Palestine Update Nr. 431 – Juden rund um den Globus applaudieren arabischen Akademikern … 14.12.20

 Palestine Update Nr. 431 – Juden rund um den Globus applaudieren arabischen Akademikern … 14.12.20

NZ: Alternative jüdische Stimmen stoßen zu internationalen Gruppen unterstützen  palästinensische und arabische Aussagen über Antisemitismus 

„Alternative Jewish Voices“ freut sich, sich internationalen jüdischen Aktivisten für Gerechtigkeit anzuschließen und applaudieren einer kürzlich von 122 palästinensischen und arabischen Akademikern, Schriftstellern und Intellektuellen herausgegebenen Stellungnahme. Die im „Guardian“ veröffentlichte Stellungnahme bestätigt die Wichtigkeit, sich dem Antisemitismus entgegen zu stellen. Sie geht weiter, den Schaden zu untersuchen, der geschieht, wenn der Antisemitismus sich politisiert: „In den letzten Jahren wurde der Kampf gegen den Antisemitismus von der israelischen Regierung und ihren Verfechtern zunehmend instrumentalisiert in dem Bemühen, die palästinensische Sache zu delegitimieren und die Verteidiger der palästinensischen Rechte zum Schweigen zu bringen. Den notwendigen Kampf gegen Antisemitismus abzulenken, um einer solchen Agenda zu dienen, droht diesem Kampf die Basis zu nehmen und in der Folge, ihn zu diskreditieren und zu schwächen“. Am 10. Dezember schrieben Juden und jüdische Organisationen aus mehr als einem Dutzend Ländern in Nord- und Südamerika, in Europa, Israel, Afrika, Australien und Neuseeland eine formale Unterstützung zu der palästinensischen Stellungnahme. Weltweit stellen sich jüdische Gruppen dagegen, den Antisemitismusvorwurf zu einer Waffe zu machen, um die Stimmen für Gerechtigkeit zum Schweigen zu bringen. 

Juden weltweit applaudieren palästinensischen und arabischen Akademikern, Journalisten und Intellektuellen

Wir, jüdische Gruppen und Einzelpersonen weltweit applaudieren zur vor kurzem erschienenen Stellungnahme und Anführung von Prinzipien, die von 122 palästinensischen und arabischen Akademikern, Journalisten und Intellektuellen in Bezug auf die Definition von Antisemitismus durch die „International Holocaust Remembrance Alliance“ (Internationale Holocaust-Erinnerungsallianz) (IHRA) unterzeichnet wurde, und die Art, wie diese Definition angewandt, interpretiert und entwickelt wurde. Zusammengefasst war der Inhalt des Briefes folgender: „Der Kampf gegen den Antisemitismus sollte nicht in eine List zur Verhöhnung des Kampfes gegen die Unterdrückung des Kampfes der Palästinenser, der Verleugnung ihrer  Rechte und der weitergeführten Okkupation ihre Landes umgedreht werden.“ Er soll bewusst machen: „Antisemitismus muss außen vor bleiben und bekämpft werden. Egal unter welchem Vorwand: Gegen Juden als Juden darf es keinen Ausdruck von Hass geben, sie sollten überall in der Welt toleriert werden. Wir glauben auch, dass die Lektion, die der Holocaust gelehrt hat – wie auch andere Genocide der modernen Zeit – Teil der Erziehung der neuen Generationen gegen alle Formen von rassischem Vorurteil und Hass sein muss“.

Und sie macht auch klar: „Der Kampf gegen Antisemitismus muss innerhalb des Rahmens des Völkerrechts und der Menschenrechte geschehen. Er sollte Teil und Ziel der Ablehnung aller Formen von Rassismus und Ausländerfeindlichkeit sein, darunter auch der Islamophobie und dem Rassismus gegen Araber und Palästinenser. Das Ziel dieses Kampfes ist es, für alle unterdrückten Gruppen Freiheit und Emanzipation zu garantieren; es ist grundfalsch, wenn er eingesetzt wird zur Verteidigung eines unterdrückerischen und räuberischen Staates.“   

 

Frieden für Frieden? Der Deal zwischen Israel und Marokko ist Austausch von Okkupation gegen Okkupation.

„Marokko hat einen augenfälligen Preis als Ergebnis seiner Zustimmung zur Normalisierung der Beziehungen mit Israel gewonnen – Amerikanische Anerkennung seiner Souveränität über die West-Sahara. Die offizielle Anerkennung der israelischen Annexion ist draußen, aber die Annexion von Marokko wird unterstützt. Die neue Beziehung mit Israel wird wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit enthalten, Direktflüge und den Austausch diplomatischer Missionen, aber zurzeit keine Botschaften … Die Chance, dass sich irgendjemand in Israel um das Selbstbestimmungsrecht der Sahrawis kümmert, liegt natürlich unter Null. Die (Zeitungs-)Überschriften werden zweifellos in den nächsten Tagen mit Geschichten über die neuen benutzbaren Touristikangebote voll sein und der Preis für diese Veränderung wird – wenn überhaupt – nur am Rande dieser Berichte erwähnt werden. Aber der Punkt sind nicht die Sahrawis, sondern die Tatsache, dass Israel, ein junger Staat, der selbst auf der Basis der internationalen Anerkennung seines Rechtes auf Selbstbestimmung gegründet wurde, wieder bei der historischen Bewegung jener ist, die das multilaterale System unterlaufen und abmontieren wollen. 

Ein offener Brief an die Europäische Union am Tag der UN-Menschenrechte

Von Samia Khoury 

Während der letzten paar Tage haben wir gehört, dass die Europäische Union überlegt, der Türkei Sanktionen aufzuerlegen. Ich kann die Gründe, die solche Sanktionen rechtfertigen, nicht nachvollziehen. Jedoch werde ich an diesem 10. Dezember anlässlich des UN-Menschenrechtstages die Gelegenheit ergreifen, der Europäischen Union, die die täglichen Verletzungen der palästinensischen Menschenrechte durch die israelischen Besatzungskräfte    

einschließlich der Demolierung von Schulen – deren Finanzierung die EU selbst herbeigeführt hat – überwacht hat, eine Frage stellen: Wann wird die Europäische Union es für passend halten, über Sanktionen nachzudenken – oder tatsächlich Sanktionen auf Israel verhängen? Nach dem Besuch im Schulgelände und der umfangreichen Erwähnung in den Medien war alles, was die Repräsentanten der Europäischen Union getan haben, die Verurteilung der Aktion. Israel braucht sich darum nicht zu kümmern – und es ist immun geworden gegen jede Verurteilung seiner Gewalttaten in den besetzten Gebieten. Selbst, wenn Israel junge Leute umbringt, behauptet es, es habe ein Recht sich zu verteidigen.

Ich bin jedoch überzeugt, dass Israel nicht so immun sein wird, wenn es die Wucht seiner Gewalttaten durch ein Eingreifen von Seiten der internationalen Gemeinschaft verspürt. Daher wundere ich mich, was es für die Europäische Union anstellen muss, damit diese Sanktionen gegen Israel in Betracht zieht für die ständigen Verletzungen während seiner 53 Jahre Militär-Okkupation, die ja selbst eine Verletzung der Resolution 242 der Vereinten Nationen ist, und durch ein einstimmiges Votum des Sicherheitsrates am 22. November 1967 für einen Abzug der israelischen Streitkräfte aufgrund der Unzulässigkeit der Gebietsaneignung durch Krieg.

Analyse der Rechtmäßigkeit nimmt den „Antisemitismus-Bericht von Labour“ (EHRC) auseinander 

Viel von der Debatte um die Suspension des früheren Leiters der Labour Party des UK, Jeremy Corbyn, hat im ersten Hinschauen Schlussfolgerungen aus dem Bericht über den Sturz durch die jüngste politische Säuberungsaktion akzeptiert. Im Bericht der EHRC wurde behauptet, dass Labour unter Corbyn schuldig gewesen wäre an der „indirekten Benachteiligung“ von Juden. Aber am Freitag lag eine grundsätzlich neue Analyse der Rechtmäßigkeit des Berichtes durch einen graduierten Juristen vor. Der Autor der neuen Rechtsanalyse ist Ammar Kazmi, ein junger linkslastiger anti-imperialistischer Labour-Aktivist und Absolvent der Fakultäten für Recht und Spanisch von der Universität von Nottingham. Er sagt, dass der Bericht von EHRC eine Bedrohung der freien Rede im heutigen Britannien darstellt und fordert eine legale Herausforderung. Das Papier von Kazmi zeigt, wie der EHRC-Bericht vom Grund auf nach dem Recht falsch ist. Er schreibt, dass „man wohl nichts gefunden haben sollte an rechtswidrigen Schikanen durch die Partei“. 

Bedrohungen der Redefreiheit

Kazmi beschuldigt den EHRC einer „revisionistischen Annäherung an den (Ken) Livingstone

Fall“, ähnlich erklärt durch das Faktum, dass Livingstone’s Kommentare „ganz offensichtlich geschützt wurden unter dem derzeitigen Fallgesetz der „European Convention on Human Rights“. Die Annäherung durch den EHRC „ist einfach nicht korrekter Weise eine Sache für das Gesetz“, sagt Kazmi und warnt, dass es, wenn man es nicht anfechte, benutzt werde, um die Redefreiheit noch weiter einzuschränken. Die vorliegende Kampagne, um abweichende Stimmen zum Schweigen zu bringen, wurde von einer relativ neuen Körperschaft geleitet, dem „Center for Countering Digital Hate“ (Zentrum, um digitalem Hass zu begegnen), einer Organisation, die eng verbunden ist mit rechtslastigen Labour-Mitgliedern des Parlaments und der  Israel-Lobby, sagt Kazmi. „Die Partei ist eine Prüfstätte – ein Laboratorium – für die Erprobung von israelischen diplomatischen Vorstellungen zur Normalisierung des Zionismus und um den sozialistischen Anti-Imperialismus quer durch das UK zu zerstören.“ 

Einen Raum nur für sich haben: Auszüge aus „Mangrove“ und „Palästina schreibt ..“ 

„A Room for One’s“ ist eine ausgiebige Schrift von Virginia Woolf, Erstausgabe im September  1929. Hier argumentiert die Schriftstellerin, dass eine Frau einen Raum für sich haben muss und Geld, wenn sie gute Bücher schreiben soll. Vor einiger Zeit haben dunkelhäutige Frauen ihre Anregung aufgenommen, besonders die Muskogee*)-Dichterin Joy Harjo, die behauptet, dass für sie „die Welt an einem Küchentisch“ beginnt. Dort ist es, wo das Leben überbrandet, und wird dadurch zum Ort, wo sie am liebsten schreibt. 

*) Muskogee sind ein Indianervolk in Oklahoma, Alabama und Florida, das sich seine Sprache und Ursprünglichkeit bewahrt hat.    

 

Auf den ersten Blick haben das Festival zu Steve McQueen’s „Mangrove“ und die „Palestine Writes“ wenig gemeinsam. Ein genaueres Hinschauen jedoch zeigt, dass das Mangrove Café, um das sich der Film dreht, und Palestine Writes das teilen, was Harjo in ihrem Gedicht zum Punkt bringt: „Dieser Tisch ist ein Haus im Regen gewesen“, sagt sie, „ein Schirm in der Sonne“, ein Raum, in dem das Kochen der Speisen, das Schreiben von Wörtern und das  

Miteinander-Plaudern zusammenkommen, um den sicheren Raum in einer stürmischen Welt zu schaffen. 

(Bild: Plakat zu „Palestine Writes Literature Festival“, drei sehr verschiedene Frauen lachen dich an.)

Zutiefst hingegeben an die Mehrschichtigkeit des Lebensalltags erklärt die Organisatorin des Festivals – Susan Abulhawa – dass auch für sie das Festival „the @Palestine Writes“ ein Traum ist, der Wirklichkeit wird. „Palästinensische Schreibende im Austausch mit unseren indigenen Amerikanern, Afrikanern und afro-amerikanischen Leuten vor einer Zuhörerschaft von 3000 Menschen aus 75 Ländern bringt mein volles, warmes Herz zum Hüpfen“!  

 

Zu einer Zeit, in der Zionisten versuchen, die Stimmen der PalästinenserInnen zum Schweigen zu bringen, sollte das Festival allein durch die Tatsache als bemerkenswert  betrachtet werden, dass es stattfindet. Darüber hinaus – wie Joy Harjo an ihrem Tisch bemerkt – gab es SchriftstellerInnen, DichterInnen, ArtistInnen, ChefInnen und AktivistInnen aus verschiedenen Gemeinschaften, zugleich PalästinenserInnen und KameradInnen einen Raum, in dem sie sprechen konnten ohne Angst, schief angesehen zu werden. 

(Übersetzung: Gerhilde Merz)   

Anmerkung der Übersetzerin: Meiner Ansicht hat Roselle Solomon die hier übersetzten Auszüge aus verschiedenen Nachrichten zusammengesucht. Leider verfüge ich nicht – was manchmal sehr interessant wäre – die Links zu den einzelnen Quellen. Tut mir leid!