*Israel wirft Standards der Zivilisation im Kampf gegen Corona weg, um den Kampf gegen Corona zu verhindern.*

Palestine Update Nr. 351 – 6.April 2020 – Israel wirft Standards der Zivilisation weg

Meinung

*Israel wirft Standards der Zivilisation im Kampf gegen Corona weg, um den Kampf gegen Corona zu verhindern.*

Israel sinkt in seinen Standards der Zivilisation, indem es die Menschenrechte außer Acht lässt und tadelnswerte und inhumane politische Taktiken anwendet, um die Bemühungen der Palästinenser im Kampf gegen den Corona Virus zu verhindern. Ein Sprecher der palästinensischen Regierung sprach einen Tag, nachdem der palästinensische Gesundheits-minister die israelischen Okkupationsbehörden und die israelische Gefängnisbehörde getadelt hatte, davon, den Minister für Angelegenheiten Jerusalems, Fadi Al-Hidmi, zu zwingen, kontaminiertes Blut mit sich zu schleppen. 

Der Artikel unten ist ein Überblick darüber, wie tief die Leiden in Palästina als Ergebnis des  Corona Virus und der verhindernden Maßnahmen sind, die Israel setzt. Israel begeht unverschämt Kriegsverbrechen aller Arten. 

Beobachtet dies die Welt? Und wenn, was tut sie? 

Ranjan Solomon

*Die Pandemie in Palästina*

Von Julian Sayarer

Der Autor wurde für seine Reisebeschreibungen als Autostopper und für alternative Formen des Reisens ausgezeichnet.

Palestine battles the pandemic – Workers World

(Bild: Palästina bekämpft die Pandemie – „Workers World“) 

In der Westbank und in Gaza hat der Corona Virus die Wirkung von Israels Jahrzehnte langer Okkupation offengelegt – und viele Palästinenser ohne die Gesundheitsvorsorge zurück-gelassen, die sie benötigen würden um zu überleben.

Trotz aller Leiden, die er verursacht, hat Covid-19 auch weitverbreitete Zeichen von Menschlichkeit herbeigeführt. Ein Virus ohne Respekt vor Grenzen, und der Arme und Reiche gleichermaßen tötet, zeigt auch die die Verbundenheit aller Menschen. Das ist auch zur Narrative sogar im Mittleren Osten geworden, indem die Palästinensische Autorität (PA) und die Beamten der israelischen Regierung sich eng zusammenschließen in ihrer Antwort auf die Pandemie und dafür Lob als einem Moment des Aufeinander-Zugehens hervorrufen.

Die Logik hinter dieser Annäherung ist nicht kompliziert. Der Gebietsstreifen von Land zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer, der sowohl von Palästina wie auch von Israel als ihr Heimatland beansprucht wird, ist an seinem schmalsten Punkt kaum mehr als 50 Meilen (ungefähr 75 km) breit. Innerhalb dieses Gebietsstreifens leben 8,7 Millionen israelische Bürger, davon sind fast 2 Millionen von palästinensischer Herkunft. Weitere 1,9 Millionen Palästinenser leben im blockierten Gazastreifen und 2,7 Millionen in der Westbank; dazu kommen noch fast 800.000 israelische Siedler als Pünktchen zwischen diesen Wohngebieten und im besetzten Ostjerusalem.

Und wahrhaftig, der Virus, anders als die Politik, die militärischen Checkpoints und Betonmauern, unterscheidet nicht; er enthüllt die unentrinnbare gegenseitige Abhängigkeit der Gemeinschaften voneinander. Welche Stärke die israelische pharmazeutische Industrie  oder Israels moderne Krankenhäuser besitzen mögen: wenn sich Covit-19 in Palästina festsetzt, sind auch die Leben der Israeli dran. Und in diesem Kontext werden die Konsequenzen der schon 70 Jahre dauernden militärischen Okkupation der Palästinenser in Sachen der Gesundheitsvorsorge tragend. Mehr abgeschnitten von den Zulieferungsketten, die den Covid-19 mit sich brachten, hat Palästina den gleichen Zeitanteil von der Pandemie bekommen, wie er erfreulicherweise auch mehr isolierten, ärmeren und blockierten Ländern zugefallen ist. Dieser Anteil könnte, meint man jedoch, abgelaufen sein mit der Ankunft einer Gruppe von infizierten griechischen Touristen in Bethlehem und mit Leuten, die aus Pakistan nach Gaza auf einem Weg über Ägypten gekommen waren. 

Nachdem dieser Vorsprung jetzt vorüber ist, sind sowohl die Westbank wie auch Gaza in der  gleichen Lage wie die ärmeren Länder weltweit: erschöpfte Ressourcen für Gesundheitsvorsorge und weniger wirtschaftliche Reserven, wodurch die Pandemie mit voller Kraft trifft. Es gibt in der Westbank nur 256 Ventilatoren und in Gaza 87, um Millionen palästinensische Menschen zu versorgen. In Anbetracht dessen hat die PA in der Westbank Touristengebiete geschlossen, und die Hamas in Gaza Moscheen und andere Stätten der Begegnung. China hat seine Pandemie-Diplomatie durch eine Sendung von Test-Kits weiter geführt und Kuwait versprach finanzielle Zuwendungen, aber der Virus wird die Spannkraft überprüfen, mit der die Palästinenser bereits unter militärischer Okkupation überleben. 

*Sicherheitsnetze*     

Mehr als 50.000 Palästinenser pendeln täglich von der Westbank zur Arbeit nach Israel, besonders im Baugewerbe – und der Sektor boomt weiter wie überall ohne Rücksicht auf den Virus. Schnell in der Aufnahme von Isolierungsmaßnahmen hat sich die PA diesen Arbeits-möglichkeiten nicht entgegengestellt, jedoch das tägliche Kommen-und-Gehen verboten wegen der höheren Infektionsrate im israelischen Gebiet. 

Als Ergebnis der Bewegungseinschränkungen hat man von Firmenchefs in Israel erwartet, dass sie Übernachtungsmöglichkeiten bereitstellen, aber allein das hat dazu geführt, dass die Arbeiter in überbelegten Baustellen geschlafen haben oder zusammengepfercht in kleinen Zimmern, wodurch der Virus zweifelsohne schließlich einziehen wird. Jene palästinensischen Arbeiter, die sich sofort zurückgezogen haben, oder die seither abgeschreckt durch die Bedingungen, unter welchen von ihnen erwartet wird, dass sie monatelang innerhalb von Israel zu bleiben haben, wurden in einer Grauzone von Erwartungen zurückgelassen, welche Verantwortung israelische Arbeitgeber für Urlaubs- oder Sozialversicherungszahlungen übernehmen würden. Das Interesse an den Sorgen von Palästinensern mit niedrigem Einkommen wird bereits durch die rapide Bewegung des Virus durch Israel übertroffen worden sein. Die Geschwindigkeit, mit der er sich ausbreitet, führte zu einer spontanen Umkehr der Politik mit den palästinensischen Arbeitern und deren Beherbergung in Israel, sodass viele sehr plötzlich die Rückkehr in die Westbank suchten, was wahrscheinlich mithalf zur Verbreitung der Krankheit. 

Israel selbst fängt inzwischen an, mit der Pandemie zu kämpfen. Viele beschimpfen in den Medien den Starrsinn ihrer orthodoxen Charedi-Gemeinde, die von ihren Rabbis aufgemuntert wird, Schutz bei der Torah und dem Glauben zu suchen. Die Mehrzahl der israelischen Intensivbetten sind jetzt von Charedis besetzt, sehr zum Ärger von säkularen Israelis, die sich enger an die Isolationsmaßnahmen gehalten haben. Jede Zunahme der Todesrate insgesamt als Ergebnis von Aktionen der Charedi-Gemeinde wird neue Spannung für die Trennung zwischen Religiösen und Säkulären im Lande bringen. Viele waren schon wütend, als Benjamin Netanyahu für sein Kabinett eine Anzahl von Religiösen vorsah. 

Inzwischen sind israelische Bürger mit palästinensischer Herkunft, die in Gebieten leben, in die der Staat weniger investiert und deren Substanz er verfallen lässt, eine ständig sichtbare Erinnerung an Israels Zweidrittel-Gesellschaft. Es gibt auch Ärger über die Art, wie Gesundheitswarnungen und ernsthafte Berichte aus Israels arabischen Fernsehkanälen ausgeschlossen werden. 

*Zerstörungen*

Trotz der Umwälzungen durch den Covit-19 wäre es falsch, anzunehmen, dass dieses in vieler Hinsicht nicht „business as usual“ für die Palästinenser gewesen wäre, die unter militärischer Okkupation leben. Viele haben die Zerstörung des Olivenhains eines palästinensischen Bauern gesehen; vierhundert (400 !) frisch gepflanzte Bäumchen wurden von der israelischen Armee in Wad Fukin nahe Bethlehem ausgerissen. – Es gab einen weitverbreiteten Schrecken darüber, dass mitten in der globalen Solidarität gegen die Pandemie ein israelisches Zerstörungs-Team Materialien konfiszierte oder zerstörte, mit denen die PA eine Notfallklinik 

im nördlichen Jordantal im Dorf Ibziq aufbaute.

Es gibt Vermutungen, dass das Ausmaß der humanitären Krise bereits nach Gaza unterwegs ist, und die wahrscheinlich nicht handhabbaren Bedingungen der Pandemie bedeuten, dass Palästinenser in Krankenhäusern in Israel behandelt werden müssen. Diejenigen innerhalb des blockierten Territoriums sind oft in schlimmen Zuständen nach den israelischen Luftangriffen, die die Infrastruktur in Ruinen und die Stromausfälle ständig gegenwärtig gemacht haben. Was immer als Hilfe notwendig ist, sie wird,  wenn sie kommt, immer noch vertraute Stempel einer Struktur tragen, durch die Israelis bisweilen sichtbare Akte von Hilfe in der Not für Palästinenser zeigen, während Israel gleichzeitig systematisch und ausgiebig die Lebensbedingungen und Strukturen für die Autonomie der Palästinenser und ihre staatlichen Kapazitäten zerstört.   

In einem ähnlichen Akt von Menschenliebe müsste Israel einen Teil der Funds, die es regulär von palästinensischem Steuereinkommen auf Importe nach Israel und von dort ins palästinensische Territorium abzieht, zurück erstatten. Die Buße wird im Verhältnis zu den Geldern abgerechnet, die von der PA für den Unterhalt von politischen Gefangenen, Kämpfern und ihren Familien gegeben werden – was anzuerkennen sich Israel weigert. Mit einer solchen Rechtsauffassung wurden den Palästinensern im Laufe der Jahre unilateral Milliarden abgenommen, was weitere Spannung auf das Selbstvertrauen der Palästinenser legte. Dass Israel sich weigert, palästinensische Gefangene frei zu lassen – viele von ihnen in vorgerücktem Alter – ist auch ein ständiger Grund für Kummer. Israels regionale Rivalen, darunter Iran, haben bereits grundsätzlich den humanitären Schritt gesetzt, viele ihrer  politischen Gefangenen in den Hausarrest zu entlassen. 

*Schon früher existierende Bedingungen*

Es ist wichtig, zu erkennen, dass die Sicherheits-Zusammenarbeit zwischen Israel und den Palästinensern auf hoher Ebene keinesfalls ein neues Phänomen ist. Obwohl die PA unter Mahmoud Abbas kürzlich den „Friedensplan – Deal des Jahrhunderts“ zurückgewiesen hat, sind die palästinensischen Aktivisten ständig unzufrieden mit dem Klientelismus in der Beziehung zwischen ihren Führern und Israel, und die PA muss sich oft mit den palästinensischen Aktivisten hart auseinandersetzen.  

Verstimmung über die zu erkennende Enge war ein Schlüsselelement hinter dem Wahlerfolg der Hamas in Gaza. Eben dort jedoch und trotz der häufigen Kämpfe und der intensiven gegenseitigen Abneigung wissen Hamas und Israel, was es heißt, zusammen zu arbeiten. Das war das Potential für Zusammenarbeit, das Hamas half, die Bedrohung durch ISIS innerhalb von Gaza rasch auszuschneuzen und ihr ermöglicht, ihr Auge mehr auf die militanteren Fraktionen Gazas, wie den „Islamischen Jihad“, zu konzentrieren. 

Während die Geschichte von Palästinensern und Israelis dazu führt, dass die beiden sich die meiste öffentliche Wahrnehmung einfangen, ist auch Ägypten ein Teil dieser Zusammensetzung, auch was  den Covid-19 betrifft. Wenn sich die Pandemie in Gaza festsetzt, wird man sich von der Wahrnehmung verabschieden, dass die Gaza-Blockade von Israel im Einvernehmen mit ihrem US-Schlüssel-Verbündeten, Abdel el Sisi erzwungen worden war, dem ägyptischen Präsidenten, auf den sich Donald Trump als seinen „Lieblingsdiktator“ bezieht.

*Anhaltende Ungerechtigkeit*

Ebenso, wie offensichtlich kontraproduktive Aktionen wie die Zerstörung der Klinik in Ibzig

hat die Pandemie Benjamin Netanyahu – mit dem Sprecher der Knesset als Unterstützung – erlaubt, einen legislativen Coup im Nachklang zur nächsten Runde der Dauerwahlen zu inszenieren. Der Schutz durch die Pandemie hat seinen brennenden Ehrgeiz am Leuchten erhalten, der Mann zu sein, der die Westbank annektiert – und Donald Trump bleibt im Weißen Haus und gibt seinen Segen dazu. 

Mittlerweile hat sich  der Staat zusammengetan mit der israelischen Überwachungs-gesellschaft NSO, die beteiligt war an dem saudi-arabischen Mord von Jamal Khashoggi, und trachtet jetzt, alle Israelis mit einem „Verseuchungs-Ziel“ zu ködern.. Es wird eine weitere Tragödie werden, wenn das, was in den nächsten Wochen und Monaten herauskommt, als eine vereinigende Kraft des Guten propagiert wird, in Wirklichkeit aber benutzt wird, um einige der schlimmsten Trends in den historischen Ungerechtigkeit gegen die Palästinenser zu beschleunigen.     

Quelle:

https://facebook.us14.list-manage.com/track/click?

u=70813d3d15ac4637582781b8e&id=85cfacb252&e=bb7a291c18  

(Übersetzt: Gerhilde Merz)  

Ich stelle mir den Autor Julian Sayarer vor, wie er während seines alternativen Reisens seinen Gedanken freien Lauf lässt und sie dann niederschreibt. Für die Übersetzerin nicht immer ganz einfach! 

Gesegnete Ostern von mir an Dich, liebe Leserin, lieber Leser!