*Israel hat Gaza schon unbewohnbar gemacht – und jetzt kommt Corona Virus*

Palestine Update Nr. 350 – Israel hat Gaza schon unbewohnbar gemacht – 4.4.20

*Israel hat Gaza schon unbewohnbar gemacht – und jetzt kommt Corona Virus*

Von Belén Fernandez

View of a destroyed house after Israeli air strikes targeted a nearby Hamas site on Monday, in Gaza City, on March 26, 2019. (Abed Rahim Khatib/ Flash90)(Bild: Blick auf ein zerstörtes Haus, nachdem israelische Luftangriffe einen nahen Hamas-Sitz am Montag, 26. März 2020, in Gaza-City zerstört haben – Abed Rahim Khatib/ Flash90)

Israels Blockade von Gaza hat den Landstreifen in das „größte Open-Air-Gefängnis der Welt“ verwandelt. Und jetzt hat die überbevölkerte Enklave ihre ersten Fälle von COVID-19.

Schon 2012 haben die Vereinten Nationen vorausgesagt, dass der Gazastreifen um 2020 „unbewohnbar“ sein werde – natürlich nicht, dass er zu irgendeinem Zeitpunkt in der jüngeren Geschichte besonders „bewohnbar“ gewesen wäre. Jetzt, unter der israelischen Okkupation während mehr als 50 Jahren – lasst uns den Rückzug 2005 vergessen, der nicht erfolgt ist – hat die winzige, stark überbevölkerte Küstenenklave noch eine alles verkrüppelnde Blockade seit 2007 aushalten müssen. Arbeitslosigkeit und Nahrungs-Unsicherheit überwiegen, und 97 % von Gazas Trinkwasser werden als unsicher betrachtet.

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Stromabschaltungen passieren andauernd. Lieferungen von Geräten zur Gesundheitsfürsorge und Medikamenten sind Mangelware, und Palästinenser, die medizinische Behandlungen außerhalb von Gaza benötigen, erhalten von den israelischen Behörden regelmäßig Reiseverbot – wobei diese Behandlungen, das muss hier gesagt werden, oft und an erster Stelle die direkten Folgen davon sind, dass israelisches Militär palästinensische Demonstranten 2018/19 en masse verstümmelt hat. Ebenso wenig hat sich die traurige Situation der Gesundheitsfürsorge verbessert aufgrund der Gewohnheit Israels, Kranken-häuser zu bombardieren und medizinisches Personal umzubringen. 

Was passiert dann, wenn man den Corona Virus zu dem ganzen Mix hinzufügt? Es scheint, dass wir dabei sind, das herauszufinden. Am 22. März bestätigte Gaza seine ersten beiden Fälle von COVID-19.

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Das veranlasste die israelische Menschenrechtsorganisation B’Tselem zu warnen, dass die Verbreitung des Virus im Gazastreifen „ein massives Desaster sein wird, das zur Gänze durch die einmaligen Bedingungen geschaffen wurde, die sich aus einer mehr als ein Jahrzehnt langen israelischen Blockade ergibt.“

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Weil das Gesundheitsvorsorge-System in Gaza „bereits am Abgrund des Zusammenbruchs steht“, schaut die Gruppe voraus auf ein „Albtraum-Szenario“, eines, das Israel „geschaffen hat und keinerlei Bemühung unternahm, um es zu verhindern“. Die beiden ersten Fälle von COVIT-19 waren Palästinenser, die von Pakistan nach Gaza zurückkehrten. Von weiteren sieben Fällen wurde daraufhin berichtet; sie befanden sich unter den Sicherheitsbeamten, die in der Quarantäne-Einrichtung stationiert waren, wohin neue Rückkehrer gebracht worden waren, und ein Fall wurde zusätzlich bestätigt. 

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Al Jazeera schreibt, dass man Gazas 2 Millionen Bewohner „dringend veranlasst habe, Vorsichtsmaßnahmen durchzuführen und sozialen Abstand zu bewahren durch Zuhause-

Bleiben in der Absicht, die Ausbreitung des Virus aufzuhalten.“

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Aber wie, ich bitte Sie, sollen Menschen sozialen Abstand halten in einem Raum, der so überfüllt ist, dass es kaum genug Raum gibt um zu atmen? Und welche Gattung von psychologischem Trauma wird folgen, wenn eine bereits traumatisierte Bevölkerung gezwungen ist, sich selbst einzusperren „im größten Open-Air-Gefängnis der Welt“? 

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2012, im gleichen Jahr, als die UNO die drohende Unbewohnbarkeit des Gazastreifens vorhersagte – einem Gebiet, das hauptsächlich von palästinensischen Flüchtlingen aus dem Gebiet, das jetzt Israel ist, bewohnt wird – stellte der damalige Sprecher von Oxfam, Karl Schembri, die passende Frage: „Wie können Sie von post-traumatischen Stress-Intervention in Gaza reden, wenn sich die Menschen noch in einem ständigen Zustand von Trauma befinden?“

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Er sprach die Verbreitung von traumatisierter Jugend nach der Operation „Gegossenes Blei“

(2008-9) der Israelis an, bei der mehr als 1.400 Palästinenser in Gaza getötet worden waren, darunter 300 Kinder

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Darauf folgte – unter anderen Menschen tötenden Nebenereignissen – Operation Pillar of Defence (Felsen der Verteidigung) im November 2012, wobei das israelische Militär fast 200 Palästinenser „außer Gefecht“ setzte, und Operation Protective Edge (Schützende Ecke?) 2014, wobei sie 2.251 Palästinenser hinschlachteten, darunter 551 Kinder

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Es braucht nicht betont zu werden, dass Gesundheitsdienste für psychische Erkrankungen unter den Angeboten sind, die im Gazastreifen am meisten abgehen. Und ebenso wie die Bombenabwürfe der Israelis garantiert ein Angriff des Corona Virus psychische Folter in einem extrem abgeschottetem Gebiet, wo schon allein die Idee einer körperlichen Flucht allgemein unmöglich ist. Wie sich der Akademiker Neve Gordon der Nation gegenüber sogar wundert: „Wie können die 113.990 Flüchtlinge, die im Jabalia Lager (in Gaza) leben, das insgesamt nur 0,54 Quadratmeilen (ungefähr 3 km2)  beträgt, körperlichen Abstand von einander halten?“ 

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Da ist auch noch der Fall des Al-Shanti-Lagers, wo die Enge sogar noch schlimmer ist 

mit 85.628 Flüchtlingen, die auf einem Gebiet von 0,2 Quadratmeilen (1,29 km2) wohnen und mit nur einem Ambulatorium und Nahrungsmittel-Verteilzentrum.

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Nach Gordon ist der Ausgang davon, dass „die acht Flüchtlingslager innerhalb von Gaza als Systeme, die organisiert wurden, um Leben zu retten – Gesundheitsvorsorge und Versorgung mit Nahrungsmitteln – zweifellos zu tödlichen Flaschenhälsen werden und zu einem gedeckten Tisch für den tödlichen Corona Virus“. 

Ganz sicher werden Forderungen, die israelische Belagerung von Gaza aufzuheben – das einzige gerechte und anständige Ding, das zu tun ist, besonders in dieser Zeit der globalen Pandemie – größtenteils auf taube Ohren treffen. Auf die Mehrheit der israelischen Öffentlichkeit 

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kann man zählen, wenn es darum geht, gutzuheißen, welche Art von Tod über die Palästinenser kommen solle, und man kann darauf vertrauen, dass die Vereinigten Staaten die mörderischen Praktiken Israels in Gaza in Form von Milliarden Dollars und dauerndem Beharren auf dem Recht unterschreiben, dass Israel „sich selbst gegen die Palästinenser verteidigt“, indem es sie massakriert. Daher fühlt sich die israelische Regierung völlig im Recht, pausenlos Gaza zu bombardieren, Covit-19 hin und her.

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Mittlerweile versichert das Editorial der jüngst erschienenen Jerusalem Post unter dem Titel „Gute Arbeit, Israel“, 

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dass „jeder“ in Israel allen ein kollektives Schulterklopfen verabreichen sollte“ für ihre exemplarische Antwort auf den Corana Virus im Lande, trotz der Tatsache, dass Ultra-Orthodoxe und „arabische Sektoren … länger dazu brauchen, die Dringlichkeit und Ernsthaftigkeit zu verinnerlichen, die der Virus stellt und wozu es führt, wenn man sich nicht an die Direktiven hält.“ Und schließlich, es gibt keine Zeit wie die Gegenwart, die einen so guten Auslöser für Rassismus gegen die Palästinenser darstellt, die selbst von Israel behandelt worden waren, als seien sie eine Krankheit. 

Zuletzt betont die „Post“ noch, dass wir „im Krieg“ gegen den Corona Virus sind, und dass wir „nur durch Einigkeit und Beharrlichkeit fähig sein werden, um den unsichtbaren Feind zu

besiegen“. Aber wenn man sieht, wie die Bewohner des bereits nicht mehr lebbaren Open-Air-Gefängnisses im Nachbarhaus plötzlich dem katastrophalen Ausbruch eines biologischen Krieges, veranlasst durch einen sehr sichtbaren israelischen Feind, gegenüber stehen, können klarerweise Schulterklopfer welcher Art immer nicht in Ordnung sein. Da gilt nur eine globale Verurteilung und ein Ende der Blockade. 

Quelle: 

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*Belén Fernàndez ist mitarbeitende Herausgeberin bei „Jacobin Magazine“ und schreibt regelmäßig für „Al Jazeera“. Ihre Artikel sind auch im „London Review of Bοoks“ Blog 

erschienen, sowie in „The Baffler“ und zahlreichen anderen Sammlungen. Sie erarbeitete ihren Bachelor-Grad mit einer Übersicht über Politikwissenschaften in der Columbia-Universität in New York.* 

(Übersetzung: Gerhilde Merz)   

 

 

 

   

 

  

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