Schock und Angst über Trumps Ansinnen, die Botschaft nach Jerusalem zu verlegen

Palestine Update Nr. 93 – 7. Dezember 2017 –

 Schock und Angst über Trumps Ansinnen, die Botschaft nach Jerusalem zu verlegen

 Meinung

Obwohl Trump angedeutet hatte, er würde die Botschaft nach Jerusalem verlegen, erwartete niemand, dass er dieses tatsächlich tun werde. Frühere Präsidenten hatten in ihrem Wahlkampf ähnliche Versprechen von sich gegeben, haben sich aber nie in diesen einer Landmine ähnlichen Raum vorgewagt. Die Konsequenzen sind schwer vorauszusagen. Eines aber ist sicher: die Geschichte ist neu geschrieben und Trump hat den Platz der USA als Mediator ausgehebelt. Die Region wird in Waffen starren, und sogar bedeckte Freunde von Israel in der arabischen Welt werden missbilligen. Die Übersiedlung der Botschaft nach Jerusalem ist die schweigende Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels. Es mag auf den ersten Blick ein politischer Sieg für Israel sein, aber bereits die Entscheidung hat die UNO-Resolutionen und Optionen für ein Zusammenwirken unwirksam gemacht und stellt ein sehr großes Hindernis für den Frieden dar.

Palestine Updates hat ausgewählte Artikel mit einigen Varianten an Dimensionen und Aussichten gesammelt. Es ist zu Wiederholungen gekommen und damit wird der Konsens und die Übereinstimmung vieler Meinungen über den Status von Jerusalem als einem Ort gezeigt, der Juden, Christen und Muslimen gleichermaßen gehört.

Die Welt wird mit behutsamer Aufmerksamkeit die Konsequenzen dieser drastischen, impulsiven und übereilten Entscheidung der US-Administration beobachten. Ganz sicher werden die Konsequenzen hart sein. Wird es zu Gewalt kommen? Oder – sollte die Frage wirklich sein, wie viele sterben werden in dem „Aufruf zum Zorn“. Welche andere Konsequenzen wird es in der nahen, mittleren und fernen Zukunft für den Friedensprozess haben?

Palestine Updates gibt diese Spezialausgabe für ihre Leser heraus. Bitte, lesen Sie die Texte geben Sie diese weiter.

Ranjan Solomon, Herausgeber

Christliche Leiter: Anerkennung wird „irreparablen Schaden“ verursachen.

Leiter der lokalen Kirchen in Jerusalem drücken ihre Betroffenheit aus über Berichte über seine (Trumps?)  zu erwartende Veränderung der Jerusalempolitik; die „Heilige Stadt kann geteilt werden“.

Patriarchen und Leiter der lokalen Kirchen in Jerusalem schrieben einen speziellen Brief an die Adresse von US-Präsident Donald Trump, um ihrer Betroffenheit über seine Absicht, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen und die Botschaft der USA von Tel Aviv nach Jerusalem zu übersiedeln, Ausdruck zu verleihen. Der Brief, der Stunden vor der erwarteten Ankündigung von Trump am Mittwoch abgesandt wurde, bittet den Präsidenten, von einer potentiellen unilateralen Anerkennung der Stadt als nur israelisch abzugehen. „Unser feierlicher Rat und Bitte an die Vereinigten Staaten von Amerika ist, den gegenwärtigen internationalen Stand von Jerusalem weiterhin anzuerkennen. Jeder plötzliche Wechsel würde irreparablen Schaden verursachen“, plädierten die Geistlichen gegenüber dem Präsidenten.

(Die deutsche Übersetzung des Offenen Briefes befindet sich in dieser Update-Sendung.)

Progressive US-Juden warnen vor Unglück mit Umzug nach Jerusalem

Jüdische Gruppen in USA drückten ihr starkes Entsetzen über und ihr Missfallen nach der Ankündigung des US-Präsidenten Donald Trump aus, dass er die amerikanische Botschaft in Israel nach Jerusalem verlegen wolle.

Die Jüdische Reformbewegung in USA drückte ihr Missfallen über die von Trump zu erwartende Veränderung der US-Politik bezüglich der Altstadt von Jerusalem aus. Rabbi Rick Jacobs, der Präsident der „Union for Reform Judaism“ sagte am Mittwoch, dass Präsident Trump zur falschen Zeit, wenn auch nicht unerwartet die Ankündigung bestätigte, was immer schon die Ansicht der jüdischen Reformbewegung war, dass: „Jerusalem die ewige Hauptstadt  des jüdischen Volkes und des Staates Israel ist“. Jacobs bestritt jedoch, dass Reformjuden „seine Entscheidung mittragen und anfangen würden, den Plan zur Übersiedlung jetzt einzuleiten, in Abwesenheit eines vollständigen Plans für einen Friedensprozess.“

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Trump überschreitet die Rote Linie in Sachen Jerusalem

Präsident Trumps Entscheidung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen ist nicht nur eine klare Verletzung von Völkerrecht, sondern auch eine moralische Beleidigung, wenn es zu seiner Verachtung für und Verletzung von den Rechten des palästinensischen Volkes kommt. Unter der Verwaltung von  Benjamin Netanyahu hat Israel mit unfehlbarer Begeisterung  die Absage an die palästinensischen Staatlichkeit angenommen. Er weiß, dass Frieden – ein lebbarer Frieden – niemals existiert, wenn die Gerechtigkeit für die Palästinenser nicht Teil des Denkens geworden wäre. Bis jetzt stand der israelische Premierminister isoliert in seiner Verstocktheit, aber jetzt mit Trump im Weißen Haus ist sein größter Traum wahr geworden in der Form eines willigen Partners bei seiner Weigerung, auch nur einen Centimeter (= ein Inch) von seinem Glauben an einen israelischen Ausnahmezustand abzurücken und seiner Annahme, dass Israels Recht auf das Land Palästinas unverletzlich sei. Natürlich hatte Israel kein solches Recht auf palästinensischen Boden, und hatte nie ein solches – außer, wenn religiöse und biblische Verstocktheit der Kern von Völkerrecht und Diplomatie im 21. Jahrhundert geworden sein sollte.

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Palästinensische Christen verbrennen in Bethlehem Trump-Posters im Zorn über die Botschaft

In Bethlehem verbrannten palästinensische Christen am Dienstagabend Poster von Präsident Donald Trump in zornigem Protest gegen Trumps Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels. Die von den Christen verbrannten Poster trugen das Antlitz von Trump mit dem Text:

„Jerusalem, das Herz Palästinas, ist nicht zu verhandeln“; sie machten gemeinsame Sache mit hunderten anderer Palästinenser, die sich in Gaza und Ramallah versammelten, um dort ähnliche Poster und US-Flaggen zu verbrennen. Die Palästinenser protestierten gegen die drohende Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels und die Übersiedlung der Botschaft der USA nach Jerusalem. Rami Hamdallah, Premierminister des Palästinensischen Staates sagte, die Anerkennung von Jerusalem werde „den Friedensprozess und die Zweistaaten-Lösung zerstören“.

Quelle: Facebook

Übersiedlung der Botschaft von Trump – Vernichtung der multireligiösen Geschichte Jerusalems

Könnte Trumps Übersiedlung die amerikanische Botschaft als erster Schlag auf Jerusalem das endgültige Aus für eine Geschichte der religiösen Koexistenz in der Stadt bedeuten?

Die Möglichkeit, dass Trump Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkennt und die Übersiedlung der US-Botschaft dorthin ist eine verbreitet Zorn für Palästinenser und Nicht-Palästinenser gleichermaßen. Die Pläne führten zu gegensätzlichen Meinungen, als ausländische Führer vor regionalen Erhebungen und dem Zusammenbruch der I/P- Friedensbemühungen warnten. Wenn weiter an der Übersiedlung gearbeitet wird, wäre dies die erste ausländische Botschaft mit Sitz in der Stadt.

Aber nicht nur muslimische Führer und Organisationen sind von der Übersiedlung betroffen. Christen und Juden haben auch gewarnt, dass dadurch beschädigt werden würde, was von der zerbrechlichen Ko-Existenz unter den drei abrahamitischen Glaubensrichtungen in der Heiligen Stadt geblieben ist. Jüdische Gruppen in den USA drückten ihre Besorgnis über Trumps Ankündigung aus. Der Präsident der in den USA angesiedelten Gruppe J. Street, Jeremy Ben-Ami sagte: „Die Auswirkung der Übersiedlung der amerikanischen Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem vor einer ausverhandelten Übereinkunft wird Grund für ein Ärgernis von arabischen Schlüssel-Verbündeten sein, die regionale Instabilität aufheizen und entstehende diplomatische Bemühungen der USA zur Lösung eines größeren Konflikts unterminieren wird“.

Benutzer der sozialen Medien sind voll auf Trab, wenn sie die Ankündigungen von Trumps Intentionen verfolgen.

Quelle: https://facebook.us.list-manage.com/track/click?u=70813d3d15ac4637582781b8e&id=56a5e94372&e=267525e738

(Ich nehme an, dass man alle Facebook-links mit Endnummer 738 leicht findet.)

 Globale Koalition: Übersiedlung der Botschaft nach Jerusalem bedroht wirtschaftliche und politische Interessen der USA

Die globale Koalition betrachtet die ständigen Bemühungen der USA, ihre Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, als Erpressung für Palästinenser, Araber und Muslime, um sie zu Lösungen zu drängen, die ihre Rechte auf Jerusalem beeinträchtigen … Sie wandte sich an die arabischen und muslimischen Nationen, die Intensität der Zurückweisung dieser amerikanischen Entscheidung zu erhöhen, indem sie die Liga der arabischen Staaten

und die islamische Kooperationsorganisation bat, mutige Stellungnahmen gegen die amerikanische Idee, ihre Botschaft nach Jerusalem zu verlegen – was zu signifikanten Folgerungen auf verschiedenen Gebieten der Region und der ganzen Welt nach sich ziehen könnte – abzugeben. Die Koalition drängte alle Parteien, Institutionen, arabischen und islamischen Körperschaften und die Liberalen der ganzen Welt, fortlaufend und aktiv Maßnahmen auf verschiedenen Gebieten durchzuführen, um die  US-Administration unter Druck zu setzen und jedwede Aktion zu entmutigen, die die amerikanische Anerkennung einer illegalen  israelischen Souveränität über Jerusalem unterstützen würde. Die Globale Koalition beendete ihre Stellungnahme mit den Worten: „Das arabische und islamische Recht auf Jerusalem ist ein unveräußerliches Recht. Es ist ein Faktum, das nicht verdreht werden kann, und alle geschichtlichen Erfahrungen bestätigen, dass Unterdrückung vor der Macht des Rechtes geschlagen werden wird.“

(Quelle: Facebook)

Der Vorsitzende der African Union verurteilt die amerikanische Entscheidung, die Botschaft umzusiedeln.

Der Vorsitzende der Kommission der Afrikanischen Union, Moussa Faki Mahamat bemerkte mit tiefer Betroffenheit die heute angekündigte Entscheidung der Regierung der Vereinigten Staaten, Jerusalem als Hauptstadt des Staates Israel anzuerkennen. Er bedauert diese Entscheidung, die nur die Spannungen in der Region und darüber hinaus erhöhen und die Suche nach einer Lösung des Israel/Palästina-Konflikts komplizieren würde.

Der Vorsitzende der Kommission wiederholt die Solidarität der African Union mit dem palästinensischen Volk und seine Unterstützung eines legitimen Verlangens nach einem unabhängigen und souveränen Staat mit Ostjerusalem als seiner Hauptstadt. In diesem Zusammenhang fordert er Wiederaufnahme internationaler Bemühungen, um eine gerechte und dauernde Lösung des Konflikts zu finden, die auf die Existenz von zwei Staaten, Israel und Palästina, beruht, die Seite an Seite in Frieden und Sicherheit innerhalb des Rahmenwerkes von entsprechenden Erklärungen der Afrikanischen Union und den Vereinten Nationen leben.

(Quelle: Facebook)

(Übers.: Gerhilde Merz)