Über Kaschmir

Über Kaschmir

Gekürzter Artikel aus „The Times of Israel“, direkt übersandt von Ranjan Solomon am Donnerstag, 22. August 2019 – und gut zu lesen im Anschluss an Palestine Update Nr. 273

„Wir werden keinen Meter („inch“) hergeben“;

Indien erfährt Trotz von „Kaschmir‘s Gaza“-Protestern, die sich mit Palästinensern im „Widerstand gegen Israel“ vergleichen und geloben, ihre Nachbarschaft zu verteidigen.

 -Blitzlichter und Zitate eines Protests:  

(Bild: Eine muslimische Frau aus Kaschmir sitzt am Fester und beobachtet Männer, die am 16. August mit Transparenten und „Freiheits“-Slogans während der Ausgehverbote nach den Freitagsgebeten in Srinagar demonstrieren.)

-Srinagar, Indien: Junge Männer sitzen neben einem Haufen Steine und einem Freudenfeuer, und sie schützen den einzigen Zugang zu einer belagerten Nachbarschaft, die sie „Kaschmir’s Gaza“ nennen;

da ertönt vom Lautsprecher der Moschee her die Übertragung von Befreiungs-Slogans.

-In einer Trotzaktion gegen den kontroversen Beschluss aus New Delhi, der Region mit muslimischer Mehrheit ihre Autonomie wegzunehmen, hat sich die Soura-Nachbarschaft in den Außenbezirken von Srinagar, der Hauptstadt Kaschmirs, vom Zugriff der Sicherheitskräfte selbst abgeschlossen.

-Seit anfangs August haben die Bewohner wackelige Barrikaden aus Konservenbüchsen, Holzpflöcken, Ölkanistern und Betonklötzen aufgerichtet und Gräben gegraben, um die Soldaten in Abstand zu halten während der täglichen Proteste gegen Indien.

„Sie können Soura nur über unsere Leiber betreten. Wir werden nicht einmal ein Inch unseres Landes  an Indien abgeben“, erklärt Mufeed, ein Bewohner, der als Freiwilliger nachts die Nachbarschaft bewacht, vor Agence France Press.

(Bild: Protestierende Muslime aus Kaschmir werfen Steine auf indische Paramilitärs während der Ausgangssperre-ähnlichen Behinderungen in Srinagar, Indien, am 16. August 2019)

„Genauso wie Gaza Israel Widerstand leistet, wollen wir mit all unserer Macht für unser Mutterland kämpfen“, fährt Mufeed fort.

Israel hält den Küstenstreifen seit 2007 blockiert. Kaschmir hat drei Jahrzehnte bewaffneter Rebellion gegen die indische Herrschaft durchgehalten und in dem Konflikt zehntausende Menschen, größten-teils Zivilisten, verloren.

Vor seiner Ankündigung hat Indien zehntausende Extra-Truppen in die widerspenstige Region gebracht, nachdem bereits 500.000 Mann im Tal stationiert waren und verstärkte damit die Umklammerung, weil sie weitere Unruhen befürchtete.

Aber es sind Proteste ausgebrochen, und die untere Mittelklasse von Soura ging allen voran. Am 9. August demonstrierten mindestens 15.000 Menschen – die größte Demonstration, die Kaschmir bis jetzt erlebt hat.

Sie trafen auf Sicherheitskräfte, die mit scharfer Munition, Tränengas und Gummigeschoßen feuerten, um die Massen zu vertreiben, und nach Berichten gab es mehr als zwei Dutzend Verletzte.

„Geh‘ Indien, geh‘ heim!“

Sourra, die ganz eng verbaute Gemeinde am See, besteht aus mehr als 2.000 Häusern und ist an drei Seiten von Sicherheitskräften umlagert. Die renovierte Moschee Jenab Saeb wurde zum Treffpunkt für tausende Protestierende in der Nachbarschaft. Jede Nacht marschieren Bewohner durch seine engen Gassen mit Fackeln und malen Graffiti mit den Worten „Freiheit für Kaschmir“ und „Geh‘ Indien, geh‘ heim“. Die Bewohner geben ihre Botschaft weiter, wenn sie irgendwelche Bewegungen der Polizei auf der Hauptstraße ganz nahe von Saura  sehen.

Polizeikräfte, die Drohnen und Hubschrauber eingesetzt haben, versuchten mindestens dreimal in Saura einzudringen, wurden aber durch Steine werfende Jugendliche, einige von ihnen auch mit Äxten und Harpunen bewaffnet, zurückgedrängt. Vertraut mit den Taktiken der Polizei, um die Massen aufzulösen, benutzen die Protestierenden Salzwasser, um ihr Gesicht abzuwaschen, nachdem Paprikasprays und Tränengas gefeuert worden war, und sie tragen Helme und Brillen, um sich vor den Gummigeschoßen zu schützen. Bis jetzt sind drei Jugendliche arretiert worden, nachdem sie aus dem Areal entkommen wollten.

(Bild: „Das Leben von Kaschmiris und Sikhs ist auch etwas wert“ steht auf Tafeln, die am Donnerstag, dem 15. August in New York von demonstrierenden Kaschmiris und Khalistan Sikhs während eines Protestmarsches gegen die Entscheidung des indischen Premierminister Narenda Modi, Kaschmir seinen Sonderstatus zu nehmen und den Punjab unter Okkupation zu halten, getragen wurden.)

„Indien prüft unsere Widerstandskraft – und sie werden sicher verlieren“, sagt der Bewohner Nahida zu Agence France Press. „Wir haben sie das letzte Mal geschlagen und auch wenn diese Situation Jahre dauern wird, wir geben nicht auf!“

Trotz der Proteste in Saura betonen die Behörden, dass Kaschmir im Großen und Ganzen friedlich geblieben ist seit der Abriegelung.

„Gesetze verändern“

Seitdem die Region nach der Unabhängigkeit vom Britischen Commonwealth 1947 zwischen Indien und Pakistan geteilt worden war, wurde Saura auf lange Zeit ein widerspenstiger Teil der Geschichte Kaschmirs. Es ist der Geburtsort des früheren Premierministers von Kaschmir, Sheikh Abdullah, der zugestimmt hatte, dass es als Staat mit autonomen Rechten zu Indien kommen würde.

Seine National Conference Party – die für mehr Autonomie gekämpft hatte, während sie unter indischem Regime standen – führte den Staat während 3 Jahrzehnten, und Sohn Farooq Abdullah und Enkel Omar Abdullah wurden leitende Minister.

Farooq und Omar wurden als Teil der Abriegelung von New Delhi in Haft gehalten.

Die Bewohner wurden während der letzten Jahre zunehmend Anti-indisch. 2016, als Massenproteste auf den Straßen wegen des Todes eines Befehlshabers der Volksmiliz ausbrachen, war Saura die Szene dutzender Zusammenstöße mit Streitkräften der Regierung.

Der Bewohner Sauras, Rafiq Mansoor Shah, sagte, viele Einheimische teilten sein Missbehagen über die Entscheidung Abdullah’s, sich Indien zu nähern.

Nach den Arrangements, die in diesem Monat bekannt wurden, können sich Inder von anderen Teilen der riesigen Nation für Regierungsanstellungen bewerben und Ländereien in Kaschmir kaufen. Aber viele Einheimische von Saura wie Shah glauben, New Delhi habe „ruchlose Pläne, unser Land zu stehlen“. „Wegen der Machtgier (der Abdullah-Familie) … wurden wir Sklaven von Indien. Wir versuchen, diesen historischen Fehler zu korrigieren“, erklärte er Agence France Press.

„Wir versuchen, den Rest von Kaschmir zu führen und die Menschen zu begeistern“.

*Mitarbeiter von “Times of Israel“ haben zu diesem Bericht beigetragen.*

Damit die Gewaltlosigkeit arbeiten kann, muss der Gegner ein Gewissen haben

 (Übersetzt und leicht gekürzt: Gerhilde Merz)