*Ostern 2019*

Palestine Update Nr. 236 – Easter 2019 – 21.4.19

Meinung

*Ostern 2019*

„Möge der Friede des auferstandenen Christus eure Herzen und euer Leben auf besondere Weise berühren. Möge dieser Friede in unsere fragile Welt fliegen und Heilung und Hoffnung bringen“.

Daher, mein Freund und über lange Zeit mein Mitarbeiter, erzählte mir auf Facebook eine prächtige Geschichte über eine Begegnung, die er mit einem israelischen Armee-Pensionisten hatte. Das Ergebnis aus diesem Treffen und dem Gedankenaustausch führen zu einigen herausfordernden Gefühlen. Aber sogar noch mächtiger war die Begegnung, die seine liebe junge Tochter erlebte, als zwei jüdische Soldaten sie mit ihrer Pfadfindergruppe marschieren sahen. Yusefs Überlegungen sind am besten ausgedrückt in den Fragen, die er sich selber stellte, und seinen tiefsten Empfindungen der Hoffnung. Sie geht sehr tief hinein, diese Osterzeit! Wir wollen seine Botschaft hier wiedergeben und bitten euch, darüber vielerorts zu erzählen.

Die Grundbotschaft von Ostern ist nicht nur, das Jesus Christus von den Toten auferstanden ist. Die Auferstehung Jesu überdauert jedes andere historische Bemühen. So wird eines Tages diese Welt von Schmerz und Ungerechtigkeit durch die Herrschaft Jesu ganz neu gemacht werden. Das wichtigste Zeichen für dieses Zeitalter wird sein, dass wir Gottes Gerechtigkeit den Platz von Unterdrückung und Irrtum einnehmen sehen. Der Gefangene wird Freiheit haben. Der Fremde wird Schutz finden und befreit werden. Politische Systeme und Strukturen, die Menschen an den Rand drängen und sie versklaven, werden umgewandelt werden in solche, die klassenlos und inklusiv sind.

Ostern ist ein Ruf zur Gemeinschaft, der den mit dem Tod verhandelnden Kräften von Folter und Kreuzigung trotzt und uns alle von den Zwängen der Diskriminierung und des Vorurteils befreit. Das leere Grab ist das Zeichen, dass Gott Jesus Christus von den Toten aufgehoben hat, und deswegen haben unsere geprügelten Leben und Gesellschaften eine Chance, eine neue Möglichkeit zu erfahren und uns auf einer erneuerten Straße zu bewegen. Wir sind gefragt, Glauben und Optimismus niemals aufzugeben. Gib nicht auf – Gott ist treu!

Ranjan Solomon

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*Ostern / Passah – Geist für neue Hoffnung ?!!*

Von Yusef Daher

Yusef Daher und seine Tochter Zeina

In einem kleinen israelischen Dorf auf halbem Weg zwischen Tulkarem und Nethanya traf ich diesen israelischen pensionierten Chef, als ich einen britischen Freund nachhause fuhr. Nach einigen Vorstellungen fragte er mich: Gehst du wählen?! Ich antwortete, ich wähle nicht, denn ich bin ein Jerusalemite. Ich bin kein Staatsbürger von Israel. Seine spontane Reaktion war: „Mach dir nichts draus. Bald werden alle Leute von Samaria (Westbank) Staatsbürger sein und das gleiche Wahlrecht haben“!!! Dann griff er ein anderes Thema auf und wieder ein anderes, nur, um mir zu zeigen, dass unsere Differenzen Unsinn sind, ob sie nun politisch sind oder sogar religiös!!!

Am Tag vorher kam mein kleines Mädchen Zeina (9 Jahre alt) mit einer anderen Geschichte zu uns nach Hause. Sie fing an, ihrer Mutter die Geschichte zu erzählen, als wir uns von der Palmsonntag-Prozession und Parade heimkommend dem Haus näherten. Ich habe die ganze Geschichte nicht hören können, weil ich den Wagen parken musste, und sie fröhlich weiter erzählte. Drinnen kam Zeina zu mir zurück und sagte: Das musst du hören! Während ich mitten in meiner Pfadfindergruppe marschierte, schauten uns zwei jüdische Soldaten (oder vielleicht Soldatinnen?) zu. Sie schauten mich an – irgendwie in einer unüblichen ganz anderen Weise. Dann sagte eine von ihnen etwas wie „yafa“. (Yafa bedeutet in Hebräisch gut aussehend, fesch). Eine von ihnen hielt mir dann ihre gespreizten Finger hin – und ich

klappte meine drauf“ (so dass alle Fünfe einander berührten). „Das ist lieb, Habibti“, sagte ich. Dann sagte sie: „Ich glaube, heute hat sich sogar die Polizei während der Parade besser benommen. Sie haben uns diesmal nicht belästigt.“

Während ich von diesem Dorf Kfar Yona zurückfuhr, dachte ich mir: Ist es möglich, dass Israel und die Israelis uns als gleich schön sehen würden? Und dass unsere Rechte auf Selbstbestimmung die gleichen sein sollten?!! Ist es möglich, dass Israel in dem Augenblick, wo es fühlt, es hätte alles gewonnen, seine Exklusivität aufgeben würde und seinen Anspruch

der Überlegenheit gegen den anderen fallen ließe?

Ist es möglich, dass unser Traum des Zusammenlebens auf dem Land als Gleichberechtigte

früher als angenommen wahr werden könnte oder ohne so viele Jahre Kampf für die Erreichung unserer Rechte?

Ich hoffe, ich liege richtig.

Ich hoffe, es gibt einen neuen Oster /Pessach-Geist.

Das wünsche ich mir.

Und euch allen fröhliche Ostern und fröhliche Pessach-Feiern

Yusef Daher ist der Exekutivsekretär des Jerusalem Inter-Church Center (JIC) der kirchen-leitenden Personen von Jerusalem, das mit dem Weltkirchenrat und Mittelost-Kirchenrat zusammenarbeitet. Yusef ist einer der Autoren des „Kairos Palestine“ Dokuments „Moment of Truth – Wort von Glauben, Hoffnung und Liebe aus der Mitte des Leidens der Palästinenser“.

 

(Übersetzung: Gerhilde Merz)