Palestine Update Nr. 357 – Covid-19 und Apartheid

Palestine Update Nr. 357 – Covid-19 und Apartheid

Meinung

*Covid-19 und Apartheid verdoppeln einander*

Im besetzten Palästina hat die COVID-19-Pandemie die verschiedenen palästinensischen Gemeinde-Fragmente bereits erreicht, von denen jedes ein eigenes Gesundheitssystem hat ohne Integration in ein nationales Ganzes. Gleichzeitig wird dokumentiert, dass palästinensische Jerusalemiten und Palästinenser von 1948, die vom israelischen Gesundheits-system bedient werden, unter den Ungleichmäßigkeiten in der Gesundheitsvorsorge lange gelitten haben. Diese Ungerechtigkeiten haben bereits zu chronischen Krankheiten, zu 

(kürzeren) Lebenserwartungen und (höheren) Todesraten geführt. Die Antwort des israelischen Gesundheitssystems auf COVID-19 hat den Abstand zwischen der jüdischen Mehrheit von 80 % und der palästinensischen Minderheit von 20 % vergrößert, die durch das gleiche System bedient werden. Trotz der Tatsache, dass die palästinensische Minderheit innerhalb des israelischen Gesundheitssystems als Gesundheitsarbeiter überrepräsentiert ist, wurden ihre Gemeinden während dieser Pandemie weit unterversorgt. Die Versorgung mit Bildungsmaterial in arabischer Sprache kam viel zu spät, der Zugang zu COVID-19-Stationen in arabischen Städten war schwierig; arabische Repräsentanz im Gesundheitskomitee für Nothilfe war nicht vorhanden, und im Testing bestand ein großes Loch. 

Ranjan Solomon

 

*Der Okkupations-Virus*

Auf jemanden zu spucken ist in der ganzen Welt eine Geste der Beschimpfung. In Israel sieht man das Anspucken eines Palästinensers ganz anders! Jetzt, wo wir wissen, dass der tödliche Corona-Virus durch Spucketröpfchen übertragen werden kann, arbeiten israelische Soldaten und illegale jüdische Siedler extrahart, um so viele Palästinenser anzuspucken als möglich, und ebenso ihre Autos, Türschnallen usw. Wenn das für dich als Leser/Leserin zu surreal und abstoßend klingt, bist du vielleicht nicht so besonders vertraut mit der besonderen Art des israelischen Kolonialismus als du gedacht haben könntest. 

Um fair zu sein: Israelis haben auf Palästinenser gespuckt, bevor uns die World Health Organisation (WHO) belehrt hat über die nicht zu fassende Natur der COVID-19-Krankheit

und die unbedingte Notwendigkeit, „sozialen Abstand“ zu wahren. In der Tat, wenn du den Begriff „Israeli spitting“ googelst, wirst du ersäuft werden in so vielen interessanten Forschungsresultaten in der Art von „Richter in Jerusalem an Juden: Spucke nicht auf Christen“, „Die Christen in Jerusalem wollen, dass Juden aufhören, auf sie zu spucken“, oder

„Wenn israelische Siedler auf palästinensische Autos spucken, bedeutet das den Versuch, den Corona-Virus zu versprühen“.

Interessanterweise wurde das meiste dieser Berichterstattung die Jahre hindurch durch Israels eigene Medien weitergegeben, während sie wenig Aufmerksamkeit bei den Mainstream-Medien im Westen gefunden hat. Man könnte solche abwertenden Aktionen als ein anderes Beispiel für Israels falsches Gefühl für Überlegenheit über die Palästinenser ansprechen. Aber der wohlüberlegte Versuch, die besetzten Palästinenser mit dem Corona-Virus zu infizieren, liegt unterhalb der Gürtellinie, sogar für ein siedler-koloniales Regime. 

Zwei besondere Elemente in dieser Geschichte erfordern eine Nachdenkpause:

Erstens wurden diese Aktionen des Anspuckens von Palästinensern und ihres Eigentums sowohl durch Besatzungssoldaten wie auch durch Siedler in vielen Teilen des besetzten Palästina breit dargestellt. Das heißt, dass die israelische Armee und die Siedlerkulturen innerhalb von wenigen Tagen ihren schon früher existierenden Rassismus adaptiert haben, um einen tödlichen Virus als neuestes Mittel zur Unterjochung und Verletzung von Palästinensern entweder physisch oder symbolisch anzuwenden. 

Zweitens ist da der Grad an Ignoranz und Kasperltheater, der diese rassistischen und degradierenden Aktionen begleitet. Das Machtparadigma, das die Beziehung zwischen dem kolonialen Israel und den zur Kolonie gemachten Palästinensern regiert hat, folgte bis jetzt einer typischen Einstellung, bei der Israels böse Taten oft unbestraft geschehen dürfen. Diese rassistischen Israelis, die absichtlich versuchen, Palästinenser mit dem Covid-19 zu infizieren, sind nicht nur verbrecherisch in ihrem Denken und Verhalten, sondern ebenso unübertreffbar närrisch (deppert!)  

*Lesen Sie mehr in „The News.com“   

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(Auszug aus „Spreading the Virus of Occupation – Spitting as a Weapon in the Hand of Colonial Israel” von Ramzy Baroud)

*Dreifache Gefahr für palästinensische Gefangene zu Zeiten der Pandemie*

Auszüge von Richard Falk

Triple Jeopardy For Palestinian Prisoners - OpEd - Eurasia Review(Bιld: Dreifache Gefahr für palästinensische Gefangene – OpEd – Eurasische Review)

Diese Metapher für die Stufen von ungerechtem Leiden gehört zur Misshandlung von palästinensischen Gefangenen im Kontext zu Gesundheitsgefährdungen in Zusammenhang mit der Herausforderung durch den COVID-19. Solche Gefahren waren für die Palästinenser schon unter ihren Lebensbedingungen vor der Pandemie vorhanden, haben sich aber weitgehend erhöht durch das israelische Versagen, den zusätzlichen und erschwerenden Risken zu begegnen, die dadurch entstehen, dass rund 5000 palästinensische Gefangene in überbelegten Gefängnissen festgehalten werden, wo einige der Bewacher und des Sicherheitspersonal positiv auf den Virus getestet worden sind und dennoch weiterhin mit den Gefangenen zusammen sind, ohne jedoch wenigstens die vorgeschriebenen persönlichen Schutzmaßnahmen (PPE) anzuwenden, und wo eine ungenügende Ausrüstung der Spitäler und medizinischen Einrichtungen zu der Zeit herrschte, als die Krankheit begann sich auszubreiten. 

Über diese allgemeine unter dem Erträglichen liegende Situation wurde anhand einer anderen Beschreibung über die ungefähr 172 gefangenen Kindern, vielen älteren und behinderten Personen und fast allen für geringfügige Sicherheitsvergehen Eingesperrten erzählt, die niemals kriminalisiert hätten werden dürften, weil sie als Personen im Apartheidregime – das an sich selbst kriminell ist – das Recht auf Widerstand wenigstens in den Grenzen des Völkerrechts haben, das geringfügige Gewalt in der Wahl der Mittel toleriert. Israel hat die Guidelines der WHO nicht angenommen oder eine Reihe von humanitären Gründen zur Freilassung von wenigstens Gefangenen mit „geringem Risiko“ oder „Sonderbedingungen“,

Kindern und alten Personen. Wenn man diese Betrachtungen bedenkt, ist die Bezeichnung „dreifache Gefahr“ für die Stufen der von den Palästinensern zurzeit auszuhaltenden Ungerechtigkeit zu unterstreichen. So schreibt der palästinensische Schriftsteller Ramzy Baroud: „ … Ganz Palästina ist seit den späten 1940ern im „Zustand des „Ausgehverbots“, seit Israel Staat wurde und den Palästinensern die Heimat von den zionistischen Kolonisten mit  Unterstützung des Westens weggenommen wurde. In der Tat erleiden alle Palästinenser eine ungerechte „Gefangenschaft“, die inzwischen mehr als 71 Jahre lang dauert ohne Zeichen einer Aufhebung – und sie sind selbst eine Bestrafung für das „Verbrechen“ existierender westlicher  Wohltäter“. 

Auf dieser Basis führte die Kriminalisierung des Widerstandes – einschließlich gewaltloser und symbolischer Formen – sogar bis zu Gedichten (z.B. Dareen Tatour: ihr Verbrechen bestand in dem Gedicht „Widersteht, mein Volk, widersteht ihnen“ (Resist my people, resist them) und führte zu harter Haft in israelischen Gefängnissen und Auslieferung an solche rechtlich zweifelhafte Mechanismen wie „Administrativhaft“ (Einsperren für längere Zeit ohne Verhör oder einer Art von ordentlichen Prozess) und die gesetzeswidrige Überstellung von Gefangenen von Anhaltung im Okkupierten Palästina zu israelischen Gefängnissen außer Reichweite von Familienangehörigen.

Tatsächlich führt die Inhaftierung von Palästinensern in israelischen Gefängnissen zu doppeltem Spiel, denn es bringt Palästinenser, die bereits durch Ausgehverbot, Vertreibung und Enteignung bestraft sind, auch noch hinter Gitter, weil sie den Widerstand wagen. 

Die Darstellung als „Dreifaches Spiel“ kommt aus dem Versagen, den Zustand eines Gefängnisses im Lichte der Corona-Virus-Pandemie aufzuheben oder zu mildern und damit kommt es zu dem Fehler, verantwortliche Schritte zu unternehmen, um die so Eingesperrten vom Kontakt mit der möglicherweise tödlichen Krankheit zu schützen. Ein virtuelles Todesurteil hängt über jedem einzelnen palästinensischen Gefangenen und das in speziell akuter Form im Hinblick auf das besonders anfällige Leben der Palästinenser in überfüllten ungesunden Gefängnissen.

Quelle: 

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*Die Weltbank warnt vor Zehnjahresschwäche bei Fonds von Geldgebern für PA*

World Bank warns of ten year low in donor funding to Palestinian ...(Bild: gleicher Text)

Direkte Unterstützung durch Geldgeber an die Palestinian Authority könnte in diesem Jahr auf niedrige 266 Millionen $ fallen, die niedrigste Zuwendung in diesem Jahrzehnt, warnte die Weltbank am Montag (20. April). Diese Zahl enthält nicht die Zuwendung durch die UNO. Das bedeutet ein geschätztes Defizit von 1 Milliarde $ für die PA in 2020. Die PA selbst schätzt, dass die Zahl bei 1,4 Milliarden liegen könnte. Die palästinensische Wirtschaft könnte nach der Angabe durch die Weltbank um 2,5 % bis 7% zurückgehen, abhängig von der Länge der Zeit, die die Pandemie andauert. Sie deutete im Besonderen an, dass die Palästinenser von den Verlusten bei Tourismus-Einkünften zu leiden haben würden, wie auch durch Freiheitsbeschränkungen und die Möglichkeit für Palästinenser, in Israel zu arbeiten. 

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140.000 Palästinenser arbeiten in Israel und diese stehen für ein Drittel des privaten Konsums.

Vertreter des privaten Sektors haben schon Pläne angedeutet, die Zahlungen auf die Hälfte zu reduzieren. 

Das erklärt, dass die palästinensische Wirtschaft bereits vor dem Ausbruch in der Krise war mit nur 0,9 % Zuwachs 2019. Die Arbeitslosenrate in der Westbank und in Gaza lag bei 25 %, wobei 24 % der Palästinenser von $5,5 täglich oder weniger lebten. Von diesen waren  46 % in Gaza und 9 % in der Westbank. Der Niedergang wurde angetrieben im privaten und öffentlichen Konsum und durch Investitionen, sagte die Weltbank. 

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Palestine Updates ist eine Sammelstelle für historische und laufende Information über Ereignisse, besonders in palästinensischen Gebieten, von globalen Kampagnen, israelischen Initiativen der Friedensbewegung und Kritik an Regierungspolitik in Israel und Palästina, die die Menschen verletzt. Sie überbringen auch Neues von fortschrittlichen palästinensischen Gruppen der Zivilgesellschaft, Menschenrechts-Organisationen (lokal und international) und von individuellen Akademikern und Schriftstellern. 

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(Übers.: Gerhilde Merz)