Palästinenser stehen vor der Auslöschung und die Welt schläft.

Palestine Update Nr. 177 12. 10-18

Palästinenser stehen vor der Auslöschung und die Welt schläft.

Meinung

Während die Palästinenser in Gefahr stehen ausgerottet zu werden macht die Welt ein Nickerchen!

Khan Al-Ahmar hat den Verstand einer vernünftigen kritischen Masse von politisch lebendigen und verantwortlichen Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft zur Geisel genommen. Sie wissen, dass die drohende Zerstörung des Dorfes unmoralisch ist und jedes Gefühl für Menschlichkeit entbehrt. Die Zerstörung ist ganz einfach das politisch unmoralische Ding, das auf menschlicher Ebene getan werden kann. Noch schlimmer, die Zerstörung könnte endgültig jede übrigbleibende Aussicht auf eine Zweistaaten-Lösung zunichtemachen. Jerusalem würde von der Westbank abgeschnitten werden – und einmal für immer würde die für einen palästinensischen Staat notwendige Nachbarschaft verschwinden.

Der versklavte israelische oberste Gerichtshof hat früher einmal befunden, das Dorf könne zerstört werden. Die dazu nötige Berechtigung führte an, dass Häuser in dem Dorf ohne gültige Genehmigung gebaut worden waren. Die tatsächliche Wahrheit ist, dass Israel die Politik praktiziert, jede Art von legitimem Ansuchen um Baubewilligung zurückzuweisen.  Selbst baut es jedoch seine Kolonien illegal in Sichtweite des Dorfes Khan Al Ahmar. Die internationale Gemeinschaft weiß um diese Tatsache, will sich aber lieber auf harmlose milde Proteste und Gesten beschränken, die zu nichts führen. Das Land von Khan Al Ahmar ist staatseigenes Land und gehört unwiderruflich dem Staat Palästina. Israels Ansprüche darauf sind geplanter Betrug und fußen auf seinen unersättlichen kolonialistischen Forderungen.

Und die Welt schlummert in ihrer selbstbestimmten Siesta-Zeit auf der palästinensischen Frage und sendet die Botschaft aus, dass jedermann in der Schuld von Israel stünde wegen der Opferrolle, die es vor mehr als 70 Jahren einnehmen musste. Sie ist gefangen von der Logik der Ungerechtigkeit, die die Palästinenser zunehmend in die Gefahr bringt, ethnisch gesäubert zu werden. Es stellt sich die gewissensbelastende Frage: Wie und wo unterscheidet sich der Zionismus von Hitlers mörderischem Nazi-Wahn?

Paulo Freire, der große Erzieher aus Brasilien, schrieb an einer Stelle in seinem berühmten Buch „Pädagogik der Unterdrückten“: „Die Unterdrückten internalisieren das Bild des Unterdrückers“. Und auch obwohl die meisten – wenn nicht alle – derzeitigen Führer Israels aus der Zeit nach dem Holocaust kommen, haben sie den Holocaust in falscher Weise studiert. Sie haben alle den Unterdrücker-Komplex in sich aufgenommen, und denken Unterdrückung in der gleichen Weise mit, als sie ihn erfahren haben. – Oder schlimmer!

Inzwischen schlagen die Palästinenser an verschiedenen Fronten- besonders an der kulturellen – zurück als einer Möglichkeit, aufmerksam zu machen auf das, was durch Erbe das Ihre ist (siehe nachstehende Berichte). Da gibt es das Angebot von Strafmaßnahmen gegen BDS-Aktivisten, die ihre Prinzipien nicht aufgeben wollen, trotz Risiko und Repressalien.

Israel kehrt auch zurück zu den unmenschlichsten Praktiken gegen Gefangene als einen Weg, Unterwerfung zu erpressen. Ein Komitee wird bald arbeiten, um Gefängnisstandards für palästinensische Einsitzer abzuschaffen. Israel glaubt, damit könne es Hamas und andere palästinensische Widerstandsgruppen erpressen, die Reste israelischer Soldaten auszuliefern, die im Gazastreifen festgehalten werden. Sie rechnen total falsch. Im Gegenteil, derlei Bedrohungen würden dazu dienen, Unruhen innerhalb und außerhalb der Gefängnisse anzufeuern.

Ranjan Solomon

 

Khan Al-Ahmar braucht eine Volkserhebung – Es gibt keinen sinnvollen internationalen Plan, um es zu retten

Die palästinensischen Beduinen-Bewohner von Khan Al-Ahmar wachen jeden Morgen erleichtert auf, wenn die israelischen Armee-Bulldozer nicht in der Nacht gekommen waren, um ihre Häuser und die Schule ihrer Kinder niederzuwalzen. Dennoch bleiben sie in der Angst, dass es nur eine Frage der Zeit sei, dass ihr Dorf zerstört und sie selbst aus dem Land hinausgeschmissen werden, auf dem sie 40 Jahre lang gelebt haben. Bewohner – vor allem die Kinder – erfahren psychischen Terror, den Israel auf sie ausübt. UNICEF hat erst vor kurzem alarmiert: „Die Schule von Khan Al-Ahmar im Staate Palästina könnte in den kommenden Tagen – wenn nicht Stunden – zerstört werden.“ UNICEF verlangte von den israelischen Behörden, dass „das Interesse der Kinder bei den Überlegungen für das Treffen von Entscheidungen als erstes ins Auge gefasst werden müsse“.

Kinder werden routinemäßig in der Nacht aus dem Bett geholt, in israelische Armeefahrzeuge gestopft, ohne Beisein der Eltern oder Rechtsvertreter befragt, vor Militärgerichten in einer Sprache abgeurteilt, die die meisten nicht verstehen, und für lange Zeit gefangen gehalten. Weiter: Israelische Scharfschützen haben keine Bedenken, mit ihren Gewehren auf Kinder am Gazazaun zu zielen und sie zu töten. „Defence for Children International“ (Verteidigung der Kinder, international) berichtet, dass Israel seit dem Beginn von 2018 37 palästinensische Kinder ermordet haben. Die Zahl steigt weiter.

In „Middle East Monitor“ finden Sie den ganzen Bericht. (http://facebook.us14.list-manage.com/track/click?u=70813d3d15ac4637582781b8e&id=9c42e38155&e=267525e738

 

Jerusalems Künstlerarchiv und jüngere Bilder von der Stadtentwicklung

 

Der palästinensische Künstler Jack Persekian, geboren und aufgezogen in Ostjerusalem, war sehr wachsam gegenüber der langen und stürmischen Geschichte der geteilten Stadt. Sein Werk „Einhundert Jahre“, das aus 12 Fotoreihen besteht, wird zurzeit im Französisch-Deutschen Kulturzentrum in Ramallah als Teil des alle zwei Jahre stattfindenden Qalandiya International Festival ausgestellt.

Facebook Link =bd1428751c&e= Er hat vor zwei Jahren mit dem Projekt begonnen, und der Inhalt entwickelt sich immer weiter. Persekian findet immer neue Bilder von obskuren Winkeln und Gässchen in Jerusalem, um die Veränderungen zu zeigen, die in der Stadt vor sich gegangen sind. Alle alten Photos kommen aus einer Bildersammlung von Jerusalem, die eine amerikanische Gruppe von Photographen in der Kolonialzeit („American Colony Photographie“) hergestellt hat – eine Gruppe von 15 Photographen, die zwischen 1898 und den 1950ern in einem privaten Studio gearbeitet haben. Persekians eigene Bilder zeigen die gleichen Orte, und verwenden ähnliche Lichtverhältnisse und Winkel.

Lesen Sie mehr in „Al Monitor“, Facebook Link =a2459b27eb&e=

 

Die Hürden sind hoch für ein Museum im Heiligen Land

 

Kannst du dir vorstellen, wie Jesus von Nazareth seinen Alltag erlebte? Wie er gegessen hat, gebadet, sich gekleidet, und am Markt eingekauft? Welche Dinge hat er rund um seine Wohnung benutzt? Ein neuer Flügel für Archäologie des Terra Sancta Museums (TSM) gibt Antworten auf diese Fragen in einer Ausstellung, die genau so angekündet ist: „Alltagsleben in der Zeit von Jesus“. Im Kontrast zu dem scheinheiligen Glitzer der großartigen Kirchen, die sich rund um das Museum befinden, hat das Museum stattdessen Dinge aus dem Alltag vorzuführen: Haarnadeln, Spiegel und Spachteln für das Make-up, Hygieneartikel, Tischgeräte, Werkzeug, Münzen aus der Zeit und Begräbnis-Utensilien. Sie alle sind zusammengeholt in jahrzehntelanger Ausgrabungsarbeit durch franziskanische Mönche, in erster Linie in Kapernaum und der Küste der Galiläischen See (See Genezareth), der Grabeskirche in Jerusalem und der Burg der Herodianer in der Judäischen Wüste. (Facebook Link =a631ae1c59&e=)

Lesen Sie den Artikel und schauen Sie die Bilder an (Facebook Link =d2a9ecacc0&e= )

 

Die Universität von Michigan bestraft Professor für den Boykott Israels

 

Gruppen für Redefreiheit und Anwaltschaft für Palästina haben die Universität von Michigan angezeigt, weil sie einem Professor einen Verweis erteilt hat, der sich geweigert hat, einem Studenten, der in Israel studieren wollte, ein Empfehlungsschreiben auszustellen. John Cheney-Lippold, Gastprofessor für amerikanische Kultur, war einverstanden, einen solchen Brief zu schreiben, lehnte es aber später ab, als er herausfand, dass der Student in Tel Aviv studieren wollte. Der Professor engagiert sich an einem akademischen Israelboykott wegen dessen Menschenrechts-Missbräuchen gegen Palästinenser. „Es tut mir leid, aber ich habe nur dein erstes E-Mail vor einigen Wochen eingescannt und dabei ein Schlüsseldetail ausgelassen“, schrieb Cheney-Lippold im vergangenen Monat in einem E-mail an die Studentin Abigail Ingber. „Wie du vielleicht weist, haben sich viele Universitäts-Abteilungen  zu einem akademischen Boykott gegen Israel entschlossen, um damit in Palästina lebende Palästinenser zu unterstützen. Dieser Boykott enthält auch das Schreiben von Empfehlungs-briefen für Studenten, die dort studieren wollen“. Berichte sagen, dass die Universität Cheney-Lippold seine für dieses akademische Jahr vorgesehene Gehaltserhöhung für besondere Verdienste nicht bezahlen und sein Sabbatjahr für die nächsten beiden Jahre einfrieren würde. Die Zeitung berichtete, dass die Universität auch gedroht habe, den Professor zu feuern, wenn er sich in Zukunft in ähnlicher Weise verhalte. Cheney-Lippold hat Anspruch (auf diese Beschäftigung), d.h. er kann nicht entlassen werden, wenn es sich nicht um ein großes Vergehen handelt.

„Middle East Eye“ Tiefenberichte (Facebook Link =8149e702f0&e= )

 

Israel ist drauf und dran, die Gefängnisbedingungen für palästinensische Gefangene zu verschärfen

 

Israel ist bereit, sehr viel schlechtere Gefängnisstandards für palästinensische Häftlinge zu setzen, eine Entscheidung, die geeignet ist, eine neue Welle des Protests sowohl in den Gefängnissen wie auch außerhalb zu entzünden. Ein vom israelischen Minister Gilad Erdan für öffentliche Sicherheit in Israel eingesetztes Komitee erforscht Möglichkeiten, die Qualität des Lebens für palästinensische Einsitzende auf ein letztes Minimum zu reduzieren; es ist dabei, die Resultate seiner Studien zu überreichen. Erdan versucht, auf Hamas und andere palästinensische Widerstandsgruppen Druck zu machen, um die Überbleibsel israelischer Soldaten, die im Gazastreifen geblieben sind, auszuhändigen. Das Komitee möchte die Zahl der Familienbesuche für Gefangene reduzieren und die Erlaubnis, Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse auswärts zu kaufen, zurücknehmen. Die Insassen werden auch das Recht verlieren, in den Gefängniszellen zu kochen, und die Wärter würden die Zahl der TV-Kanäle reduzieren, unter denen die Gefangenen auswählen können.

„Press TV“ berichtet Details: Facebook Link =32a6e3caf4&e=

 

(Übersetzung: Gerhilde Merz)

 

Zum ersten Mal – aber aus gegebenem Anlass – entwickelte sich auf eine Nachricht in Palestine Update Nr. 176 hin „Breaking the Silence spricht Klartext über Israels Okkupation von Hebron“ ein interessanter Austausch.

Anlass: Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ging in diesem Jahr am 14.Oktober in an Aleida und Jan Assmann. Das Ehepaar aus Konstanz gehört zu den bekanntesten Geisteswissenschaftlern der deutschen Nachkriegsgeschichte.

 

Hier der Schluss der Dankesrede der beiden Wissenschaftler:

„Die biblische Überlieferung wird immer wieder beschworen, um sie als politische Waffe einzusetzen. Auch in der „Stadt des Freundes“ (Hebron) hat man sich bislang taub gestellt gegenüber dem Friedenspotential, das die alten Texte ja auch enthalten. Was hier trennt ist der ausschließliche Anspruch auf Wahrheit. Eine Perspektive des Friedens wird ermöglicht durch ein einfaches Kriterium, das wir bei Karl Jaspers gefunden haben: Wahr ist, was uns verbindet!“

 

Den Abschnitt „Shared Heritage“ der Friedensrede haben einige Leser zur Stellungnahme herangezogen. (Danke an Klaus Maßmann, der kritisch anmerkt: „Vom besetzten und gesperrten Hebron kein Wort“ und Martin Breidert)

 

„Das Projekt aus der Friedensrede erweckt für die Öffentlichkeit den Anschein palästinensischen und weltgemeinschaftlichen Ausschlusses von Juden und Christen. Das ist nur möglich, weil der Hintergrund der Besatzung ausgeblendet bleibt: „Besatzung“ in Hebron (und Westbank) ist nach Völkerrecht nicht Besatzung sondern effektive Inbesitznahme palästinensischer Rechtsgüter – Es werden also nicht (wie in der Rede angedeutet) Juden und Christen enteignet, sondern es werden PALÄSTINENSER akut enteignet. Ungeklärt bleibt, von wem (in der Rede) in Hebron „Gewalt und Terror“ ausgehen. (Terror von den Palästinensern, wie man aus den Medien vernimmt, und wie die Siedler für die israel-beeinflusste Weltmeinung erklären? ‚Gewalt‘ geht in den Medien ja nicht von Israel aus, sondern wird allerhöchstens als ‚Selbstverteidigung‘ beeichnet)

Die Anerkennung als Welterbe, ist sie nicht zuerst kenntlich zu machen als Gegenbewegung zur stattfindenden – oder geplanten – Enterbung des palästinensischen Hebron? Einschließlich der Heiligen Stätten?

 

Jan Assmanns Aussage „Niemals wieder“ heißt: nicht mehr wegschauen von Völkerrechts-verletzungen! Auch Projekte (wie in der Friedensrede angeführt) können erst durch Klärung der wahren Situation und nach ungetrübtem Hinschauen gelingen.“ (Klaus Maßmann, leicht gekürzt).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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