Schauen wir in die Zukunft: Das Kairos-Jahr und ein neues Kairos-Bewusstsein

Palestine Update Nr. 201  – Mittwoch, 2. Jänner 2019 – Schauen wir voraus – das Kairos-Jahr …

Meinung

Schauen wir in die Zukunft: Das Kairos-Jahr und ein neues Kairos-Bewusstsein

Wir beginnen, wie wir am Ende von 2018 stehen geblieben sind – Erfolge von BDS feiern. Wir tun das, weil wir wissen, wir steigen in ein neues Jahr: Es ist auch das Kairos-Jahr.

In einem Telefon-Interview drängt uns Stiaan van der Merwe, Kairos-Veteran aus Südafrika „die Aufforderung der palästinensischen Christen an die internationale Gemeinschaft aufzunehmen und dem palästinensischen Volk in ihrem Kampf gegen Unterdrückung, Vertreibung und Apartheid beizustehen“. Er bestätigt die Erklärung von Kairos Palestine, dass „die militärische Besetzung von palästinensischem Land ein Verbrechen gegen Gott und die Menschheit ist und dass auch kein Berg von Erkenntnis die Rechtmäßigkeit dieser amoralischen politischen Methode liefern kann“. Stiaan van der Merwe ersucht auch, dass „das Kairos-Jahr und das Kairos-Bewusstsein, das dieses ganze Jahr umgeben und begleiten wird, als Instrument für die Überwindung der Besetzung und der Ungerechtigkeit der Apartheid durch gewaltlosen Widerstand dienen möge“. Für ihn ist „Gewaltlosigkeit als Methode des Widerstands eine Verpflichtung für alle, die an das befreiende Potential der Gerechtigkeit glauben. Am Ende des Tages müssen beide, der Unterdrücker und der Unterdrückte, Befreiung empfinden. Standhaft sein im Kampf um Würde und Gerechtigkeit erfordert Vermeidung jeglicher „wie du mir, so ich dir“-Strategie. Stiaan wiederholt die Worte von Martin Luther King jr. und hält fest am Prinzip, dass „im Zentrum der Gewaltlosigkeit das Prinzip der Liebe steht“.

Apoorva Gautam, die Koordinatorin von BDS-Südasien schreibt über ihre Erfahrungen in diesem gewaltlosen Widerstand und der Solidarität vom weit entfernten Südasien aus. „Am Ende des Jahres 2018 ist es höchst erfreulich, mit Dir einige der überraschenden Siege zu teilen, die BDS, die palästinensische Bewegung (=Boykott, Rücknahme von Investitionen, Sanktionen) in diesem Jahr in Indien und international hatte. BDS ist eine Graswurzel-Bewegung und gewinnt durch gewöhnliche Leute wie uns an Macht, indem wir uns mit dem Kampf der Palästinenser auf außergewöhnlichen Wegen solidarisch erklären. Alle diese Siege wurden durch kollektive Bemühungen und Organisation möglich gemacht und dadurch, dass wir die von den Palästinensern vorgegebenen Grenzen respektieren… Alle diese Siege sind ein Ergebnis der dauernden und wirksamen Arbeit von UnterstützerInnen von BDS rund um die Welt und wir haben die Hoffnung, dass 2019 noch mehr Organisieren, noch mehr Aufbau von Solidarität und noch mehr Siege für die BDS-Bewegung und für den Kampf um Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit rund um den Erdball geschehen werden“.

Höhepunkte von Aktionen, an die sie uns erinnert, finden Sie nachstehend.

Ranjan Solomon

 

Indische Frauengruppen unterstützen BDS und verlangen Freiheit für Ahed Tamini

Das Jahr fing an in einem Querschnitt von Frauenorganisationen – es kamen mehr als 10 Millionen Frauen zusammen – die BDS unterstützten und Freiheit für Ahed Tamini  und alle palästinensischen gefangenen Kinder forderten. Lesen Sie die Stellungnahme hier (https://facebook.us14.list-manage.com/track/klick?u=70813d3d15ac4637582781b8e&id=ea1db99484&e=267525e738) :       „Wir stehen hier als Mahnwache und fordern Gerechtigkeit für Ahed. Wir drängen Frauen- und andere  Graswurzel-Bewegungen in Indien und in aller Welt, das Gleiche zu tun. Während Ahed tapfer durch die Gefängnisse Israels geht, müssen wir ihr eine begeisternde Botschaft der Unterstützung und Liebe senden. Lasst diese Botschaft eine des Widerstands sein, eine von der Macht des Volkes und von BDS“. Lesen Sie mehr im Facebook Link: =965e458b13&e=

 

Erste „Woche der Apartheid in Israel“ in Indien

Im März des abgelaufenen Jahres wurde in Indien zum ersten Mal überhaupt eine Woche gegen die Apartheid Israels organisiert. Über zehn Tage wurden in fünf Städten Indiens Aktivitäten organisiert, um die Natur des israelischen Apartheid-Regimes besser zu verstehen und um die BDS-Bewegung in Indien aufzubauen. Einige der von den StudentInnen der Jadavpur Universität während ihrer Veranstaltung zum IAW (= International Association  of Women – Internationaler Frauentag) entwickelten wunderschönen Slogans sind über den nachfolgenden Link zu sehen; sie sollen an die Schönheit von Kämpfen erinnern (siehe Facebook Link: =b22b22f5fa&e=)

Hewlett Packard Boykott in Indien

Am 15. Mai, der als Nakba-Tag begangen wird – er kennzeichnet den Anfang der immer noch weiter gehenden „ethnischen Säuberung“ von Palästinensern  – wurden in diesem Jahr palästinensische Demonstranten in Gaza von israelischen Streitkräften massakriert; wir haben deshalb eine Kampagne zum Boykott von Hewlett Packard in Indien losgetreten (Facebook Link: =01e58ae54a&e= ) Hewlett Packard ist mit schuldig an der israelischen Apartheid, Kolonisierung und Okkupation und die weltweite Kampagne, diese zu boykottieren, fordert, dass die IT-Corporation ihre Beziehungen zu Israel  beendet. Die Kampagne fuhr einen sehr großen Erfolg ein, als sich die „Students‘ Federation of India“ (=Studentenverbindung Indiens) der BDS-Bewegung und dem HP-Boykott im Juni 2018 anschloss. (Facebook Link: =260a56c3a2&e= )

Indische Homosexellen-Gruppen unterstützen den Boykott des Tel Aviv Internationalen Film-Festival

Eine große Anzahl von indischen Homosexuellen-Gruppen unterstützte den palästinensischen Aufruf, das israelische TLVFest zu boykottieren, das auch die Plattform für „Pinkwashing“ bietet. (Anm: Israel benutzt die Methode, bei Homosexuellen gut Wetter für einen Urlaub zu machen. Mit dieser Strategie wird vom eigentlichen I/P-Konflikt abgelenkt. Nur bei Homo-Werbung?)   Sie drängten eine indische Filmemacherin, die an dem Festival teilnehmen wollte, ihre Teilnahme abzusagen. Diese Unterstützung baut weiter auf der bereits wachsenden Verpflichtung, einen Kampf gegen Pinkwashing in Indien aufzunehmen. Ein Statement dazu finden Sie im Facebook Link: =9a9ea1ed7e&e= :

„Viele von uns aus der LGBTIQA-Bewegung (steht für lesbisch, gay, bisexuell, transgender, intersex, queer ..) respektieren diesen Aufruf und sind dabei, Pinkwashing zu bekämpfen. „Unser Kampf für Gleichheit und Gerechtigkeit ist zutiefst gemeinsam mit der palästinensischen Freiheitsbewegung. Es ist für uns moralisch nicht zu rechtfertigen, unseren Kampf von Israel zynisch als Propaganda-Instrument gebraucht zu sehen. In der Tat steht unser Kampf quer gegen dieses“. Lesen Sie mehr unter Facebook Link: =18ebb8626e&e=

 

„All India Farmers‘ Union“ fordert Boykott von Netafim

In Vorwegnahme des Einverständnisses aller zur Solidarität mit Palästina und der BDS-Bewegung Bereiten forderte „All India Kisan Sabha“ bei seiner Vorstandsitzung den Boykott der israelischen Tropfen-Bewässerungsfirma Netafim. Netafim ist verantwortlich für das Vorantreiben der israelischen Kolonisation von palästinensischen Ländereien, und veranlasst gegen die Bauern gerichtete Modelle von Großgrund-Agrarwirtschaft in Indien. Lesen Sie die ganze Stellungnahme hier: Facebook Link: =e1ad029985&e=

Alle Profite, die Netafim von Indien erhält und die Rechtfertigung, die es erhält, weil es am „More Grop per Drop“-Schema (= „Mehr Ertrag je Tropfen“) teilnimmt, finanzieren und unterstützen den Diebstahl von palästinensischen Ressourcen und die Verarmung der palästinensischen Bauern. Da gibt es nur einen einfachen Schritt für uns, den Kampf der palästinensischen Bauern zu unterstützen und die Zugriffe der schädlichen israelischen Agro-Technologie in Indien zu stoppen. Dieses „All India Kisan Sabha“-Treffen fordert auf:                                                                                                              * alle Bauern, die ein Tropf-Bewässerungssystem benutzen, Netafim zu boykottieren;                        *zu verlangen, dass Netafim aus dem „More Crop Per Drop“-Schema ausgeschlossen werde;           *alle regionalen (Staats-) Regierungen, Netafim nicht zu bevorzugen.

Lesen Sie mehr unter Facebook Link: =8475a9e975&e=

 

Bemühungen, den Aufbau eines Militär-Embargos gegen Israel weltweit zu betreiben

Die Morde in Gaza in diesem Jahr (2018) haben uns wieder gezeigt, dass das Aufbauen der Forderung nach einem Militär-Embargo gegen Israel dringend und notwendig ist. Speziell im globalen Süden halten die militärischen Beziehungen mit Israel dessen Besetzung von Palästina aufrecht und fördern den lokalen Militarismus weiter. Das gilt von Lateinamerika bis nach Indien. Wir haben uns bemüht um eine globale Süd-Kampagne für ein Militär-Embargo gegen Israel und dessen Vorbildwirkung auf lokalen Militarismus. Diese Stellungnahme, in der der Angriff auf Gaza anfangs November verurteilt wird, reflektiert diese im Gange befindlichen Bemühungen. Lesen Sie mehr im Facebook Link: =3ae83789a0&e=

 

Bekannte Künstler sagen Auftritte in Israel ab

Die Liste der Künstler, die die palästinensische Forderung, nicht in Israel aufzutreten, respektieren, bis es seine brutale Besetzung endet, wachsen kontinuierlich. In diesem Jahr wurde Lana Del Rey eine der 19 KünstlerInnen, die sich vom Israel Meteor Festival zurückzogen. Auch Shakira und Lorde sagten ihre Auftritte ab. In Indien haben wir die #LoveBollywoodHateApartheid-Kampagne begonnen, womit wir die Hindi Filmindustrie ersucht haben, sich nicht an die Seite von Israel zu stellen, weil es versucht, Bollywood einzuspannen, seine Verbrechen weißzuwaschen und die BDS-Bewegung zu bekämpfen.                                                                                                                                     Facebook Links: =749bbefaa4&e= ;   =1a7272b59b&e=  

(Übersetzung: Gerhilde Merz)

Anm: der Übersetzerin: Nach der intensiven Auswertung der Kairos-Palästina-Konferenz in Bethlehem kommt der Autor der Palestine Updates zurück in seine Heimat Indien. Ich hoffe, auch bei den nur in Kurzform angeführten Namen jeweils das Richtige gefunden zu haben. G.M.

 Mach mich nicht für einen Tag zum Freund – und verlass mich nach einem Monat!  Komm mir nicht zu nahe, wenn du mich doch verlassen wirst!     Versprich nicht, was du nicht halten willst. Sei mir nah – oder geh‘!

Mahmoud Darwish