Palestine Update Nr. 533, Palästina ist ein feministisches Thema

Palestine Update Nr. 533, Palästina ist ein feministisches Thema

Kommentar

Palästina ist ein feministisches Thema

(Bild: Tanzend marschierende Frauen)

Chatami Saafin Khitam, die von der israelischen Okkupation 2020 inhaftiert wurde, sagte: „Wir palästinensischen Frauen können uns mit allem auseinander setzen. Wir sind stärker und wir sind alle vereint gegen Rassismus und Kolonialismus“. Sie sprach davon, wie PalästinenserInnen unter Kolonialismus und der zionistischen Besetzung von Palästina leben. Sie merkte an, dass „unser Volk fortfährt, diesem kolonialen Angriff gegenüber zu stehen, der klar unterstützt wird durch den globalen Imperialismus, angeführt von den Vereinigten Staaten von Amerika. Mehr als die Hälfte des palästinensischen Volkes leben noch als Flüchtlinge, in ihrer Heimat oder irgendwo als Resultat der großen, gewaltsamen Vertreibung von 1948. Wir erfahren, dass wir alle Palästinenser der Kontrolle der Okkupation über alle Aspekte unseres Lebens unterworfen sind.

 

In diesem Artikel sehen wir, welch ein feministisches Thema Palästina ist, und wie die feministische Bewegung versucht, sich gegen geschlechtsbedingte Gewalt, Siedler-Kolonialismus, kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung in jeder Form zu wehren.

 

Wir drängen alle unsere LeserInnen der Palestine Updates, besonders FeministInnen, diese kräftige Aussage zu studieren. Männer eingeschlossen! Feministische DenkerInnen würden argumentieren, dass Gender keine Schranke sein sollte für volle und aktive Teilhabe, während andere argumentieren, dass Feminismus eingewurzelt ist in der Frauen-Freiheitsbewegung, einer Bewegung, die von Frauen gegründet wurde für den Fortschritt der Frauen.

 

Palestine Updates hat eine Leserschaft, die ausgeglichen ist zwischen Frauen und Männern. Unsere Intention ist nicht, eine Debatte vom Zaun zu brechen über die Natur und die Orientierung des Feminismus. Sie ist, wie der Kommentar am Anfang unterstreicht: „Das Kollektiv des F-Wortes steht in Solidarität mit dem Volk von Palästina und anerkennt, dass

der Kampf um die Befreiung von der Okkupation ein Teil des größeren feministischen Projekt ist gegen die Unterdrückung aller Leute“. Wir fordern unsere LeserInnen auf, diesen Diskurs weiter auszubauen und diese Ausgabe von Palestine Updates breit weiterzugeben. 

 

Ranjan Solomon

 

„Israels Krieg gegen die Fortführung des palästinensischen Lebens betrifft Frauen in jedem Zusammenhang. Sicherlich betrifft es Frauen als potentielle oder tatsächliche Wirkkraft für die Produktion des Lebens selbst, als Mütter und als Versorgerinnen, berührt aber Frauen auch als Fortpflanzerinnen des sozialen und kulturellen Lebens, als wäre der Einsatz von Frauen – wie so oft in kolonialen Regimes – verstanden als die Hochstraße zur Zerstörung des indigenen sozialen und politischen Lebens. Unter israelischer Okkupation zu leben oder innerhalb der Grenzen seines rassistischen Staates war für alle Palästinenser verheerend, ist jedoch besonders destruktiv für palästinensische Frauen.“ (https://uscpr.org/feministpalestine)

 

(Bild: Frauenantlitz)

Das F-Wort „Kollektiv“ steht in Solidarität mit dem Volk von Palästina, die Anerkennung des Kampfes für die Befreiung von der Okkupation ist Teil des breiteren feministischen Projekts gegen die Unterdrückung aller Menschen.    

Solidarität mit Palästina – Warum der Kampf für die Befreiung Palästinas ein feministisches Thema ist

 

2021 sah eine unvorhergesehene Höhe an internationaler Unterdrückung für die Bewegung ‚Freies Palästina‘ nach 11 Tagen von Luftangriffen, und diese Unterstützung darf nicht trübe werden. Der vor kurzem erschienene Bericht von Amnesty International, der zu dem Schluss kam, dass die israelische Regierung den Palästinensern unter dem Völkerrecht ein Apartheid-System aufzwingt, hat den Fall erneut fokussiert und den Internationalen Gerichtshof (ICC) gefordert, diese Darstellungen erneut zu betrachten. 

 

Wir stehen in Solidarität hinter den Palästinensern: Palästinensern im besetzten Gaza und der Westbank, Palästinensern in Israel und die Millionen palästinensischer Flüchtlinge, die keine Rechte haben, um in ihre Heimat zurückzukehren. 

Seit 1948 und mit Hilfe der britischen und amerikanischen Regierung hat die israelische Regierung die Palästinenser systematisch vertrieben, ihre Wohnungen zerstört und die Menschenrechte und Bewegungen der Palästinenser eingeschränkt. 

 

(Bild: Blick auf die Trennungsmauer)

Bis zu diesem Tag legt die israelische Regierung Einschränkungen auf: sie beschränkt die Bewegungsfreiheit der Palästinenser, zerstört palästinensische Wohnhäuser, baut gesetzes-widrig Siedlungen und sperrt willkürlich friedliche Protestierer ein. In Gaza hängt die Wirt-schaft weitestgehend von internationaler Hilfe ab, die israelische Regierung beschränkt die Bewegung der Menschen, von Nahrungsmitteln, Wasser, elektrischem Strom, Baumaterial, und anderen Notwendigkeiten. Palästinensern, die in Israel leben, werden weniger Rechte zugestanden als Menschen mit israelischer Staatsbürgerschaft, Palästinensern in den besetzten Gebieten werden nach dem Militärgesetz regiert. 2000, während der Zweiten Intifada (Erhebung der Palästinenser), die auch schwere Unfälle durch Selbstmord-Bombenwürfe durch die Hamas enthielt, errichtete die israelische Regierung eine 400 Meilen (= ca. 650 km) lange Trennungsmauer (siehe Angabe oben) in der Westbank (an verschiedenen Stellen 25 Fuß hoch – ca. 8 m), die Palästinenser von ihrem Land, ihren Arbeitsstellen und Nachbarn schied. 

 

Wir stehen also gegen Antisemitismus in jedweder Form und verurteilen das Hochkommen von antisemitischen Angriffen der letzten Jahre. Wir sehen das antirassistische Ziel der Aus-merzung von Rassismus als wesentlich für das feministische Projekt. Wie jüdische Menschen eine ethno-religiöse Gruppe bilden, erkennen wir, dass Antisemitismus seine Wurzeln im Rassismus hat und gleich anderen Formen des Rassismus abgebaut werden muss.. Aber, wir weisen die Idee zurück, dass die Unterstützung der Befreiung Palästinas gleichzusetzen ist mit Antisemitismus. Unsere Kritik zielt auf die Aktionen einer Regierung, nicht auf jüdische Menschen oder deren Kultur. Der Kampf, um den Rassismus zu beenden – und den Antisemitismus –   und die Unterstützung zur Befreiung der Palästinenser kommen aus der gleichen Richtung – dem Ziel, die Unterdrückung und Marginalisierung von Leuten in allen ihren Formen zu beenden. In der Tat gibt es eine signifikante Unterstützung von jüdischen Menschen für die „Freies Palästina“-Bewegung. Zu den aktivsten Gruppen zählen „Jewish Voice for Peace“ (= JVP, Jüdische Stimme für den Frieden) und „Jews for Justice for Palestinians“ (= Juden für Gerechtigkeit für Palästinenser). 

 

Die Bewegung ‚Freies Palästina‘: Ein feministisches Thema

 

Die feministische Bewegung versucht, geschlechtsbedingter Gewalt, Siedler-Kolonisierung, kapitalistischer Ausbeutung und Unterdrückung in allen Formen zu widerstehen. Bell Hooks*) hat dieses Argument seit Jahrzehnten eingebracht. Viele dieser Themen sind das Herz des laufenden Konflikts in Palästina. Unterdrückungssysteme, egal, wie sie auftreten, können nicht isoliert bekämpft werden. Sie sind miteinander vernetzt und verlangen weltweite Bemühungen, um beseitigt zu werden. Das ist besonders der Fall, wenn die Unterdrückung in dem Bereich des Verhaltens eines Landes gegenüber einem anderen passiert, und daher ist es für Institutionen ohne einer direkten Rolle im Konflikt wichtig, Solidarität mit den Opfern zu demonstrieren. 

*) Bell Hooks ist das Pseudonym einer amerikanischen Literaturwissenschaftlerin und Verfechterin feministischer Ansätze. Sie hat es vom Namen ihrer indigenen Großmutter übernommen. 

 

Ein anderes Schlüssel-Thema der Feministischen Bewegung war die Beendigung von Krieg und Militarismus. Haim Bresheeth-Zabner, eine jüdische Gelehrte, die in Israel geboren und aufgewachsen ist, schrieb ein Buch über die israelische Verteidigungskraft IDF (=Israeli

Defence Force) und deren zentrale Rolle bei der Errichtung des israelischen Staates (veröffentlicht bei Verso ..) Geschlechtsbedingte Gewalt tendiert auch dazu, Hand in Hand zu gehen mit einem Hyper-Militarismus, und ist ein Hauptanliegen in Palästina. Zusätzlich zur Androhung von Arrest, undefinierter Haft und Gefängnis wurden palästinensische Frauen in den Händen des IDF mit sexueller Gewalt und anderen geschlechtsspezifischen Formen von 

Zwang bedroht. 

 

Es gibt lange Verbindungen von Solidaritätsbewegungen zwischen palästinensischen, schwarzen, indigenen Gemeinschaften und Angehörigen der ArbeiterInnenklasse und homosexueller Gruppen, die Seite an Seite innerhalb größerer anti-kolonialer, anti-kapitalistischer und anti-rassistischer Bewegungen quer um die Welt gekämpft haben. 

Mehr feministische Analysen vom palästinensischen Befreiungskampf finden Sie in der nachfolgenden Petition des  „Palestinian Feminist Collective“ und der „US-Campaign

for Palestinian Rights“.

 

Erklärungen für die Ursachen der Unterdrückung der Palästinenser

Glossar zu Schlüsselausdrücken in Bezug auf die Ausgabe von „Visualize Palestine 101“

https://101. Visualizingpalestine.org/resources/glossary

  • Visualize Palestine 101 – A visual guide to the historical context inPalestine

https://101.visualizingpalestine.org/visuals#historical-context

           -Erklärendes Video von der  Jewish Voice of Peace

https://www.youtube.com/watch?v=Y58njT20XfE

  • Jewish Voice for Peace’s Approach to Zionism  

https://jewishvoiceforpeace.org/zionism/ 

  • Britain Destroyed the Palestine Homeland – Ramzy Baroud, Al-Jazeera

https://www.aljazeera.com/features/2018/4/10/how-britain-destroyed-the-palestinian-homeland

 

Es gibt noch ½ Seiten weiterer Quellenangaben, die ich jedoch wegen meiner Schwierigkeiten mit dem Computer nicht entschlüsseln konnte, weil sie seitlich abgeschnitten waren.  Sorry! 

Herzlich grüßt die Übersetzerin Gerhilde Merz