„Vamoose“! Palästinensisches Mädchen will nicht die andere Backe hinhalten

Palestine Update Nr. 101 – 2, Jänner 2018

 „Vamoose“! Palästinensisches Mädchen will nicht die andere Backe hinhalten

Meinung

„Hinaus aus unserem Land“ – Palästinensisches Mädchen hält „die andere Backe“ nicht hin. Israel hat die einmalige Fähigkeit, seine eigenen Scheußlichkeiten gegenüber Palästinensern in Opferstatus umzudrehen, besonders wenn seine Aktionen auf schlagfertige Antworten treffen.

Courage ist das Wort, das am besten palästinensische Zurückweisung israelischer brutaler Schikanen und Frechheiten des Militärs beschreibt. Die 16jährige Palästinenserin Ahed Tamini wurde festgenommen, nachdem man sie gefilmt hatte, wie sie auf Sicherheitskräfte losgegangen ist. Die Soldaten waren in das Gehöft der palästinensischen Familie eingedrungen, um Proteste zu stoppen und Palästinenser zu hindern, Steine auf israelische Motorradfahrer in der Nähe zu werfen. Die israelischen Medien erlaubten übermütig ihren Filmern, die Szene auf Video nachzustellen, die eine junge Frau zeigte, die gegen die Soldaten tritt und handgreiflich wird, bevor sie ihnen befiehlt, die Szene zu verlassen. Es war eine zynische Vortäuschung von Toleranz.

Ahed Tamini ist keine gewöhnliche junge Frau. Sie hat sich schon früher israelischen Soldaten mutig und in einer Angriffslustigkeit entgegengestellt, die zeigt, sie würde keinen Unsinn von der Besatzungsmacht dulden. Als das Video von ihrer Handgreiflichkeit gegenüber einem israelischen Soldaten vor zwei Wochen direkt in die sozialen Medien ging, kam es zu einander widersprechenden Reaktionen von Israelis und Palästinensern. Ahed Tamini ist jetzt etwas wie eine Volksheldin für ihre trotzige und tapfere Tat. Schließlich hat sie die Soldaten nur aufgefordert, palästinensisches Land zu verlassen und hatte jedes Recht, das zu tun. Was haben israelische Militärfahrzeuge auf palästinensischem Land mit militärischem Schutz zu tun? Und was haben sie im privaten Hof eines palästinensischen Hauses zu schaffen? Man kann nicht in den Besitz anderer Leute eindringen und erwarten, mit einem Becher heißen Kaffees freundlich begrüßt zu werden.

Rechte Israelis sind der Ansicht, dass die Soldaten Schwäche gezeigt haben, sogar Feigheit, weil sie nicht zurückgeschlagen haben. Aber eine Entgegnung gibt die Vermutung wider, dass der Soldat wusste, dass die Geschichte auf Video festgehalten werden würde und es für nützlich hielt, damit einen PR-Sieg für die israelische Armee zu erringen, indem sie sich als geduldig und vernünftig darstellte. Die israelische Armee gab an, er „handelte professionell“, indem er Selbstkontrolle zeigte. Einige fragen sich: War er völlig überrumpelt und „schreck-stad?“.

In Haaretz stellt Gideon Levy einige kühne Fragen. „Würden Sie stolz auf sie sein wie ihr Vater, der in einer Reaktion, die Respekt befiehlt, seinen Stolz zum Ausdruck brachte? Würden Sie sich eine Tochter wie diese gewünscht haben, die ihre nicht-existente Jugend gegen einen mutigen Kampf für die Freiheit getauscht hat? Oder wäre Ihnen eine Tochter lieber gewesen, die kollaboriert?“

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Und er fügt hinzu: „Und was würden Sie gefühlt haben, wenn Soldaten einer fremden Armee nachts in Ihr Haus eingedrungen wären, Ihre Tochter vor Ihren Augen aus dem Bett gezogen hätten, sie festgenommen und für eine ziemlich lange Zeit in Handschellen gelegt hätten, nur, weil sie dem Soldaten eine geschmiert hat, der in ihr Haus eingedrungen war und damit die  Besatzung verunglimpft hatte, was viel mehr verdient als Watschen (= Ohrfeigen)?“

Der Protest der Tamini schreckt viele Gemüter auf und Leute denken nach, ob es an der Zeit sei für mutigere und tatkräftige Gesten im Kampf des Volkes. Schließlich: Es steht nirgends, dass Macht-Haben Partner ist für mutwillige Machtausübung. Das darf nur im Druck und nach Gegenwehr geschehen. Ahed Tamini steht jetzt als Angeklagte in einer schamlosen Vorstellung von Israels äußerster Stupidität und Arroganz. Der Gerichtshof belastet Ahed Tamini mit schwerem Angriff auf einen israelischen Soldaten und der Behinderung eines Soldaten in der Ausübung seiner Pflicht.

Was war seine Pflicht? Diebe zu schützen in einem Land, das sie den ursprünglichen Besitzern gestohlen hatten? Die Absurdität endet hier nicht. Ein israelischer Top-Journalist rief auf zur Vergewaltigung von Ahed Tamini. Der israelische Verteidigungsminister Avigdor Lieberman argumentierte ebenso geistesgestört. Er forderte, sie solle ihr ganzes Leben im Gefängnis verbringen. Die Besetzung hat irrationale Proportionen erreicht und die Verrücktheit endet niemals. Israel riskiert, Ahed zu einer „Heiligen Johanna von Palästina“ zu machen, notierte Haaretz.

Israel macht unschuldige Kinder zu ärgerlichen Bürgern. Die Jugend, die erfahren hat, wie es sich anfühlt, in Gefängnisse geschleppt und gefoltert zu werden, oder deren Eltern und Verwandte vor ihren eigenen Augen getötet wurden, oder die Zeugen wurden, wie ihre Wohnhäuser von multinationalen Maschinen niedergewalzt wurden, die an Israel in Form von Hilfspaketen gegeben wurden, werden nie vergessen, was sie gesehen haben und welche Gefühle sie erlebt haben. Die Bilder von den Schrecken, die Israel über sie gebracht hat, bleiben in ihren Herzen und in ihrer Erinnerung haften. Es bleibt jedem zu erraten, zu welchen Resultaten sie heranwachsen werden. Aber Israel sollte besser Sinn sehen in diesen sporadischen Akten von Widerstand wie dem von Ahed Tamimi und wissen, es wird in Zukunft mehr Wagemut und Beharrlichkeit (sumud) geben.

Das war nicht ein vernachlässigbarer Fall von „die andere Backe hinhalten“. Es lag bei ihr zu entscheiden, dass sie nicht die andere Backe hinhalten würde, weil sie sich innerhalb ihres Gehöftes bewegten. Man nennt das Übergriff, und man hat den Preis für den Übergriff zu bezahlen. Der Besetzer ist der ursprüngliche Verbrecher. Die Zeit ist lange vorüber, dass man jemanden die andere Backe hinhält, wenn man angegriffen wird. Es ist Zeit festzuhalten, dass bereits „die erste Backe“ schlimm genug und falsch genug war. Jetzt ist die entsprechende Antwort der Fausthieb und der Fußtritt: „Hinaus aus unserem Land!“

Ranjan Solomon, Herausgeber

Der „Tamini-Vorfall“ ist nur einer von vielen Vorfällen, wo israelische Soldaten mit schwerer Hand agieren. Lesen Sie unten noch mehr solche Geschichten:

Nour Tamini angeklagt, weil sie einen Soldaten geohrfeigt hat

Ein israelischer Gerichtshof klagte die 21jährige Palästinenserin Nour Tamini an, weil gesehen wurde, wie sie einen schwer bewaffneten israelischen Soldaten gemeinsam mit ihrer Cousine Ahed Tamini vor zwei Wochen geohrfeigt hatte. Der Gerichtshof verurteilte Tamini wegen eines schweren Angriffs auf einen israelischen Soldaten und Behinderung des Soldaten an der Ausübung seiner Pflicht. Ein kurzes Video zeigte die jungen Tamini-Mädchen, wie sie auf einen israelischen Soldaten in Nabi Saleh losgingen, nachdem er ihren Cousin in den Kopf geschossen hatte.

Lesen Sie die ganze Geschichte in „International Middle East Media Centre“ in Facebook.

Israelischer Gerichtshof verlängert Haft eines führenden PSCC-Aktivisten

 Der israelische Militärgerichtshof in Ofer verlängerte die Haft des Leiters des PSCC (=Popular Struggle Coordination Committee), des Aktivisten Munther Amira. Er verlängerte die Haft bis zur Sitzung am nächsten Mittwoch (müsste der 3. Oder 10 Jan. sein). PSCC-Aktivist Mazen al-Azza berichtete PNN, dass der Israelische Gerichtshof zwei Anklagepunkte gegen Amira vorgebracht hat: Anstiftung und Behinderung der Arbeit der Besatzungssoldaten. Amira, Bewohner des Aida-Flüchtlingslagers in Bethlehem wurde während eines Protestmarsches in der Stadt am letzten Mittwoch gegen die Entscheidung der USA, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, arretiert. Nach dem Arrest veröffentlichte PSCC eine Stellungnahme mit der Klarlegung, dass die israelische Besetzung mit ihrer systematischen Einschüchterung der Palästinenser voran gegangen sei: es wurden15 Personen getötet, hunderte festgenommen oder verletzt.

Lesen Sie mehr in der englischen PNN-Post auf facebook.

 PLO: Bericht über Vorfälle im Dezember 2017

 Dr. Hannah Ashrawi, Mitglied des PLO Exekutiv-Komitees: „Die wirklichen Vorfälle stammen aus der Militärbesetzung Palästinas durch Israel und der totalen Versklavung eines ganzen Volkes. Die Hardliner Extremistenregierung unter Führung von Benjamin Netanyahu ist verantwortlich für die Erzeugung einer Kultur von Hass und Rassismus in Israel, die Gewalt anfacht und den Extremismus fördert. Monatlich aufgelistet enthält dieser Bericht Beispiele für herabwürdigende und aufheizende Kommentare von israelischen Regierungs-beamten und -führern, besonders mit dem Ziel, die Wirklichkeit falsch darzustellen und die öffentliche Meinung fehlzusteuern.“

Quelle: Facebook

Mehr als 600 Palästinenser festgehalten seit der Ankündigung Trumps von Jerusalem / Al Quds zur Hauptstadt Israels

 Seit Washingtons Bewegung zur Anerkennung Jerusalems als israelische Hautstadt wurden mehr als 600 Personen von den Streitkräften des Regimes in Tel Aviv festgenommen. (Anm.: Diese Nachricht war bereits in einem der letzten Updates.) Palestine Prisoners‘ Society notierte, dass an einem einzigen Tag im Morgengrauen mindestens 24 Palästinenser im Zuge von Hausdurchsuchungen in der ganzen Westbank arretiert wurden. Nach offiziellen Zahlen der UNO wurden zwischen dem 5. und dem 18. Dezember von israelischen Streitkräften 162 Hausdurchsuchungs- und Arretierungshandlungen vorgenommen. Das israelische Regime hat täglich Einfälle im Gazastreifen und seiner Umgebung, der sogenannten Pufferzone an Land- und Seegrenzen durchgeführt.

Quelle: Facebook

Übers.: Gerhilde Merz