Palestine Update Nr. 413 – Fwd Fußspuren – ein Gedicht von Mu’in Bseiso

Palestine Update Nr. 413 – Fwd Fußspuren – ein Gedicht von Mu’in Bseiso

*Fußspuren

Von Mu’in Bseiso

https://facebook.us14.list-manage.com/track/click?/u=70813d3d15ac4637582781be&id=0c42b232f2&e=bb7a291c18>  

(Übersetzt von May Jayyusi und Naomi Shibab Nye)*

(Ins Deutsche übertragen von Gerhilde Merz)

Bruder! Wenn sie das Schwert an meinem Nacken schärfen sollten,

würde ich nicht niederknien,

auch wenn sie ihre Geißeln über meinen blutenden Mund ziehen.

Wenn die Morgendämmerung heraufzieht

werde ich nicht aufgeben.

Ich werde mich erheben von dem Land, das unseren wütenden Sturm entfacht.

 

Bruder! Wenn mich der Scharfrichter zum Schlachthaus zerrt,

vor deinen Augen, damit du niederkniest

und bettelst, dass er aufhöre.

Ich rufe dir nochmals zu,

Bruder: Hebe dein stolzes Haupt und schau ihnen zu, wie sie mich ermorden!

Gib Zeugnis über den Mörder,

von dessen Schwert mein Blut tropft.

Was sollte den Mörder bloßstellen, wenn nicht unser unschuldiges Blut?

 

In der Nacht zerrten sie ihn aus seinem Graben.

Der Held wurde in die Dunkelheit der Zelle gestoßen,

wo er blieb wie ein Fetzen über seinen Ketten.

Die Ketten wurden zu flackernden Fackeln

Und brannten zu Asche unsere leuchtende Zukunft.

Jetzt kam unser Held zum Leben,

seine Fußspuren klirren wie im Triumph

zwischen den turmhohen Mauern eines jeden Gefängnisses.

 

*Unstimmigkeiten rund um die Abrahams-Abkommen*

UAE-Israel deal: Abraham accord or Israeli colonialism?(Bild: UAE-Israel Deal: Abraham-Abkommen oder israelischer Kolonialismus?

Allianzen haben sich verändert, seit Israel begann, eine Anzahl sogenannter Friedens-Abkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain in diesem Sommer zu unterschreiben. Bejubelt als Leuchtfeuer durch die USA, die diese Treffen vermittelten, übersehen die Abraham-Abkommen einen wichtigen Akteur in der Gleichung zum Frieden im  Mittleren Osten: Palästina. Um die Besonderheiten dieser Allianzen über Palästina wie auch die geopolitischen Motivationen dahinter zu verstehen, stellten wir einem palästinensischen Forscher, Dr. Alaa Tartir, drei Fragen. Unter den Auspizien der USA unterzeichneten Israel, Bahrain und die UAE am 15. September die Abraham-Abkommen, mit welchen sie sich über die Normalisierung der Beziehungen einigten. Was bedeutet diese Normalisierung im Kontext von Ländern, die nicht miteinander im Krieg sind? 

Die sogenannten Abraham-Abkommen sind weder Friedensübereinkommen noch historische Durchbrüche, wie das von vielen Beobachtern bejubelt wird. Sie sind eher ein erstes Beispiel für die Verdrehung der eigentlichen Bedeutung von Frieden. Am besten kann man sie mit einer Hand bezeichnen als eine Gruppe von wirtschaftlichen und diplomatischen Arrangements zwischen einer Anzahl von regionalen Akteuren im Hinblick auf ihre gegenseitigen Interessen. Mit der anderen Hand sind sie der Ausdruck der Allianzen-Bildung angesichts dessen, was als allgemeine Bedrohung gesehen wird. Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und anderen arabischen Ländern, wie Bahrain und den UAE heißt in der Auswirkung „Geschäfte miteinander anfangen ohne Scheu und Verlegenheit“. 

Daher sind diese engen und sich selbst bedienenden Arrangements ausgerichtet, um an gegenseitigen Interessen zu profitieren und einer erkannten gemeinsamen Bedrohung zu begegnen. Sie sind formuliert durch eine elitäre Annäherung von oben nach unten und sind gedacht, um der herrschenden Klasse und den „Führern in Schwierigkeiten“ in den betroffenen Ländern zu dienen. Die Notwendigkeit dieser Abkommen geschah nicht aus der Sehnsucht der Leute (die die wahren Garanten für einen dauernden Frieden sind) und nicht als Antwort auf eine zunehmende Annäherung von unten nach oben, die auf die Schaffung eines positiven Friedens hin zielt. Daher wäre es absolut desillusionierend, verführerisch, gefährlich und unverantwortlich, über die sogenannten Abraham-Abkommen als eine Form eines sinnvollen Friedens nachzudenken oder wenigstens über eine Formel für dauernde Stabilität oder Sicherheit. 

Allianzen haben sich verändert, seitdem Israel in diesem Sommer angefangen hat, eine Anzahl von sogenannten Friedensabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain zu unterzeichnen. Von den USA, die diese Treffen vermittelten, als Leuchtfeuer des Friedens begrüßt, gehen die Abraham-Abkommen durch einen entscheidenden Faktor in der Gleichheit des Friedens in der Region. Der palästinensische Forscher Dr. Alaa Tartir spricht drei Fragen an. Unter den Auspizien der Vereinigten Staaten haben Israel, Bahrain und die UAE am 15. September die Abraham-Abkommen unterzeichnet und einigten sich darauf, ihre Beziehungen zu normalisieren. Was bedeutet diese Normalisierung im Kontext von Ländern, die nicht miteinander im Kriegszustand sind? 

Die sogenannten Abraham-Abkommen sind weder Friedensabkommen noch historische Durchbrüche, wie das von vielen Beobachtern bejubelt wird. Sie sind eher ein erstklassiges Beispiel für die Verdrehung der eigentlichen Bedeutung von Frieden. Am ehesten noch sind sie einerseits eine Gruppe von wirtschaftlichen und diplomatischen Arrangements zwischen einer Zahl von regionalen Akteuren als Antwort auf ein gegenseitiges Interesse. Andererseits sind sie der Ausdruck für die Bildung einer Allianz angesichts dessen, was als gemeinsame   Bedrohung wahrgenommen wird. 

Die Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und den anderen arabischen Ländern, wie Bahrain und UAE heißt in seiner Auswirkung „Geschäfte betreiben ohne Scheu und Verlegenheit“.

Daher sind sie enge und sich selbst bedienende Arrangements, entworfen, um aus gegenseitigem Interesse aneinander zu profitieren und einer wahrgenommenen gemeinsamen Bedrohung zu begegnen. Sie sind durch eine oben-unten elitäre Annäherung formuliert, die so ausgelegt ist, dass sie einer herrschenden Klasse und den „Führern in Schwierigkeiten“ in den betroffenen Ländern dienen soll. Die Notwendigkeit dieser Abkommen entsprach nicht den Bedürfnissen der Menschen (die die wirklichen Garanten für einen dauerhaften Frieden sind), noch einer Antwort von unten, die auf die Schaffung eines positiven Friedens ausgerichtet ist.

Daher wäre es absolut desillusionierend, verführerisch, gefährlich und unverantwortlich zu glauben, die sogenannten Abraham-Abkommen seien eine Form eines sinnvollen „Friedens“

oder wenigstens eine Formel für dauernde Stabilität oder Sicherheit.

So bedeutet die Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und anderen arabischen Ländern wie Bahrain und UAE innerhalb dieses kontextuellen Verständnisses operativ „gemeinsam Geschäfte machen ohne Scheu und Verlegenheit“. Politisch heißt es, die Diplomatie „unter dem Tisch“ in eine Diplomatie „über den Tisch“ zu verändern. Wirtschaft-lich heißt es, Kapital zu schlagen aus den existierenden Sicherheitsarrangements und Zusammenarbeit im Geheimdienst, um das Gedeihen der von Sicherheit angetriebenen wirtschaftlichen Deals (und deren Industriekomplexen) zwischen den Signatar-Ländern zu sichern. Sozial – besonders in der Nach-Covid-19-Zeit – werden wir einige Einflussnehmende in den sozialen Medien beobachten, sowie Berühmtheiten, und möglicherweise religiöse Akteure, die Freude haben am trivialen Einfangen von „Friedensbildung“, um sich die öffentliche Wahrnehmung zu sichern, den herrschenden Eliten zu gefallen und aus der emporkommenden „Friedensindustrie“ finanziell zu profitieren. Diese multi-dimensionalen Konsequenzen sind nur einige ausgewählte Reflektionen über die kurzsichtige Strategie, die wir für die nahe Zukunft sehen. Diese Darstellungen sind jedoch weitestgehend abhängig von der Fortführung der derzeitigen Administrationen und der Regierung der herrschenden Ämter. 

Ein Test über die Stärke oder Zerbrechlichkeit dieser „Normalisierungs-Deals“ wird nach dem Tag passieren, an dem Trump und Netanyahu ihre politischen Ämter verlassen. Zusätzlich ist es entscheidend, sich daran zu erinnern, dass diese Normalisierungs-Deals den arabischen Konsens rund um den Fall Palästina verletzt und tatsächlich das Ende der viel umworbenen, von den Saudis geleiteten Arabischen Friedensinitiative (API) erklärt haben, wie wir wissen

(Eine zukünftige modifizierte Version der API bleibt eine starke Möglichkeit.) Daher wird der „arabische Block“ weiter fragmentiert, was immer ein israelisch-amerikanisches Ziel gewesen war, das jetzt potentiell erfüllt ist. In Konsequenz bieten diese „Normalisierungs-Deals“ der palästinensischen politischen Führung die Möglichkeit zur Überprüfung, auf wen sie sich wirklich verlassen können.

Quelle:

https://facebook,us14.list-manage.com/thrack/click?u=70813d3d15ac4637582781b8e&id=eb3845b260&e=bb7a291c18        

*US-Investition für Zimbabwe durch Stärkung der Beziehungen zu Israel*

http://www.amec.org.za/media/k2/items/cache/04d0f2696d16566e5bdfbe403fbe427b_XL.jpg

(Bild: Abkommen zwischen einem schwarzen und einem weißen Abgeordneten)

http://www.amec.org.za/media/k2/items/cache/04d0f2696d16566e5bdfbe403fbe427b_XL.jpg 

  Zimbabwe ist bereit, das neueste afrikanische Land zu werden, das sich mit Israel verbindet, weil es sich aus der Liste der Sanktionen der USA entfernen möchte. Der Präsident von Zimbabwe, Emmerson Mnangagwa hat geschworen, sein bekämpftes Land aus der wirtschaftlichen Unruhe zu bringen, mit der es seit den späten 2000erjahren unter dem letzten Präsidenten Robert Mugabe zu tun hatte, und eine Beendigung der US-Sanktionen auf das Land wäre ein guter Start. Im August ernannte Mnangagwa den israelischen Bürger Ronny Levi Musan zum Honorarkonsul Zimbabwes in Israel. Das signalisierte eine Stärkung der Beziehungen zwischen den beiden Ländern, und eine Bewegung weg von der jahrelangen, den Palästinensern durch die herrschende Zimbabwe African National Union – Patriotic Front

ZANU PF) gewährten Unterstützung.

Mnangagwa hofft, die militärische Erfahrung Israels engagieren zu können, um die Sicherheitskräfte Zimbabwes zu trainieren und eine Verteidigungsakademie in Harare einzurichten, die von Israelis betrieben werden soll. Die Beziehungen Zimbabwes zu Israel begannen in den frühen 1990ern unter Mugabe, der Israels Aufstandskontroll-Einrichtung

entwickelte, um die politische Opposition zu unterdrücken, besonders vor den Wahlen von 2008, als die Niederschlagung einer heftigen Erhebung der Opposition angesagt war, besonders der Unterstützer der Bewegung für demokratische Veränderung (MDC = Movement for Democratic Change)

Quelle:

https://facebook.us14.list-manage.com/track/click?u=70813d3d15ac4637582781b8e&id=fbcba5aed5&e=bb7a291c18

 

*Die Palästinenser brauchen eine alternative Vision*

A Palestinian flag flutters as Palestinians gather on a hilltop during a protest against Israeli settlements in the town of Beita in the Israeli occupied West Bank, on March 2, 2020 [File: Mohamad Torokman/Reuters](Bild: Eine palästinensische Flagge weht, während sich die Palästinenser auf einem Gipfel versammeln; sie protestieren gegen israelische Siedlungen in der Stadt Beita in der von Israel besetzten Westbank, 2. März 2020 (Foto Mohamad Torokman/Reuters))

Die Unterzeichnung des Deals zwischen Israel, Bahrain und der UAE im Weißen Haus am 15. September ist – zugegebenermaßen – der Anfang einer neuen Ära, die im Mittleren Osten begonnen hat; jedoch wird sie nicht – mit ihren unausgeglichenen Machtbeziehungen – eine gerechte Lösung für die palästinensische Frage bringen. Die Abkommen von Camp David (1979), Oslo (1993), Wadi Araba (1994) und das Abraham Abkommen (2020), die alle aus Handelsabkommen und Hintertür-Diplomatie zwischen Israel und jenen arabischen Staaten ausgetragen worden waren, haben miteinander die Sache Palästinas ausgekauft. Keines von ihnen behandelte die palästinensischen Grundrechte, wie die Rückkehr der Flüchtlinge, Selbstbestimmung, Gleichheit und Freiheit. In der Nussschale: Alle Übereinkommen haben die israelische Kontrolle über das historische Palästina vom Fluss Jordan bis zum Mittelmeer garantiert, eine ‚de facto‘ Realität, die von der stärkeren kolonialen Partei mit keinerlei wie immer gearteten Kompromissen geschaffen wurde. Die derzeitige Situation ist ohne Zweifel das Produkt internationaler und regionaler Unausgeglichenheiten, die zum jetzigen Zeitpunkt vorherrschen, der weder statisch noch ewig ist und ziemlich vorübergehend, und dem unausweichlich andere Momente folgen werden nach dem Gesetz der Dialektik.

Ohne Zweifel, dieser  besondere historische Moment ist der Klimax der palästinensischen und arabischen Passivität wegen dem Aufwachen des progressiven arabischen Nationalismus und dem Fall der palästinensischen rechtslastigen Führung in die Falle der „Friedensindustrie“. Jedoch: von jedem sich nähernden Moment wird erwartet, dass er aufbricht gegen das, was uns angeboten wird unter diesen Umständen: „Alles, was solide ist, schmilzt in Luft“, wie Karl Marx es ausgedrückt hätte. Opposition zu den Abkommen in der arabischen Welt im Allgemeinen und in den Golfstaaten im Besonderen wird sich genau so entwickeln, wie die Völker von Ägypten und Jordanien opponiert und gekämpft haben gegen Camp David und Araba, nachdem diese unterzeichnet waren. 

Die alternative Vision, die die Palästinenser ergreifen müssen, ist eine geopolitische Produktion, die den neuerdings von den Vereinigten Staaten, Israel und deren arabischen Verbündeten – dem sogenannten neuen Mittleren Osten – skizzierten Raum herausfordert und eine neue Landkarte des säkular-demokratischen Palästina voranbringt, im Herzen einer demokratischen arabischen Welt. Die Palästinenser müssen sich bewegen, aber mit neuen Ideen, die aus dem starken Glauben wachsen, dass „(weibliche) Menschen Geschichte machen, aber sie machen sie nicht unter den Umständen, die von ihnen selbst gewählt wurden“, wie Karl Marx es ausgedrückt hat. Auch für viel zu lange wurden die Palästinenser

von rechtslastigen Politikern geführt, denen es nicht gelungen ist, auch nur ein einziges Grundrecht aus den drei Komponenten durchzusetzen, das das palästinensische Volk umfasst: jene, die in der Diaspora leben, die Bewohner von Gaza und der Westbank, und die zweit-klassig behandelten palästinensische Bürger von Israel.

Quelle:

https://facebook.us14.list-manage.com/track/click?u=70813d3d15ac4637582781b8e&id=021fc639b3&e=bb7a291c18 

(Übersetzung Gerhilde Merz)