Palestine Update Nr. 564 – Palästina wird gewinnen. Wie schaut die Zukunft Israels aus? 16.6.22

Meinung

 

Palästina wird (will?) gewinnen. Wie schaut die Zukunft Israels aus?

In den letzten Tagen gab es ziemlich eine Menge von Spekulationen über die Frage, wie lange Israel als Staat überleben wird. Gideon Levy stellte prophetisch fest: „Es gibt keinen einzigen, nicht einen Israeli, der weiß, wohin sein Land geht“. 

Mit einem Anflug von waghalsigem Positivdenken stellt Ramzy Baroud, der palästinensisch-amerikanische journalistische Autor und Herausgeber von ‚The Palestine Chronicle‘ fest: „Die Palästinenser sind ausersehen um zu gewinnen.“ Er stellt die Frage: „Warum prophezeien die Israelis das Ende ihres Staates?“ Baroud verstärkt die Überzeugung, dass Israel aufhören wird, in der derzeitigen Form zu existieren, angelehnt an die Vorhersage eines der am meisten respektierten israelischen Historiker vom Mainstream, Benny Morris. Baroud stimmt Morris zu, der argumentiert, dass „die Palästinenser alles von einer breiten Langzeit-Perspektive her anschauen,“ und dass die Palästinenser weiterhin fortfahren werden, „die Rückkehr ihrer Flüchtlinge“ zu verlangen. Baroud ist schnell dabei, klarzustellen, dass er sich nicht zugleich auf die Palästinenser und die Palestinian Authority (PA) bezieht, wo man keine Heftigkeit für das Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge beobachten kann, und die ganz sicher keine „breite Perspektive für lange Sicht“ haben. Für Morris und Baroud sind sie die Generationen in Palästina, die als Vorhut der palästinensischen Rechte gedient haben und noch dienen, trotz aller Rückschläge, Niederlagen und politischen ‚Kompromissen‘.   

Es ist nichts wert, dass „Israel sich selbst immer als einen jüdischen Staat definiert hat; seine Zukunft ist am meisten verbunden mit seiner Fähigkeit, im historischen Palästina eine jüdische Mehrheit zu behalten.“ Morris weiß, dass dieses Luftschloss jetzt zusammenbricht, weil der ‚demographische Krieg‘ klar und schnell verloren sein wird. Und sogar, „obwohl die Koexistenz in einem einzigen demokratischen Staat immer noch eine Möglichkeit ist … ein solcher Staat wird kaum auf die mindesten Erwartungen der zionistischen Ideologie treffen, die mühsam zusammengekratzt werden“. Schon jetzt ist Israel kein Staat mit jüdischer Majorität. Morris fasst zusammen, dass „Muslime, Christen und Juden friedlich koexistieren und miteinander gehen können, wie sie es im Mittleren Osten und auf der Iberischen Halb-insel Jahrtausende-lang geschafft haben. Tatsächlich, das ist eine Vorhersage – sogar eine Prophezeiung – die es wert ist, danach zu streben.“ 

Der Artikel von Ramzy Baroud ist die erste Kurzfassung in dieser Ausgabe von Palestine Updates. Wir empfehlen den LeserInnen den Hinweis benutzen, um den ganzen Artikel zu lesen. Es gibt dort Einsichten, die jedem wichtig sind, der/die sich um die Zukunft von Palästina Sorgen macht, und wie die Dinge für Israel ausgebügelt werden können. 

Ranjan Solomon

 

Palästinenser sind ‚ausersehen, um zu gewinnen‘: Warum prophezeien Israelis

das Ende ihres Staates ?

Ein Auszug von Ramzy Baroud

 

Während es wahr ist, dass Zionismus eine moderne politische Ideologie darstellt, die die Religion ausgebeutet hat, um besondere kolonialistische Ziele in Palästina zu erreichen, bleiben Prophezeiungen eine bedenkliche Komponente in Israels Selbstwahrnehmung, und in der Beziehung des Staates zu anderen Gruppen, besonders christlich-messianischen Gruppen in den Vereinigten Staaten und weltweit (Anmerkung: Evangelikalen)

 

Der Gegenstand der religiösen Prophezeiungen und seiner zentralen Anlage in Israels politischem Denken wurde wieder einmal beleuchtet durch die folgenden Bemerkungen des früheren israelischen Premierministers Ehud Barak, bei einem vor kurzem gegebenen Interview für die Zeitung in hebräischer Sprache ‚Yedioth Abronoth‘. Barak, der als politisch ‚progressiver‘ Politiker wahrgenommen wird und der seinerzeit der Leiter der israelischen Labour-Partei war, drückte Ängste aus, dass Israel sich vor der 80. Wiederkehr seiner Errichtung 1948 ‚auflösen‘ werde. „Während der jüdischen Geschichte haben die Juden nie länger als 80 Jahre regiert, außer in den beiden Königreichen von David und der Hasmonäa-Dynastie, und in beiden Perioden fing ihre Auflösung während des achten Jahrzehnts an“, sagte Barak.      

 

Im Laufe einer Sitzung zum Bibelstudium in seinem Haus in Jerusalem hatte Netanyahu dann gewarnt, dass das Hasmonäer-Königreich – auch bekannt als die Makkabäer – nur 80 Jahre lang überlebt hatte, bevor es von den Römern  63 BC (= vor der Zeitrechnung) erobert worden war. „Der Hasmonäa-Staat dauerte nur 80 Jahre, und darüber müssen wir unbedingt hinauskommen“, wurde Netanyahu von einem der Anwesenden zitiert, und die israelische Zeitung ‚Haaretz‘ berichtete dieses. Aber sogar nach der zitierten Entscheidung Netanyahus, diese Anzahl von Jahren zu überschreiten, hat er laut Bericht geschworen sicher zu stellen, dass Israel die 80 Jahre der Makkabäer überschreiten werde, und 100 Jahre überleben wird. Nur, das sind gerade 20 Jahre mehr.

(Lesen Sie den ganzen Artikel von Ramzy Baroud)   

 

Die Gefangenen betreffend: Israel hat seit Beginn dieses Jahres 450 Kinder festgenommen, die meisten davon im besetzten Ostjerusalem

Seit dem Anfang dieses Jahres hat Israel 450 palästinensische Kinder festgenommen, 353 davon in Ostjerusalem, meldete die ‚Kommission für Gefangenen-Angelegenheiten‘ (= Commission for Prisoners Affairs) heute. Sie sagte, dass Israel bis heute noch 170 kleine Kinder in seinen Gefängnissen eingesperrt habe, zusätzlich zu dutzenden anderer, die Kinder gewesen sind zum Zeitpunkt ihrer Arretierung und Aburteilung. 

(Quelle)

Möglicher Nachfolger von Abbas warnt vor Israel, aber arbeitet mit ihm zusammen

(Bild von Hussein al-Sheikh)

Hussein al-Sheikh, ein hoher Beamter Palästinas, der zunehmend als Nachfolger des 86jährigen Präsidenten Mahmoud Abbas gesehen wird, sagt, die Beziehungen zu Israel seien so schlecht geworden, dass palästinensische Leiter nicht mehr von ‚Business as usual‘ weiterreden können. Aber selbst, wenn sie es zurzeit ganz ernst meinen, haben sie wenige Optionen. Und sie scheinen nicht gewillt zu sein, etwas zu tun, das ihre eigene begrenzte Macht in Teilen der besetzten Westbank unterminiert, die weithin von ihrem guten Willen abhängt, mit Israel zu kooperieren. In einem Exklusivinterview mit ‚The Associated Press‘ am Montag verteidigte al-Sheik die palästinensische Leitung in der Westbank und sagte, sie täte das Beste, was sie könne unter den schwierigen Umständen der 55 Jahre alten Militärbesetzung durch Israel. Als Spitzenmann mit dem Auftrag, mit Israel zu verhandeln, sagte er, er sähe keine Chance als zu kooperieren, um für die Palästinenser die Grundbedürfnisse herauszuholen. „Ich bin kein Vertreter von Israel in den palästinensischen Gebieten“, sagte er. „Wir erarbeiten eine Koordinierung, weil diese das Vorspiel ist für eine politische Lösung zur Beendigung der Okkupation.“ Al-Sheikh sah seinen Einfluss im letzten Monat weiter wachsen, nachdem Abbas ihn zum Generalsekretär der Palestine Liberation Organisation (PLO) ernannt hatte. Die Ernennung hat zu Spekulationen geführt, dass al-Sheikh zur Leitungsperson aufgebaut werden sollte – und zur Kritik, dass der autokratische Abbas, der seit 2006 keine Wahlen für die ganze Nation abgehalten hatte, wieder einmal die Wünsche seines Volkes ignoriere.   

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Indiens strafbare Zerstörungen haben eine auffallende Ähnlichkeit mit Israels Taktiken gegen Palästinenser

India’s punitive demolitions bear striking resemblance to Israel’s tactics against Palestinians(Bilder; Bauten werden mit schweren Kränen zerstört; Bewohner und Schaulustige stehen verzweifelt davor)

 

Ein Zuhause ist nicht nur eine hochgebaute Struktur aus Erde und Stahl. Es ist eine Oase der Sicherheit, Stabilität und Privatheit. Es ist eine Oase für Erinnerungen und Sehnsucht, ein Schmelztiegel für Emotionen. Es ist auch ein Aggregat von Zeit und Raum, ein Aufenthalt für viele Freuden und Sorgen. In einer Welt seltsamer Absurditäten ist es ein Platz für Vertrauen. Darum ist der Akt der Zerstörung eines solchen ‚Zuhause‘ besonders brutal. Es ist mehr als der physische Angriff auf vier Wände und ein Dach. Es ist ein emotioneller Angriff auf Erinnerungen, ein schonungsloser Schlag ins Herz der ganzen Welt, die aufgebaut ist aus einige Schichten von Hoffnungen und Träumen. Es ist ein Akt der totalen Auslöschung, ein Akt der Vernichtung von Erinnerungen.

 

Das sind die Realitäten, die beide, der Übeltäter und das Opfer, während des Akts und nach der Demolierung wahrnehmen. In der Tat, es ist diese gegenseitige Wahrnehmung der Größe und Signifikanz der Brutalität des Niederbaggerns eines Hauses, die der Übeltäter anwendet, um seine Opfer zu zerstören – sie wissen, dass dieses der härtere Weg ist, schärfer und um einiges tödlicher als die spitzigen Kanten des mechanischen Greifer eines Bulldozers.

 

Der Akt der Zerstörung ist auch theatralisch. Der Übeltäter schafft und verwendet dieses 

Drama in seiner ganzen Fülle, um das große Spektakel des Ruins herbeizuführen, das bereits 

in sich selbst Bestrafung für das Opfer ist. Was ist demütigender als zu sehen, wie ein 

Bulldozer in vollem Tageslicht deine Heimstätte in einen Trümmerhaufen verwandelt, wie 

Nachbarn oder entfernte Fremde am Fernsehgerät oder am Smartphone zuschauen können, 

entweder hilflos oder gespannt interessiert?       

(Quelle)  

 

Die Hälfte der holländischen Bevölkerúng fühlt:

Apartheid herrscht in Israel und den besetzten palästinensischen Gebieten

 

51 % der Holländer sind der Ansicht, dass es Apartheid in Israel und in den besetzten Gebieten gibt. Die meisten Leute halten Israel und die Hamas für die lange Dauer des Konflikts für verantwortlich, sind gegen den Bau und die Ausdehnung der illegalen israelischen Siedlungen und erwarten von der holländischen Regierung, sich dem-entsprechend zu äußern. 

(Bild: HolländerInnen demonstrieren vor der Grenzmauer)

„Dieses Bild, wie die Leute in den Niederlanden die Situation in Israel und in den besetzten palästinensischen Gebieten einschätzen, hat es vorher noch nie so gegeben. Obwohl viele Leute nur eine eingeschränkte Kenntnis der Situation haben, sind die Ergebnisse überzeugend,weil sie den übergroßen Abstand zeigen zwischen der Politik der holländischen Regierung und den Meinungen des Querschnitts der holländischen Bevölkerung. Entsprechend der Überschau wollen die Holländer, dass die Regierung eine heftigere Stellungnahme zu den Menschenrechts-Verletzungen nimmt“, sagt Anna Timmerman, die Generaldirektorin von PAX.

 

Anna Timmerman: „Eine bemerkenswerte neue Erkenntnis ist, dass besonders junge Leute Israel für verantwortlich halten, mehr als Hamas und die Palästinensische Autorität (PA).“ Die meisten Leute sind der Ansicht, Israel sollte aufhören mit dem Bau und der Erweiterung der Siedlungen: 56 % stimmen dieser Ansicht zu, nur 6 % sind dagegen. Viele Holländer möchten, dass ihre Regierung ihre Einstellung verändert: Mehrheiten (54 % und 57 %) wollen, dass die Regierung einen festeren Standpunkt zu Menschenrechtsverletzungen sowohl durch Israel wie auch durch die Hamas einnehmen sollte. Nur kleine Teile (11 % und 8 %)waren dagegen.

(Quelle)

VIDEO: Das Lied von BDS: Zur Erinnerung an Samah Idriss

(für ein Lied Bild: vermutlich Deckblatt für BDS)

 

Es ist ein Jahr her seit dem brutalen Bombenangriff Israels auf Gaza, bei dem hunderte palästinensische Zivilpersonen, darunter viele Frauen und Kinder, durch Israels Kriegs-maschinerie getötet wurden.

 

Zu dieser Zeit brachte die Zivilgesellschaft in Gaza eine Stellungnahme heraus, worin sie dieinternationalen Unterstützer aufforderte, #BDS-Kampagnen zu vermehren, um damit das mörderische Unterdrückungsregime der israelischen Apartheid zu isolieren! Dieses Lied hätteals Teil der Aktivitäten zur #IsraeliApartheidWeek im vergangenen Jahr herauskommen sollen, hat jedoch aufgrund der Verbreitung von COVID-19 und dem israelischen Angriff das Licht der Öffentlichkeit nicht gesehen.

 

Es ist ein Lied, das den Boykott des Apartheid-Israel fordert und die Forderungen des palästinensischen Volkes darstellt, die zufällig auch die der BDS-Bewegung sind: „Wir wollen Freiheit und Rückkehr“. 

 

Es geht weiter im Text mit der Feier der Boykott-Kultur von „Haifa (1948) bis zur Westbank (1967“.Das ist der ersehnte „Feuerbrand“, der „entzündet“ werden muss und die „Frucht des Baumes, der zu bewässern ist durch den kommenden Regen, um die Geschichte von Heldender Revolution mit großen Ideen zu erzählen“.

(Schauen Sie das Video an!)

 

(Übersetzung. Gerhilde Merz)