Palestine Update Nr. 529 – Stimmen, die harte Wahrheiten übermitteln – 22.2.22

Palestine Update Nr. 529 – Stimmen, die harte Wahrheiten übermitteln – 22.2.22

Stimmen, die harte Wahrheiten übermitteln

Kommentar des Herausgebers

In dieser Ausgabe von Palestine Updates teilen wir Narrativen und Illustrationen (Anm. der Übersetzerin: Diese leider nicht, ich versuche sie nur zu beschreiben) von sehr großem Schaden für die palästinensische Psyche durch die israelische Armee. Dazu gehören gebrochene Knöchel, demolierte Wohnungen und zerstörte Wasserzisternen, die als Alternative zu der Wasserkrise entwickelt wurden, die in intaktem Zustand für die Palästinenser die einzige Quelle für ihre Basisbedürfnisse und ihr Menschenrecht gewesen wären: Wasser. Die angesehene Zeitung ‚Haaretz‘ beschreibt, wie vergiftend Israel mit ‚toxischen Bemerkungen‘ über Rassismus und Abneigung gegenüber den Palästinensern umgeht. Siedler äffen den KKK (= Ku Klux Klan) nach – eine amerikanische weiße gewalttätige Gruppe von Terroristen und Hassern. Die Aggression durch Siedler und israelische bewaffnete Streitkräfte bleibt nicht verborgen. Jeder Akt von Zurückweisung und israelischem Wahnsinn wird registriert.

Adalah – ein Anwaltszentrum in Haifa – berichtet, wie der Protestgeist zu bemerken ist trotz gezielter Gewalt. Wie, muss gefragt werden, können Protestierende ruhig zuschauen, wenn Bewohner, Kinder und Journalisten während der Nakba von israelischen Streitkräften angepöbelt und geschlagen werden. Berichte über die Zustände in Gefängnissen und die Zunahme der Zahl der Gefangenen, besonders der Kinder, ist erschütternd. 

Ein Ex-Shin-Bet-Offizier erzählt, wie Myriaden von Palästinensern ohne jeglichen Grund und Sinn in Gewahrsam gehalten werden. Tatsächlich sehen frühere Shin-Bet-Offiziere für Israel die Notwendigkeit, seine Methoden zu verändern, damit es humaner werde. 

Wie ein Artikel der konservativen Zeitschrift ‚USA Today‘ formuliert: „Wo der Prozess des Rechts geleugnet wird – unter israelischer Okkupation der Westbank – gibt es keinen Raum für Gerechtigkeit.“

Ein signifikanter und starker Protest hat begonnen. Zurzeit sind hunderte palästinensische Administrativgefangene dabei, die israelischen Militärgerichtshöfe wegen ihrer nicht definierten Gefangenschaft ohne Prozess oder Verurteilung zu boykottieren. Der Moloch Unterdrückung durch Israel durchpflügt hartes Terrain, weil die Palästinenser endgültig die Nase voll haben und die verrückten Taktiken Israels ständig hintergehen. 

Ranjan Solomon

 

Ein gebrochener Knöchel, eine demolierte Wohnung und eine zerstörte Wasserzisterne

An einem Tag im vergangenen Sommer zahlten drei palästinensische Brüder in den Hügeln südlich von Hebron (‚South Hebron Hills‘) den Preis für das Eindringen der israelischen Streitkräfte in ihr Dorf.

„Wir haben kein Wasser, keinen Strom, wir sind sogar ohne Wohnung“, sagt Amer. „Andererseits bekommen die israelischen Siedler, die auf unserem Land leben, alles, was sie brauchen. Wenn ein Siedler einen neuen Außenposten auf palästinensischem Land baut, bekommt er Wasser, elektrischen Strom, und eine Straße. Wenn wir auf unserem eigenen Land bauen, werden wir gehindert, etwas von alledem zu haben. Selbst die alternativen Systeme, die wir schaffen, um am Leben zu bleiben, werden gezielt angegriffen, wie die Regenwasser-Zisternen, die unsere einzige Wasserquelle sind.“

(Lesen Sie die ganze Geschichte!)  

Gewalttätige israelische Siedler fangen an, der KKK ähnlich zu werden.

Wie geht es zu, dass dieser neue Antisemitismus die Unterstützung und Hilfe des jüdischen Staates erhält? 

„Ich schaue auf diese jungen Leute, die von Rassismus und Hass vergiftet sind, und auf einige ihrer Vorfahren, die ihre geistigen Mentoren waren und die ihnen die giftigen Vorstellungen von jüdischer Vorherrschaft implantierten, und ich sehe alle diese Antisemiten, die deren Vorfahren und meine durch die Generationen verfolgt haben. Da gibt es Momente, in denen sich ihre Gesichter in den Augen meiner Vorstellung austauschen mit den Gesichtern derer, die die Juden aus Spanien vertrieben haben, mit den Übeltätern der Pogrome in den Steppen von Russland und der Ukraine, mit den Zündlern an den Synagogen in massenhaft anderen Orten rund um den Erdball – über hunderte von Jahren hinweg. Wie haben wir aus uns Ebenbilder unserer Verfolger herstellen können?“

(Lesen Sie den ganzen Artikel)

Israelisches Gesetz & Folter: Von eingesperrten Jugendlichen zum „Folterraum“ eines Gefängnisses

„Nach Angabe von Adalah, dem in Haifa liegenden Anwaltszentrum, das daran arbeitet, die Rechte der Palästinenser zu schützen, wurden 150 palästinensische Beduinen (davon ungefähr 40 % Minderjährige) arretiert und angeklagt wegen „Aufruhr“ während Protesten gegen ihre Vertreibung aus dem Gebiet … Was diese Sache besonders bemerkenswert macht, sagen  Beobachter, ist sowohl der Protestgeist unter den Beduinen wie auch das Ausmaß der Gewalt, die gegen sie eingesetzt wurde. Während der vergangenen paar Wochen gab es zahlreiche Berichte über Protestierer, Bewohner, Kinder, und wenigstens einen Journalisten, die von israelischen Streitkräften in der Naqab geschlagen und misshandelt worden waren. In einem Fall schütteten israelische Soldaten Tränengas von Drohnen aus auf die Protestierenden, die vorher nur in der besetzten Westbank und im belagerten Gazastreifen benutzt worden waren – und auf diese Weise wurde der Mythos entlarvt, dass Menschen mit israelischer Staatsbürger-schaft irgendwie geschützt werden gegen de koloniale Gewalt des Regimes.

(Lesen Sie die ganze Narrative.)

‚Militärgerichtshof-Beobachtung‘ – Newsletter vom Jänner 2022

Nach den vierteljährlich vom israelischen Gefängnisdienst (IPS = Israeli Prison Service) herausgegebenen Daten zum 31. Dezember 2021 waren 4.271 Palästinenser (Westbank, Ostjerusalem, Gaza) als „Sicherheitsgefangene“ in Festhalte-Einrichtungen, darunter 145 ‚Kinder‘ (12 – 17 Jahre alt). Im Falle der ‚Kinder‘ gab es gegenüber zum Vormonat 6% weniger an Zahl und eine Abnahme von 8 % gegenüber 2020. Fünf Kinder wurden in 

‚Administrativhaft‘ gehalten. Nach Angabe des IPS werden 64 % der angehaltenen Kinder in Gefängnisse im Inneren von Israel geschafft in Verletzung der Vierten Genfer Konvention und dem Rom-Statut des Internationalen Strafgerichts. 

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Mehr statistische Zahlen

Gewaltsame Überstellung von Kindern -Nach Angabe der vom israelischen Gefängnisdienst  gesammelten Daten wurden 64 % der vom israelischen Militär in der Westbank festgenommenen Kinder 2021 innerhalb von Israel verschleppt und fest-gehalten. Die Verschleppung und Festhaltung dieser Kinder außerhalb der Westbank wird unter der Vierten Genfer Konferenz als Kriegsverbrechen eingestuft – ein Abkommen, das in der Folge des Zweiten Weltkriegs niedergeschrieben und von 196 Staaten ratifiziert wurde, Israel 1951 eingeschlossen. Die Praxis ist auch unter dem Rom-Statut des Internationalen Strafgerichts verboten. Die während des 2. Weltkrieges gesammelten Erfahrungen überzeugten eine Generation von Leitern, dass die Wegführung von Bevölkerungsgruppen unter allen Umständen verboten werden muss.    

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Zeugenaussage eines Kindes – Am 31. Juli 2021 wurde ein 17jähriger Jugendlicher aus Tubas von israelischen Soldaten um 4.00 p.m. (16 Uhr ME Zeit) an einem militärischen Checkpoint arretiert. Er berichtet, dass man ihm seine legalen Rechte verweigert hat und er 7 Tage lang im Ofer-Gefängnis in Einzelhaft festgehalten wurde. „Ich war beim Tayaseer Militär-Checkpoint, als sich mir ein israelischer Militär-Jeep näherte. Es war um ca. 4 Uhr m.p. Ungefähr sechs Soldaten sprangen aus dem Jeep und hielten mich fest. Sie stießen Flüche gegen mich aus und fingen an, mich mit Fußtritten zu attackieren.  Dann fesselte einer der Soldaten meine Hände mit zwei Plastikstreifen vor meinem Körper: eines um meine Handgelenke und das andere weiter oben um meine Ellenbogen. Die Fesseln waren sehr eng geschnürt und taten weh. Dann legten sie mir eine Augenbinde an.“        

(Bild: Ein Mensch mit einem Luftballen vor dem Gesicht) 

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„Wir haben zahllose Palästinenser ohne Grund verhaftet“, sagt ehemaliger hoher Shin-Bet-Offizier.

Der frühere Nr.3 Shin-Bet denkt, es ist Zeit für Israel, seinen modus operandi zu überdenken.

„(Rubovitch) diente 25 Jahre bei Shin-Bet; angefangen hat er mit dem Posten als untergeordneter Offizier und diente sich hinauf zum Leiter eines Direktoriums, den Posten Nr.3 der Agentur … Jetzt ist er zum ersten Mal bereit, über seinen Dienst in der Shin-Bet zu reden und über seine Innensicht von der israelischen Gesellschaft und deren Beziehungen zu den Palästinensern. Während einer Serie von Gesprächen mit ‚Haaretz‘ sprach Rubovitch schmeichelhaft über eine Reihe von Themen.“

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Was für Menschenrechte? Mein kranker Sohn wurde auf geheime Angaben in einem israelischen Gefängnis festgehalten.

 

(Bild: Menschengruppe geht vorüber an einer trostlosen Häuserfassade)

„Mein Sohn Amal befindet sich in einem israelischen Gefängnis, wo sein Leben in Gefahr ist. Meine Familie und ich versuchen, ihn frei zu bekommen. Schon seit einem Jahr wird Amal in Administrativhaft gehalten, das heißt, er wurde ohne Anklage eingesperrt, ohne Verfahren, auf den Vorwand einer geheimen Anzeige hin, die wir nicht zu sehen bekommen. So ist es aus dem Büro des UN-Hochkommissar für Menschenrechte dokumentiert. Wir wissen nicht, wofür er angeklagt ist, oder, ob er je freigelassen wird.

Das System des Militärgerichtshofes kann seine Gefangenhaltung ohne Ende verlängern,das letzte Mal war es im Jänner, genau vor seinem 18. Geburtstag. Amal hat Myasthenia gravis, eine seltene neuromuskulare Unstimmigkeit, die Muskelermüdungen der Art ver-ursacht, die es schwierig machen zu atmen oder Nahrung zu schlucken … unter Administrativhaft kann Amal nicht einmal den Zeitpunkt seiner Vorladung zu einem Militärgerichtshof erhalten. Was mich in Erstaunen versetzt: Bedient man sich der Gerechtigkeit, oder leben wir nach dem Dschungelgesetz? In einer Welt, wo ein ordentlicher Prozess nach dem Gesetz verweigert wird – unter israelischer Okkupation in der Westbank – gibt es keinen Raum für Gerechtigkeit!“

(Quelle

 

Streiken für die Freiheit: Warum palästinensische Gefangene die israelischen Gerichtshöfe boykottieren

 

Nach den Siegen durch Hungerstreiks im vergangenen Jahr hoffen Palästinenser, dass die gemeinsame Aktion Israel zwingen wird, seine Praxis der undefinierten Gefangenhaltung ohne Verfahren aufzugeben. 

„Während der letzten sechs Wochen haben hunderte palästinensische Administrativ-gefangene die israelischen Militärgerichtshöfe wegen ihrer undefinierten Gefangen-schaft ohne Verfahren oder Schuldspruch boykottiert. Seit dem 1. Jänner haben die Gefangenen angekündet, dass sie nicht zu einer Anhörung vor Gericht erscheinen werden, und dass sie sich weigern, Rechtsanwälte zu nehmen, die sie in Abwesenheit vertreten, solange Israel mit seiner Anwendung der Administrativhaft nicht aufhört“.

(Lesen Sie den ganzen Artikel)

 

(Übersetzung: Gerhilde Merz) 

Anmerkung der Übersetzerin: Ich hatte nicht die Möglichkeit, einen einzigen Artikel auf seine Herkunft hin zu orten. Da mehrmals Haaretz angegeben ist, könnte ich mir vorstellen, dass die Artikel dort zu finden sind.  Ich bitte geschicktere Leute im Umgang mit Quellen, mir zu helfen. Danke!  Mz