Palestine Update Nr. 434, Patriarch Sabbah: Die Palästinenser schreien nach Gerechtigkeit 25.12.20

Palestine Update Nr. 434, Patriarch Sabbah: Die Palästinenser schreien nach Gerechtigkeit

25.12.20

Patriarch Sabbah: Die Palästinenser schreien nach Gerechtigkeit. Wie lange können Christen sie ignorieren?

(Bild: Porträt Michel Sabbah)

Die Militärbesetzung Israels in Palästina dauert in ihr 53. Jahr. Im Besonderen leiden die Palästinenser in Gaza unter einer herzlosen Belagerung. Die Administration der Vereinigten Staaten hat ihre Hilfe für palästinensische Spitäler in Ostjerusalem und für die humanitäre Arbeit der Vereinten Nationen im besetzten palästinensischen Gebiet abgezogen.

Präsident Trumps sogenanntes Friedensangebot ist wenig mehr als eine Rechtfertigung für die Besetzung und ein falsches Versprechen für Wohlergehen für die Palästinenser auf Kosten ihrer Freiheit und Unabhängigkeit. Trotz der Versprechen des Gegenteils in jüngsten Friedensabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (UAE) und Bahrain geht Israels Annexion von palästinensischem Land und Bodenschätzen weiter mit der Zustimmung zu 3000 neuen Wohnhäusern in den Siedlungen in der Westbank

Palästinensische Christen folgen dem hebräischen Propheten Habakuk in seinem Ruf nach Gerechtigkeit: 

„Oh Herr, wie lange soll ich um Hilfe schreien,

und du willst nicht hören?

Oder zu dir rufen: „Gewalt!“

Und du willst nicht retten?“

 

Es ist eine Frage der Menschlichkeit im Heiligen Land. Menschliche Wesen fahren fort zu töten oder getötet zu werden. Die Macht der Stärkeren, nicht die Macht Gottes geht weiter und bleibt. Darüber hinaus: Indem sie den Staat Israel als Erfüllung der biblischen Prophezeiung betrachten, glauben christliche Zionisten, dass Israel einen Sonderstatus erhalten sollte, und verwenden Gottes Wort, um die Politik und die Praktiken zu unterstützen, die ein Volk über das andere privilegieren – mit tödlichen Konsequenzen. Es ist eine Frage von Menschlichkeit im Heiligen Land: Die Macht der Stärkeren – nicht die Macht Gottes – herrschen weiterhin vor. 

Besucht das Heilige Land: Weihnachtsbotschaft von Mitri Raheb

(Bild: Mitri Raheb vor dem Video) 

Für palästinensische Christen ist Weihnachten eine bittersüße Erfahrung. So nahe vom Manger Square (Geburtskirchen-Platz) und den Shepherd’s Fields (Hirtenfeldern), aber in den meisten Fällen beschränkt, dorthin zu reisen. Und die Unterdrückung und Gewalt durch die   Besatzung in den übrigen 364 Tagen des Jahres fordert ihre Mühsal heraus, die am Weihnachtstag nicht einfach weggelegt werden kann. 2020 ist ein besonders herausforderndes Jahr gewesen und die Weihnachtsbotschaft, die wir von Rev. Dr. Mitri Raheb, dem jahrelangen Pastor der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bethlehem, erhalten haben, beleuchtet dieses. Sie bringt uns auch die Hoffnung aus dem Glauben, dass Weihnachten für alle Christen gilt. Diese Quelle, die dritte in der Serie virtueller Liturgien, unterscheidet sich von den anderen. Wir laden dich ein, sie mit deiner Glaubensgemeinschaft zu teilen, auf dem Weg, wie es am besten geht.  

             https://www.youtube.com/watch?v=lgukymJdrc4&feature=emb_logo

 (Anm. d. Übersetzerin: Ich habe versucht, den Link aus der Weihnachtsbotschaft von

  1. Raheb abzuschreiben. Ich hoffe, es ist gelungen.)

 

Vielleicht möchtest du dieses in die Liturgie zu deinem virtuellen Gottesdienst

integrieren. Wenn die Bilder in dem Video für diesen Kontext zu aufreizend erscheinen, ermutige ich, dieses Video vor dem Gottesdienst zu spielen oder es in dein ‚Weihnachtszeug‘

zu integrieren. Vielleicht kannst du auch die Melodien gebrauchen. Manchmal zieht uns die Möglichkeit, genau zuzuhören ohne die Ablenkung durch die Bilder enger zu der Botschaft des Sprechers. Wie immer du diese besondere Quelle benutzt, hoffen wir, dass du darin eine Einladung zum Herzen von Weihnachten findest. 

 

Abbas sendet zu Weihnachten eine Botschaft an die Welt 

 

Präsident Mahmoud Abbas sagte in einer TV-Botschaft an die Welt, dass es schmerzlich ist und traurig, dass wir wegen des Covid-19 und den folgenden Einschränkungen nicht an den Weihnachtsfeiern teilnehmen konnten.

 

„Weihnachten kommt in diesem Jahr, während unsere Welt durch schwierige Umstände wegen der Pandemie geht, die uns allen Einschränkungen und einen außergewöhnlichen Lebensstil auferlegt. Es ist schmerzlich und traurig, dass wir deswegen und zum ersten Mal nicht an den Weihnachtsfeierlichkeiten teilnehmen konnten“, sagte der Präsident und fügte hinzu: „Tausende Pilger und palästinensische Besucher, die sich üblicherweise auf dem Krippenplatz versammeln, konnten dieses heuer nicht tun.“ Abbas erinnerte an die aggressiven Politiken und Praktiken der israelischen Besatzung gegenüber den islamischen und christlichen Heiligtümern in Palästina, deren jüngste die sich gegen die Gethsemane-Kirche in Jerusalem richtete, zusätzlich zu den ständigen Angriffen auf die Al-Aqsa-Moschee in der Altstadt von Jerusalem. Trotz alledem bleiben wir standhaft, und vertrauen auf Sieg und Freiheit. Wir verdienen Gerechtigkeit für unsere Sache, ein ordentliches Leben für unser Volk und ein Ende der Okkupation. Unser Volk verdient Freiheit und Unabhängigkeit in seinem Staat mit Ostjerusalem als Hauptstadt, einem Staat, der nicht getrennt ist durch Trennmauern wie die, die die heilige Stadt (Jerusalem) von Bethlehem, die Stadt der Geburt (Jesu) trennt.“

Im Hinblick auf die Pandemie und als Ergebnis die Einschränkungen auf das öffentliche Leben sagte der Präsident: „In diesem Jahr behalten wir wegen unserer Gesundheit und Sicherheit, die unsere Priorität sein sollen, die Weihnachtsbotschaft in unseren Herzen und die Freude in unseren Wohnungen, mit unseren Familien und lieben Menschen.“

„Wenn wir die Geburt von Jesus Christus feiern, müssen wir uns an die Botschaft der Engel erinnern, die den Leuten Frieden und Wohlergehen wünschen. Aber an dem Platz der wunderbaren jungfräulichen Geburt herrscht Ungerechtigkeit vor für das Volk von Palästina.“

Bethlehems Bürgermeister erklärt seinen Wunsch für eine bessere Freiheit, Gerechtigkeit und Zukunft.

 

(Bild: Weihnachtsbaum auf dem Krippenplatz)

Vor einigen Wochen sandte der Bürgermeister von Bethlehem einen Brief an alle diplomatischen Missionen in Palästina und bat um dringende Maßnahmen zur Einstellung der Bautätigkeit für 1.400 Hauseinheiten in der illegalen Siedlung Giv‘ at HaMatos. Durch die Genehmigung dieser Häuser versucht Israel die Siedlungen im Norden von Bethlehem zu verbinden und damit jeden Zusammenhang mit Jerusalem zu beenden, mit anderen Worten, die ständige Strangulierung von Bethlehem und die Beendigung jeder Möglichkeit für einen zusammenhängenden unabhängigen palästinensischen Staat. Er sagte: „Die palästinensische Regierung übt nur eine begrenzte Kontrolle über 13 % unseres Gebietes aus; der Rest bleibt ausgeschlossen für palästinensische Entwicklung, und dient als Reserve für die ständige Ausdehnung von Israels illegalem Kolonisationsprojekt. Wie kann irgendjemand meinen, dies sei nicht gleichbedeutend mit Annexion? Eine Stadt, die die universale Botschaft der Hoffnung und des Friedens darstellte, wurde nun umgedreht zu einem Symbol für Apartheid. 

Solche Entwicklungen, die in unserer Stadt vor sich gehen, gehen durch eine tiefe wirtschaftliche Krise. Zu den jährlichen Kosten für die israelische Okkupation, die uns den souveränen Zugang zu Bodenschätzen und internationalen Grenzen verweigert, die zu den Basiskomponenten jeder Wirtschaft gehören, müssen wir das Ende des Tourismus – sowohl von außen wie auch lokal – durch die Covid-19-Pandemie hinzufügen.

Bethlehem repräsentiert die Botschaft der Hoffnung und der Beständigkeit und wir sind stolz darauf, diese der Welt zu zeigen. Es gibt keine Einschränkungen – außer für eine erfolgreiche Zukunft. Der Weg dorthin führt durch das Ende der illegalen Kolonisierung unseres Landes. 

Die israelische Okkupation und ihr ständiger Prozess der Annexion und von Covid-19 haben unsere Stadt stark betroffen. Aber wir kennen Verantwortlichkeit, die auf unsere Schultern gelegt ist als Wächter eines kulturellen Erbes, das nicht verschwinden wird.

Weihnachten, die Seele unserer Stadt, ist sowohl ein christlich religiöses Fest und eine palästinensisch nationale Feier, so gehen wir weiter voran und hoffen auf eine bessere Zukunft von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden.  

 Der Mittlere Osten hat eine herausfordernde Weihnacht

(Bild: Weihnachtsbaum in Beirut mit den Namen derer, die während einer Explosion im August gestorben sind, bei der Tausende verletzt wurden; einige Zerstörung sind im Hintergrund zu sehen. Reuters)

Der heutige Tag markiert den Geburtstag einer Geschichte, die vor 2020 Jahren in der palästinensischen Stadt Bethlehem begann. Damals hat sich der Mittlere Osten sehr unterschieden von dem, den wir heute zu Weihnachten erleben. Aber die Gemeinden in Palästina und in der ganzen Region, die von der Geburt und dem Leben Jesu inspiriert sind, bleiben bestehen.

In diesem Jahr hatten sie viel auszuhalten. Bethlehem leidet durch das Ausbleiben der Touristen und Pilger aufgrund des Covid-19 und der laufenden israelischen Okkupation. In den levantinischen Zwillingsstädten Damaskus und Beirut hat die wirtschaftliche Krise eine riesige Zahl von Bürgern in die Armut geworfen. In ersterer ist der naheliegende Grund ein ständiger Bürgerkrieg. Bei der letzteren ist es ein Fehler der staatlichen Institutionen, die in einen sektiererischen Sumpf befangen sind, der wirksames Regieren verhindert. 

Der in der vergangenen Woche in Beirut aufgestellte Weihnachtsbaum, welches die dichteste christliche Bevölkerung hat, trägt die Namen der Opfer einer Explosion eines Nitratlagers im August. Der Luftdruck tötete fast 200 Menschen und verletzte mehr als 6.500. Der historische christliche Stadtteil mit seinen Kirchen und Krankenhäusern besteht nur mehr aus Ruinen.

Die Christen im Irak, deren Bevölkerung von 1,5 Millionen in den vergangenen zwei Jahr-zehnten auf 400.000 gefallen ist, haben andere Härten erlebt. Eine ist der Kampf, die Stadt Mosul wieder zu beleben. Einmal ein Beispiel für Diversität und Ko-Existenz, wurde ihre ganze christliche Gemeinschaft entfernt, als die Terroristengruppe ISIS 2014 einfiel. Mosul ist jetzt wieder zurück in der Hand ihrer Regierung, aber es sind kaum 100 Christen zurückgekehrt, dieses infolge des Mangels and Jobs und anderen Zukunftsaussichten.

Ansonsten: Weihnachten wurde im Mittleren Osten schwieriger, nicht durch Krieg und Politik, sondern durch die Umstände. Eine zufällige Mutation am Corona-Virus veranlasste vor Kurzem zum plötzlichen Schließen der internationalen Grenzen in Saudi Arabien, Oman, Kuwait und Israel. Die Hoffnungen vieler, die in diesen Ländern leben und arbeiten, Weihnachten mit ihren Lieben im Ausland zu verbringen, haben sich zerschlagen. 

In Jordanien, der Heimat von 600.000 Christen, wurde ein totaler Lockdown an jedem Freitag seit September erzwungen, auch am heutigen Tag. In Ägypten, wo der Mutant bereits entdeckt wurde, hat die Sorge vor Infektionen die Regierung dazu geführt, Silvesterfeiern zu verbieten. Die koptischen Christen, die gemeinsam mit den orthodoxen Gemeinden Weihnachten am 7. Jänner feiern, fürchten, dass sich die Situation nicht vor diesem Datum verändern wird. 

Die Geschichte von Jesus aber, gleich für Christen und Muslime, ist immer eine Hoffnungsgeschichte gewesen. Und es gibt viel zu hoffen für Weihnachten im Mittleren Osten. 

(Übersetzung: Gerhilde Merz)