Palestine Update Nr. 542 – Christian Leaders condemn surge of violence in Holy Land, 8.4.22

Palestine Update Nr. 542 – Christian Leaders condemn surge of violence in Holy Land, 8.4.22

Kommentar

 

Christliche Leiter in Jerusalem verurteilen Welle von Gewalt im Heiligen Land

 

Die Patriarchen und Kirchenleiter von Jerusalem verabscheuen die kürzlich erfolgten Zusammenstöße zwischen israelischen Streitkräften und Palästinensern und die Besetzung des „Little Petra Hotel“ durch jüdische Radikale!

Ihre Aussage:  Christen, Juden und Muslime im Heiligen Land sollten gegenseitigen Respekt zeigen.

Von Lisa Zengarini

 

Die Patriarchen und Kirchenleiter von Jerusalem haben die „Akte von wahlloser Gewalt“ heftig verurteilt, die zu gewalttätigen Zusammenstößen führen, die an verschiedenen Orten im Heiligen Land während der letzten beiden Wochen stattgefunden haben. Der (zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Schrift) letzte Zwischenfall geschah am 2. April, als israelische Sicherheitskräfte drei islamische militante Jihad-Kämpfer während eines Streifzuges in der Westbank töteten. Es passierte mitten unter wachsenden Spannungen vor dem Beginn des für Muslime heiligen Monats Ramadan, bei dem eine Welle von Gewalt losgebrochen war, die mehr als 12 Menschen tot und viele verwundet forderte. Während der gleichen Periode im vergangenen Jahr kam es zu Zusammenstößen zwischen israelischen Streitkräften und Palästinensern, die die Al-Aqsa Moschee in Ostjerusalem besuchten. Dieses führte zu einem elf Tage lang dauernden zerstörerischen Konflikt zwischen Israel und der im Gazastreifen herrschenden islamistischen Hamas. In einer am 2. April veröffentlichten Stellungnahme drückten die Patriarchen und Kirchenleiter von Jerusalem den Familien der Opfer ihr Beileid aus, in dem sie ihre Gebete anboten und sie ihrer Nähe versicherten. 

 

Risiko der Eskalation

Die christlichen Leiter drückten ihre Sorge aus, die Spannungen könnten „weiterhin zunehmen während der Zeit des seltenen Zusammentreffens der wichtigen religiösen Feste unter den abrahamitischen Glaubensrichtungen: Ramadan, Pesach, die Karwoche/Ostern. 

 

Die Notwendigkeit, auf dem Weg des Friedens zu wandern

Darum fordern wir  die Gläubigen in jeder dieser drei Traditionen auf, „gegenseitigen Respekt zu erweisen und jede/r von uns Sorge für unsere/n Nachbarn zu tragen; das ist der zentrale Punkt der Glaubensanweisungen für ‚jeden von ihnen‘ (siehe auch: 1.Joh. 4/16: Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm)“ Die Stellungnahme wendet sich auch an die Regierungs-Autoritäten, „Praktiken der religiösen Toleranz, Zurück-haltung und De-Eskalierung des Konflikts auszuüben – und wir vertrauen ihnen in dem Ausmaß, dass sie dieses bereits getan haben“. 

 

„In diesen kommenden Wochen, die in unseren jeweiligen religiösen Traditionen ‚heilig‘ sind,   

ermutigen wir alle Menschen guten Willens, auf dem Pfad des Friedens zu wandern, der so zentral ist im Symbolismus von Jerusalem, der ‚Stadt des Friedens‘. Auf diesem Pfad können wir wahre Zeugen für die Welt der allgemeinen Vision für Frieden sein: Frieden/Shalom/Salaam ist die Mitte unserer getrennten, aber miteinander verbundenen religiösen Glaubenvorstellungen.“  

 

Der Streit über das ‚Kleine Petra Hotel‘

Am gleichen Tag brachten die Kirchenleiter in Jerusalem eine weitere Stellungnahme heraus, in der sie die kürzlich stattgefundene gewaltsame Besetzung des ‚Little Petra Hotel“ durch die radikale jüdische Gruppe ‚Ateret Cohanim‘ verurteilten. Der Besitz dieses Gebäudes nahe dem Jaffa-Tor in Jerusalem wurde in israelischen Gerichtshöfen disputiert, nachdem das Gebäude durch den früheren griechisch-orthodoxen Patriarchen Irenäus I. in einer 2004 unterzeichneten umstrittenen Vereinbarung verkauft worden war. Die Kirchenleiter in Jerusalem haben wiederholt gewarnt vor „ungesetzlichen Aktionen von Extremisten, die mit Einschüchterung und Gewalt arbeiten“.   

 

Zwang und Gewalt können nicht zum Frieden führen

In ihrer Stellungnahme sagten sie, dass die ‚Ateret Cohanim‘-Aktivisten mit der gewaltsamen Besetzung des Eigentums der griechisch-orthodoxen Kirche eine kriminelle Überschreitung gesetzt haben und sich verhalten haben, „als stünden sie über dem Gesetz“; dabei bemerkten sie, dass das ‚Little Petra Hotel‘ ein wichtiger Bestandteil des christlichen Erbes von Jerusalem sei. Die christlichen Leiter argumentierten, dass die Judaisierung von Jerusalem nur zur Instabilität und zu Spannungen führen würde. Sie sagten, dass „Zwangsaktionen und Gewalt nicht zum Frieden führen können“. 

(Quelle)

 

Harvard Law School: ‚Apartheid‘-Bericht macht Israels Verteidiger sprachlos

 

Kürzlich brachte die ‚Harvard Law School’s International Human Rights Clinic (IHRC) – Internationale Menschenrechts-Forschungsstätte der Harward Rechts-Schule – einen Bericht heraus, der befindet, dass die Behandlung der Palästinenser in der Westbank durch Israel einem Apartheid-Verbrechen gleichzusetzen ist. Die Studie IHRC-Addameer-Submission-to

HRC-Col-Apartheid-in-WB.pdf  kam am 28. Februar im Nachsatz zu fünf längeren, weiter reichenden Apartheid-Berichten heraus, die 2020 veröffentlicht worden waren – und gerade, bevor der UN-Special Rapporteur für Menschenrechte in den besetzten palästinensischen Gebieten am 21. März einen anderen Apartheid-Bericht veröffentlicht hatte. 

 

Vorbereitet von der Human Rights Clinic der Law-School in Partnerschaft mit der in Ramallah befindlichen ‚Addameer Gefangenen-Unterstützung und Menschenrechts-    Gesellschaft‘ wurde der Bericht ohne Fanfaren und mit einer minimalen Berichterstattung in der Presse aufgenommen. Und er erfuhr bis jetzt keine öffentliche Verdammung durch die Israel-Lobby. Der Staat Israel reagierte nur mit einer oberflächlichen Stellungnahme ohne Substanz durch seinen UN-Botschafter Gilad Erdan, dass „diejenigen, die den Bericht für Harvard schrieben … beschlossen haben, den Jüdischen Staat wegen ihrer antisemitischen Einstellungen zu delegitimieren“. 

 

Obwohl der Bericht nur 22 Seiten lang ist, enthält er 130 Fußnoten, die den Text heftig unterstützen und die Leser weiter verunsichern.  Der knappe Einblick wirft ein Licht darauf,  wo man suchen muss nach den Instrumenten und Prozessen, die seit 1967 eingesetzt wurden, um den Westbank-Palästinensern ihre menschlichen, zivilen und politischen Rechte wegzunehmen. (Dieser Absatz ist mehr geschätzt als übersetzt …)   

(Quelle)

 

Die Internationale Gemeinschaft entkräftigt ihre vorgesehene Unterstützung für Palästina

 

Ein kürzlich erschienener Bericht des International Peace Research Institute (SIPRI) in Stockholm stellt Israel auf den 10. Platz, wenn es zum Anteil der globalen Waffenexporte von 2017 bis 2021 kommt, wobei die erstrangigen Empfänger Indien, Aserbeidschan und Vietnam sind. Israel rangiert auf Platz Nr. 14 bei Waffenimporten; seine Hauptlieferanten sind USA, Deutschland und Italien. Die Statistiken geben einen 19prozentigen Zuwachs während der Periode von 2012 bis 2016 an. Die USA lieferten von 2017 bis 2021 92 % der Importe von Israels Waffen, darunter Militär-Flugzeuge und gesteuerte Präzisionswaffen. SIPRI’s Bericht stellt fest, dass F-35 Kampf-Flugzeuge „seit 2018 bei Luftangriffen in Gaza, Libanon und Syrien zum Einsatz gekommen sind“, und auch betrachtet werden als „Schlüsselkomponente in Israels Kapazität zum Angriff auf Ziele im Iran“.

 

Ein Bericht von ‚The New York Times‘ im Jänner dieses Jahres sagte aus, dass die Regierung Indiens bereits 2017 Israels Pegasus-Spionageartikel als Teil eines 2-Milliarden-Dollar Geschäfts gekauft hatte, welches stattgefunden habe, als Indiens Premierminister Narenda Modi der siedler-kolonialen Volksgruppe seinen ersten Besuch abstattete. Das Gleiche kann dem US-Federal Bureau of Investigation (FBI) angelastet werden, welches dieses Geschäft 2019 durchführte. Gemäß ‚The New York Times Magazine‘ führt Israel sein Überwachungssystem in der Weise strategisch durch, dass es Waffen produziert und Pegasus zu einer „Schlüsselkomponente seiner nationalen Sicherheitsstrategie macht“ und dieses auch zur Hebelkraft macht für die Sicherung der arabischen Länder mit Israels Normalisierung und den ‚Arabischen Vergleichen‘.  

 

Angesichts der Waffenexporte und der Prominenz Israels erklärte die internationale Gemeinschaft, Unterstützung für Palästina sei nicht geschätzt. Mit der Sicherheits-Narrative Israels, die eine wichtige und profitable Rolle spielt bei der Sicherstellung von diplomatischer Unterstützung von Seiten der internationalen Gemeinschaft ist nicht nur Palästina marginali-siert, sondern die Waffengeschäfte mit Israel zeigen klar auch die Mitschuld im kolonialen Prozess. Was die Frage herausfordert: Wieso gibt die internationale Gemeinschaft noch vor, Palästina zu unterstützen, wenn sie in der Praxis teilnimmt an der Ausradierung der Landes-teile, die vom palästinensischen Gebiet noch übriggeblieben sind.“    

(Quelle)

 

Während des Ramadan scheint Israel Geschmack daran gefunden zu haben, Palästinenser anzugreifen

 

Beginnend mit Samstag, dem 2. April, haben sich hunderte Millionen Muslime aufgemacht, den Ramadan, den heiligsten Monat im muslimischen Kalender, zu feiern, indem sie von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang keine Nahrung und kein Wasser zu sich nehmen. Aber für die unter israelischer Besetzung lebenden Palästinenser ist das Feiern dieses höchsten Feiertags nur mit immensen Schwierigkeiten durchzustehen.

 

Umgeben von turmhohen Wänden aus Stacheldraht leben die Menschen in Gaza täglich eingesperrt in etwas, das viele Leute als „das größte Freiluft-Gefängnis der Welt“ bezeichnen.

Seit der illegalen israelischen Blockade im Juni 2010, die die Gazaer daran hindert, ihre Stadt zu verlassen, und jede internationale Unterstützung hindert, dort anzukommen, ist die humanitäre Krise in Gaza sehr ernst geworden. Die Hälfte der 1,8 Millionen Menschen sind Kinder, und alle unterliegen dieser Gefangenschaft durch Israel; 38 % der Gazaer leben in Armut, 54 % können sich nicht genügend Nahrungsmittel leisten; und 35 % des Bauernlandes Gazas ist aufgrund der Okkupation nicht oder nur beschränkt betretbar. Und Israel gibt nicht nach für den Ramadan.

 

Während des Ramadans von 2014 warf die Okkupation zweihundert und achtzig Bomben auf die Bevölkerung von Gaza ab, besonders auf die Wohngebiete, und tötete damit mehr als 500 Kinder. Die Tötungen werden nicht eingestellt während der Gebetszeiten. Anders als für Israel gibt es keinen ‚Iron Dome‘ (= Eisernen Dom), Israels Luftverteidigungsmacht bei jedem Wetter (teuer bezahlt mit den Dollars der US-Steuerzahler), um die Menschen in Gaza zu schützen. Zur Zeit, wenn der ‚Adhan‘, der Ruf zum Gebet der Muslime, und das Lachen der Kinder die Straßen nachts erfüllt haben sollten, bekommen sie stattdessen die Geräusche des Todes zu hören. Seither hat Israel alle Formen der muslimischen Anbetung der Palästinenser ständig zunehmend mit Blitzmaßnahmen niedergeknallt. 

(Quelle) 

 

Hamas: die palästinensische Intifada gegen die Okkupation „geht weiter“

 

Der Sprecher der Hamas, Hazem Qasem, hat gesagt, dass die wachsenden Widerstands-Operationen quer durch die besetzten palästinensischen Gebiete bestätigen, dass die palästinensische Jugend an einer weitergehenden Intifada (= Aufstand) gegen den israelischen  Okkupations-Staat beteiligt ist. „Solche sich verschärfende Operationen, wie diejenige, die in der Morgendämmerung in der besetzten Westbank stattgefunden hat, spiegelt wider, dass das Versagen der Okkupations-Armee trotz Mord und Gefangennahmen fehlgeschlagen ist und die Palästinenser an der Weiterführung ihres Widerstandes nicht hindert“. Palästinensische Widerstands-Operationen sind „eine natürliche Antwort auf die Okkupation und ihre aggressiven Praktiken, die auf das palästinensische Land und die heiligen Stätten zielen“. Die hebräische Neuigkeiten-Website ‚Ynet‘ berichtete, dass palästinensische Waffenträger heute zur Morgendämmerung das Feuer auf eine israelische Siedlung im südlichen Tulkarem eröffneten. Während der vergangenen zwei Wochen wurden 11 Israelis bei Widerstands-Operationen in den Städten Beersheba, Hadera und Bnei Brak getötet. (Die vorliegende Palestine Update bekam ich am 7. April zugesandt). 

 

(Übersetzung: Gerhilde Merz) 

 

Anmerkung der Übersetzerin:

Vor allem nach den Nachrichten in den Medien am heutigen Karfreitag, dem 15. April, wird man befürchten müssen, dass inzwischen die 3. Intifada begonnen hat. Möge Gott alle Unschuldigen schützen und die Beteiligten zur Einsicht kommen lassen.