Palestine Update Nr. 411 .. Die „neue Normalität“ .. 9.10.20

Palestine Update Nr. 411 .. Die „neue Normalität“  .. 9.10.20

*Die „neue Normalität“ werden die alten Kriegsspiele sein*

Donald Trumps „Deals of the Century” werden ihren Platz in der Geschichte finden als eine der größten Tricksereien, die man dem palästinensischen Volk angetan hat. Die Herrscher der Länder, die Abkommen mit den USA und Israel unterzeichnet haben, sind bereits Pfänder geworden für die Listen von USA und Israel. Bei den „Normalisierungs-Abkommen“ ist es nie um Frieden gegangen. Sie sind dabei, Geopolitik zu Gunsten der USA zu machen, und das bedeutet umgekehrt: Krieg. Es wird die Waffenindustrie reich machen, und die Kaufleute für den Krieg werden jetzt auf dem ganzen Weg zu ihrer Bank lachen. Der Militär-Industrie-Komplex der USA hat diese Abkommen für immer angezwinkert. Es ist ein gutes Geschäft für die Industrie. 

Israel wird bald eine neue Serie von Problemen haben. Die Arabische Straße hat die „Normalisierung“ nicht akzeptiert, die Diktatur wird den Abstieg unterdrücken. Die Herrschenden haben keine moralischen Anrechte, während die Menschen Gerechtigkeit haben wollen. Sehr bald wird ein faschistisches Israel sich mit den Arabischen Straßen streiten müssen. Dazu haben sie nur Gewehre und Uniformen. Sie kennen das Innere der Länder nicht, mit denen sie Abkommen unterzeichnet haben. Die Region läuft auf das Chaos zu. Traurigerweise müssen die Menschen erleiden, den Preis zahlen zu müssen. 

Der nächste US-Präsident hat in seinem TOR (= Terms of Reference)  die gleiche alte Arbeit zu tun, die alle Präsidenten vor ihm zu tun hatten. Die Routine schaut so aus: einige Kriege beginnen und einige Länder zerstören. Die USA werden gefordert, den Hass zu schüren, Regierende aus dem Amt zu werfen, aus dem Geschäft des Wiederaufbaus des Zerstörten zu profitieren. Nur einem Präsidenten ist es gelungen, die internationale Gemeinschaft zu täuschen und für sich selbst den Friedens-Nobelpreis zu gewinnen. Daraufhin wandelte er sich zu einem hartgesottenen Herrscher und führte sieben Kriege, wodurch hunderttausende unschuldige Menschen zu Tode kamen, Länder verwüstet wurden – und jetzt paradiert der Ex-Präsident Obama als „Elder Statesman“ und gibt vor, „Senor Decent“ zu sein!

In den USA kann man Vorwände für einen Krieg mit einem Augenzwinkern finden. Sogar Idioten bringen das ganz leicht zusammen: Massenvernichtungswaffen im Irak, 9/11, Osama Bin Laden, Al Qaeda sind einige Beispiele. Es genügt jeder alte Grund. Außerdem haben Waffenhändler auch ihre Handelsbeziehungen zu anderen Sektoren, und man glaubt, sie seien auch jene Leute, die „Kriegsgründe“ erfinden.

Die arabischen Staaten, die die Abkommen unterschrieben haben, und jene, die sich bereit machen, ähnliche Abkommen zu unterschreiben, tragen Augenbinden und zeigen geistlos ihre gedankenlose politische Einstellung. Am Ende werden sie der lachende Rest der Welt sein, besonders Israel und USA – und hinter vorgehaltener Hand auch die EU. Sie werden mit USA und Israel zusammengehen, diese schwächen und sie bei ihren Kriegsspielen in Darsteller verwandeln.

In der Tat: Die „neue Normalität“ werden die alten Kriegsspiele sein, und arabische Führer die Joker in dem Ganzen. Ohne Erklärung dafür, was Demokratie bedeutet, werden ihre Leute gegen die Normalisierung protestieren. Aber man wird Forderungen nicht wahrnehmen. Die USA werden dieses unterschreiben, und Israel wird es kopieren.

Ranjan Solomon

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*Lasst die „Abraham-Vereinbarungen“ nicht Waffenhandels-Vereinbarungen werden*

Das Normalisierungs-Abkommen zwischen Israel und den UAE, formal als die „Abraham-Vereinbarungen“ bezeichnet, könnte potentiell einen neuen Waffen-Wettlauf im Mittleren Osten auslösen. Ausgehend von den zahlreichen Konflikten, die bereits in der Region wüten – alle angeheizt durch importierte Waffen, darf das nicht zugelassen werden … Neue Verkäufe an die UAE und Israel werden wahrscheinlich die Rolle der USA als dominanten Waffen-lieferanten für die MENA-Region (Mittlerer Osten und Nordafrika) ausweiten. Ein neuer Bericht des Zentrums für internationale Politik (Center for International Politics) hat heraus-gefunden, dass die USA während der Periode von 2015 – 2019 für fast 48 % der Waffenlieferungen an die Region stehen – fast dreimal so viel wie der nächstgrößte Lieferant, Russland, und weit voran gegenüber dem Anteil von China mit weniger als 3 %. Weit entfernt von der Schaffung größerer Sicherheit haben diese Verkäufe direkt oder indirekt beigetragen zur Anheizung der Konflikte in Syrien, Libyen und Jemen, wie auch zu einer wahllosen rasanten weltweiten Gegenterror-Kampagne, ausgeführt von der ägyptischen Regierung im nördlichen Sinai … Iran wird nicht still stehen angesichts dieser neuen Flut von Bewaffnung an US-Alliierte in der Region. Teheran kann Israel oder den Golfstaaten mit traditioneller Bewaffnung wie Kampfflugzeugen nicht gleichkommen, aber es kann – wenn es sich dafür entscheidet – seine Programme für Raketen und Nuklearwaffen aufstocken, oder mehr Waffen und Trainingsmöglichkeiten für seine regionalen Verbündeten zur Verfügung stellen. Das Ergebnis wird wahrscheinlich ein neuer Waffenwettlauf sein, während einer Zeit, in der die Kriege in Syrien, Irak, Jemen und Libyen weitergehen und immenses menschliches Leid verursachen – und ebenso die Region destabilisieren. 

Quelle:

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*Palästinensische Filmemacher unterzeichnen Petition gegen die Film-Kooperation zwischen UAE und Israel*

(Bild: Demo mit Posters: „Boykott Israels Kampf gegen BDS“, „Befreit Palästine – Lasst Gaza leben“)

Mehr als 70 Berufsfilmer aus Palästina und anderen arabischen Ländern haben eine Petition unterschrieben, in welcher sie gegen den kürzlich erfolgten Pakt zur Kooperation zwischen Kinos in den Emiraten und in Israel protestierten und die Solidarität in der arabischen Filmwelt forderten. 

Die „UAE Abu Dhabi Film Commission“ (ADFC), Israel Film Fund“ (IFF) und die „Jerusalem Sam Spiegel Film & Television School“ (JSFS) verkündeten letzte Woche, dass sie planen, an einer Serie von Initiativen, auch an Bildungsaustausch, gemeinsamen Film- und FS-Projekten und an einem regionalen Filmfestival zusammen zu arbeiten. Die arabischen Filmemacher sagten, sie seien „schockiert“, dass die ADFC sich einverstanden erklärt habe, mit staatlich gestützten israelischen Film-Körperschaften zusammenzuarbeiten, so lange die Palästinenser noch unter Okkupation leben müssen. „Mehr als sieben Jahrzehnte lang haben die Palästinenser unter militärischer Besatzung und in einer kolonialen Wirklichkeit gelebt, und dieses wird Jahr für Jahr schlimmer“, heißt es in einem Brief. 

„Wir palästinensischen Filmemacher waren durch diesen Kolonialismus und die militärische Okkupation sehr stark behindert und beeinträchtigt. Unsere Produktion hing ab von ausländischer Finanzierung und Unterstützung, die uns erlaubte, uns auszudrücken und unsere Geschichten zu schreiben, unseren Alltag und unsere Ideen ein wenig zu teilen. Wir waren in der Lage, die Barrieren unserer kolonialen Wirklichkeit zu übersteigen, um als Pioniere voranzugehen und wertvolle Filmarbeit zu liefern“, ging es weiter. „Wir waren und sind noch ein Teil des arabischen Kinos, unserer wichtigsten Empfehlung. Wir waren uns immer bewusst, diese entwickeln zu müssen, und unser Ehrgeiz hat sich in Richtung auf Partnerschaften und Ko-Produktionen mit unseren brüderlichen Kollegen herauskristallisiert als dem besten Weg, das arabische Kino voranzubringen“. Der Kino-Pakt folgt einem Abkommen im August, als die UAE erst das dritte arabische Land waren, um seine Beziehungen mit dem Besatzungsstaat Israel seit dessen Errichtung 1948 zu normalisieren. Bahrain folgte sehr bald anfangs September, und wurde damit das vierte. Die Normalisierungsabkommen wurden von der palästinensischen Führung vehement verurteilt, weil sie nicht das Ergebnis eines ausverhandelten Friedensabkommens zwischen Palästina  und der israelischen Okkupation waren.   

Die palästinensischen Filmemacher forderten ihre Gegenüber in den Emiraten und andere arabische Berufs-Filmemacher auf, „die Partnerschaft aufzukündigen“ und die Arbeit mit ADFC und jeder anderen Institution in der arabischen Welt zu verweigern, die Vereinbarungen mit der israelischen Regierung eingegangen sind. Sie fügten hinzu, dass ADFC sich stattdessen bemühen sollte, das arabische Kino im Allgemeinen und das palästinensische und Kino der Emirate im Besonderen zu unterstützen mit der Schaffung starker arabischer Institutionen und Partnerschaften. In der Vergangenheit haben besonders betroffene arabische Film-Profis dazu geneigt, sich aus Solidarität für Palästinenser, die unter Apartheid und Okkupation lebten, von der Arbeit mit von der israelischen Regierung getragenen Film-Körperschaften oder Festivals zurückzuziehen. 

Quelle:

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*Vier Teilnehmer zogen sich von einem „Tel Aviv Documentary Festival“ in Solidarität mit BDS zurück*      

(Bild: Poster „Bοycott Docaviv“)

Seit 1998 wurde das „Tel Aviv International Documentary Film Festival“, besser bekannt als Docaviv, zu einem von Israels ersten Non-Fiction Filmereignissen entwickelt.

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Mehrmals in den vergangenen Jahren zog sich das Festival Kritik und Bοycott zu wegen 

der Sponsorenunterstützung durch das Israelische Ministerium für Kultur und Sport zu – und wurde kritisiert wegen der nicht zu Ende kommenden Besetzung von palästinensischem Land. 

2014, als „American Revolutionary“ in das Programm einstieg,

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kritisierten beide, die Hauptdarstellerin Grace Lee Boggs und die im Interview Befragte Danny Glover den Film.

2019 wies der marokkanische Direktor Nadir Bouhmouch die Einladung zurück, seinen Film 

„Amussu“ bei dem Festival vorzustellen. 

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Die diesjährige Präsentation von Docaviv, die vom 3. bis zum 12. September lief, wurde durch noch mehr Rückzieher betroffen. Cínthia Gil, künstlerische Direktorin von Sheffield Doc/Fest war ein Mitglied der Jury für dieses Jahr, bestätigte jedoch ihren Abgang zu Boykott, Divestment and Sanctions (BDS), Portugal. Ähnlich zog die dänische Direktorin Eva Marie Rǿdbro, deren Dokumentarfilm „I Love You I Miss You I Hope I See You Before I Die” ausgewählt wurde zur Einbindung in das Programm, ihren Film zurück. Zwei weitere: ein anderer nicht identifizierter Direktor, dessen Film im Programm war, und ein anonymer internationaler Gast gingen weg. Alle waren einzeln von Mitgliedern der BDS-Bewegung kontaktiert worden. 

In einer Stellungnahme sagte Alia Malak von der „Palästinensischen Kampagne für Akademischen und Kulturellen Boykott von Israel“:

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„Wir danken jedem internationalen Filmemacher und Gast, der/die sich von Docaviv 2020 wegen der Mitschuld des brutalen israelischen Kunst-weißwaschenden Regimes an Apartheid, Okkupation und Siedler-Kolonisation zurückgezogen hat, und in Solidarität mit dem palästinensischen Volk … Docaviv hat niemals einen Standpunkt zu Gunsten der unveräußerlichen Rechte des palästinensischen Volkes eingenommen, wie es im Völkerrecht vorgesehen ist … Die Unterstützung für die friedvolle BDS-Bewegung fährt weiterhin fort, unter den Künstlern und vielen Gemeinschaften weltweit zu wachsen“, fährt Malak fort. „Wir bitten alle internationalen Film- und Fernseh-Mitarbeiter dringend, sich ihr anzuschließen“. 

Quelle:

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*Palästinensische Sozialgeschichte schützen und teilen*

Die Palästinenser müssen nicht nur ihrer gewalttätigen Ausweisung aus ihrem Land

widerstehen, sie müssen sich auch dagegen wehren, dass ihre Geschichte neu geschrieben wird, um sich dem zionistischen Projekt anzupassen. Der Zweck dieser Neufassung ist klar: die Gegenwart der Palästinenser ausradieren und die Lüge verbreiten, dass Palästina ein unfruchtbares „Land ohne ein Volk“ war, bis die wahren Eigentümer zurückgekehrt sind und die Wüste zum Blühen bringen nach tausenden Jahren Abwesenheit.        

Es ist daher beruhigend, einen verborgenen Schatz der Wahrheit zu finden, der mitten in Haufen von Fake-Geschichte durchscheint. 

Es ist ein handgeschriebenes Manuskript, das von einem unbekannten Reisenden nach Palästina und in andere Teile des Heiligen Landes vor ungefähr 120 Jahren geschrieben wurde. Die Autorin hat nicht einmal ihren Namen darunter gesetzt und über sich selbst nur den Hinweis gegeben: „Eine, die ging“. Der rare Fund wurde vor Jahren bei einer Auktion in UK von Dr. Hisham Khatib entdeckt, einem begeisterten Kunstsammler während der Zeit seines Aufenthalts in Jerusalem in den 30erjahren des vergangenen Jahrhunderts. Khatib, ein prominenter Gelehrter und Autor, derzeit Mitglied des Senats von Jordanien, entschloss sich, das Manuskript in einem sehr schön gedruckten Buch wiederzugeben. Es zeigt den hand-geschriebenen Text in Originalfarben, wie er 1902 geschrieben wurde mit einem getippten Text auf der Titelseite. 

Das 160seitige Buch mit dem Titel „Eine Reise nach Jerusalem“ enthält das Manuskript und Illustrationen.

Gemeinsam mit den handgeschriebenen Beschreibungen des Lebens in Palästina ist die Sozialgeschichte und Geographie von Palästina wunderbar illustriert. Das Reisetagebuch enthält 69 Bilder in Wasserfarben, 17 Bleistiftskizzen, 16 große Album-Photographien und andere kleine Fotos. Auch sind kurze Gedichte von der Autorin zu finden, die auch über künstlerische und literarische Begabungen verfügt haben muss.

Die Handschrift ist klar lesbar. Sie zeigt deutlich, wann die Tinte in der Feder zu Ende war, bevor diese wieder in das Tintenfass eingetaucht wurde, weil die Schrift dann dünner wurde, aber klar lesbar blieb. Während des Lesens zog mich der handgeschriebene Text mehr an als der Druck, weil er in dieser Art natürlicher war. Ich habe das Gedruckte nur durchgelesen, um einige Namen zu verifizieren. Es ist nicht leicht, in diesem kurzen Artikel auch nur einige der besuchten Stätten und die sehr interessant geschilderten Geschichten zu erwähnen. Es ist großartig zu lesen; es von der Art, dass man nicht aufhören kann, wenn man einmal mit dem Lesen begonnen hat. 

Lesen Sie den ganzen Artikel

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Der Schreiber des Artikels heißt Hasan Abu Nimah; der Artikel ist „The Jordan Times“ entnommen. 

 

(Übers.: Gerhilde Merz)

*There may be times, when we are powerless to prevent injustice,

But there must never be a time when we fail to protest*

(Wahlspruch von Ranjan Solomon)

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