Palestine Update Nr.531 – 26.2.21 – Ukraine und das palästinensische Musterbeispiel

Palestine Update Nr.531 – 26.2.21 – Ukraine und das palästinensische Musterbeispiel

Die Ukraine und das palästinensische Paradigma

Kommentar des Herausgebers

Die Palästinenser haben gewarnt, dass Israel die Vorurteile der Welt mit der Situation in der Ukraine ausbeuten würde, um seine Aggressivität, Gewaltsamkeit und seine Verbrechen gegen die Palästinenser auszuwalzen. Ein 74jähriges Apartheidsystem ist in den Schatten geraten, als Europa und die USA und Kanada sich heiser schreien über die Verteidigung der Demokratie in der Ukraine. 

An die Ukraine als an eine Demokratie zu denken ist weit hergeholt. Auch von Gerechtigkeit zu sprechen ist mit verdrehter Zunge aus dem Westen zu reden. Wie in den meisten Nationen rund um den Erdball – einschließlich derer, die fordern, als Demokratien angesehen zu werden, gibt es kaum ein perfektes Regierungsmodell, bei dem die Teilnahme des Volkes irgendeinen Grad von Perfektion aufweist. Da gibt es Geldbeutel-Operationen in der sogenannten Gemeinschaft der Nationen, bei welchen die Mitspieler von hinten her eingreifen und einen Staat kontrollieren, der nur als Schmeichellecker wirtschaftlicher Interessen existiert.

Wahlen alle fünf Jahre bilden keine Demokratie. Es ist schwer, auf mehr als eine Handvoll Nationen zu deuten, die nicht miteinander mauscheln. So, wie immer die Leute nach einer Rückkehr der Demokratie schreien mögen, sie bleibt ein Gelächter. Und das bezieht sich auch auf Russland, das bei allem Bemühen und Zweck eine voll ausgebildete Autokratie bleibt. 

Palästina wird jetzt in den Schatten zurückkehren, und Israel wird die schlimmste Gewalt entfesseln, die es gegenüber Palästinenser hat. Die Welt wird bei dem Vorbehalt bleiben, dass sie zuerst den Krieg in der Ukraine wegtun müssen. Schließlich möchte die NATO, dass ihre Länder an den gigantischen natürlichen Reichtümern mitnaschen, auf denen die Ukraine sitzt. 

Sie werden für die Ukraine einen Schnaufer oder noch weniger auslassen, oder für Palästina, oder für eine andere Kategorie unterdrückter Völker. Krokodilstränen sind alles, was sie in der Lage sind zu vergießen. 

 

Ein Freund teilte mit mir diese kräftige Innensicht, als er über de Ukraine sprach. Er fragte:

„Warum diese Stille über Nagoro-Karabakh, über 13.500 Zivilisten, die im Donbaz von der Ukraine getötet wurden?“ „In den vergangenen 48 Stunden“, streicht er hervor, „gab es einen  israelischen Luftangriff in Syrien, dutzende Saudi-Luftangriffe auf Yemen, und Luftangriffe der USA auf Somalia. Und die gewalttätige jahrzehntelange Okkupation von Palästina dauert an. Die Welt ist glücklich, wenn sie illegale Invasionen und Zerstörung von Nationen unter-stützen kann, von denen sie meint, sie seien „Feinde“, oder wo „Interessen“ solche Aktionen „akzeptierbar“ machen, egal, was sie an  Menschenleben kosten.“

In der Tat, die Ukraine ist ein Fall von zweigesichtiger Rhetorik. Wollen wir andere Beispiele des Schreckens nennen: Sri Lanka und die ungelöste Tamilenfrage, und die Besetzung von Kashmir. Und was ist mit der Selbstbestimmung von Taiwan? Oder dem Massaker der Rohingyas in Myamar? Da gibt es eine lange Liste und die Welt muss aufhören zu behaupten, dass Putin ein einsamer Unterdrücker ist. Das können wir diskutieren, wenn Irak, Syrien und Libyen, Vietnam, Kambodscha, Kuba, Zentralamerika und Panama Reparationen 

bekommen für die gigantischen Schäden, die in von USA geführten Kriegen diesen Ländern zugefügt wurden. (Und das ist eine verkürzte Liste, wenn wir die zahllosen Diktaturen betrachten, die die USA unterstützt haben und von denen sie in Afrika, Asien, Lateinamerika, dem Mittleren Osten und sonstwo profitieren.

Ideal könnten NATO-Mitgliedsnationen, statt in Bewaffnung und Kniefällen das Diktat des mörderischen Militär-Industrie-Komplexes entgegen zu nehmen, ein NATO-Gipfeltreffen brauchen, bei dem sie einen Leitfaden für eine gerechte Welt basteln. Bis das passiert, wird es Kriege geben und mehr Kriege, mehr Leiden. Inzwischen sollte die NATO selbst ihren Laden schließen. 

Wie Ali Abunimah in ‚The Electronic Intifada‘ schreibt: “Die Krise in der Ukraine heute kann zurückgeführt werden auf die Amerikanische Sponsorenschaft für den Coup von 2014 gegen den vom Lande gewählten pro-russischen Präsidenten, der nicht nur rechtsaußen stehende und sogar NeoNazis unter den ukrainischen Nationalisten zur Macht brachte. Washingtons Ziel war gewesen, die Ukraine in die anti-russische Militärallianz der NATO zu bringen – etwas, das Moskau als existentielle Bedrohung sieht – und ist stark in Opposition gegen viele unter  der großen ethnisch russischen Bevölkerung“, fährt Abunimah fort; ihr plötzliches Interesse für Völkerrecht in Bezug auf die Ukraine ist nirgends zu finden, als es zu Israels illegaler Okkupation und der Annexion von palästinensischem und syrischem Land kommt, und zu seiner Einrichtung eines Apartheid-Regimes über das ganze palästinensische Volk – ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Diese israelischen Verbrechen konnten natürlich nicht ohne amerikanische und europäische Unterstützung oder Beruhigung durchgebracht werden. 

Als die Trump-Administration die US-Bοtschaft 2017 von Tel Aviv nach Jerusalem übersiedelte – wirksam Israels illegale Annexion der Stadt anerkennend – verwarf die EU diese Bewegung. … Ironischerweise ist eines der Handvoll Länder, die bereit waren, den Vereinigten Staaten bei der Anerkennung von Israels illegaler Annexion von Jerusalem zu folgen, kein anderes als die von USA und EU gestützte Regierung der Ukraine. 

Bei den ‚World Social World Forums‘ hat die Zivilgesellschaft bestätigt: „Eine andere Welt ist möglich“. Sie ist es! Aber es wird notwendig machen, dass die wilden Instinkte jener, die die Macht schmieden und noch mehr zusammenraffen wollen, von denen, die schwächer sind, verlangen, diese Instinkte wegzuwerfen. Es wird jene verpflichten, die sich die Hände reichen mit bösen Mächten und glauben, sie werden bald ihre kurzzeitigen Händler-Ambitionen fallen lassen und vorwärts blicken zu einer Vision einer gerechten und gleichen Welt. 

Sieben Jahrzehnte vor dem Ukraine-Fiasko hatte die Welt Palästina und in Israel einen rauen Eroberer. Bewaffnet mit einer riesigen Militär-Maschinerie, die zu ihrem Arsenal tödliche Nuklearwaffen zählt, hat Israel schlimmer getan als möglicherweise irgendein anderes Land in der Geschichte nach dem II Weltkrieg. Statt nach Sanktionen für Russland zu rufen, ist die Frage: Können wir die israelische Okkupation mit der Geschwindigkeit und dem Eifer abschaffen, dass dieses als Beispiel dienen kann für gerechte Beziehungen zwischen allen Nationen und Völkern der Welt? 

 

Ranjan Solomon

——————————————————————————————————

 Ukraine-Russland-Krieg: Der Westen verbindet sich, um Moskau zu sanktionieren, als der Mittlere Osten nach Fallout drängt.

(Bild: Bekanntes Galeriegebäude) 

Die westlichen Länder bewegten sich schnell, um am Donnerstag den ersten Teil der wirtschaftlichen Sanktionen über Russland zu verhängen, nachdem Präsident Vladimir Putin eine Invasion in voller Stärke in die Ukraine geworfen hatte. US-Präsident Joe Biden kündete Sanktionen an, die den Zugang Russlands zum globalen Finanzsystem, großen russischen staatseigenen Banken und oligarchischen „Eliten nahe bei Putin“ treffen sollten.

„Putin ist der Angreifer. Putin hat diesen Krieg gewählt, und jetzt werden er und sein Land die Konsequenzen tragen“, sagte Biden zu den Berichterstattern im Weißen Haus. Der US-Präsident versprach, dass Sanktionen auch die wohlhabenden Russen in der Nähe von Putin treffen  würden. „Wir wollen den Trommelwirbel dieser Bestimmungen gegen korrupte Milliardäre in den Tagen vor uns hochhalten“, sagte er.

(Lesen Sie weiter)

Israel wählte, mit den USA gegen die Ukraine zu stehen, aber wird es die Verpflichtungen von Tel Aviv zu Moskau beschädigen?

(Bild: Menschen mit umgebundenen Fahnentüchern)

Abseits von der Freude an Pferdehandel, kulturellen Verbindungen und einem blühenden Tourismus haben die beiden Nationen in einer Vielzahl von Sicherheitsthemen zusammen-gearbeitet. Moskau hat eine überragende Rolle bei der Mediation zwischen Israel und den Palästinensern gespielt. Es teilte seine Kenntnisse über das iranische Nuklearprogramm und es verhielt sich blind zu den Aktionen des jüdischen Staates in Syrien. 

Es dauerte für Israel Stunden zur Entscheidung, wie man auf die Entscheidung des Präsidenten Vladimir Putin, eine militärische Operation in der Ukraine zu beginnen, reagieren sollte. Aber am Donnerstag nachmittags ist es zuletzt geschehen: Israel hat seine Seite eingenommen.

„Israel hat tiefe, lange und gute Beziehungen, sowohl mit Russland wie auch mit der Ukraine. Zehntausende Israelis sind in diesen Staaten untergebracht. Hunderttausende Juden wohnen dort und es ist unsere Priorität, sie sicher zu halten“, setzte er hinzu. In früheren Jahren war Israel der Nutznießer dieser Beziehungen gewesen. Der Handel ist ständig am Wachsen, und vor dem Ausbruch von COVID-19 ebenso der Tourismus dank des gegenseitigen Entfernens der Eintrittsvisa. Was die Sicherheit betrifft, so hat Russland eine Mittlerrolle zwischen Israel und den Palästinensern gespielt, besonders mit der islamischen Gruppe Hamas, die den Gaza-streifen kontrolliert, und die vom jüdischen Staat als Terrororganisation bezeichnet wird. 

Es (= Russland) hat mit Israel in Syrien zusammengearbeitet und dabei vor vermeintlichen israelischen Angriffen ein Auge zugedrückt, in der Meinung, es wären iranische Ziele gewesen. Und es hat auch assistiert bei der Weitergabe von Kenntnissen, als es zum Nuklearprogramm Teherans kam. Jetzt, wo Israel seine Seite bezogen hat, könnte diese Zusammenarbeit zu Ende sein. 

(Quelle)

Al-Haq bringt einen Bericht heraus mit dem Titel: „Kulturelle Apartheid, Israels Ausmerzung von palästinensischem Erbe in Gaza“  

„Am 23. Februar 2022 veröffentlichte Al-Haq seinen Bericht: ‘Kulturelle Apartheid, Israels Ausmerzung von palästinensischem Erbe in Gaza‘. Der Bericht kommt aus einer Untersuchung durch die Londoner Forschungsagentur ‚Forensic Architecture‘, die fortschritt-liche Technologien und Techniken an ‚offener Quelle‘ benutzt haben, um einen der archeologisch signifikantesten Plätze auf dem besetzten Gazastreifen zu rekonstruieren. Der Bericht geht aus von der strategischen Bombardierung der Küstenlinie von Gaza, um daran exemplarisch die Ausmerzung des palästinensischen kulturellen Erbes und die Verweigerung der entsprechenden Menschenrechte festzuhalten. Israels Bombardement bricht nicht nur mit dem Prinzip der militärischen Notwendigkeit zur Verletzung der Gesetze für den bewaffneten Konflikt, sondern zielt auch darauf hin, schrittweise das kulturelle Erbe der Palästinenser zu vernichten, um dem palästinensischen Volk sein Recht auf Selbstbestimmung über seine kulturellen Quellen zu verweigern – und bei Weiterführung seine Existenz als Volk. Derartige Bombardements sind eine schwere Verletzung des Statuts von Rom, mit dem Kriegs-verbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit festgehalten sind. Al-Haq hebt hervor, dass die Bombardierung dieses Platzes ein Kriegsverbrechen darstellen kann und zu den Apartheid-Verbrechen zu rechnen ist. Das Zielen auf palästinensisches kulturelles Erbe betrifft das Innerste seiner Identität und Existenz als Volk.“

Sehen Sie den ganzen Bericht: ‚Kulturelle Apartheid, Israels Ausmerzung von palästinensischem Erbe in Gaza‘ – hier

Sehen Sie Video von ‚Forensic Architecture‘ in Englisch – hier

Sehen Sie Video von ‚Forensic Architecture‘ in Arabisch – hier         

(Lesen Sie mehr)

Das antisemitische Antlitz von Israels evangelikalen Verbündeten

(Bild: Evangelikaler Prediger vor begeistertem Publikum)

„Evangelikale Zionisten wünschen sich, dass Juden nach Palästina einwandern, um den Ort zu bereiten für die göttliche Vergeltung des Armageddon. Das hat Israel nicht daran gehindert, Allianzen zu bilden sogar mit nackten antisemitischen Evangelikalen, solange sie mittun an der Enteignung von Palästinensern.“

Jede solche Beziehung stellt eine politische Kalkulation von Seiten der israelischen Behörden dar. Jeder Partnerschaft liegt die Voraussetzung – oder Wette – zugrunde, dass solche potentiellen Partner entweder mehr islamophob sind als antisemitisch (oft wahr!) oder vor allem ihrem eigenen Nationalismus verbunden sind (meistens wahr!), sodass jeder Hauch von Antisemitismus überfahren wird durch eine tiefere Verpflichtung an das Prinzip, dass ein Staat tun kann, was er will innerhalb des Gebietes, das er kontrolliert. Auf jedem Weg – islamophob oder isolationistisch – sind israelische Meinungsmacher willens, ein wenig Antisemitismus zu entschuldigen für die Sicherheit des Stilleseins oder der Unterstützung bei Israels dauernden Beschimpfungen der Palästinenser.

(Lesen Sie den ganzen Artikel, um mehr Innensicht zu gewinnen!) 

Künstler lehnen die Aufforderung des ‚British Art Survey‘ an den Direktor des Manchester Museums ab, wegen des Palästina-Statements zurückzutreten

Tage, nachdem die Neuigkeit bekannt wurde, dass die ‚Whiteworth Art Gallery‘ der Manchester Universität laut Bericht ihren Direktor ersucht hat wegzugehen, nachdem er eine Stellungnahme der Solidarität mit Palästina bei einer Ausstellung abgegeben hatte, sagten 21 Künstler (einschließlich einiger Gewinner des prestigeträchtigen Turner Preises), sie würden sich vom British Art Survey zurückziehen, dessen Eröffnung für Mai geplant ist. Viele der Künstler kündeten ihre Entscheidung in Social Media an; eine Botschaft auf zahlreichen Konten erklärte, dass diese Bewegung gedacht war als ein Akt der „Solidarität mit dem Freiheitskampf von Palästina und den unter israelischer Okkupation lebenden Palästinensern“. 

(Lesen Sie mehr)

(Übersetzung: Gerhilde Merz)