*Tröstet die Bedrängten und bedrängt die Bequemen*

Palestine Update Nr. 328 – 23.1.20 – „Comfort the afflicted and afflict the comfortable”

Kommentar

*Tröstet die Bedrängten und bedrängt die Bequemen*

Der heuchlerische Trost, mit dem die internationale Gemeinschaft an der Verantwortung bezüglich der israelischen Illegalitäten in den palästinensischen Gebieten vorübergeht, ist zunehmend erschreckend. Hat die Option des kollektiven Gewissens als Vorrang bei öffentlichen Angelegenheiten ein- für allemal ausgedient? Oder wartet jeder auf die ultimative Katastrophe, bevor sie ihre Augen öffnen können und das Schlechte und Hässliche sehen – und dann immer noch an dem Problem vorüberschreiten wie der Priester und der Levit in der biblischen Geschichte vom guten Samariter? Das Problem, das die Palästinenser heute bedrängt, ist, dass der gute Samariter nicht auftaucht, obwohl Jericho geographisch mitten in der Szene existiert.

Als ich vor nicht allzu langer Zeit mit meinem atheistischen Freund plauderte, stellte er mir diese Frage: Ihr Christen behauptet, ihr seid in der Welt eine große Zahl, und trotzdem, wieso

könnt ihr keinen tiefgreifenden politischen Wechsel herbeiführen? „Schließlich“, sagte er, „wir reden über Christen, die behaupten, ‚Christen‘ zu sein, was immer das bedeutet! Kommt es daher, dass eure Religion nicht weiß, wie man einen Wechsel in politischen Kulturen und Werten herbeiführt? Wenn ihr nicht in der Lage seid, politische Alltags-Ungerechtigkeiten zu transformieren, wozu seid ihr dann in der Welt gut? Warum sperrt ihr nicht einfach euren Laden zu?“ Ich protestierte und argumentierte, dass es Christen gibt, die bekümmert sind über das, was Israel in Palästina anstellt, und ich machte ihm klar, dass viele dieser Kirchen ihren Hals riskieren und dafür angeschwärzt werden und alles andere – lauter herabwürdigende Aussagen. Mein Freund stritt einfach ab, was ich gesagt hatte, und stellte es alles als Gewäsch (gobbledygook!) beiseite. „Zu wenig, zu spät“, raunzte er.

Ich wollte wirklich nicht alle Kirchen und Christen über den gleichen Kamm scheren. Jene, denen Gerechtigkeit wichtig ist, und die das ganz in ihrem Herzen meinen, kämpfen schwer um die Bedingungen, einen Wechsel zu schaffen. Sie sind gewöhnlich in der Situation, in der ich mich mit meinem atheistischen Freund befand. „Verdammt, wenn ich etwas tue, verdammt, wenn ich nichts tue“. 

  Ich erfahre die Schrecken der israelischen Okkupation bei meinem täglichen Forschen nach Material zur Veröffentlichung in meinem Facebook-Seite und den Newsletters, die beide unter dem Namen „Palestine Update“ herauskommen. Es scheint, dass diejenigen, die politische Entscheidungen treffen und sie durchsetzen können, im Opiumrausch agieren. Also: Opium ist eine depressiv machende Droge, das heißt, es verlangsamt die Botschaften, die zwischen deinem Kopf und deinem Körper hin- und hergehen. Ja, die globale Politik scheint von Opium und einem Hirnausfall getroffen zu sein, und schlimmer: Herz und Hirn voneinander zu trennen. Und daher hören und lesen die Beauftragten, was Israel in Palästina den Menschen antut, und kriegen es nicht auf die Reihe, weil sie lieber in ihrem Opiumrausch sind. Kein Wunder, dass da Stille und Mitschuld herrscht. Absichtlich und so übermütig macht das die Welt selbst so mörderisch wie das Regime, das sie durch ihre stille und unschuldig schauende, aber schadenfrohe Duldung schützen. 

Lesen Sie die Geschichten in dieser Ausgabe (außer jener, in der die Bischöfe Aktion fordern!) Und Sie werden sehen, wie die Welt sitzt und wartet, wie die Grausamkeit weiter geht. Eines Tages wird uns das treffen (Meine Überzeugung ist, dass ‚Karma‘ uns treffen wird. Wir werden Opfer der Gleichgültigkeit sein. Aber es wird zu spät sein. Bis dahin, lasst diejenigen, die sich genug darum kümmern, tun, was die Zeitungen zu tun gefordert sind: ‚Die Bedrängten trösten und die Bequemen bedrängen‘  

Ranjan Solomon

      

*Brecht das Schweigen und sprecht für das Volk von Palästina*

Von  Jafar M. Ramini   

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(Bild: palestine.jpg)

Der dritte Montag im Jänner wird in den USA jedes Jahr zum Nationalfeiertag bestimmt, um an den erschlagenen Führer für die Rechte der zivilen amerikanischen Bevölkerung, Dr. Martin Luther King Jr., zu denken, der am 4. April 1968 in Memphis ermordet wurde. Diese Ehrung wurde während der Reagan-Ära 1986 vorgeschlagen, wurde aber als nationale Ehrung bis zum Jahr 2000 nicht wahrgenommen. Auch heute noch gibt es einigen Südstaaten der USA Widerstand dagegen. 

Die Ungerechtigkeit und Grausamkeit, die man generationenlang den schwarzen Amerikanern zugemessen hatte, war nichts anderes als unmenschlich. Lasst uns sie als das benennen, was sie wirklich war. Gemeine Sklaverei! Aber, wenn man die kurze Geschichte der USA schaut, ging es den Schwarzen in den USA noch viel besser als den indigenen Stämmen, die in Massen erschlagen wurden. Nach verschiedenen Schätzungen kommt man zu Zahlen zwischen 10 und 15 Millionen. Von der Million, die übrig geblieben war, sind mindestens 80 Stämme zwischen 1900 und 1957 verschwunden, und 80 % aller verbliebenen Menschen wurden getötet durch das totale Auslöschen ihrer Kultur, ihrer Wohnstätte, durch Krankheiten oder Mord. So viel über „das Land der Freien und die Heimat der Mutigen“. 

Die Intelligenz von Dr. King, sein Kampf für das Recht seines Volkes auf ein würdevolles, freies Leben und seine Fähigkeit zu vergeben, war legendär. Sein Ausspruch muss in Erinnerung bleiben: „Demjenigen, dem die Kraft zu vergeben geschenkt ist, hat auch die Kraft zu lieben“. 

Wir versuchen es, Dr. King. Wir Palästinenser versuchen unser Bestes, die Grausamkeit und die Übertretungen unserer zionistischen Feinde gegen uns zu vergeben. Aber leider, je mehr wir vergeben und je mehr wir uns versöhnen wollen, desto mehr werden wir niedergemacht und man verweigert uns sogar die Luft, die wir atmen. Die Erstickung des menschlichen Lebens wurde klar von Dr. King erkannt, wenn er sagte: „Die ultimative Tragödie ist nicht die Unterdrückung und die Grausamkeit der schlechten Menschen, sondern das Schweigen darüber bei den guten Menschen.“ In Erinnerung an diese Ikone der zivilen Befreiung flehe ich alle guten Menschen der Welt an, ihr Schweigen zu brechen und für die Leute in Palästina zu sprechen.

*Jafar M. Ramini ist ein palästinensischer Schriftsteller und Politikanalytiker mit Wohnort London, zurzeit in Perth, West-Australien. Er wurde 1943 in Jenin geboren und war 5 Jahre alt, als er und seine Familie vor dem Terror der Urgun und Stern-Banden fliehen mussten.* 

Quelle:

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*Keine Opposition aus der internationalen Gemeinschaft, wenn Israel das Zweistaaten-Paradigma verändert“

Israel forces Jerusalemite to demolish his home [Maannews]

 

 

 

(Bild: Israel zwingt einen Bewohner von Jerusalem, sein Haus zu demolieren (Maannews))

Die EU sagt eine Zunahme von Zerstörungen von palästinensischen Wohnungen und Gebäuden in der besetzten Westbank durch Israel voraus, um damit das Problem der Vertreibung zu verewigen. Der israelische Verteidigungsminister Naftali Bennett hat den Plan, die Ära C unter die Souveränität Israels zu stellen, als „eine reale und sofort wirkende Schlacht um die Zukunft des Landes Israel“ beschrieben. 

2019 übertrumpfte Israel die Statistik für Zerstörung und Vertreibung des vorhergehenden Jahres. Das betrifft von der EU finanzierte und palästinensische Gebäude gleichermaßen. Der 

„EUobserver“ stellte fest, dass Israel im Vergleich zu 2018 um 35 % mehr Objekte zerstört und um 95 % mehr Palästinenser vertrieben hat.

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Trotz allem diesem hält sich die EU zurück, die israelische Kolonisation anzuprangern, obwohl sie Entschädigung von Israel für die Demolierung der vom Block finanzierten Gebäuden fordert. Erst vergangene Woche demolierte Israel ein palästinensisches Wohnhaus und die Fundamente einer Schule in Al-Rifaiyya respektive in Birin.

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*34 katholische Bischöfe rufen ihre Länder zur Anerkennung von Palästina auf* 

Eine Gruppe von 34 katholischen Bischöfen aus dem „Koordination-mit-dem Heiligen-Land-Komitee“, zu dem Bischöfe aus den Kirchen in Europa, Nordamerika und Südafrika gehören, haben von den Regierungen ihrer Länder gefordert, den Staat Palästina anzuerkennen. In einer Stellungnahme nach ihrem Besuch in der Stadt Ramallah und dem besetzten al-Quds beglück-wünschten die Bischöfe zur legendären Standhaftigkeit (sumud) des palästinensischen Volkes und betonten die Wichtigkeit, die Regeln des Völkerrechts anzuwenden und den Staat Palästina anzuerkennen. Sie forderten dringend auf, die israelischen Menschenrechts-verletzungen und die Aktivitäten des Siedlungsbaues in den besetzten Gebieten zu beenden. 

Pastor Jamal Khader von der lateinischen (röm.-katholischen ?) Kirche in Ramallah stellte klar, dass die Wahl der Bischöfe, Ramallah als den Ausgangspunkt für ihre  Reise zu besuchen, ihnen die Chance gegeben hat, die Palästinenser kennen zu lernen und etwas zu erfahren über ihr Leiden unter der israelischen Okkupation. Er wies darauf hin, dass die Bischöfe auch die Kirche der Comboni-Missionsschwestern und ihre Gemeinschaft am Rande des besetzten al-Quds besucht haben, wo sie das Leiden der Palästinenser durch die israelische Apartheid-Mauer sehen konnten. (Anm. der Übersetzerin: Israel hat die Mauer direkt durch deren Grundstück gebaut) 

Kamal Shamshoum vom lateinischen Kloster in Ramallah sagte dazu,  die Bischöfe hätten einen allgemeinen Überblick über die Situation formuliert und eine kräftige Stellungnahme herausgebracht. „Wir begrüßen ihren Besuch, aber wir wollen nicht nur Mitleid und Worte, wir wünschen uns auch Taten“, schloss Shamshoum. 

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*Wer gewinnt, wenn Trump den Friedensplan vor der Wahl in Israel veröffentlicht?*

Während viele Leute schon lange geschlossen hatten, dass der „Deal des Jahrhunderts“ von Präsident Donald Trump gestorben sei, kam er am 13. Jänner zum Leben, als Stimmen aus Washington zu hören waren, die die Möglichkeit seiner Vorstellung am Vorabend der Wahl für die 23. Knesset am 2. März andeuteten. Das Schweigen des Premierministers Benjamin Netanyahu im Gegensatz zur Beschwerde des Führers von „Blau und Weiß“, Benny Gantz, dass eine solche Vorstellung zu diesem Zeitpunkt eine Einmischung in Israels innere Affären sei, ließ manche Leute darüber nachdenken, dass dieser Deal zwischen Natanyahu und Trump ausgemacht worden wäre. Oder gäbe es vielleicht grünes Licht für die Annexion des Jordantales, vielleicht auch für die Annexion der Ländereien aller Westbank-Siedlungen – auf jeden Fall etwas, das zeigen konnte, dass nur unter Netanyahu Israel solche Delikatessen von der amerikanischen Administration  erhalten würde? 

Es scheint, der Umriss des Planes ist klar: Trump wird einen Plan anbieten, in dem es keinen palästinensischen Staat gibt, in dem Ostjerusalem nicht abgeteilt ist, in dem kein Abzug aus den Siedlungen stattfindet, keine Eingliederung eines einzigen palästinensischen Flüchtlings und keine Rückkehr zu den Grenzen von 1967. Der Präsentation des Planes werden andere, einleuchtende Schritte folgen: Der palästinensische Präsident Mahmoud Abbas wird auf den Tisch hauen, ihn in Abscheu zurückweisen, während Netanyahu ihn ernsthaft prüft und sagt, er sei eine wertvolle Basis für wirkliche Verhandlungen; Trump würde ihm danken für seine Bereitschaft zum Kompromiss – und im Lichte der palästinensischen Entscheidung, keine Gelegenheit vorübergehen zu lassen, eine Gelegenheit zu versäumen, erlaubt er Netanyahu, zu annektieren, was immer er möchte. Die Öffentlichkeit wäre beeindruckt von Netanyahus 

Zauber und würde zu den Urnen strömen, um ihm weitere vier Jahre zu geben – trotz der Anklage wegen Bestechung, Betrügerei und Vertrauensbruch, die auf dem Schreibtisch von Knesset-Sprecher Yuli Edelstein gelandet ist. 

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(Übersetzung: Gerhilde Merz) 

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Palestine Updates ist eine Sammlung von historischen und gegenwärtigen Informationen über Ereignisse speziell in palästinensischen Gebieten, über globale Kampagnen, israelische Friedensbewegungs-Initiativen und Kritik an Regierungspolitik in Israel und Palästina, die die Menschen verletzt. Sie bringt auch Neuigkeiten von fortschrittlichen palästinensischen Gruppen der Zivilgesellschaft und von Menschenrechtsorganisationen (lokal und international) und von einzelnen Akademikern und Schriftstellern.