*Ist Kaschmir Indiens Palästina?*

Palestine Update Nr. 315 – Ist Kaschmir Indiens Palästina?

*Ist Kaschmir Indiens Palästina?*

Von Robert Fantina

Im August dieses Jahres setzte Premierminister Narendra Modi von Indien Artikel 370 der Konstitution aus, eine Maßnahme, die Kaschmir ein gewisses Maß an Autonomie garantiert hatte. Obwohl indische Soldaten schon bis jetzt Polizeigewalt ausübten, wurden zusätzlich fast 40.000 Soldaten nach der repressiven und illegalen Entscheidung von Modi nach Kaschmir gesandt, um die Bevölkerung „ruhig zu stellen“ (Lies: noch mehr zu unterdrücken). Reisen von und nach dem Land ist unter Bann, sogar Nachrichten-Berichterstatter dürfen nicht ins Land und jegliche Kommunikation wurde unterbrochen, so dass weltweit Leute keinerlei Nachricht über das Ergehen ihrer Freunde und Familienmitglieder erhalten können. 

Indiens Zunahme von Unterdrückung der Bevölkerung von Kaschmir lässt nicht verhindern,  dass man Ähnlichkeiten zu Israels jahrzehntelanger, brutaler Unterdrückung der Palästinenser sieht.

Und dieser Vergleich geht nicht vorüber an der Regierung von Indien. Am 16. November war Sandeep Chakravorty, Indiens Generalkonsul für New York City, zu einem privaten Besuch in New York. Er erzählte Hindus aus Kaschmir und nationalen Indern, dass Indien Siedlungen nach dem Modell von Israel bauen will, um die Hindu-Bevölkerung nach Kaschmir zurückzu- führen. Er nahm sich kein Blatt vor den Mund; er sagte: „Ich glaube, die Situation der Sicherheit wird besser werden, die Flüchtlinge werden zurückkommen können, und während Ihrer Lebenszeit werden auch Sie in der Lage sein, zurück zu gehen … und Sie werden in der Lage sein, Sicherheit zu finden, denn wir haben bereits ein Modell in der Welt. Ich weiß nicht, warum wir diesem nicht folgen. Es ist im Mittleren Osten geschehen. Wenn es die Israelis machen können, können wir es auch machen.“  

Obwohl Modi‘s zunehmender  Druck auf die Menschen in Kaschmir von vielen Leuten in der internationalen Gemeinschaft verurteilt wurde, wehrten sich die meisten Nationen nur mit einem leisen Seufzer und die Neuigkeiten über diese unbeschreibliche laufende Unter-drückung kam schnell in den Hintergrund gegenüber anderen Ereignissen. Aber für die Leute im Kaschmir geht das Leiden weiter.

In einer Sache hatte Chakravorty recht: Israel hat bis heute mit Erfolg Palästina geteilt, und sein Volk unterdrückt durch die Anwendung von illegalem Siedlungsbau, Landkonfiskation, Rassismus, Terrorismus in allen vorstellbaren Formen, Entführung, Mord und einem endlosen Bogen von grausamen und wüsten Methoden, um die Nation und ihr Volk zu zerstören. Diese Verletzungen des Völkerrechts und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurden finanziert und voll unterstützt durch die Vereinigten Staaten, während die meisten anderen Länder einfach in die andere Richtung schauen, manchmal einige kritische Worte äußern, aber selten, wenn überhaupt irgendetwas Konstruktives für das palästinensische Volk tun. Solange Israel mit Mord davonkommt, warum nicht auch Indien?

In Kanada hat eine zionistische Organisation eine Präsentation mit zwei Sprechern arrangiert, einem Hindu-Priester und einem konservativen Kommentator, um den Kanadiern zu beweisen, dass George Orwell’s Vorhersagen „schwarz ist weiß“ und „oben ist unten“  ganz sicher reifen. Die Präsentation gibt vor, Israel als an vorderster Linie gegen Extremismus zu sehen! Das ist mehr als lächerlich, wenn man betrachtet, dass Zionismus, auf den Israel aufgebaut ist, eine extremistische, rassistische Philosophie ist, und sich Israel in diesem Jahr offiziell zum Nationalstaat für das jüdische Volk erklärte – und nur für das jüdische Volk – und damit 25 % der Bevölkerung marginalisiert, weil sie keine Israelis sind. Einige dieser marginalisierten Menschen haben auf diesem Land schon gelebt, bevor Israel überhaupt existierte.

Aber jetzt sind die Zionisten in Kanada daran, uns alle mit Geschichten darüber zu erleuchten, wie Land, das einer Gruppe von Menschen gehört, in Wirklichkeit einer anderen gehören sollte, und wie es vollkommen akzeptierbar ist, Land zu stehlen und jene zu töten, die derzeit darauf leben. Ist in all dem nicht etwas, das die Grundsätze von allgemeinem Anstand verletzt? Es jenseits der Vorstellbarkeit zu denken, dass jemand die Nerven haben könnte, das nur vorzuschlagen, noch viel weniger, es als vernünftige Idee zu präsentieren. Aber Zionisten, und jetzt offenbar auch jene, die ihre Aktionen nach dem Zionismus gestalten möchten, scheinen das alles für perfekt annehmbar zu halten.      

Während Israels brutalem und tödlichem Bombardement auf den Gazastreifen 2014 gab eine israelische Publikation heraus, dass Genozid unter Umständen annehmbar sei, und bemerkte, dass dort, wo Israelis und Palästinenser betroffen sind, Genozid für die Palästinenser ein solcher Fall sei. Obwohl diese nach einer Entgegnung schnell zurückgezogen wurde, zeigt dieser Faktor, dass ein israelischer Autor denken konnte, dass die Veröffentlichung einer Unterstützung für Genozid an den Palästinensern annehmbar sei, scheinbar eine allgemeine Einstellung unter den Zionisten? Und jetzt scheint sich diese Krankheit auf Indien auszubreiten, wenigstens unter Regierungsbeamten, und man wundert sich erschreckend, ob die allgemeine Volksmeinung zustimmen könnte – Israelis scheinen im allgemeinen auf der gleichen Seite zu stehen; ist Indien jetzt davon angesteckt?    

Der Präsident der Vereinigten Staaten, wer immer es zu einer gegebenen Zeit ist, wird oft als der Führer der freien Welt angesprochen. Dieses Bild wird oft rund um den Globus akzeptiert, sehr zum schweren Nachteil für viele in der Weltbevölkerung. Während jeder  Präsident seit der blutigen Gründung von Israel dieses unterstützte, hat Donald Trump diese Unterstützung ins Extreme fortgeführt, indem er einer Organisation der Vereinten Nationen (UNWRA), die Palästina unterstützt, die Finanzierung weggenommen hat und die Botschaft der USA von Tel Aviv nach Jerusalem übersiedelte (in Verletzung des Völkerrechts) und den derzeitigen israelischen  Premierminister Benjamin Netanyahu mit aller Bewaffnung und internationalen Unterstützung versorgte, von der dieser möglicherweise nur träumen konnte. Trump mag Diktatoren; wird er jetzt mit seiner Unterstützung hinter der Unterdrückung Kaschmirs durch Modi stehen?

Die Worte des deutschen Pastors Martin Niemöller, 1934 gesprochen, verfolgen mich in meinem Gedächtnis: 

*“Zuerst kamen sie, um die Sozialisten zu holen und ich habe nichts gesagt – weil ich kein Sozialist war.*

* Dann holten sie die Gewerkschafter, und ich habe nichts gesagt – weil ich kein Gewerkschafter war.*

* Dann haben sie die Juden geholt, und ich habe nichts gesagt – weil ich kein Jude war.*

* Dann haben sie mich geholt – und da war niemand mehr übrig, um für mich zu sprechen.“

 Heute könnte man das gemeine Wort gebrauchen, „Sie“ holten die Palästinenser, und niemand hat für sie gesprochen; sie holten die Muslime, und niemand hat für sie gesprochen; sie kommen jetzt, um die Kaschmiris zu holen, und niemand spricht für sie. Wer werden die Nächsten sein? Journalisten? Autoren? Universitätsprofessoren?

*Robert Fantina, der Schreiber dieses Aufsatzes, ist kein Muslim; er ist kein Palästinenser oder von Abstammung her Kaschmiri. Aber er hat jahrelang für die Palästinenser gesprochen; zusätzlich stellt er sich gegen alle Einstellungen und Gesetzgebung gegen die Muslime. Und jetzt, – vielleicht kommt er ein wenig spät damit an den Tisch – spricht er für die Menschen im Kaschmir. Es ist seine Pflicht, wie es die Pflicht eines jeden ist, der an Freiheit und die Würde aller Menschen glaubt, und der das Völkerrecht, die Menschenrechte und den grundsätzlichen allgemeinen Anstand unterstützt*.

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(Übers.: Gerhilde Merz)