräften getötet, darunter ein in Gaza erschossener Palästinenser und ein palästinensischer Kraftfahrer am 3. April in der Westbank.

Im März wurde auch ein palästinensischer Kämpfer getötet und zwei weitere wurden verletzt, als eine Rakete, die auf Israel zielte, auf der Abschussbasis explodierte. (14)

Am 22. März wurden zwei Sicherheitsoffiziere und zwei andere in Gaza während einer Schießerei zwischen den  Behörden und den für einen Bombenangriff in diesem Monat

auf den Konvoy des PA Premierminister Rami Hamdallah am meisten Verdächtigen getötet (15). Sieben im Konvoy mitfahrende Leibwächter wurden während des Bombardements am 13. März im Norden von Gaza verletzt.

Inzwischen musste das einzige E-Werk in Gaza zeitweise stillgelegt werden, das Brenn-material war ausgegangen. „Die schwerwiegende Stromkrise unterminiert weiter die Verfügbarkeit von wichtiger Versorgung im Gesundheitsbereich, mit Wasser und im Sanitätsbereich; das betrifft direkt das Leben von 2 Millionen Menschen, die in Gaza leben“, sagte OCHA. (16)

Der Grenzübergang Raffah, der einzige Ort, an dem die überwiegende Mehrheit der 2

Millionen Einwohner von Gaza ein- und ausreisen können, wurde von Ägypten für

3 Tage im März ausnahmsweise geöffnet (17) und damit für 830 Personen die Einreise und

für 620 die Ausreise ermöglicht. OCHA registriert, dass nach Angabe der palästinensischen

Behörden in Gaza mehr als 23.000 Personen einschließlich dringender Notfälle registriert sind

und warten, den Raffah-Übergang bnutzen zu können.A

OCHA schreibt: „Seit anfangs 2018 wurde der Übergang nur an 10 Tagen geöffnet – 5  Tage

in beiden Richtungen und 5 Tage in einer Richtung“.

 

Über den Tod von 24 palästinensischen Flüchtlingen in Syrien als Ergebnis des laufenden

Krieges in diesem Land wurde im März berichtet (18), dass die überwiegende Mehrheit der

Kämpfer in der Schlacht an der Seite von Regierungstruppen in Ost-Ghouta und anderen

Gebieten in und um Damaskus zu Tode kamen. Es wurde berichtet, dass 2 palästinensische

Kinder im Alter von 6 und 16 Jahren von Granaten der Regierung auf Yarmouk südlich von

Damaskus getötet wurden; ein kleines Mädchen starb aufgrund fehlender medizinischer

Betreuung im belagerten Flüchtlingslager.

Die Bilder entnehmen Sie dem Link (pictures)

 

übersetzt: Gerhilde Merz

 

 

 

Anmerkungen der Übersetzerin: Ich hoffe, dass Sie die electronic-intifada öffnen können.

Für mich waren die Schilderungen der getöteten jungen Männer (im Alter meine Enkel) und

deren Namen schwer zu verkraften!

Außerdem entschuldige ich mich für eine Falschübersetzung in Update 128: Es geht dabei

darum, dass USA (auf der 1. Und der 4. Seite) eine Stellungnahme des UN-Sicherheitsrates

durch ihr Veto blockiert haben.

 

Von alerts@bdssouthafrica.com erhalte ich die Nachricht: Am Freitag, 6. April wurde der 30

Jahre alte Photojournalist Yaser Murtaja von einem Scharfschützen erschossen, obwohl er die

blaue Jacke mit dem Aufdruck „Presse“ trug. Er war Palästinenser. Vergangenen Monat hatte

er ein Bild von Gaza gepostet, dass von einer Drohne aufgenommen war und schrieb darunter:

er hoffe, ein solches Photo einmal vom Himmel aus aufnehmen zu können (Israel kontrolliert ja

derzeit auch den Himmel über Gaza!) und nicht von der Wiese aus.  GM