Palestine Update Nr. 379 -Aufruf zur Kameradschaft

Palestine Update Nr. 379 -Aufruf zur Kameradschaft

Meinung

*Aufruf zur Kameradschaft*

„Einige Dinge musst du immer unfähig sein zu ertragen.

Einige Dinge darfst du nie aufhören zu verweigern, sie zu tragen. 

Ungerechtigkeit und Gewalttätigkeit und Entehrung und Schande!

Egal, wie jung du noch bist, oder wie alt du geworden bist. 

Nicht für Ruhm und nicht für Geld: 

nicht für dein Bild in der Zeitung und auch nicht für Geld auf der Bank…

Einfach verweigern, es zu ertragen! (William Faulkner – In den Nebel eintauchen)  

 

*Première Urgence Internationale* erinnert die israelischen Behörden an ihre Pflichten und fordert dringende Aktion, um noch mehr Risiko durch Ansteckung zu vermeiden. „Die Covid-19-Pandemie stellt eine schwere Bedrohung der Zivilbevölkerungen weltweit dar, aber besonders in den besetzten palästinensischen Gebieten. Nach dem Völkerrecht sind die israelischen Behörden verantwortlich für den Schutz der palästinensischen Zivilbevölkerung unter ihrer militärischen Okkupation in der Westbank und im Gazastreifen“. Berichte und Dokumentationen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass die israelischen Behörden diese Pflicht systematisch und institutionell verletzen – und der ganzen palästinensischen Bevölkerung seit einigen Jahrzehnten diese Grundrechte verweigert haben. Diese systematische Unterdrückung und eklatante Missachtung des Völkerrechts regt die Menschen zum Teil sehr auf, weil sie uneingeschränkt sogar während der derzeitige Pandemie weitergeht und das Risiko der Infektion für Palästinenser, aber letztlich auch für Israelis vergrößert.

Christen fühlen sich im Heiligen Land besonders verletzlich. „Die Furcht der christlichen Führer richtet sich auf „die Zukunft der palästinensischen Christen“, die „keine Hoffnung auf Gerechtigkeit am Horizont sehen“ und sich ständig unter dem „Druck“ fühlen, nach Übersee zu fliehen. Daher ist es „Zeit zu handeln“, um die „zerstörenden Feuer auszulöschen, die im Heiligen Land wüten“. Und es ist gut bekannt, dass „nur ein gerechter Frieden ein Ende für Hass, Unterdrückung und das Leiden von so vielen Menschen in dem Land bedeuten kann, das durch Gott geheiligt hat“. 

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Viele Palästinenser fühlen – und mit Recht fühlen sie so – dass die Annexion kommen und gehen kann. Die Welt wird mit Verachtung zuschauen, was Israel tut. Aber sie werden am nächsten Tag aufwachen, nur um mit ihrem Leben fortzufahren wie bisher, und sie lassen die Palästinenser allein, verzweifelt und mit dem größeren Risiko des Schlimmsten. 

Die folgenden beiden Artikel zeigen, wie die Palästinenser im allgemeinen und Christen im Besonderen Angst haben um ihre ganze Existenz und Zukunft. Diese Angst kommt aus der drohenden Annexion ebenso wie der Art und Weise, wie die israelische Regierung gehandelt hat, um Christen in Palästina zu misshandeln und zunehmend zu entfremden.

Ranjan Solomon

 

*Ein Survey findet heraus, dass christliche Palästinenser in Angst vor der Vertreibung leben*   

(Bild:

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Eine neue Studie hat herausgefunden, dass die meisten Christen in der Westbank und im Gazastreifen sich über ihre Zukunft zutiefst unsicher fühlen und glauben, dass es Israels Ziel ist, sie aus ihrer Heimat zu vertreiben. Eine Umfrage mit 995 Personen, durchgeführt vom Palestinian Centre for Policy and Survey Research*) (PSR – Palästinensisches Zentrum für Politik und Umfragenforschung), einer unabhängigen ehrenamtlicher Körperschaft, hat ergeben, dass 36 % der antwortenden Christen nachdenken über Auswanderung. Zur gleichen Zeit waren 84 % „verärgert wegen der Siedlerangriffe, die potentielle Verweigerung ihrer Bürgerrechte oder eine Vertreibung von Palästinensern aus ihren Häusern und von ihrem Land“. Von den Teilnehmern an der Umfrage drückten 67 % ihre Verunsicherung aus über

die Annexion von palästinensischen Gebieten.

*) Survey Research = Sammlung von Daten individuelle Fragen zur Sicherung, erzielt durch von Quellen …  

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 Die Ergebnisse wurden gerade erst veröffentlicht, die Umfrage wurde aber im Februar und März durchgeführt, ehe Israels wiedergewählter Premierminister Benjamin Netanyahu seine Absicht ankündigte, etwa ein Drittel der Westbank zu annektieren. Diskussionen über die Durchführung des Planes sind für Anfang Juli angesetzt. 

Aufgrund der Intention der israelischen Regierung könnte man meinen, dass die Ängste der christlichen Palästinenser jetzt sogar noch größer wären als zum Zeitpunkt der Umfrage. Aber der Leiter der PSR-Forschergruppe, Walid Ladadweh, denkt, dass dies nicht der Fall ist. „Ich glaube nicht, dass die Angst vor Vertreibung signifikant größer wird wegen der Annexion, größer, als sie jetzt schon ist“, sagte er am Montag. „Sollte jedoch die Annexion zu einer Verschlechterung der Bedingungen unter der Palestine Authority (PA) führen, mag dies den Wunsch zur Auswanderung intensivieren.“ Bereits jetzt geben mehr als die Hälfte (59 % im ganzen Land, 72 % allein im Gazastreifen) jener, die Auswanderung in Betracht ziehen, wirtschaftliche Gründe als ihre Motivation an. Von den Befragten beschrieben 58 % ihre wirtschaftlichen Lebensbedingungen als „schlecht“ oder „sehr schlecht“. Im Blick nach vorn denken nur 10 %, dass sich die wirtschaftlichen Bedingungen verbessern würden, wogegen  55 % glauben, dass sie sich verschlechtern werden.

Die Studie zeigt auch eine weit verbreitete Unzufriedenheit mit den sozialen und politischen  Bedingungen in den Gebieten. „Christen wie Muslime trauen der palästinensischen Regierung oder den PA-Sicherheitsdiensten und dem Justizsektor nicht“, sagt die Studie aus. „Tatsächlich neigt die Mehrheit dazu, kein Vertrauen zu den christlichen religiösen Führern oder den Organisationen der Zivilgesellschaft zu haben. 

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Die Mehrheit glaubt, dass in den Institutionen der PA Korruption existiert.“ Als bevorzugte Lösung des Palästina-Israel-Konfliktes würden mehr als die Hälfte der befragten Christen die Schaffung eines einzigen Staates zwischen dem Mittelmeer im Westen  und dem Fluss Jordan im Osten sehen, in dem Palästinenser und Israelis gleiche Rechte haben würden. Nur drei von zehn würden eine Zweistaatenlösung vorziehen.

Ein Zweistaaten-Abkommen ist lange die Grundlage des erhofften Friedensprozesses gewesen. Wenn Israel signifikante Teile der Westbank annektiert, wird diese Option tatsächlich verschwinden. Aus diesem Grund hat der Plan zu ausgedehnter internationaler Kritik geführt. In einer der letzten Entwicklungen haben der Erzbischof von Canterbury

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und der Erzbischof von Westminster, Cardinal Vincent Nichols

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an den israelischen Botschafter für das UK, Mark Regev, und an Boris Johnson geschrieben.

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eher als durch eine Annexion“; es war wesentlich, dass beide – Israelis und Palästinenser – ohne gegenseitige Gewalt oder Androhung von Gewalt oder durch Gewalt oder Androhung von Gewalt durch andere Gruppen leben sollten.

Quelle:

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*Christliche Leiter: Covid-10 überschattet die historischen Übel im Heiligen Land*

Die Covid-19-Pandemie hat die „Aufmerksamkeit zerteilt“ von den Themen „Gerechtigkeit und Frieden“ abgelenkt zu den Problemen  „Leben und Tod“, und auch wir teilen diese globale Pein“ und wir bitten „Gott um Erbarmen“. „Jedoch sind wir aufgeschreckt durch die alten Übel, die unser Land quälen, einschließlich dem jahrhundertealten Streit zwischen zwei Völkern in einem Land“, schreiben drei emeritierte Kirchenleiter in Jerusalem in einem Aufruf. Sie verbergen ihre Furcht nicht „vor Leiden und Ungerechtigkeit“ und appellieren an die Führer in der Welt „zu handeln, um zum Versöhnungsprozess mitzuhelfen“. 

In einem gemeinsamen Brief unterstützen der Patriarch em. Michael Sabbah, der anglikanische Bischof em. Riah Abu El Assal  und der lutherische em. Bischof Munib A. Younan die Appelle, die vor kurzem von den derzeitigen Kirchenleitern der Heiligen Stadt ausgegangen sind. Sie fordern Antworten „auf unseren einstimmigen Appell aus dem Heiligen Land“, damit „die Heiligkeit durch die Anwendung des Völkerrechtes und die Anerkennung der Grundrechte aller Bürger“ als ein Ganzes wieder hergestellt wird. Die neue Exekutive, das Ergebnis einer Übereinkunft zwischen Premierminister Benjamin Netanyahu und dem Oppositionsführer Benny Gantz, wollen vorwärts kommen mit der Annexion von Gebieten und der Regulierung der Kolonien. Der Oberste Gerichtshof wies das Projekt zurück, das von UNO-Experten als „Apartheid des 21. Jahrhunderts“ angeprangert wird. Es regt die christlichen Führer im Heiligen Land auf, die von „schwerwiegenden und katastrophalen“ Politiken sprechen, mit der Zustimmung der USA im Kontext eines kontroversen „Abkommens des Jahrhunderts“. 

Die Angst der christlichen Führer richtet sich auf „die Zukunft der palästinensischen Christen, die „keine Hoffnung auf Gerechtigkeit am Horizont sehen und dem ständigen „Druck“ ausgesetzt werden, nach Übersee zu fliehen. Darum ist es Zeit zu handeln, um die „zerstörerischen Feuer auszulöschen, die im Heiligen Land wüten“. Und es ist gut bekannt, dass „nur ein gerechter Frieden Hass, Unterdrückung und das Leiden so vieler in dem Land        

das Gott heilig gemacht hat, beenden wird.“

Für die emeritierten Führer ist die heilige Stadt „der Schlüssel zu Frieden“, nicht nur zwischen Israelis und Palästinensern, sondern auch zwischen Christen, Juden und Muslimen. Heute ist sie keine „Stadt des Friedens, sondern eine mit Kämpfen und Konflikten“. Sie muss ein Ort der „Versöhnung, der Gerechtigkeit und der Gleichheit“ werden, denn ein Friede hier wird umgewandelt „in Frieden für die ganze Welt“. „Israel“, fahren sie fort, muss „die Spannung verringern und mit den Resolutionen der Vereinten Nationen übereinstimmen“, denn „die Besetzung und Kolonisierung von Palästina ist das Wurzelwerk des bestehenden Konflikts“. 

Die Lösung der langanstehenden Kontroverse wurde „bereits vor vielen Jahren identifiziert“ und ist „festgehalten in den zahlreichen UN-Resolutionen“. Die Mehrheit der Nationen an-erkennen bereits sowohl den Staat Israel wie auch den Staat Palästina: Unser Anruf ist einfach – schließen die christlichen Führer – anzuwenden, was bereits international anerkannt ist, und „Israel zu helfen, seine Sicherheit zu erlangen, und Palästina seine Unabhängigkeit“, sodass beide „Seite an Seite in Frieden, Gerechtigkeit, Gleichheit und Demokratie leben können. Nicht mehr Hass, nicht mehr Tod, nur Gerechtigkeit, Gleichheit, Leben“.  

*Quelle:

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(Übersetzung: Gerhilde Merz)