PU 554 – Israel stottert, weil die Stimme von Shireen Abu-Akhleh ihr Echo in Palästina verbreitet

Israel stottert, weil die Stimme von Shireen Abu-Akhleh ihr Echo in Palästina verbreitet

 

Meinung

Die Erinnerungsfeiern an die Nakba wurden in diesem Jahr durch die Stimme von Shireen Abu-Akhleh unterbrochen, die von israelischen Streitkräften ermordet wurde, während sie über den Überfall der israelischen Streitkräfte und die Erhebung in der Westbank berichtete. Israel versucht verzweifelt, die Narrative von ihrem Tod umzuinterpretieren und behauptet, es sei eine Kugel aus der Waffe eines palästinensischen Milizangehörigen gewesen. Wie ein Bericht in ‚Al-Bawaba‘ es darstellt, kam jedoch sehr schnell heraus, dass ihr Tod durch die Hand eines israelischen Militär-Scharfschützen in Jenin geschah, und damit als ein weiteres Symbol für den palästinensischen Widerstand gegen die Kolonisierung in der Westbank, in Gaza und in den arabischen Gebieten innerhalb von Israel zu werten ist. 

 

Jede einzelne Tötung von unschuldigen Palästinensern markiert Israel als einen verbrecherischen Staat, der ohne Skrupel Menschen ermordet, die er für eine Bedrohung der Wahrheit hält. Hochrangige katholische Offizielle in Jerusalem verurteilten den Angriff auf den Leichenzug, bei dem Soldaten auf die Sargträger einschlugen und sie mit Füßen traten, sodass diese den Sarg fast hätten fallen lassen. Die israelische Polizei benutzte  Betäubungs-granaten und schlug mit Stöcken auf die Trauernden bei Shireen’s Begräbnis ein – und verursachte damit einen weiteren internationalen Ausbruch von Zorn gegen die israelischen Behörden. Der US-Staatssekretär Antony Blinken brachte seine Verurteilung zum Ausdruck und sagte: „Die Vereinigten Staaten sind äußerst beunruhigt über die Bilder vom Eindringen der israelischen Polizei in den Trauerzug für die palästinensische Amerikanerin Shireen Abu Akleh“, und setzte hinzu, dass „jede Familie verdient, ihre Lieben in einer würdevollen und ungestörten Art zu Grabe bringen zu dürfen“.  

 

‚Al Jazeera‘ hat Israel angeklagt, den Mord kaltblütig begangen zu haben. Arabische Journalisten von Washington bis Tunesien bis Syrien kommen zu Beratungen zusammen. 

 

Einige arabische Eltern haben ihre neugeborenen Töchter „Shireen“ genannt. Sicher ist, dass Abu Akleh zu einem Symbol für Palästina geworden ist, und Symbole sind Anhaltspunkte und Inspirationen für jeden Freiheitskampf. Die Internationale Federation of Journalists (IFJ

= Internationaler Journalistenverband) berichtet, dass seit dem Jahre 2000 mindestens 46 palästinensische Journalisten und Journalistinnen von Israel getötet worden sind, und „niemand hat es wahrgenommen. Israelische Untersuchungen – selbst, wenn sie von Richtern und in der Öffentlichkeit stehenden Personen durchgeführt wurden, sind von der inter- nationalen Gemeinschaft nicht ernstgenommen worden, ebenso wenig wie palästinensische“.    

 

Die Folgerungen nach Shireen’s Tod reichen potenziell sehr weit. Die Palestinian Authority (PA) fordert, dass die Umstände vom International Criminal Court (ICC = Internationales Höchstgericht) in den Hague untersucht werden sollen. Der internationale Journalisten-verband, Menschenrechtsaktivisten, Gelehrte und Aktivisten, Historiker und andere haben sich zu Wort gemeldet. Es würde für Israel schwer sein, das herunterzuspielen. Inzwischen wurden tausende Samen des Widerstands gesät und diese werden in der ganzen Westbank, in Gaza und Jerusalem als Instrumente für den Widerstand sprießen. Die Kolonisierung ist jetzt zittrig geworden und die Regierung bringt nur ein Stottern heraus, solange sie existiert.

 

Ranjan Solomon

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Die Stimme von Shireen Abu Akhleh kann nicht zum Schweigen gebracht werden.

„Shireen Abu Akhleh, eine palästinensisch-amerikanische Journalistin, wurde erschossen und getötet, während sie über einen Überfall der israelischen Streitkräfte und die zweite Intifada (Erhebung) am 11. Mai in der Stadt in der Westbank berichtete. Was sogar mit noch mehr Verärgerung wahrgenommen wurde: Der Trauerzug wurde von der israelischen Polizei angegriffen, wobei der Sarg fast zu Boden gefallen wäre. Die israelische Regierung hatte zuerst nach der klassischen „beschuldigt die Opfer“-Taktik versucht, die Situation kleiner zu reden, indem sie vorerst behauptet hatte, dass die Kugel, die Shireen getroffen hatte, von den „palästinensischen Milizen“ abgefeuert worden war. Jedoch ist die Untersuchung noch im Laufen, und man kann nicht ausschließen, dass die Journalistin wahrscheinlich von israelischen Streitkräften getroffen wurde. 

 

In einer katholischen Familie in Palästina geboren war Shireen Langzeit-Journalistin und TV-Korrespondentin für ‚Aljazeera Arabic Network‘. In mehrerer Hinsicht war sie eine Art von ‚Anderson Cooper‘ für Aljazeera, und sie deckte die Intifada ab, während sie ihr Leben riskierte. Man hatte sie gefragt, ob sie nicht Angst habe, getötet zu werden, während sie sich in diese gefährlichen Situationen begab. Ihre Antwort war, dass sie immer an diese Möglichkeit dachte, aber sie sei doch bereit, das Risiko anzunehmen, um ihren journalistischen Verantwortlichkeiten nachzukommen. Es gab quer über den Globus eine weitgehende Unterstützung und Sympathie, gleichzeitig mit der Verurteilung der israelischen Streitkräfte, die eine Journalistin töteten, obwohl sie die Weste trug, die klar zeigte, dass sie für die Presse arbeitete.

 

Dieser Vorfall hat die schmerzliche Wirklichkeit der PalästinenserInnen ans Licht gebracht, die unter der Okkupation leben“.       

(Quelle) 

 

Israel wird weiterhin Shireen Abu Akhleh fürchten, im Tod wie im Leben

Zuletzt wurde Shireen Abu Akleh zur Ruhe gelegt in die Mutter Erde ihres geliebten Jerusalem, noch ein Nagel im Herzen der Zionisten, die sie letztendlich ermordet haben, weil sie es wagte, über die israelischen Scheußlichkeiten gegenüber den Palästinensern zu berichten. Ihr Leben erwies sich als eine Tragödie bis hin zur letzten Minute, weil ihr Tod durch einen israelischen Militär-Scharfschützen in Jenin schnell zu einem Symbol des palästinensischen Widerstands gegen die Okkupation in der Westbank, in Gaza und in den arabischen Gebieten innerhalb von Israel wird. Es gibt keinen anderen Weg als es zu sagen: Das israelische Establishment, seine gepriesenen Politiker und Sicherheitskräfte haben sie gehasst; da gab es eine außergewöhnliche Gemeinheit ihr gegenüber, sogar in ihrer Todesstunde, die jenseits von humanem Verständnis liegt. Israelische Soldaten brachen aus in einem unglaublichen Jubel, als ihr Sarg aus dem französischen St. Joseph Spital getragen wurde; israelische Stiefelträger zeigten äußerste Barbarei und Missachtung des Todes und der Leute, die versuchten, ihren Sarg zu ihrem endgültigen Ruheplatz zu tragen, dem melkitisch-katholischen Friedhof in der Altstadt von Jerusalem. 

 

Alles wurde festgehalten als Fotos und als Videos. Israelische Soldaten mit ihren Stöcken und Prügeln, Tränengas und Rüstungen und wie sie stoßen, Fußtritte verteilten, die Sargträger schikanierten und auf sie einschlugen, so dass der Sarg einmal fast zu Boden gestürzt wäre bei dem Versuch, die Leute zum Spital zurückzudrängen. Das ist Schock, Sakrileg und Ruchlosigkeit in höchstem Ausmaß. 

(Quelle)

 

Nur Palästinenser können entscheiden, ob sie die Gerichtshöfe der Besatzer boykottieren.

Mit dem grünen Licht durch Israels Obersten Gerichtshof zur gewaltsamen Vertreibung von Masafer Yatta hat sich die Frage wieder gestellt, ob die Gerichtshöfe wieder „gerechtfertigt“ werden sollen.

 

„Jeder Richter, der je einen Fall behandelt hat, in dem die Chancen auf Erfolg mager sind, erkennt diese begleitenden Vorteile von Menschenrechtsprozessen. Oft ist es die Hoffnung, sind es sogar die Strategien, dass diese peripheren Erfolge es sind, die realisiert werden … Zeit ist ein sehr wichtiger, begleitender Vorteil. Viele Prozesse stellen die Durchführung eines ungerechten Aktes oder Politik signifikant zurück… Diese langen Zeitstrecken erlauben politisches Organisieren, Mobilisierung und diplomatischen Druck – und die Sicherstellung einer signifikanten Abdeckung durch die Medien – nichts davon wäre möglich, wenn die Pläne des Staates schnell durchgeführt werden. Ein anderes Beispiel für ein Nebenprodukt des Prozesses ist Information. Der Prozess kann eine Menge an Details über eine Politik oder Praxis bekannt machen, die in der Umkehr brauchbar sein können für einen öffentlichen oder politischen Kampf… Prozesse können andere Früchte tragen: Ein rechtsgültiger Prozess kann oft die öffentliche Aufmerksamkeit vertiefen und sich das Interesse der Medien einfangen in Bezug auf das Thema, das vom Recht her der Forschung vorliegt. … Nach allen Berechnungen und Einschätzungen ist es am Ende nicht Sache der Richter oder NGOs zu entscheiden. Die Entscheidung liegt bei den Palästinensern. Sie sind es, die wählen müssen, ob sie sich die Gerichte der Besetzer zunutze machen oder ob sie diese boykottieren werden. 

Inzwischen optieren tausende Palästinenser jedes Jahr, diese Chance wahrzunehmen. Sei es, weil es keine anderen Optionen gibt, oder sei es aus Bedrängnis, dieses ist die Wahl, die sie treffen können.“ 

(Quelle)

 

Wie Medienberichterstattung die Gewalt des israelischen Staates gegenüber den Palästinensern weißwäscht

„Die Berichterstattung der westlichen Medien jedoch bezeichnet diese Situation als ‚kompliziert‘ und porträtiert die staatliche Gewalt als ‚Zusammenstöße‘ und ‚Spannungen‘ zwischen zwei Seiten. Überschriften in Zeitungen wie Associated Press, The New York Times, The Guardian, The Wall Street Journal, NBC News und anderen benutzen eine Sprache, die verfehlt, das Ungleichgewicht der Macht zwischen dem israelischen Militär-apparat und dem eingeborenen palästinensischen Volk anzuerkennen. Das ist ein Muster, das wir in der Medien-Berichterstattung über Palästina immer wieder gesehen haben: Palästinenser werden nicht getötet, wir sterben einfach. Wenn israelische Streitkräfte unsere Nachbarschaften mitten in der Nacht überfallen, Bomben auf unsere Kinder werfen, unsere Wohnhäuser demolieren, unser Land kolonisieren und unsere Leute umbringen, werden wir irgendwie als gleiche Anstifter betrachtet. Die Beschreibungen in den Medien benutzen regelmäßig eine falsche Symmetrie zwischen Besetzern und Besetzten und übertreiben anti-palästinensische und islamophobische Narrativen, die das palästinensische Volk schuldig machen für die Aggression der Israelis. 

(Quelle)

 

Wut über israelische Apartheid schlägt zu in den Straßen von London

Der Massen-Aufmarsch erfolgte nach der Ermordung der palästinensischen Journalistin Shireen Abu Akleh durch Israel – und einem Polizeiangriff bei ihrem Begräbnis.

 

Israels Ermordung der palästinensischen Journalistin Shireen Abu Akleh injizierte am Samstag frischen Ärger in eine nationale Demonstration für Palästina im Zentrum von London. Mindestens 15.000 Menschen nahmen an dem Marsch teil, zu dem die Palestine Solidarity Campaign (PSC) aufgerufen hatte. Er fand einen Tag später statt, nachdem israelische Polizisten Trauernde bei Shireen’s Trauerprozession in Jerusalem angegriffen hatten – und drei Tage, nachdem Soldaten sie ermordet hatten. 

 

Die Marschierenden sangen „No justice, no peace“ (= keine Gerechtigkeit, kein Frieden) und skandierten „Shireen was a journalist, murdered by a terrorist“ (= Shireen war eine Journalistin, ermordet von einem Terroristen), während Plakate, auf denen ihr Gesicht zu sehen war, über den Marschierenden schwebten. Ein israelischer Scharfschütze hatte Shireen in den Kopf geschossen, während sie Bericht erstattete über einen Überfall auf ein palästinensisches Flüchtlingslager in der besetzten Westbank. Und am Freitag attackierten israelische Polizisten die Prozession der um sie Trauernden in Jerusalem in dem Versuch, die Leute zum Stehen zu bringen, die marschierten und die palästinensischen Flaggen trugen. Viele Leute bei dem Marsch durch London sagten, die Tötung von Shireen sei ein abgesprochener Versuch durch Israel gewesen, um die Wahrheit über die Okkupation zu verstecken. 

 

Einer der Marschierenden erzählte dem Sozialarbeiter: „Was sie Shireen antaten, war schrecklich, und was sie bei ihrer Beerdigung taten, war sogar noch ärger – in voller Sicht der Kameras. Israel scheint sich soviel Straflosigkeit anzumaßen, und wird nie zur Rechenschaft gezogen. Deswegen müssen wir marschieren und unsere Solidarität ausdrücken, und tun, was wir können, um das palästinensische Volk zu unterstützen.“ Auch Zaher Birawi vom Palästinensischen Forum in Britannien (= Palestine Forum in Britain) sagte, dass der Marsch, den der Mord an Shireen ausgelöst hat, der Welt die Wirklichkeit der israelischen Okkupation gezeigt habe. „Danke dir, Shireen, für die Entlarvung der Okkupation,“ bedankte er

sich. „Ihr letzter Bericht aus den besetzten Gebieten und ihr Begräbnis waren der wirkungsvollste und einflussreichste Bericht. Er war ihr einflussreichster Bericht, weil sie ihn mit ihrem Blut geschrieben hat. Du, Shireen, hast mit deinem Blut die Okkupation als rassistische, terroristische Armee aufgezeigt.“

(Quelle) 

 

(Übersetzung: Gerhilde Merz)

Anmerkung: Der Name Akhleh wurde in verschiedener Buchstabenfolge geschickt. Auch Shireen findet man so geschrieben oder anders – und seit sie auch in der Weltpresse zu finden ist, gibt es noch mehr unterschiedliche Schreibungen.  Die Zeitungen der weiten Welt bemühen sich wohl mehr um die Fakten als um die richtige Schreibung von Namen. Übrigens ist die Nachricht von der Ermordung der Journalistin inzwischen auch in unsere Medien in Österreich vorgedrungen. Dank allen jenen, die beharrlich genug waren! GM